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Land Rover

Land Rover Discovery 4 TDV6

So ein Land Rover hat es nicht einfach heutzutage, muss er doch das was er am allerbesten kann meist für sich behalten, denn nur die wenigsten kommen jemals in so schweres Gelände, dass ein Discovery ins Schwitzen geraten würde. Am zweitallerbesten kann er dann seine Passagiere ganz komfortabel über asphaltierte Straßen kutschieren, und mit dem neuen Interieur mit Leder bis aufs Armaturenbrett und schier endlosem Platz kann er auch hier punkten. Wie in seiner dritten Parade-Disziplin, dem kraftvollen und kultivierten Vortrieb, was ihm mit dem 245 PS starken Sechszylinder-Diesel nicht schwer fällt. Und dann gibt es ja noch den Hängerbetrieb, die Ladekapazität, ja selbst in Sachen Umwelt macht der Dino Fortschritte.

Auf einer stabilen Plattform ruht beim Discovery 4 eine solide und vor allem imposante Karosserie, die sich mittlerweile optisch stark am Luxus-Modell Range Rover orientiert, zumindest was die Front angeht. Dabei hat sich einiges geändert, statt Ford hält jetzt Tata seine Hand schützend über die Marke.

Auf die Form hat das keinen Einfluss, der Discovery hat sich nur dezent verändert, der Maßanzug ist einen Tick edler geworden. Z.B. durch die neuen Klarglasscheinwerfer die jetzt mehr die Breite betonen und den neuen Kühlergrill, der jetzt wesentlich filigraner daher kommt.

Auch darunter musste sich die Frontschürze einen jetzt modischer eingepassten Unterfahrschutz gefallen lassen. Geblieben ist die für den Discovery charakteristische Stufe im Dach, mit der der Brite auch ohne Dachreling stolze Höhen erreicht, die in so mancher Tiefgarage auch schon mal für bange Blicke nach oben sorgen kann.

Geblieben ist es auch bei den klaren Linien, großen glatten Flächen und reichlich Ecken und Kanten, in der Seitenansicht blieb der Offroader nahezu unverändert, und auch am Heck sind es vor allem die Klarglasrückleuchten, die den Weg zu einem noch nobleren Auftritt unterstützen. Und auch die jetzt modischer gezeichnete Heckschürze passt gut dazu. Nichts verändert haben die Designer an der zweigeteilten Heckklappe, die in ihrer Handhabung äußerst praktisch, in ihrer Optik aber zumindest gewöhnungsbedürftig erscheint.

Praktisch ist dann auch die in die Schürze integrierte Anhängerkupplung. Obdas Reserverad unter dem Fahrzeugboden praktisch ist bleibt zu bezweifeln. Zum Glück sind ja Reifenpannen recht selten geworden, an einen Reifenwechsel nach schlammiger Geländepassage will ich gar nicht denken, dass Land Rover für den Discovery das rustikale Reserverad am Heck nicht mehr wollte kann ich aber nachvollziehen.

Dass trotzdem hinter allem der unverwüstliche Geländewagen steckt, mag auch die Tatsache verdeutlichen, dass der Schlüssel bis 25 m wasserdicht ist.

Bleiben wir gleich hinten und nehmen den Kofferraum unter die Lupe. Wobei Raum fast schon untertrieben scheint, Saal wäre fast besser, denn neben üppigen Ausmaßen lässt er sich ja auch bestuhlen. Los geht es erst mal mit einer recht hohen Ladekante und dadurch, dass man den unteren Teil der Heckklappe nach unten klappt, wird es schnell unerreichbar weit bis zu Kleinteilen, die vielleicht bis zu den Rücksitzen gerutscht sind. Auf der anderen Seiet ist es gar nicht so leicht, schwere Gegenstände über den Boden zu schieben.

Das Ladevolumen reicht bis zu gigantischen 2.558 Litern mit einer fast zwei Meter langen, ebenen und sehr soliden Ladefläche. Und das schafft man spielend leicht, ein Zug am Griff und die Sitze klappen zusammen, ein weiterer Griff und der Sitz fährt nach unten. Fertig. Insgesamt bietet der Discovery dabei 108 verschiedene Sitzkombinationen, die Sitze in Reihe drei mitgerechnet.

Die holt man recht einfach aus dem Boden zum Vorschein, um dort hin zu gelangen sollte aber schon mal die Gepäckraumabdeckung ausgebaut sein, dann lassen sich die Außensitze der zweiten Reihe einfach umklappen und man kommt ganz bequem in Reihe drei. Und dann sitzt man auch als Erwachsener gar nicht schlecht auf den beiden Sitzen ganz hinten.

Richtig viel Platz hat man auf jeden Fall in Reihe zwei und dank des erhöhten Daches wird so schnell auch der Kopfraum nicht knapp, trotz der etwas erhöhten Sitzposition. Noch besser sitzt man dann in der ersten Reihe, wo man auch ganz bequem rein und raus kommt – dem hohen Hüftpunkt sei Dank. Für kleinere Passagiere ist das Entern der Sitze und das Überwinden der Seitenschweller aber nicht ganz ohne.

Auf den großen, straff gepolsterten Sitzen findet man nicht nur guten Seitenhalt, vor allem unten rum, sondern auch besten Komfort, und der reicht bis hin zurschnellen und kraftvollen Sitzheizung. Die manuelle Sitzverstellung mit Drehrad für die Lehne ist einfach zu bedienen, aber bei geschlossener Tür doch ein wenig eng zu erreichen.

So, jetzt haben wir endlich Zeit den Blick schweifen zu lassen, aber bevor wir uns am hochwertigen Cockpit satt sehen, müssen wir noch schnell die besonders bei voller Bestuhlung durch die vielen Kopfstützen stark eingeschränkte Rücksicht bemängeln. Dann aber kommen wir aus dem Schwärmen kaum noch heraus.

Die massige Mittelkonsole wirkt durch geschicktes Design merklich schlanker, große, moderne Schalter und klar gezeichnete Instrumente lassen den Gedanken an einen derben Offroader schnell verfliegen. Im Gegenteil, durch die hellen Farben, das überreichlich bis aufs Armaturenbrett verarbeitete Leder, gezielte Chromeinlagen usw. sorgen für ein bislang ungeahntes Komfortgefühl. Selbst die schönen Make-Up-Spiegel mit Abdeckung – leider aber beim SE ohne Beleuchtung, sorgen für einen hochwertigen Gesamteindruck.

Besonders fällt die neue Hochwertigkeit an den neuen Zuziehgriffen der Türen auf, vor allem auch, weil man die hinteren Türen dabei nicht vergessen hat und an der Mittelkonsole im Übergang zum Kardantunnel. Wo früher unschöne Getränkehalter und einfaches Plastik die Sache dominierten, finden jetzt schöne Formen, mattes Alu und Leder ihren Einsatz.

Wirkte beim Vorgänger die Bedieneinheit mit zahlreichen Tasten und Drehreglern noch irgendwie überladen, sorgt die neue Gestaltung für klare Übersicht, bis hin zum großen Farbdisplay, über dessen Touchscreen u.a. auch das optionale Navi bedient wird, einfach und intuitiv, zumindest wenn man bis zum Ende, also inkl. Hausnummer, vorgeht. Bisweilen schaltete sich das System in unserem Testwagen ohne Zutun, zumindest ohne beabsichtigtes, von Kilometer auf Meilen um. Na ja, und die nur als schmal-lange Tasten ausgeführte Hupe benörgeln wir ja schon länger – vergebens. Damit die Parkdistance vorne anschlägt, muss man erst mal den Rückwärtsgang bemühen, nur gut dass man die Front auch so ganz gut einsehen und abschätzen kann.

Der 3-Liter TDV6 bringt automatisch das Terrain-Responce-System mit, und da sieht allein schon die Bedieneinheit beeindruckend aus. Mittels Drehknopf werden die unterschiedlichen Geländeprofileeingestellt und schon gibt es für den Discovery 4 kein Halten mehr.

Mit dem 3-Liter Diesel hat man nicht nur das Terrain-Response an Bord, sondern kann sich auch von der Luftfederung verwöhnen lassen. Und so bietet der Land Rover erst mal einen sehr guten Komfort auf der Straße und doch genügend Straffheit, um auch mal flotter um die Ecken zu kommen. Leider bietet die Lenkung dann nicht genügend Gefühl, arbeitet aber ansonsten angenehm leichtgängig und direkt, beschert dem Discovery für seine Größe einen angenehm kleinen Wendekreis, auch wenn sich 11,80 Meter auf dem Papier erst mal nach viel ansehen.

Die Luftfederung bietet aber auch im Gelände reichlich Vorteile. Das beginnt schon mal damit, dass die Bodenfreiheit mit 240 mm deutlich höher ist, aber sobald hier ein Aufsetzen festgestellt wird, erhöht sie sich um 70 auf 310 mm. Bei Wasserdurchfahrten hat man mit 700 mm Wattiefe 100 mm mehr. Doch damit nicht genug. Mit der Luftfederung erhöhen sich auch die Böschungswinkel (vorne 36,2° und hinten 29,6°) sowie der Rampenwinkel auf 27,3°. Damit wird dem Discovery so schnell in keinem Gelände bange.

Neben dem permanenten Allrad-Antrieb, der elektronischen Traktions- und dynamischen Stabilitätskontrolle DSC können Sie während der Fahrt die Geländeuntersetzung sowie eine elektronische Mittendifferenzialsperre zur Hilfe nehmen. Mit dem „Terrain Response System“ können Sie über einen Drehschalter an der Mittelkonsole das „Normal“-Programm für den Straßenbetrieb auf „Gras/Schnee“-Modus für glatten Untergrund sowie auf drei spezielle Geländeprogramme für Schlamm, Sand und Felsen umstellen. Das System sorgt dann dafür, dass sich von den elektronischen Traktionshilfen über die Niveauregulierung, die Motor- und Getriebekennfelder, die Bergabfahrkontrolle und auch die Differenzialabstimmung entsprechend anpassen.

So wird aus dem limousinenhaften Discovery der Straße mit Wankausgleich eine echte Bergziege mit enormen Verschränkungspotential. Ein weiterer Vorteil zeigt sich in der höheren Zuladung, je nach Ausstattung kann der Discovery bis zu 657 kg zuladen und wenn es sein muss auch richtig schwere Lasten bis zu 3,5 Tonnen an den Haken nehmen. Der bärenstarke Twinturbo-Diesel jedenfalls hat damit überhaupt kein Problem.

Geht man mit dem Discovery schnell indie Kurve, neigt er sich trotz aller Elektronik allein schon wegen seines hohen Aufbaus ordentlich zur Seite. Hier wie beim raschen Richtungswechsel (Slalomtest) schiebt er stark über die Vorderräder und im Ernstfall greift die Elektronik ein und bremst – vor allem bei Nässe – die Vorderräder brutal ein. So viel Gewicht wollen aber auch erst mal um die Ecke gebracht werden.

Wenn solch ein großes Gerät nicht nur schnell bewegt wird, sondern auch noch richtig was schleppen muss, ist es um so besser zu wissen, dass man sich auf die Bremsen verlassen kann. Groß dimensionierte Scheibenbremsen legen sich mächtig ins Zeug, lassen den Wagen bei einer Vollbremsung vorne tief eintauchen und bringen ihn stabil und konstant nach etwas über 40 Metern aus Tempo 100 zum Stillstand. Hier macht sich das hohe Gewicht von rund 2,7 Tonnen natürlich auch wieder bemerkbar.

Der Leistungszuwachs, den der neue 3-Liter TDV6 gegenüber dem weiterhin im Angebot bleibenden 2,7-Liter-V6-Turbodiesel ist beachtlich. So gehen hier statt 190 satte 245 PS / 180 kW ans Werk. Vor allem aber die bärenstarken 600 Nm Drehmoment, die schon bei 2.000 U/min anliegen, lassen den Offroader vehement nach vorne stürmen. Und so verwundert es nicht, dass er dem kleineren Bruder im Sprint auf Tempo 100 mit 9,6 Sekunden fast 2 Sekunden abnimmt. Die Topspeed liegt bei beiden bei 180 km/h.

Und so zeigt sich der Common-Rail-Diesel mit Twinturbolader ausgesprochen laufruhig und kultiviert und auf der anderen Seite richtig druckvoll im Durchzug. Daran hat die serienmäßige Sechsgang-Automatik großen Anteil, die nicht nur sehr harmonisch auf den Motor abgestimmt ist, sondern auch noch sehr sanft und ausreichend schnell arbeitet. Dabei können Sie auch noch auf M oder S schalten, was aber im Alltag kaum nötig erscheint.

Bestimmen Sie selbst, in welchem Gang gerade gefahren werden soll, greift die Elektronik erfreulicherweise nicht ein, und so können Sie den guten Durchzug (z.B. 5,6 Sekunden für den Zwischensprint im dritten Gang von 60 auf 100 oder 9,8 Sek. für 80 auf 120 im fünften Gang) richtig genießen. Auf der anderen Seite kann der 3-Liter TDV6 auch durchaus sparsam, braucht sich hinter dem 2,7-Liter zumindest nicht zu verstecken. Denn 8,3 Liter außerorts sind für solchen ein großes und vor allem schweresFahrzeug nicht schlecht. Okay, 11,2 Liter in der Stadt sind noch eine ganze Menge und auch bei hiohem Autobahntempo laufen leicht über 12 Liter auf 100 km aus dem Tank, aber immerhin haben wir im Mix auf unserer Normstrecke nur 9,2 Liter auf 100 km verbraucht.

Und immerhin schafft er die Abgasnorm Euro 5 und stößt im Mix 244 g/km CO2 aus. Bei aller Mühe, die sich Land Rover hier gibt müssen sie halt dem hohen Fahrzeuggewicht wie auch der eher schlechten Aerodynamik Tribut zollen. Zumindest in der Leistungsentfaltung zaubert der Discovery mit dem 3-Liter Diesel die vielen Kilos einfach weg, und auch die Laufkultur ist erste Sahne. Selbst bei hohem Autobahntempo bleibt der Motor stets dezent im Hintergrund, die Windgeräusche übrigens auch.

Neben der Sicherheit durch den Allrad-Antrieb, die höhere Sitzposition und die diversen elektronischen Helferlein hat der Discovery auch noch Front- und Seitenairbags vorne sowie Vorhangairbags vorne und hinten zu bieten. Dazu natürlich Kopfstützen und Gurte auf allen Plätzen.

Den 3-Liter Discovery TDV6 gibt es nur in den beiden gehobenen Ausstattungslinien SE (52.700,- Euro) und HSE (59.200,- Euro).

Dabei ist auch der von uns gefahrene SE schon ganz prima ausgestattet, hat Multifunktionslederlenkrad, elektronische Parkbremse, CD-Radio mit sechs Lautsprechern, Zentralverriegelung, schlüsselloses System mit Start-Stopp-Taste, Klimaautomatik, Bi-Xenon Scheinwerfer, Park Distance Control hinten, 19 Zoll Alufelgen und das Sichtpaket – bestehend aus Nebelscheinwerfenr, Scheinwerferwaschanlage, elektrochromatischem Innenspiegel, automatischer Scheinwerferfunktion, Regensensor und Bodenleuchten an den Außenspiegeln serienmäßig mit dabei.

Klar, elektrische Fensterheber, Alarmanlage, Anhängerstabilisierung, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Bergabfahrhilfe, Dieselpartikelfilter, Fehlbetankungsschutz, Mittendifferentialsperre, ein vollwertiges Alu-Ersatzrad, Luftfederung und Tempomat hat er selbstverständlich auch serienmäßig.

Als Sonderausstattungen sind dann vielleicht das beheizbare Lederlenkrad für 250,- Euro, ein Lederpaket für 2.190,- Euro, das 7-Sitzer-Paket für 1.570,- Euro, ein Premium-Festplatten-Navigationssystem für 3.020- Euro oder eine Metallic-/Micatallic-/Perleffektlackierung für 870,- Euro zunennen. Auch klar, es gibt noch mehr, wie z.B. das aktive Hinterachssperrdifferential, das Sonnendach, die … Schauen Sie dazu am besten einfach mal in die Preislisten von Land Rover oder beim Händler vorbei.

Stand: August 2010; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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