// Fahrbericht / Mitsubishi Lancer 1.8 MPI

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Mitsubishi Lancer 1.8 MPI

Seine neue Optik ist vor allem an der Front ausgesprochen dynamisch, fast aggressiv, besonders mit den zusätzlichen Spoilerlippen und den Seitenschwellern. Dabei gibt sich der Lancer besonders mit dem 143 PS Benziner eher zivil, um nicht zu sagen etwas träge. Es sei denn, man dreht den Vierzylinder hoch aus, aber dann verbraucht er ordentlich. Das Fahrwerk zeigt sich sportlich, der Wagen würde einiges mitmachen, wenn nicht das ESP früh und deutlich eingreifen würde. Das Cockpit ist sportlich, wird aber von Hartplastik dominiert, der Preis ist okay, die Ausstattung recht umfangreich bis hin zum Knie-Airbag für den Fahrer.

Dieser Lancer hätte die Schrägheck-Limousine werden sollen, diesem Modell kam jedoch ein Unfall dazwischen, und so ist der Benzinmotor unter der Haube der einzige Unterschied zum bereits vor wenigen Monaten getesteten Fahrzeug. Na ja, fast.

Die nicht nur dynamische, sondern richtiggehend aggressive Front dieses Lancers gewinnt noch einmal durch die Nebelscheinwerfer in den äußeren Lüftungsgittern unten in der Frontschürze, die zusätzliche Spoilerlippen links und rechts trägt, außerdem setzten die zusätzlichen Seitenschweller noch einen drauf.

Um dem „Jetfighter“-Design, wie Mitsubishi das nennt, noch mehr Nachdruck zu verleihen,sollte man am Heck auch noch ein Spoiler aufsetzen, aber auch so kann der klare Abschluss des Stufenheck-Modells gefallen, einzig der kleine Auspuff macht die sportliche Anmutung zunichte. Auch da sind Diesel wie Benziner auf einer Wellenlänge, und das gilt leider auch beim Öffnen des Kofferraumdeckels, bei dem man sich schnell mal schmutzige Finger holt.

Und natürlich unterscheiden sich auch in Sachen Kofferraum die beiden Stufenheck-Motorisierungen nicht voneinander, wie gesagt es hätte die Schrägheck-Variante sein sollen, die Mitsubishi Sportback nennt. So ist auch hier das Kofferraumschloss schnell mal auf Kollisionskurs mit dem Kopf des Beladenden und nach dem Umlegen der Rücksitzlehnen bleibt auch hier eine Stufe im Boden, das Volumen beginnt bei 377 Litern.

Streng genommen könnten wir uns den Blick nach innen sparen, der wesentlichste Unterschied zwischen Diesel und Benziner ist der rote Bereich des Drehzahlmessers, der beim Diesel bereits bei 4.500 und beim Benziner bei 6.500 Touren anfängt. Die schicke sportliche Gestaltung in den zwei mattsilber umrandeten Röhren ist bei beiden identisch, wie die Tachoskala, die jeweils bis 240 km/h reicht, ein Wert, von dem beide Motorisierungen deutlich weg bleiben.

Anders war bei unserem Benziner, dass unter den ebenfalls recht weit unten platzierten runden Drehschaltern fürHeizung und Klima statt eines offenen Fachs zwei Klappdeckel die Fächer schützen. Und darüber steckte ein großer Bildschirm für die Anzeigen von Navi, Radio und Co. Über dem und die rechts und links davon liegenden Lüftungsdüsen spannt sich eine silbergraue Leiste, was dem ganzen einen ganz neuen Auftritt verleiht.

Dass ansonsten viel Hartplastik verwendet wurde ist ebenso unverändert wie die hinten weichere Sitzpolsterung, der für 1,80 m große Passagiere ausreichende Platz, das bequeme Rein und Raus vorne und hinten, die nur per Hebel verstellbaren Frontsitzlehnen sowie der nur durchschnittliche Seitenhalt auf den ziemlich harten Vordersitzen.

Alle Bedienelemente, die Anzeigen und sogar die Tasten im Lenkrad sind schön beleuchtet, das Lenkrad lässt sich aber nur in der Neigung verstellen. Auch wenn man den Zündschlüssel bereits abgezogen hat lassen sich – innerhalb von 30 Sekunden – die elektrisch bedienbaren Fenster schließen.

So sportlich wie der neue Lancer aussieht, so sportlich fährt er sich dann leider nicht. Die Lenkung bleibt unverbindlich und verlangt bei schnellen Kurvenfolgen viel Lenkarbeit. Obwohl es gar nicht nötig wäre greift das ESP deutlich spürbar und bisweilen störend ein. Sportlich ambitionierte Fahrer werden das ESP öfter abschalten und sich dann am gutmütig reagierenden Lancererfreuen. Selbst enge Kurven meistert er nur leicht untersteuernd und dank der straffen Fahrwerksauslegung ohne viel Karosserieneigung, klar, dass er auch bei hohem Autobahntempo ruhig auf der Straße liegt und trotzdem die Insassen nicht mit unnötiger Härte bestraft.

Mit 40 Metern Bremsweg aus Tempo 100 bis zum Stillstand lag auch der Benziner praktisch auf dem Niveau des bereits gefahrenen Diesel, auch hier macht sich das ABS-Rubbeln und -Ruckeln stark bemerkbar, und auch hier werden die Scheibenbremsen vorn und hinten über eine elektronische Bremskraftverteilung angesteuert.

So eine Tankanzeige ist ja eine feine Sache, beim gefahrenen Lancer ist uns aufgefallen, dass diese Anzeige besonders stark voraus eilt. Denn nachdem nur noch ein Strich auf der selbigen einen baldigen Tankstellenbesuch anmahnte, gingen dann doch nur knapp 40 Liter rein, und dabei fasst der Tank doch immerhin 59 Liter.

Kommen wir also zum Hauptunterschied in diesem Test, dem 1,8 Liter Benzinmotor. Und diesen Unterschied hört man schon am Start, wo sich der Ottomotor gegenüber dem eher kernigen Selbstzünder ganz kultiviert gibt. Und das bliebt auch so, wenn man ihn nicht voll fordert. Dann wird er, wie auch jenseits der Tempo 130-Merke, recht laut.

Zwar gibt sich der Vierzylinder drehfreudig, mit seinen 105 kW/143 PS bei 6.000 U/min (die Angaben vonMitsubishi variieren hier um ein PS) und vor allem dann mit 178 Nm bei 4.250 Touren niedrigerem Drehmoment kann der Benziner dem Diesel in Sachen Durchzug nicht folgen, zumal die oberen Gänge aufgrund des fehlenden sechsten Ganges länger übersetzt sind.

Mit den Werten 9,8 Sekunden von Null auf Hundert und Spitze 204 km/h (zum Vergleich der 140 PS Diesel 9,6 Sek. und 207 km/h) kann man aber gut leben. Und wenn die Durchzugswerte von z.B. 5,4 Sekunden im vierten Gang von 80 auf 100 oder 15,1 Sekunden im fünften Gang von 80 auf 120 km/h auch nicht ansatzweise an die Werte des Diesels heranreichen, die serienmäßige Fünfgang-Schaltung lässt sich straff und auf kurzen Wegen gut bedienen, sodass ein Zurückschalten schnelle Abhilfe bringt. Wer flott vorankommen will muss den Motor mit hohen Drehzahlen fahren.

Wer es nicht eilig hat, kann mit dem Benziner ganz gemütlich cruisen und auch niedertouriges Fahren ist kein Problem. Entsprechend entscheidet allein Ihr Gasfuß, ob Sie z.B. bei Tempo 80 mit 5,1 Litern, bei Tempo 130 mit 8,7 Litern oder bei Tempo 180 (jeweils immer im Schnitt) mit satten 17,1 Litern Super unterwegs sind. Auf unserer Normstrecke haben wir 7,5 Liter verbraucht. Das sind zwar 1,5 Liter mehr als mit dem Diesel, in Anbetracht der 2.240,- Euro Mehrpreis des Dieselmodells bei der Anschaffung und der höherenSteuer/Versicherung entscheidet Ihre Fahrleistung über den preiswerteren Nutzen.

Diesel oder Benziner, in Sachen Sicherheit sind beide gut gerüstet. Fahrer- und deaktivierbarer Beifahrer-Airbag, Seitenairbags vorn und Kopfairbags vorn und hinten gehören ebenso serienmäßig zum Sicherheitsumfang wie ein noch längst nicht überall verfügbarer Fahrer-Knieairbag.

Dreipunktautomatikgurte (vorne mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern) und höhenverstellbare Kopfstützen sind auf allen Plätzen montiert und die hinteren Außensitze besitzen auch eine ISOFIX-Kindersitzbefestigung.

Beim Preis schlägt der Benziner den Diesel wie gesagt um 2.240,- Euro, hier taucht der Mitsubishi Lancer 1.8 MPI mit Fünfgang-Schaltung als Inform für 19.250,- Euro auf, der Invite kostet 20.750,- Euro, der Intense 22.250,- Euro und der Instyle 25.750,- Euro.

Unser Testwagen war als Intense mit Klimaautomatik, beheizbaren Außenspiegeln, Multifunktions-Lederlenkrad, 18 Zoll Alufelgen, Seitenschwellern, Nebelscheinwerfern, Licht- und Regensensor und 6-fach CD-Wechsler, Zentralverriegelung, elektrischen Fensterhebern, elektrisch einstell- und beheizbaren Außenspiegeln sowie höhenverstellbarem Fahrersitz sehr ordentlich ausgestattet.

Lederausstattung und Sitzheizung vorne, Smart-Key-System, Xenon- und Kurvenlicht, Scheinwerferreinigung sowie einFestplatten-Navi hat nur der Instyle serienmäßig. Die Metallic-Lackierung kostet für alle Versionen 450,- Euro Aufpreis, das 6-Stufen-CVT-Getriebe mit Schaltwippen am Lenkrad ist ab dem Invite für 1.500,- Euro zu haben.

Stand: Juli 2009, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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