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Ein Auto für die Welt – die dritte Generation Ford Focus

Seit dem 9. April 2011 rollt die dritte Generation des neuen Focus zu den Händlern. Er basiert auf einer völlig neuen, für den Weltmarkt konzipierten, C-Plattform, auf der die Kölner in Zukunft insgesamt zehn Modellvarianten bauen möchten, bis hin zum SUV. Hier und heute präsentiert sich der neue Focus als klassischer Fünftürer sowie als viertürige Stufenheckvariante. Eine Kombiversion, Turnier genannt, wird bereits im Mai folgen. Ein Dreitürer sowie eine Cabrioversion sind allerdings nicht geplant. Noch in diesem Jahr rechnet Ford mit 50.000 Einheiten allein für Deutschland.

Ganz klar ein Ford, ganz klar ein Focus und ganz klar kinetic Design. Dennoch zeigt sich der neueste Sprössling eigenständig und völlig anders als die vorherigen Generationen.

Design wird heutzutage nicht mehr nur mit Hinblick auf Optik geschaffen, sondern auch auf Sicherheit. Trotz dieser Vorgaben ist es den Designern gelungen, eine dynamisch und schnittig gezeichnete Fließheckvariante auf die Räder zu stellen. Minimal flacher und etwas schmaler, dafür 21 Millimeter länger sind die Größenverhältnisse gegenüber den Vorgängermodellen dagegen nur gering verändert.

Zu den Eyecatchern zählen der markentypische, große, trapezförmige Lufteinlass, die coupéähnliche Silhouette sowie die außergewöhnlich geformten, großen Rückleuchten.

Als kleiner Schönheitsmakel erweist sich der etwas groß geratene Abstand zwischen Ford-Logo und Motorhaube, es hat hier den Anschein , als sei letztere nicht richtig geschlossen.

Es ist Leider nur selten der Fall, dass eine Stufenheckvariante so stimmig ist, wie beim neuen Ford Focus. Nichts desto trotz wird die 4-Türer-Variante auch hier zu lande nur einen geringen Anteil ausmachen, in Osteuropäischen Ländern und den USA wird diese Modellvariante dagegen wiederum den Besteller geben.

Das Interieurdesign präsentiert sich ebenfalls eigenständig und sportlich, unterscheidet sich je nach Ausstattungslinie nicht nur durch verschiedene Applikationen, sondern auch durch andere Schalterelemente. Die Verarbeitung sowie Materialanmutung entspricht vorbildlichem Standard,kommt leider jedoch nicht an den Hauptkonkurrenten aus Wolfsburg heran.

Das Multifunktionslenkrad ist für unseren Geschmack etwas groß geraten, aber dafür angenehm dick. Die zahlreichen Bedienmöglichkeiten, die wir hier auffinden, verlangen in jedem Fall eine Eingewöhnungsphase, lassen sich dann aber ebenso gut handeln wie die Einheiten in der Mittelkonsole. Diese sowie die Schaltkulisse machen jedoch den Anschein eher zum Beifahrer gerichtet zu sein, was sich nicht nur optisch, sondern auch gerade was die Handhabung des Schalthebels anbelangt, als ungewöhnlich erweist. Der Handbremshebel ist wiederum sehr üppig direkt neben dem Fahrer platziert.

Der Armaturenträger sowie die gesamte Mittelkonsole sind recht wuchtig und nehmen viel Raum ein, dennoch kann der markante Cockpitcharakter gefallen, ebenso die sportlich gezeichnete große Instrumenteneinheit mit hellblauen Zeigern. Allerdings ist es uns nicht ganz schlüssig, warum die jüngste Generation des HMI-Systems (Human Machine Interface) über einen am oberen Ende der Mittelkonsole platzierten Bildschirm verfügt der kaum größer ist, als der Screen, den wir in der Instrumenteneinheit auffinden. Während letzterer sich als ausreichend groß erweist, ist der mittig angebrachte Bildschirm einfach zu klein um ihn auch während der Fahrt sicher und problemlos einzusehen.

Die wunderbar ausgeformten Vordersitze sagten uns in einem schicken Stoff-Leder-Mix sehr zu und gaben keinen Anlass zur Kritik. Während hier in Reihe eins die Platzverhältnisse in Ordnung sind, wird es für Großgewachsene im Fond etwas enger. Gerade der sportlich abfallenden Dachlinie zollt man hier Tribut.

Auch der Kofferraum weist kleine Schwächen auf, die wiederum teils auf die neuen Sicherheitsstandards zurück zu führen sind. So ist nicht nur die Ladekante recht hoch, gerade die zu bewältigende anschließende Stufe von ca. zwanzig Zentimeter erweist sich beim Ausladen als unangenehm. Dieses Manko müssen wir sowohl beim Fünf- als auch beim Viertürer in Kauf nehmen.

Während beim Stufenheck das Ladevolumen bei 372 bzw. 475 Liter liegt, bietet die Fließheckvariante die Möglichkeit auf eine ebene Ladeflächezurückzugreifen, hierzu muss, bevor die Lehnen der Rücksitze im Verhältnis 60:40 umgelegt werden können, noch die Sitzflächen nach vorn geklappt werden. Das Kofferraumvolumen steigt dann von 277 auf bis zu 1.062 Liter an, wer auf ein vollwertiges Ersatzrad verzichtet und stattdessen auf ein Reifen-Reparatur-Set zurückgreift, verfügt über weitere 86 Liter Stauraum.

Bereits die erste Generation setzte seinen „Focus“ auf Agilität. Die neue Fahrzeugarchitektur für das C-Segment wurde nicht nur in punkto Verwindungssteifigkeit optimiert, sondern auch im Bereich Fahrwerks-Konstruktion modifiziert.

Perfektes und vor allen Dingen sicheres Handling garantiert dabei die neu entwickelte Fahrdynamik-Regelung Torque Vectoring Control (TVC), die stets serienmäßig verbaut ist und bisher nur aus Sportwagen bekannt war.

Die aktive Fahrdynamikregelung regelt elektronisch die Kraftverteilung zwischen den angetriebenen Vorderrädern. Durch gezielte Bremseingriffe wird ein Unter- oder Übersteuern bei flotter Kurvenfahrt reduziert bzw. verhindert und somit ein perfektes Einlenkverhalten garantiert und zudem die Kraft optimal auf die Straße gebracht.

Die ebenfalls im Basispreis enthaltende neu entwickelte elektrische Servolenkung EPAS (Electric Power Assist Steering) vermittelt dabei dem Fahrer ein angenehm straffes und präzises Lenkgefühl.

Sportlich straff und wunderbar dynamisch, entspricht die Fahrwerksauslegung ganz unserem Geschmack. Der Komfort bleibt dabei aber nicht auf der Strecke, auch wenn grobe Schlaglöcher spürbar bis zu den Insassen durchdringen.

Eine Zweikreis-Diagonal-Bremsanlage mit hydraulisch betätigten Scheibenbremsen rundum – vorn innenbelüftet – zusätzlichem Vakuum-Bremskraftverstärker mit elektronisch gesteuertem Vierkanal-ABS inklusive elektronischer Bremskraftverteilung klingt bereits nach einer verlässlichen Einheit und dieser Eindruck bestätigte sich auch während unserer ersten Testfahrt.

Das Motorenangebot umfasst eine große Auswahl sowohl an Benzinaggregaten wie auch an Dieselmotoren. Wir haben uns hieraus die Ecoboost-Benzindirekteinspritzer-Turbomotoren mit 1,6 Litern Hubraum gepickt. Dieser Motor ist in zweiLeistungsstufen verfügbar, die 150 PS-Variante ist im Gegensatz zur 182 PS starken Topmotorisierung nicht nur in der Titanium-Ausstattung sondern auch als Trend-Line erhältlich. Die Ford EcoBoost-Technologie beinhaltet dabei eine Hochdruck-Benzindirekteinspritzung und stellt die Neuentwicklung im aktuellen Motorenportfolio dar.

Beide EcoBoost-Benziner, ob nun 110 kW oder 134 kW stark, stellen ab 1.600 U/min 240 Nm parat, dieses Drehmoment lässt sich kurzzeitig mittels Overboost-Funktion auf bis zu 270 Nm anheben. Damit zieht er stets souverän los, nichts desto trotz hatten wir bei flotter Hatz in den oberen Drehzahlbereichen teilweise das Gefühl, dass der Motor für ein Topaggregat etwas zäh wirkt, in punkto Sound tritt er dann jedoch sehr kernig hervor. Der Spurt von 0-100 km/h gelingt dem derzeit stärksten Aggregat in 7,9 Sekunden und es erreicht eine Topspeed von 222 km/h.

Beim alltäglichen Cruisen lässt sich das Fahrzeug nicht nur schaltfaul und laufruhig fahren, sondern dank der „Ford Econetic Technology“ auch angenehm sparsam. Dahinter verbirgt sich das automatisierte Start-Stopp-System, der variable Kühlerlufteinlass und das ökologische Fahrer-Informationssystem Ford ECO-Mode. Ein Mixverbrauch von rund sechs Liter liegt durchaus im Rahmen des Möglichen, der Kohlendioxid-Ausstoß hält sich mit 139 g/km ebenso in Grenzen.

Das neu entwickelte Durashift-6-Gang-Schaltgetriebe wirkt dabei sehr harmonisch und lässt sich auf angenehm kurzen Wegen wunderbar leichtgängig und exakt schalten. Das für die Selbstzünder erhältliche Ford PowerShift-Automatikgetriebe steht diesen beiden Motoren derzeit nicht zur Wahl.

Sicherheit, ein Kapitel, das beim neuen Focus seinesgleichen sucht. Neben dem intelligenten Sicherheits-System IPS, das zum Einen Front-, Seiten- und Kopf-Schulter-Airbags, moderne integrierte Rückhaltesysteme, eine Sicherheits-Lenksäule, ein neues Gurtwarnsystem für die Rücksitze, Isofix-Befestigungspunkte, elektrische Tür-Kindersicherung umfasst, bietet der neue Focus neben dem Komfort-Tankverschluss Ford Easy Fuel der Fehlbetankungen verhindert auch ein elektronisches Stabilitätsprogramm, das folgende Systeme beinhaltet:

EinAntiblockier-Bremssystem (ABS) inklusive elektronischer Bremskraftverteilung (EBD) und Kurvenbremskontrolle (CBC), ein Sicherheits-Bremsassistent (EBA), elektronischer Bremsdruckaufbau (EBP) und Notbremslicht, Antriebsschlupf-Regelung (ASR) mit Motordrehmoment-Kontrollsystem (ETCS) und aktivem Bremseingriff (BLD), eine hydraulische Hinterachs-Bremsunterstützung (HRB), Motorschleppmoment-Kontrolle (EDC), Torque Vectoring Control (TVC), Berganfahrassistent und eine Anhänger-Stabilisierung.

Was den neuen Kompaktwagen in seiner Klasse jedoch einzigartig macht, sind die diversen, wenn auch meist optional angebotenen Assistenzsysteme. In attraktiven Paketen verpackt, bieten die Kölner alle Systeme zusammen genommen gerade mal zu einem Preis an, für den wir im Premium-Segment einen einzigen Assistenten bekommen.

Arbeiten wir uns Schritt für Schritt durch die einzelnen Fahrer-Assistenzsysteme durch, beginnend beim Spurhalte-Assistent mit Spurhalte-Warnung. Letztere warnt den Fahrer mittels leichten Vibrationen im Lenkrad, sobald das System ein ungewolltes Verlassen – ohne Betätigung des Blinkers – der Fahrspur bemerkt. Ab 60 km/h kommt wenn gewünscht der Fahrspurhalte-Assistent aktiv hinzu und bringt das Fahrzeug durch einen sanften Lenkeingriff zurück in die Spur.

Der Toter-Winkel-Assistent (Blind Spot Information System) macht den Fahrer außerdem beim Spurwechsel via LED-Warnleuchten in den Außenspiegeln auf andere Verkehrsteilnehmer aufmerksam, die sich im kaum einsehbaren „toten Winkel“ befinden.

Das Auffahrwarnsystem FA (Forward Alert) weist den Fahrer visuell und akustisch auf drohende Gefahren hin und bereitet das Bremssystem auf einen eventuellen Ernstfall vor. Reicht dies jedoch nicht mehr aus, kommt der Active City Stop zum Einsatz. Das neue System schützt vor Auffahrunfällen und Frontalkollisionen bei geringen Geschwindigkeiten bis zu 30 km/h. Droht ein Zusammenprall baut das System Bremsdruck auf und leitet bei ausbleibender Reaktion des Fahrers selbstständig eine Bremsung ein.

Apropos Aufmerksamkeit, hier kommt der Müdigkeitswarner (Driver Alert) ins Spiel. Dieser warnt mit einem Warnsignal und einer Displayanzeige, die mittelsOK-Taste bestätigt werden muss, vor zunehmender Ermüdung und möchte somit auch dem tückischen Sekundenschlaf entgegenwirken.

Das Verkehrsschild-Erkennungsystem (Traffic Sign Recognition) informiert über Tempolimits und im Gegensatz zu manch anderem Hersteller zeigt das System auch Überholverbote an. Auf Wunsch zeigt die Funktion aktiv einen Warnhinweis an, wenn die gültige Geschwindigkeitsbegrenzung um einen zuvor definierten Schwellenwert überschritten wird.

Für optimale Sichtverhältnisse sorgt der automatische Fernlicht-Assistent (Auto High Beam), dieser wechselt automatisch von Fern- auf Abblendlicht und andersherum. Befinden wir uns in einer geschlossenen Ortschaft, verzichtet der Fernlicht-Assistent auf die automatische Aktivierung des Fernlichts.

Zu guter Letzt sei noch der Einpark-Assistent (Active Park Assist) erwähnt. Diese Funktion lenkt den Wagen automatisch in längs zur Fahrtrichtung liegende Parklücken, die gerade mal um das 1,2-fache länger als das Fahrzeug sein müssen, damit erreicht Ford einen Spitzenwert.

Sollten Sie sich für einen Motor aus dem umfangreichen Portfolio entschieden haben, kommt noch die Frage auf, mit welcher Ausstattungslinie Sie diesen kombinieren möchten. Was darf es für Sie sein, das ausreichend – allerdings ohne Klimaanlage – ausgestattete Basismodell ab 17.850,- Euro, die Trend-Variante ab 19.300,- Euro zusätzlich bestückt mit einem Audiosystem inklusive CD und USB-Schnittstelle, beheizbaren Außenspiegeln, einer Lendenwirbelstütze für den Fahrersitz, einer manuellen Klimaanlage und elektrischen Fensterheber rundum oder dann doch lieber die sportlich-luxuriöse Titanium-Version ab 21.350,- Euro? Diese umfasst neben einer Zwei-Zonen-Klimaautomatik, eine schicke Ambientebeleuchtung, ein tolles Audiosystem inklusive Mobiltelefon-Vorbereitung und Sprachsteuerung, einen manuell verstellbaren Beifahrersitz ebenfalls mit einer Lendenwirbelstütze versehen, der Ford Power-Startfunktion, einer Geschwindigkeitsregelanlage inklusive –begrenzer, Regensensor, Sportsitze vorn sowie ein Reifendruckkontrollsystem. Ein Lederlenkrad sowie –schaltknauf sind allerdings auch erst in dieser Topausstattung serienmäßigmit dabei.

Zu den attraktiven Optionen zählen neben den bereits erwähnten Assistenz-Paketen außerdem Style-Pakete sowohl für Innen wie Außen oder aber auch diverse Einzelpositionen, die Sie in der Preisliste finden können.

Stand: April 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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