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Kult, damals wie heute – Fiat 500C

Der Fiat 500 ist ein Fahrzeug mit viel Kult und Charme … und er bringt einen überraschend geringen Neidfaktor mit sich, dafür aber ganz viel Emotion. Ob jung oder alt, männlich oder weiblich … der Kleine kommt an – qui c’è amore nell’aria (zu deutsch: hier liegt Liebe in der Luft). Bereits die Limousine hat unser Herz im Sturm erobert und wie Fiat mit sehr erfolgreichen Zahlen bestätigte, ging das nicht nur uns so. Mit großer Vorfreude haben wir seither der Cabriovariante entgegenfiebert und wenn es sich nun auch um kein Vollblut-Cabrio handelt, wurden wir nicht enttäuscht – auch wenn nicht alles Gold ist was glänzt.

Fiat hat es bereits mit der 500er Limousine geschafft, den Kult, den Mythos und vor allem auch die Kernoptik des legendären Kleinwagens der 1950er Jahre zu erhalten und absolut modern neu zu interpretieren. So war es für den italienischen Automobilhersteller nur naheliegend, auch bei der Cabriovariante an den Wurzeln festzuhalten und sich für ein großes Faltverdeck zu entscheiden.

Beim Blick von vorn oder der Seite, ist ein Unterschied zur geschlossenen Version so gut wie nicht zu sehen. So schaut auch der 500C treu mit seinen Kulleraugen drein und steht knuffig vor uns. Erst bei geöffnetem Faltdach unterscheidet sich das Heck von der geschlossenen Variante.

Während damals das Verdeck noch per Hand aufgerollt und fixiert werden musste, geht dieser Vorgang heutzutage mittels Knopfdruck am Dachhimmel oder per Funkfernbedienung doch wesentlich leichter vonstatten, und auch schnell, ganze 16 Sekunden dauert der Strip. So fährt das Faltverdeck bei einmaligem Drücken bei jedem Tempo bis zum Dachkantenspoiler, die Heckscheibe bleibt dabei stehen, ein weiterer Tastendruck und diese faltet sich ebenfallszusammen – dieser Vorgang geht allerdings nur bis Tempo 60. Die im Spoiler integrierte dritte Bremsleuchte bleibt auch dann noch sichtbar.

Irgendwie süß, das aufgefaltete Verdeck wirkt fast wie ein kleines Rucksäckchen, dass der offene 500er auf seinem Rücken trägt. Allerdings schränkt dieses den Blick nach hinten fast völlig ein, zum Glück können wir uns beim Einparken sowie vor Überholmanövern auf die Rückspiegel verlassen. Zudem wirkt eine serienmäßige Park Distance unschönen Parkremplern entgegen.

Soweit so gut, aber noch lange nicht am Ende … denn jetzt kommen Sie ins Spiel. Wie soll Ihr ganz persönlicher Fiat 500C aussehen? Sie haben schließlich schier endlose Kombinationsmöglichkeiten. Zum Einen stehen Ihnen elf Lacktöne, darunter verschiedene Pastellfarben, Metalliclacke oder Perlglanz- und Perlmuttlackierung zur Wahl. Das von uns gefahrene Ragamuffin Rot ist zum Beispiel neu im Sortiment. Diese können Sie je nach belieben mit den Rolldachfarben Schwarz, Rot oder Elfenbein kombinieren.

Aber die wirkliche Personalisierung beginnt jetzt allerdings erst so richtig. Ob es die zahlreichen 15- und 16-Zoll-Leichtmetallräder sind oder die zahllosen Design-Sets für die Karosserie und/oder die Außenspiegel – hier scheint nichts unmöglich.

Dass Fiat viel Liebe zum Detail zeigt dürfte schon bis hier hin längst jedem klar sein, allerspätestens jedoch beim Blick auf die Kappen der Reifenventile, denn sogar diese sind mit dem Markenlogo versehen. Gehen wir also über in den Innenraum, denn hier geht das Spektrum grenzenloser Individualität weiter …

Verschiedene Interieurfarben, diverse Stoffe, unterschiedliche Muster für die Sitzbezüge, schicke Coverdesigns für die Schlüssel, die es sogar mit Swarovski-Strass-Steinen besetzt gibt … Sie erahnen es bereits, man sollte sich fürdie Konfiguration ausgiebig Zeit nehmen. Summa summarum gibt Fiat über 500.000 Möglichkeiten an.

Der Innenraum ist komplett aus dem geschlossenen 500er übernommen worden, so sind auch hier die Rücksitze nur als zusätzliche Ablage nutzbar. Wem es doch gelingen sollte, den engen und unbequemen Einstieg nach hinten zu überwinden, der findet hier kaum Platz – es sei denn, es handelt sich hierbei um ein Kind.

Auch was den Kofferraum angeht steht das Cabrio der Limousine in nichts nach, mit gerade mal drei Litern weniger bietet es mit 182 Liter Stauvolumen einen angenehm großen Kofferraum. Ebenso lassen sich hier die Rücksitze geteilt (50:50) umlegen und das Ladeabteil wächst auf 520 Liter an. Soweit alles in Ordnung, doch die Ladeluke ist recht klein geraten und macht das Beladen teilweise schwierig – beim 500C können wir aber ja zum Glück auch von oben rein ;-) .

Der Zugang bei komplett geöffnetem Verdeck scheint einem zuerst verwehrt zu sein, doch bei Betätigung der Kofferraumentriegelung, fährt das Faltdach automatisch bis zum Dachkantenspoiler hoch und die Klappe kann geöffnet werden. Leider fährt das Verdeck nach dem Schließen des Kofferraums nicht auch wieder selbstständig zurück.

Auch der Kern des Fahrwerks orientiert sich an der Limousine, so sind auch hier vorn McPherson-Federbeine an unteren Querlenkern geführt, kombiniert mit einer raumsparenden Verbundlenker-Torsionsachse inkl. Zugstreben hinten.

Im Detail fanden jedoch kleine aber feine Veränderungen statt, diese werden aber künftig auch bei der geschlossenen Variante Einzug halten. So ist vorne ein Querstabilisator mit größerem Durchmesser und an der Hinterachse ein zusätzlicher Stabilisator verbaut. Außerdem sind die hinteren Feder- und Dämpferraten leicht erhöht.

So ist das Fahrwerk alles in allem knackig straffausgelegt, doch neben einer sportlichen und sicheren Kurvenlage sorgt es damit auch dafür, dass Bodenwellen und Schlaglöcher nach innen übertragen werden. Für uns war das allerdings kein Problem.

Und handlich ist er, keine Frage. Die neu abgestimmte Dualdrive-Lenkung mit elektrischer Servounterstützung ist im Stand sowie bei niedrigen Geschwindigkeiten sehr leichtgängig und ermöglicht so ein spielerisches Manövrieren ohne Kraftaufwand, mit steigendem Tempo wird sie zunehmend straffer und exakter.

Auf der Autobahn machte das Verdeck offen wie geschlossen eine überraschend gute Figur. Selbst bei hohem Tempo – was bei dem kleinen bereits bei 140 km/h der Fall ist – treten im geschlossenen Zustand keine störenden Windgeräusche auf. Ebenfalls im Rahmen halten sich die Windverwirbelungen bei geöffnetem Faltdach.

Die Bremsanlage gab uns gerade in der Stadt keinen Anlass zur Kritik, die Bremse ist gut zu dosieren und reagiert schnell. Aus höheren Geschwindigkeiten wirkt er zunächst etwas unruhig, kommt dann aber sicher zum Stehen.

Diese Rubrik könnten wir theoretisch komplett der Limousine entnehmen, auch hier erstreckt sich die Motorenpalette vom Einsteiger 1,2-Liter-Benziner mit 69 PS über den 1,4-Liter mit 100 PS bis hin zum 1,3 Liter-Diesel mit 75 PS, die bereits allesamt die Euro-5-Abgasnorm erfüllen.

Ob Beschleunigungs- oder Verbrauchswerte, ein Unterschied ist nach Angaben von Fiat nicht auszumachen, die 70 kg Mehrgewicht scheinen sich hier nicht negativ auszuwirken. Um Ihnen aber mit allen Daten dienen zu können, hier die einzelnen Versionen im Überblick:

1.2 Benziner: Mit 69 PS bietet er genügend Vortrieb in der Stadt, ist aber abseits der City zu schwach auf der Brust und erreicht die Tempo 100 Marke erst nach 13,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 160 km/h. Mit seinemVerbrauch liegt er im Durchschnitt bei 4,8 Liter, was mittels der optionalen Start-/Stopp-Automatik (300,- Euro) sogar nochmals verbessert werden kann.

1.4 Benziner: 100 PS und 131 Nm maximales Drehmoment, eine Menge für solch ein Fahrzeug. Trotzdem wirkt auch dieser Fiat 500 lahm und durchzugsschwach. Der Sprint auf 100 ist nach runden elf Sekunden vollzogen, die Beschleunigung findet bei Tempo 182 ein Ende, doch gerade ab dem vierten Gang wird er zunehmend zäher. Der Mixverbrauch liegt um die 5,8 Liter (Lounge) und 6,1 Liter (Pop), die CO2-Werte bei 140 g/km bzw. 135 g/km.

1.3 Diesel: Hier handelt es sich ganz klar um den Außenseiter des Portfolio. Er ist mit 75 PS und einem serienmäßigen Partikelfilter bestückt und erreicht einen Durchschnittsverbrauch von 4,2 Liter sowie einen CO2-Ausstoß von 110 g/km. Mit den Beschleunigungswerten orientiert er sich sehr an denen des Einstiegsbenziners: 13 Sek. bis 100 und Topspeed 165.

Die beiden kleineren Motoren sind dabei mit einem Fünfgang-Handschalter und die 100 PS-Version mit einem Sechsgang-Getriebe bestückt, beide sind exakt und auf angenehm kurzen Wegen ohne störende Holperer geführt.

Wer möchte kann die Benzin-Varianten nicht nur mit der Start-/Stopp-Automatik kombinieren, sondern auch mit dem Dualogic-Getriebe ausstatten. Die sequentielle Halbautomatik lässt sich je nach Laune selbst schalten oder man lässt eben schalten, ein Kupplungspedal entfällt dabei. Je nach Motorisierung stehen die Schaltprogramme „Normal“ und „Economy“ oder „Normal“ und „Sport“ bereit. Diese Getriebevariante bringt innerorts eine weitere Verbrauchsersparnis von 0,6 Liter mit sich.

Dass die Cabriovariante der Limousine im Bereich Sicherheit in nichts nachstehen wird, ist zu vermuten, da die tragenden Säulen bestehen bleiben und zudem ein Überrollschutzmit verstärktem Dachrahmen zum Einsatz kommt. Ebenso mit an Bord: Zwei Frontairbags, zwei Seitenairbags, durchgehende Kopfairbags vorn und hinten sowie ein Knieairbag für den Fahrer, Dreipunkt-Sicherheitsgurte rundum mit doppelten Gurtstraffern und Gurtlastbegrenzern vorn, Sitze mit Anti-Submarining-Struktur, ISOFIX-Befestigungspunkte hinten, Vierkanal-ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung (EBD) und ein Bremsassistent (HBA) sowie Tagfahrlicht.

ESP ist leider weiterhin nur im 1.4 16 V Serie und ansonsten für 350,- Euro inkl. Traktionskontrolle ASR erhältlich.

Fiat hat bei der Cabrioversion mit 2.800,- Euro Aufpreis gegenüber der Limousine zwar ordentlich aufgeschlagen, trotzdem bietet der Konzern aber mit dem kleinen süßen Italiener für 13.800,- Euro den günstigsten Einstieg in die 4-sitzige-Cabriowelt. Selbst ein smart, liegt preislich nur knapp darunter.

Wir haben Eingangs bereits erwähnt, wie viel unzählige Möglichkeiten es für die persönliche Gestaltung des kleinen Cabrios gibt … wenn Sie sich für Ihre Farbenkombination entschieden und einen Motor ausgewählt haben, müssen Sie sich noch für eine Ausstattungsvariante „Pop“ oder „Lounge“ entscheiden. Beide sind bereits gut bestückt. Darauf können Sie nun aufbauen und beginnen, den süßen Flitzer ganz nach Ihrem Geschmack zu personalisieren.

Hier sind wahrlich keine Grenzen gesetzt und beim Blick auf die meist angenehm niedrigen Aufpreise sollte hier auch einiges im Rahmen des Möglichen liegen. Wir empfehlen Ihnen an dieser Stelle, sich die Preis- und Ausstattungsliste einfach mal zur Hand zu nehmen, genügend Zeit einzuplanen und diese genüsslich durchzustöbern. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen!

Ich habe die Ausfahrt mit dem 500C auf jeden Fall genossen, es war eindeutig „amore a prima vista” (zu deutsch: Liebeauf den ersten Blick) und diese ist so stark, dass man diesem Cabrio sowohl das „Nur“-Faltverdeck, die zähen Motoren als auch den recht ordentlichen Preisaufschlag verzeiht – also ich zumindest ;-) .

Stand: September 2009, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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