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Jeep Wrangler Unlimited – Unbegrenzte Freiheit

Seit 2007 gibt es den charismatischen Jeep Wrangler auch in einer viertürigen Langversion, genannt Unlimited, der wie auch der klassisch Kurze von nun an mit einem Dieselantrieb kombiniert werden konnte. Die elektronische Stabilitätskontrolle ESP war zudem serienmäßig an Bord. Verweichlicht war das Urgestein damit aber noch lange nicht und an diesem Eindruck soll auch das Modelljahr 2011 nichts ändern. Deren Neuerungen betreffen vorwiegend den Innenraum, der nun wesentlich stimmiger und hochwertiger daherkommt. So vermittelt der Jeep auch weiterhin dieses Gefühl von Unabhängigkeit und Freisein. 34.990,- Euro müssen Sie allerdings schon locker machen …

Es ist diese Abenteuerlust, die der Jeep bereits beim bloßen Anblick weckt und so können wir es nicht abwarten, endlich aufzusatteln und durchs Land zu ziehen. Wenn die Optik auch den Anschein macht, etwas in die Jahre gekommen zu sein, ist es doch gerade diese, die uns wie auch die zahlreichen Passanten die uns auf unserem Ausritt begegneten, immer wieder begeisterte.

Seinen urigen, kraftvollen Auftritt bewahrt sich der Kult-Jeep seit nun fast 70 Jahren, zu seinen Markenzeichen zählen der markante Kühlergrill mit den sieben senkrechten Rippen, die traditionell runden Scheinwerfer sowie die stark ausgeprägten Radläufe. Diese Attribute zeichnen auch das Modelljahr 2011 aus, an dessen Einfachheit und Funktionalität sich nichts ändert. So bleibt es z.B. auch bei Gummiklappverschlüssen, die zur Fixierung der Motorhaube dienen.

Eine Neuheit stellt dagegen das nun auch in Wagenfarbe erhältliche Hardtop dar. Das Softtop, welches wir für den Viertürer allerdings nicht wirklich empfehlen können, ist verständlicherweise weiterhin in schwarz gehalten. Somit sehen wir die 1.130,- Euro Aufpreis als durchaus lohnenswerte Investition an, wer dennoch nicht auf ein Softtop verzichten möchte,ordert einfach das knapp zweitausend Euro teure Dual-Top-Paket, das beide Verdeckvarianten beinhaltet. Kommen wir zurück zum Hardtop das dreigeteilt bereits mit wenigen Handgriffen und ohne Werkzeug ein gewisses Open-Air-Feeling bietet oder nennen wir es besser ein Schiebedachgefühl. Wer in den völligen Cabrio-Genuss kommen möchte, muss sich dann allerdings mit dem schweren, sperrigen und scharfkantigen Rest-Hardtop auseinandersetzen. Hier kommt man auch nicht an einem Schraubenschlüssel / Schraubenzieher vorbei.

Nimmt man dies jedoch in Kauf, bietet der Jeep absoluten Offenfahrspaß, der sich sogar noch weiter ausreizen lässt, in dem man die Türen aushängt und die Frontscheibe nach vorn umklappt. Doch Achtung, in Deutschland ist das auf öffentlichen Straßen leider nicht erlaubt. Abseits der Piste verleiht einem diese Konfiguration allerdings den ultimativen Offroad-Kick.
Die Modellpflege bringt außerdem vergrößerte Rückfenster und beheizbare Außenspiegel mit sich sowie folgende neue Farben: Detonator Yellow, Deep Cherry Red, Sahara Tan, Cosmos Blue und Bright White.

Die schicke Auspfuffblende und der im Chrom-Look gehaltene Tankdeckel an unserem Testwagen ist Teil des Leder-Chrom-Paketes für 2.110,- Euro. Ebenso umfasst dieses Paket…
…eine zweifarbige Teil-Lederausstattung sowie Einstiegsleisten vorn und hinten. Nichts desto trotz wirkt unser bis dato aktuelles Modell ein wenig veraltet aber durchaus mit diesem gewissen Charme von Robustheit.

Diesen rustikalen Touch bewahrt sich der Jeep auch nach der Modellpflege, muss nun aber nicht mehr völlig auf Hochwertigkeit verzichten. So musste die minimalistische Plastiklandschaft weichen, ebenso das viel zu dünne Lenkrad. Dieses wurde ersetzt durch das bereits aus dem Jeep Grand Cherokee her bekannte dicke und dennoch ganz im Jeep-Look gehaltene Leder-Lenkrad. Zudem ermöglicht es dem Fahrer mittels dort verbauter Tasten von hier ausdas Radio, die Freisprecheinrichtung sowie weitere Einstellungen zu steuern. Eine neue USB-Schnittstelle sowie eine Bluetooth-Audioverbindung halten ebenso im neuen Wrangler Einzug.

Dass an der Innenraumbeleuchtung, besser gesagt an deren Bedienung etwas geändert wurde, können wir nur hoffen. Denn diese konnten wir erst nach einem Blick ins Handbuch einschalten. Denn wer kommt schon drauf, dafür am Blinkhebel zu suchen?

Das Gestühl präsentiert sich amerikanisch groß und weich, mit wenig Seitenhalt. Zumindest die Fotos vom neuen Interieur lassen erahnen, dass sich daran nicht viel geändert hat. Ob nun endlich eine Lordosenstütze verbaut ist, konnten wir nicht sehen.

Während in unserem Modell noch an ausreichend großen Satteltaschen gespart wurde, soll der Neue mit zusätzlichen Staufächern sowie einer abschließbaren Konsole aufwarten. Mit sichtbar verbauten Inbus-Schrauben sowie einer Plakette „Jeep, Since 1941“ möchte man sich den urigen Charme bewahren und zugleich auf das anstehende Jubiläum hinweisen.

Ein Tempomat, eine Klimaanlage, das Lederlenkrad, ein Audiosystem inkl. CD-Player und sechs Lautsprechern machen die Sahara-Edition fit für die Zivilisation. Hier angelangt, sorgte das 1.790,- Euro teure uconnect Navigationssystem inkl. Touchscreen nicht nur dafür, dass wir uns stets auf dem richtigen Pfad befanden, sondern beschallte uns mittels Subwoofer und sechs Infinity-Lautsprechern. Ihr persönlicher Lieblingssound findet dabei Platz auf der integrierten 30-GB-Festplatte.

Tipp-Blinker, Follow-me-home und ein tolles Fernlicht, Dinge die wir nun wirklich nicht erwartet hätten, aber erfreulicherweise schon seit 2007 serienmäßig mit an Bord sind.
Im Gegensatz zur Zweitürer-Variante bietet der Unlimited mit einem mindestens 498 Liter großen Gepäckabteil sehr üppigen Stauraum. Zugang hierzu verschaffen wir uns durch einfaches Öffnen des unteren Teils der Heckklappe – dieleider jedoch zur falschen Seite aufschwingt. Uneingeschränkten Zutritt erhalten wir durch ein zusätzliches Hochklappen der Heckscheibe.

Der ohnehin große Kofferraum lässt sich spielerisch durch ein bloßes Ziehen an Schlaufen auf bis zu 2.320 Liter erweitern. Während die Lehnen nach vorn klappen, senkt sich die Sitzfläche ab und die Kopfstützen klappen automatisch mit um. Leider haben die Entwickler diese tolle Idee nicht ganz bis zum Schluss durchdacht und so muss die mittlere Kopfstütze leider noch separat abgenommen werden.

Der Jeep Wrangler Unlimited erweist sich als treuer Geselle mit rauem Charme. Während ihm im Gelände wahrlich keiner etwas vormacht, ist man auch auf der Straße ausreichend komfortabel unterwegs. Wer es ohnehin ruhiger angehen lässt, fühlt sich wohl.

Beim schnellen Kurvenritt jedoch ist Mut und Abenteuerlust gefragt. Denn hier hat man förmlich das Gefühl auf den Rädern zu schwimmen. Die Lenkung ist ohne Gefühl, schwammig und indirekt. Nichts desto trotz, blieb er auch in manch haariger Situation gutmütig, man darf sich nur nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Bei Nässe ist es auf alle Fälle ratsam, den Allradantrieb mittels kleinem Hebel – platziert neben der Schaltung – zu zuschalten. Hierüber können wir auch eine Geländeuntersetzung einlegen. Diese altertümliche Variante soll jedoch im neuen Modelljahr einer modernen Lösung weichen.

Verlassen wir also die asphaltierte Piste, räubert der Jeep dank des zuschaltbaren Command-Trac-Allradsystems und dem zweistufigen Verteilergetriebe inklusive „Shift-on-the-fly“-Möglichkeit mühelos durch nahezu jedes Terrain. Wer jedoch grenzenloses Offroad-Feeling erleben möchte, sollte statt des von uns gefahrenen Sahara-Modells, den Rubicon in Erwägung ziehen. Dieser bietet serienmäßig mit den Tru-Lok-Sperrdifferenzialen, verstärkten Antriebswellen, modularen Radlagern und stabilen Dana-44-Achsen dieperfekten Voraussetzungen fürs harte Gelände.

Dank der hohen Sitzposition überblickt man zwar alles recht gut, dennoch ist das Fahrzeug nur schlecht einzusehen. Gerade die 20 Zentimeter hervorstehenden vorderen Kotflügel sowie das am Heck platzierte Reserverad sind bei Parkmanövern stets mit einzubeziehen. Parksensoren wären an dieser Stelle sehr wünschenswert.

Mit Scheibenbremsen rundum (vorne innenbelüftet) bestückt, sorgt das System letzten Endes für vertretbare Verzögerungswerte, allerdings hat man beim Bremsen meist das Gefühl ohne ABS-Wirkung auszukommen – obwohl dieses stets serienmäßig mit an Bord ist. Zudem ist das Bremspedal unglaublich weich und reagiert recht spät, daher ist ein vorausschauender Blick stets von Nöten.

Es gibt mit Sicherheit den ein oder anderen, der die Meinung vertritt, die Kombination Jeep Wrangler und ein Diesel wäre nichts für wahre Männer, doch dem können wir nicht zustimmen. Natürlich kommt der 2.8 CRD nicht an die Beschleunigungswerte und vor allen Dingen den Sound des 6-Zylinder-Benziners heran, überzeugt aber dennoch und das nicht nur wegen seines wesentlich geringeren Verbrauchs.

Der 2,8-Liter-Common-Rail-Diesel springt selbst bei Kälte sehr gut an und stellt seine 177 PS und vor allen Dingen sein maximales Drehmoment von 460 Nm ohne Anfahrschwäche direkt zur Verfügung. Geben wir ihm die Sporen, geht er ordentlich los und zieht in 13,5 Sekunden bis Tempo 100, der Handschalter schafft es sogar in 11,7 Sekunden.

Dabei wird der Motor kernig laut, allerdings nicht störend, eher animierend. Oben rum geht ihm dann etwas die Luft aus, zieht aber doch bis 172 km/h weiter, wird aber dann zunehmend lauter. Nachdem es ihm jedoch rundum an Dämmung fehlt, tritt er unserer Meinung nach noch überraschend gering hervor. Im Modelljahr 2011 sollen dann Dämmstoffe diese Geräuschkulisse weiter reduzieren.

Ein echter Cowboy gönnt sich gern maleinen Drink zu viel, der Jeep Wrangler Unlimited 2.8 CRD trinkt erfreulicherweise nur in Maßen und schafft es sogar mit 9,5 Liter auszukommen. Im Schnitt sollte man dann aber doch eher mit ein bis zwei Liter mehr rechnen, was aber für so ein Fahrzeug ein immer noch sehr guter Wert ist.

Im Gegensatz zum Ottomotor, der mit einer 4-Stufen-Automatik auskommen muss, verfügt die Diesel-Automatik über fünf Schaltstufen. Sie arbeitet an sich komfortabel sanft und für diese Fahrzeug-Gattung ausreichend schnell und so passt diese Getriebeversion recht gut zum Fahrzeug.

Nicht mehr ganz so adäquat und auf Höhe der Zeit präsentierte sich das serienmäßige Sicherheitspaket. Ob sich daran etwas im Modelljahr 2011 ändern wird, können wir nur hoffen.

Denn mit Frontairbags, vier Sicherheitsgurten, vorn höhenverstellbar und für den Fahrer mit Gurtkraftbegrenzer und Systemen wie ABS, Antriebsschlupfregelung ASR, einem elektronischen Stabilitätsprogramm und einem Bremsassistenten bestückt bietet der Wrangler reichlich Raum für mehr. Immerhin Seitenairbags sind für 360,- Euro optional verfügbar.

Wenn wir den Preis von 34.990,- Euro für den Jeep Wrangler Unlimited Sahara 2.8 CRD Automatik mit Blick auf das was uns das Fahrzeug bietet betrachten, müssen wir zugeben, ist das doch schon ein ganz schöner Batzen. Zumal wir für das Hardtop, die Metalliclackierung oder das Leder-Chrom-Paket noch ein bisschen mehr drauflegen müssen. Wie sich der aufgefrischte Jeep preislich gestalten wird, ist noch nicht bekannt. Dennoch können wir sagen, die Interieuraufwertung macht sich bezahlt. Doch reicht das aus, um den Preis zu relativieren? Wahrscheinlich nicht, aber ehrlich gesagt, verzeihen wir dem Jeep auch die schwammige Lenkung, das amerikanische Fahrwerk und so einiges mehr.

Ein Typ mit Charakter und Leidenschaft, das ist es, was den Jeep Wrangler – ob nun als Zwei- oder Viertürer – ausmacht, das ist es,was seine Fans so an ihm lieben, das ist der Grund, warum der Kunde oder besser gesagt der Fan bereitwillig diesen Preis bezahlt und an so mancher Stelle gerne den einen oder anderen Kompromiss eingeht.

Stand: April 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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