// Fahrbericht / Hyundai H-1 Travel

Hyundai

Hyundai H-1 Travel

Nach dem Cargo ist jetzt auch der H-1 Travel auf dem Markt, er teilt sich mit dem Transporter die niedrige und gut geschützte Ladekante sowie Stoßstange, mit 851 Litern steckt er richtig was weg, doch leider ist es in Sachen Flexibilität nicht so gut bestellt. Dafür sitzen aber die bis zu acht Personen in jeder Reihe bestens, die mittlere Sitzreihe ist längsverschiebbar und man kommt ganz bequem rein und raus. Das Fahrwerk bieten guten Komfort und macht unglaublich was mit, schade, dass sich die Lenkung bei schnellen Richtungswechseln stark verhärtet. Eine feine Sache ist auch der 2,5 Liter CRDi mit seinen 170 Diesel-PS, stark, kultiviert und ausreichend sparsam, leider aber ohne Partikelfilter. Auch gibt es nur Frontairbags, ansonsten aber viel Auto für kleines Geld.

Im Kern entspricht natürlich der H-1 Travel dem bereits vorgestellten Cargo. Nur wo der in Konturen gestanztes Seitenblech trägt, hat der Bus große Glasflächen zu bieten, die viel Licht in den Innenraum lassen. Geblieben ist die wuchtige Front mit dem markanten Grill, etwas mehr auf Pkw wird er durch die Frontschürze in Wagenfarbe, in der große Nebelscheinwerfer integriert sind.

Entsprechend kommt der H-1 Travel noch etwas dynamischer rüber, was auch die in Wagenfarbe lackierten Türgriffe unterstreichen. Schon die Optik lässt keinen Zweifel daran, wie praktisch und geräumig dieser Bus ist. Doch warten Sie erst mal ab …

Am Heck beschränkt sich der Unterschied zum Cargo auch nur auf die beim Travel in Wagenfarbe lackierteSchürze und Griffleiste über dem Nummernschild.

Beim Travel stört die durch die geschwungene Seitenlinie etwas eingeschränkte Lademöglichkeit in der Breite wenig, dafür öffnete bei unserm Testwagen die Heckklappe nicht so weit, schon bei 1,85 m droht man sich den Kopf anzustoßen. Und man braucht ziemlich viel Kraft, um die große, schwere Heckklappe wieder zu schließen. Perfekt zeigt sich dagegen die angenehm niedrige und bestens geschützte Ladekante, und auch die Stoßstange braucht vor grobem Ladegut keine angst zu haben.

Dahinter geht es gleich super weiter, mit 851 Litern wartet der H-1 Travel mit einem riesigen Kofferraum auf und dann … dann ist leider Schluss. Denn wer jetzt glaubt, man könnte die dritte Sitzreihe ausbauen, die zweite Reihe im Boden versenken und sonst noch was für eine riesige Ladehalle zu tun, der sieht sich schnell getäuscht, denn der Fokus des Travel liegt ganz klar auf der Beförderung von bis zu acht Personen. Mehr als den normalen
Laderaum kann er kaum bieten. Ist er voll besetzt, darf er noch rund 220 kg Ladung mit an Bord nehmen.

Für den Personentransport ist er aber wieder bestens gerüstet. Die Sitze sind, angefangen in der Reihe eins, angenehm straff gepolstert und groß dimensioniert, am Fahrersitz hätten wir uns vielleicht lieber eine Lehnenverstellung mittels Drehrad gewünscht. Aber sonst … dass man bei einem solchen Fahrzeug nicht über Kopffreiheit sprechen muss, ist eigentlich klar, aber auch sonst kommt man überall sehr gut unter.

Auch wenn in jeder Reihe 1,80 m große Passagiere Platz nehmen, gibt eskeinen Grund zu meckern, für zusätzlichen Komfort sorgt die Längsverschiebbarkeit der zweiten Reihe, alle Lehnen sind individuell verstellbar, die Kopfstützen finden aber bei ca. 1,80 m Körpergröße ein Ende. Und man kommt bestens rein und raus, und das nicht nur vorne und in der Mitte, sondern auch in die dritte Reihe, und dazu tragen neben der Zwischenstufe wesentlich auch die beiden seitlichen Schiebetüren bei. Schade, dass sich Hyundai den hilfreichen Griff auf der Fahrerseite an der Beifahrertür gespart hatte, obwohl er laut Liste vorhanden sein sollte, und auch eine Armlehne zwischen den Sitzen könnte hier vorne nicht schaden.

Das Cockpit wurde natürlich auch vom Cargo übernommen, aber statt Einheitsgrau hat der Travel zum dunklen Kunststoff eine Vielzahl an silbergrauen Aluapplikationen bis hin zum Lenkrad zu bieten, der untere Bereich ist heller abgesetzt. Das ergibt nicht nur ein ansprechendes Bild, es zeigt sich auch gut verarbeitet, dass man sich an der Fahrersonnenblende den Make-up-Spiegel gespart hat, zeigt eigentlich nur, dass man bei Hyundai davon ausgeht, dass dieser „große Schlitten“ nur von Männern gefahren wird. Auch die Regler der Klimaanlage sind in Silbergrau gehalten und für den Fond gibt es eine eigene Bedieneinheit.

Der H-1 Travel hat gleich zwei, dafür aber eher kleine Handschuhfächer zu bieten, darüber hinaus nehmen zahlreiche Ablagen alle möglichen kleinen Utensilien auf.

Bei der Fahrwerksauslegung ist den Entwicklern ein guter Kompromiss gelungen. Straff genug, um auch mal richtig flott mit dem H-1 Travel um die Kurvenzu räubern – die bei der Fahrzeughöhe logischerweise vorhandene Karosserieneigungen bleibt problemlos – und zum anderen auch lange Strecke stressfrei und komfortabel zu überstehen. Der lange Radstand hilft dabei zusätzlich, aber es ist fast unglaublich, wie viel der Travel mitmacht, wenn es denn unbedingt sein muss. Serienmäßig sind das Elektronische Stabilitätsprogramm ESP und die Traktionskontrolle an Bord, die dafür sorgen, dass das anfängliche Untersteuern, das dann zunehmend in ein Übersteuern übergeht nicht zum Schleudern führt.

Anders sah das beim Slalomtest aus. Nicht, dass das Fahrzeug hier Schwierigkeiten hätte den vorgegebenen Kurs zu halten, vielmehr hat der Fahrer alle Mühe mit dem Lenken nachzukommen, weil sich die Lenkung beim schnellen Richtungswechseln in der Mittellage stark verhärtet. Ansonsten gab sich die Lenkung ausreichend direkt und angenehm straff.

Mit Hilfe der großen Außenspiegel ist der H-1 Travel wie sein Bruder prima einzuparken, die Seitenfenster sind natürlich für die Übersichtlichkeit von großem Vorteil, die breite D-Säule schränkt aber auch hier die Übersichtlichkeit etwas ein, da ist die serienmäßige Einparkhilfe schon nicht schlecht.

Bei unseren Bremstests zeigte sich die Bremsanlage mit Scheibenbremsen vorn (innenbelüftet) und hinten, Antiblockier-Bremssystem mit elektronischer Bremskraftverteilung EBV und dem Bremsassistenten als sehr effektiv. Wenn auch mit lautem Reifenquietschen steht der H-1 Travel recht früh, aus Tempo 100 brauchte er nur 38 Meter und im Alltag ist die Bremse gut zudosieren.

Auch unser H-1 Travel war, wie schon der Cargo, mit dem 170 PS (125 kW) starken Diesel bestückt. Der Commonrail-Direkteinspritzer verteilt 2,5 Liter Hubraum auf vier Zylinder und springt erst mal recht kernig an, läuft dann aber kultiviert und leise, selbst voll gefordert wird der Sound nur schön kernig.

Und man fordert ihn gern, denn es macht – auch wenn es sich bei diesem Fahrzeug wahrlich nicht um einen Sportwagen handelt – richtig Laune, dem Koloss die Sporen zu geben. Ohne Anfahrschwäche geht es sofort gut zur Sache und in fast jeder Lebenslage stellt er ausreichend Power zur Verfügung, dem maximalen Drehmoment von 392 Newtonmeter, das zwischen 2.000 und 2.500 U/min zur Verfügung steht, sei Dank. Und wir haben auch voll besetzt keinen Einbruch feststellen können, dem 170 PS Triebwerk geht so schnell nicht die Puste aus.

Einzig der fünfte Gang hatte etwas kürzer übersetzt sein und einem sechsten Gang die längeren Autobahnpassagen überlassen können, aber man kann ja nicht alles haben. Ansonsten zeigt sich das serienmäßige Fünfgang-Getriebe passen übersetzt und lässt sich angenehm straff, exakt und auf kurzen Wegen bedienen, überträgt die Kraft an die Hinterachse. So geht der H-1 Travel dann auch in 14,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit vom 180 km/h. Wer will, kann den Diesel aber auch ganz bequem niedertourig fahren.

Beim Verbrauch schafft der Travel die selben Werte wie der Cargo, verbraucht in der Stadt 10,9 Liter und außerorts 7,1 Liter Diesel auf 100 Kilometer, im Rahmen unsererFahrt über die 180 km lange Normstrecke kamen wir mit 8,7 Liter im Mix geringfügig schlechter weg. Der CO2-Ausstoß beträgt 225 g/km und es wird die Abgasnorm Euro4 erreicht, mit ein Grund dafür ist der fehlende Partikelfilter.

Da kommt der Transporter wieder etwas durch, der ansonsten wie ein Pkw ausgestattete H-1 Travel besitzt nur Frontairbags für Fahrer und Beifahrer, dazu höhenverstellbare Automatikgurte vorn mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern sowie höhenverstellbare Kopfstützen auf allen Plätzen. Weitere Airbags gibt es allerdings auch nicht gegen Aufpreis.

Zur Warnung des nachfolgenden Verkehrs leuchten in den Vordertüren Rückleuchten auf, an den Schiebetüren sind es immerhin noch Reflektoren.

Der H-1 Travel startet mit dem 136 PS-Motor bei 27.358,10 Euro, der stärkere 170 PS 2,5 Liter CRDi kostet mit 27.953,10 Euro nur 595 Euro mehr, die serienmäßige Ausstattung ist bei beiden identisch und ziemlich umfangreich. So gehört die beheizbare Heckscheibe ebenso dazu, wie das Rückfahrwarnsystem, die beiden Schiebetüren, die Klimaanlage, der höhenverstellbare Fahrersitz, getönte Scheiben, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Lederlenkrad, Radiovorbereitung mit vier Lautsprechern, längsverschiebbare zweite Sitzreihe und die Servolenkung.

Entsprechend kurz ist die Aufpreisliste. Neben der Metallic-/Mineraleffekt-Lackierung für 571,20 Euro ist hier nur noch eine Neuwagen-Komfort-Anschlussgarantie (bis 60 Monate) für 539,- Euro zu finden. Serienmäßig sind 3 Jahre Fahrzeuggarantie ohne km-Begrenzung, 3 Jahre Hyundai Euro Serviceund 10 Jahre gegen Durchrostung von innen nach außen.

Verlängert haben sich die Wartungsintervalle, der H-1 Travel muss alle 20.000 km oder jährlich zum Ölwechsel, alle 40.000 km bzw. alle 2 Jahre zur Inspektion.

Stand: November 2009, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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