// Fahrbericht / Mitsubishi Colt 1.1 MPI

Mitsubishi

Mitsubishi Colt 1.1 MPI

 Sein Dreizylinder-Motor mit 75 PS ist vor allem für die Stadt geeignet, außerorts wirkt er sehr zäh, fällt auf der Autobahn an jedem Berg schnell ab, braucht viel Drehzahl und wird dann laut. In der City stört allenfalls der mit 11 Metern etwas große Wendekreis, der mit 160 Litern eher kleine Kofferraum kann schnell auf bis zu 1.032 Liter vergrößert werden. Der Platz für die Passagiere ist vorne wie hinten prima, das Cockpit verströmt Hartplastik-Charme, das Fahrwerk findet einen gelungenen Kompromiss. Die Schaltung nur was die Abstufung der unteren Gänge angeht okay, die Wege sind zu lang, die Führung eher hakelig. Besser dagegen die Lenkung, noch besser die Bremsen. Die Ausstattung ist okay, auch wenn man in der Einstiegsvariante auf einiges verzichten muss.

Nach dem Lancer tritt nun auch der neue Colt mit der neuen Mitsubishi-Front an. Dadurch erhält der kleine Japaner ein richtig grimmig-aggressives Gesicht, wirkt aber auch ein wenig gedrungen.

Die Seitenansicht ist dann schon völlig unspektakulär, nicht einmal Rammschutzleisten, die im Großstadtdschungel recht hilfreich bei Parkplatz-Türattacken sein könnten, unterbrechen die glattflächigen Seitenwände.

Die Dachlinie fällt sanft ab und leitet ein steiles Heck ein, die nur durch ein kleines Fenster getrennte C- und D-Säule schränken denBlick nach schräg hinten ziemlich ein. Das Heck ist ebenfalls schlicht und betont die Horizontale, so dass der neue Colt trotz seiner Höhe angenehm breit auf der Straße steht. Leider sorgt die Gestaltung dafür, dass an der kaum über 1,80 m weit aufschwingenden Heckklappe zudem spitze Kanten abstehen, an denen man sich schnell mal anstoßen kann.

Ansonsten erfreut die Ladeöffnung mit einer niedrigen Ladekante, sodass man auch schwere Gegenstände bequem einladen kann. Allerdings sollten die nicht zu groß sein, denn mit 160 Liter Ladevolumen steckt der Colt erst mal nur wenig weg. Das kann durch die Herausnahme des Boden und den zusätzlichen 25 Liter Stauraum darunter schon verbessert werden, so richtig viel rein bekommt man aber erst, wenn die Rücksitze ungeklappt werden.

Dazu werden die Sitzfläche hoch und dann die Lehne vorgeklappt, die Kopfstützen können dabei dran bleiben, und schon entstehen bis zu 1.032 Liter Ladevolumen und ein ebener Ladeboden.

Rutschen wir eine Reihe nach vorne und nehmen auf der Rückbank Platz. Und den gibt es hier reichlich, nicht nur die gute Kopffreiheit, auch im Beinraum hat der Colt einiges zu bieten, ein 1,80 m großer Mitfahrer hat hinter einem ebenso großen Fahrer noch gut fünf Zentimeter Luft an den Knien, allerdings ist die Polsterung recht hart ausgefallen und die Kopfstützen sind nur wenig weit ausziehbar. Dank derhohen Sitzposition und dem damit verbundenen Hüftpunkt kommt man auch bequem rein und raus.

Das gilt natürlich gleichermaßen für die Reihe eins. Hier nehmen wir auf ausreichend großen Sitzen Platz, die angenehm straff gepolstert sind, jedoch nicht unbedingt viel Seitenhalt bieten. Die richtige Sitzposition ist nicht immer zu finden, was aber vor allem daran liegt, dass sich das Lenkrad nur in der Höhe verstellen lässt. Auch vorne bietet der Colt eine üppige Kopffreiheit – und einen uneingeschränkten Ausblick auf reichlich Hartplastik.

Hier hat man für unseren Geschmack auch etwas zuviel unterschiedliche Musterungen einfließen lassen, gerne mehr hätten wir dagegen von den silbergrauen Applikationen gesehen, die recht sparsam an Lenkrad, Schaltknauf, Lüftung etc. zum Einsatz kommen. Durchs Lenkrad hindurch blickt man auf recht kleine Rundinstrumente, die aber modern gezeichnet und prima ablesbar sind.

Mitsubishi ist ja bekannt dafür, dass man es schafft, auch ohne viel Aufhebens mit ganz wenigen Bedienelementen auszukommen. Und so sind neben den Lenkstockhebeln in der Hauptsache die drei schön gestalteten Drehregler für Heizung/Lüftung/Klima zu erwähnen, die keine Fragen in der Handhabung aufwerfen.

Das Fahrwerk des neuen Colt findet einen guten Kompromiss zwischen Komfort und Sportlichkeit, bügelt die meisten Unebenheiten ordentlich weg, kurzeQuerrillen lassen den Wagen aber leicht hüpfen.

In schnellen Kurven wird der Colt etwas weich und hängt sich ganz schön rein, was durch die höhere Sitzposition gefühlsmäßig noch verstärkt wird, aber er meistert das mit leichtem Untersteuern sehr gut, und selbst in unserm Slalomtest zeigte er sich von seiner gutmütigen Seite, und das auch bei hohem Tempo und dann auch noch fast ganz ohne Reifenquietschen.

Im zurückhaltenden Fahrbetrieb bleibt das Dreizylinder-Brummen noch gut erträglich, mit zunehmendem Tempo wird der kleine Motor aber ziemlich laut. Hat man nur ein Seitenfenster geöffnet, beginnt es im Innenraum bei Tempo 100 stark an zu wummern.

Dafür kann man mit der straffen und ausreichend direkten, zielgenauen Lenkung ganz zufrieden sein, mit ihr lässt sich der Colt gut manövrieren, allerdings ist der Wendekreis von 11 Metern für einen Kleinwagen recht üppig.

Über das ein Spur zu weiche Bremspedal lassen sich die innenbelüfteten Scheibenbremsen vorn gut dosieren, sie wurden bei unserem Testwagen mit dem optionalen Sicherheitspaket durch Scheibenbremsen auch an der Hinterachse unterstützt, die angesteuert durch ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung, Bremskraftverstärker und Bremsassistent gut zupacken und den Colt nach guten 38 Metern aus Tempo 100 sicher zum Stilstand bringen.

Na, da hört man sofort was unter der kurzen Haubesteckt: ein mit entsprechendem Brummen gesegneter Dreizylinder mit 1.124 cm³ Hubraum, der sobald er gefordert wird, richtig laut wird. Und das wird er ständig, denn geht es im unteren Geschwindigkeitsbereich noch so mit dem Temperament des 12-Ventilers, so wird er oben rum sehr zäh. Am Berg auf der Autobahn geht ihm schnell die Puste aus.

Und so ist seine Heimat ganz klar die Stadt, wo die 55 kW/75 PS dann auch voll und ganz ausreichen und das niedrige Drehmoment von 100 Nm bei 4.000 U/min auch nicht weiter stört. Und wenn man dem Kleinen nicht ständig alles abverlangt und auch noch die Hinweise der Schaltempfehlungsanzeige beachtet, dann kann man den Dreizylinder durchaus sparsam bewegen.

Auf unserer Normstrecke waren das 5,5 Liter Super, mittlerweile sollen sogenannte ClearTec-Motoren eine deutliche Einsparung bewirken. So braucht unser 55 kW-Motor noch 7,3 Liter in der Stadt und stößt im Mix 135 g/km CO2 aus.

Kombiniert ist das Triebwerk mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe, das aber nur durchschnittlich begeistern konnte, da es insgesamt etwas zu weich und auch ein wenig hakelig geführt war. Die oberen Gänge sind recht lang übersetzt, was die Durchzugsschwäche hier noch verstärkt. So dauert es ein wenig, bis der Colt 1.1 MPI seine Höchstgeschwindigkeit von 165 km/h erreicht hat und es fällt ihm schwer, die auch zu halten, sobald es bergauf geht.

DenSprint von Null auf Hundert schafft er laut Werk in 13,3 Sekunden, unsere Versuche haben stets mindestens eine Sekunde länger gedauert. Stört aber wenig, mehr die 26,8 Sekunden für den Zwischensprint von 80 auf 120 im fünften Gang, da führt kein Weg am Zurückschalten vorbei.

In der von uns gefahrenen Einstiegsversion Inform sind Fahrer- und Beifahrer- sowie Seitenairbags vorn serienmäßig an Bord. Die Kopfairbags vorn und hinten bekommt man hier nur im Sicherheitspaket, das dann auch eine Stabilitäts- und Traktionskontrolle sowie Scheibenbremsen hinten beinhaltet und für 600,- Euro zu haben ist.

Dreipunktautomatikgurte auf allen Plätzen, vorne mit Gurtkraftbegrenzern und Gurtstraffern sowie Höhenverstellung sind immer an Bord, wie höhenverstellbare Kopfstützen und ISOFIX für die Kindersitzbefestigung auf den hinteren äußeren Sitzen.

Mit dem von uns gefahrenen Mitsubishi Colt 1.1 MPI in der Ausstattungsreihe Inform findet man den Einstieg in die kleine Baureihe für 12.990,- Euro. ABS, Zentralverriegelung, Servolenkung, elektrische Fensterheber vorne, Klimaanlage, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Nebelschlussleuchte, ein Infodisplay, Schaltanzeige, Dachantenne, Radiovorbereitung mit vier Lautsprechern und höhenverstellbarer Fahrersitz sind dann schon mit dabei.

Wer mehr will außer der Metallic-Lackierung für 410,- Euro oder demSicherheitspaket, also z.B. Regensensor, Lederlenkrad, Nebelleuchten, Tempomat etc., der muss auf eine der höheren Versionen zurückgreifen. Alle 20.000 km bzw. einmal im Jahr muss der Colt zur Inspektion.

Stand: August 2009, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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