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Mehr als nur ein Schnäppchen – Chevrolet Cruze

„Eine kompakte Limousine für 14.990,- Euro“ – Wer denkt, da kann es sich nur um einen Billigheimer handeln, der nichts taugt, der irrt. Chevrolet beweist mit dem neuen Cruze, dass es auch anders geht. Dabei hat man nicht nur beim Lenkrad auf Bauteile des Opel Insignia zurückgegriffen. Das aber ist in eine modische Cockpit-Landschaft integriert, dazu gibt es große, straffe Sitze, ausreichend Platz und einen guten Fahrwerkskompromiss. Die beiden von uns gefahrenen Motoren heulen laut auf, wenn sie gefordert werden, bleiben aber mit 113 und 141 PS eher zurückhaltend, was die Leistungsentfaltung angeht – besonders mit Automatik. Und wer annimmt, für den Preis ist nichts drin und nichts dran und die Sicherheit kommt zu kurz, der muss sich eines Besseren belehren lassen.

Eine 4,60 m lange Limousine für unter 15.000,- Euro, da denkt man doch sofort an ein Auto aus dem Osten, aus dem ganz tiefen Osten, mit nicht gerade schöner Optik, veralteter Technik, ohne Sicherheit … Doch der Cruze kommt vielmehr aus dem Westen und kann seine Verwandtschaft zum Opel Insignia nicht verleugnen.

Bereits das kraftvolle und ansprechende Design sieht alles andere als primitiv oder billig aus. Markant stellt sich der Kühlergrill mit dem großen imageträchtigen Logo auf der Mittelstrebe in den Wind, die Scheinwerfer laufen nach hinten spitz aus und passen sich der Linie der vor allem vorne massiven Radausschnitte an. Klar gezeichnet, ohne Firlefanz, erhält der Cruze seine eigenständige Linie.

Schwungvoll spannt sich das Dach über die dynamisch ansteigende Gürtellinie um dann in einem kurzen Stufenheck zu enden. Hier reichen die Rückleuchten weit in die Seite und leiten harmonisch in die Heckschürze über.

Auch im Innenraum kommt kein Billig-Auto-Gefühl auf, hier vor allem können Parallelen zum Opel Insignia gezogen werden, das Lenkrad ist zum Beispiel – abgesehen vom Logo – absolut identisch.

Die Varianten LS und LT verwöhnen mit einem zweifarbigenInterieur mit Applikationen in Silber sowie Stoff auch an den Armaturen, und den finden wir dann auch an den Türen und den Sitzen wieder. Wahrlich ungewöhnlich, aber es kann durchaus gefallen und wirkt dem tristen Plastikalltag entgegen, den wir eigentlich bei einem Fahrzeug dieser Preisklasse erwartet hätten. Nicht, dass bei den weiteren Materialien auf Hart-Plastik verzichtet wurde, doch es wirkt keineswegs minderwertig oder schlecht verarbeitet, die Gestaltung ist ebenso gelungen wie die Anordnung der Schalter und deren Bedienbarkeit.

So haben die Entwickler des Cruze ein modernes, ja modisches Cockpit geschaffen, das vor allem auch Eigenständigkeit bewiest. Das dabei die Drehknöpfe für die Temperaturregelung etwas weit nach unten gerutscht sind, lässt sich leicht verschmerzen.

Daneben können sich auch die Sitze sehen lassen, die auch für größere Passagiere ausreichend groß dimensioniert, mit dem nötigen Halt versehen und zudem angenehm straff gepolstert sind. Ebenfalls ab der Ausstattung LS ist der Cruze mit einem höhenverstellbaren Fahrersitz und einem in Höhe und Weite justierbaren Lenkrad ausgestattet, die optimale Sitzposition lässt sich so schnell finden.

In punktoPlatzverhältnisse gibt der Cruze ebenso keinen Anlass zur Kritik. Mit 1,80 Meter sitzt man hinter gleich großen Frontpassagieren noch sehr gut und hat gerade im Kopfraum noch jede Menge Luft, überraschend beim Blick auf die abfallende Dachlinie.

Ausreichend Stauvolumen bietet auch der Kofferraum mit 450 Liter, der sich mit nur einem Handgriff erweitern lässt. Hierzu müssen nicht einmal die Kopfstützen abgenommen werden, die entstehende Ladefläche ist allerdings leicht ansteigend.

Chevrolet hat wirklich gute Arbeit geleistet und lässt keineswegs den Charakter eines Billig-Autos aufkommen – zumindest solange wir den Kofferraumdeckel außer Acht lassen! Dieser schnellt beim Öffnen förmlich nach oben – und Achtung, er schnellt auch wieder zurück. Zudem befindet sich nirgends ein Griff um den Deckel zuzuziehen und so macht man sich doch leicht die Finger schmutzig. Doch damit nicht genug, beim Schließen drücken die Scharniere auf das Gepäck, zudem stört das Scheppern der Klappe. Hier steckt ganz klar eine Schwachstelle, die sich aber beheben ließe.

Wo hat Chevrolet noch gespart? Auf jeden Fall nicht beim Fahrwerk, das überzeugt im Alltag mit seiner angenehm straffen Auslegung,die es nur über starke Schlaglöcher etwas poltern lässt. Zum sicheren Fahrgefühl trägt auch die straffe und ausreichend exakte Lenkung bei.

Auch bei flotterer Kurvenhatz beschert er uns kein Unwohlsein und zeigt dank Frontantrieb, ESP und geringer Karosserieneigung seine gutmütige Seite.

Wenn nötig, packt im Ernstfall die Bremsanlage mit Scheibenbremsen rundum (vorn innenbelüftet) richtig gut zu, und das mit geringem ABS-Rubbeln und Reifen-Quietschen. Die Traktionskontrolle (TCS) und der elektronische Bremskraftverteiler (EBD) runden das Paket ab.

Zwei Motoren konnten wir für Sie testen, wobei uns der Cruze mit dem kleineren 1.6 und Schaltgetriebe besser gefiel und einen flotteren Eindruck machte als der 1.8 mit Automatikgetriebe. Wir empfehlen hier in jedem Fall das Fünfgang-Schaltgetriebe, das zwar gerne mit kürzeren Schaltwegen versehen sein könnte, aber ansonsten mit leichten Gangwechseln ohne Hakler zufrieden stellt.

Die Automatik dagegen wirkt bei spritziger Fahrt überfordert, schaltet bisweilen unmotiviert und gönnt sich zu lange Gedenksekunden. Schön wiederum: Wenn wir den manuellen Modus wählen und die Arbeit der Gangwahl selbst übernehmen, pfuscht uns dieElektronik nicht ins Handwerk, lässt uns frei agieren und führt die Schaltbefehle zeitnah aus. Doch brauch ich dann wirklich eine Automatik? Wer jedoch gerne mit dem Cruze cruisen möchte, der findet im Sechsgang-Automaten genau den richtigen Partner.

Für beide Motoren gilt: Sobald sie gefordert werden, heulen sie auf, mit dem dann gebotenen Vortrieb halten sie sich jedoch zurück. So wirken sie gerade von unten raus und dann auch wieder in den höheren Gängen eher zäh, zum Mitschwimmen reicht es jedoch allemal.

Die Werte im Vergleich:

Der 1.6-Liter leistet 83 kW / 113 PS bei 6.400 U/min und stellt ein maximales Drehmoment von 153 Nm bei 4.200 U/min zur Verfügung. Das 1,8-Liter-Aggregat dagegen 104 kW/ 141 PS und 176 Nm bei 3.800 Touren, beides sind Vierzylinder und arbeiten mit 16-Ventiltechnik.

Letzterer schafft den Sprint auf Tempo 100 in runden zehn Sekunden, womit er dem 1.6 2,5 Sekunden abnimmt. In der Höchstgeschwindigkeit muss sich der Kleinere mit 185 km/h den 200 km/h des 1.8 geschlagen geben. Im Mixverbrauch liegt der 1.8 nur 0,1 Liter hinter dem 1.6, der mit 6,7 Litern auf 100 Kilometer auskommt. Soweit so gut, doch unser gefahrener 1.8 war wie gesagt mit derSechsgang-Automatik bestückt und die nimmt ihm in der Beschleunigung 1,5 Sekunden und in der Endgeschwindigkeit 10 km/h, verbraucht dafür aber einen ganzen Liter mehr.

Ob mit Automatik oder manueller Schaltung, ob 1.6 oder 1.8 … die Aggregate erfüllen die Euro5-Norm.

Es wäre nicht ungewöhnlich, dass es einem preiswerten Fahrzeug an Sicherheit mangelt. Der Cruze ist aber mit Drei-Punkt-Automatikgurten auf allen Plätzen, Fahrer- und Beifahrer-, Kopf- und Seitenairbags, den Sicherheitspedalen sowie den bereits erwähnten Systemen ABS, ESP, EBD und TCS zeitgemäß ausgestattet.

14.990,- Euro, dass ist schon ein recht unschlagbarer Einstiegspreis für ein Fahrzeug dieser Größenordnung. Denn Chevrolet bieten nicht nur einen günstigen Preis, sondern auch ganz schön viel Auto.

Mit drin sind neben dem 1.6-Liter-Aggregat auch eine beheizbare Heckscheibe, ein CD-Radio-Audiosystem mit MP3-Anschluss, Servolenkung, elektronische Wegfahrsperre und elektrische Fensterheber.

Die manuell regulierbare Klimaanlage finden wir serienmäßig in der nächsthöheren Variante LS für 17.190,- Euro, in der Basisversion kostet sie Aufpreis. Die LT-Ausstattung für 19.690,- Euro gibt es nur ab dem1,8-Liter und ist dagegen mit einer Zwei-Zonen Klimaautomatik sowie einem sechsfachen CD-Wechsler inkl. USB-Anschluss bestückt. Die Metallic- oder Mica-Lackierung steht allen Ausstattungen für 420,- Euro zur Verfügung.

Stand: Juni 2009, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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