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Der Windel-Rocker BMW 130i

Die 1er Reihe ist noch recht jung und schon ist eine echte Power-Version davon zu haben. Ganz unauffällig oder im M-Sportanzug, mit sportlichem oder auch fast ganz „normalem“ Interieur, aber immer mit der gewaltigen Power von 265 PS, die mittels Startknopf zum Leben erweckt werden. Und auch die werden bei 250 km/h elektronisch abgeregelt, aber der Weg dort hin ist atemberaubend. Und fast fehlen einem die Worte um den coolen Sound zu beschreiben, der jeden Gasstoß begleitet. Sein Durst hält sich durchaus in Grenzen, nur beim Preis wird mancher erst mal schlucken – aber es lohnt sich, weil Sie es sich wert sind. Oder so.

Variante 1 versetzt einen ins Staunen, das soll wirklich der BMW 130i sein? Abgesehen vom verchromten Doppelrohrauspuff, dem dezenten Schriftzug, den Nebelscheinwerfern und den verchromten Lamellen am Kühlergrill und der dezenten Tieferlegung deutet wirklich nichts auf die in ihm steckende Kraft hin und somit könnte er auf den ersten Blick auch gut ein 116i sein, was durchaus auch seine Reize haben kann, man könnte ja mal auf einen Porsche oder Golf R32 treffen (grins, grins).

Variante 2 sorgt, bestückt mit dem „M Sportpaket“, doch für eine Spur mehr Auffälligkeit, wirkt kraftvoller und dynamischer. Dazu kommen wuchtige Front- und Heckschürzen mit markantem Lufteinlass und angedeutetem Diffusor sowie Seitenschweller ins Spiel, nicht zu vergessen die großen 18 Zöller. Im Paket enthalten auch das Sportfahrwerk sowie ein Interieurpaket – doch dazu später mehr.

Gleichgültig ob Sie sich für Variante 1 oder 2 entscheiden, ein serienmäßiger Komfortzugang erlaubt Ihnen einen schlüssellosen Zugang ins Innere, zudem erkennt das Fahrzeug mit welchem Schlüssel Sie sich nähern und stellt sogleich Radio, Klimatisierung, Sitze und Spiegel auf den jeweiligen Fahrer ein.

Jetzt endlich steigen wir ein und erkennen, das der BMW 130i auch im Innenraum entweder ganzauf zusätzliche Sportlichkeit verzichten, oder mit dem Interieurpaket dann doch klar die sportliche Sonderstellung zu Schau trägt – können wir eigentlich nur empfehlen.

Denn dann empfangen uns Einstiegsleisten im M Design und Aluminium-Dekorleisten, hochwertiges Walknappaleder und ein BMW Individual Dachhimmel werten das Interieur ganz enorm auf.

Und auch wenn die „normalen“ Sitze schon nicht schlecht sind, diese Sportsitze sind perfekt ausgeformt mit gutem Seitenhalt bis in die Schultern. Kinderleicht lassen sich die Sitze wie auch das sportlich dicke Lederlenkrad (horizontal und vertikal) elektrisch oder manuell verstellen, hier hat jeder schnell die richtige Sitzposition gefunden.

Werfen wir noch einen Blick auf die Instrumente und Bedienelemente, obwohl, hier ist auch beim 130i alles so wie wir es von seinen Brüdern kennen: in guter Reichweite, gut abzulesen und sehr wertig verarbeitet. Einziges Manko: der Controller für das iDrive ist etwas weit hinten platziert und dadurch nicht optimal erreichbar. Perfekt in der Hand liegt dagegen der verkürzte Schalthebel der das sportliche Feeling unterstreicht.

Auch in Punkto Kofferraum bleibt alles wie gewohnt, 330 Liter Ladevolumen lassen sich durch schnelles Umklappen der Rücksitzbank auf 1.150 Liter vergrößern. Die so entstehende Ladefläche ist eben und dank einer weit öffnenden Heckklappe sowie einer niedrigen Ladekante gut zu beladen.

Wer das serienmäßige BMW-Fahrwerk ordert, spürt schon das sportliche Potential des 130i, kann aber noch auf ausreichende Komfortreserven vertrauen. Mit dem M-Fahrwerk wird nicht nur die Tieferlegung sondern auch die satte Straßenlage verstärkt.

Die Kraftübertragung erfolgt in gewohnter BMW-Manier über die Hinterräder, allein damit ist schon für eine gute Traktion gesorgt, denn mehr Power oder mehr Gas verstärken nur den Druck der Hinterachse auf den Boden, negative Einflüsse auf die Lenkung sind von vorne herein ausgeschlossen. Soerlaubt der 130i fulminante Beschleunigungen auch aus engen Kurven heraus und schafft ein dynamisches Fahrverhalten nicht nur auf trockener Fahrbahn.

Denn schließlich kommt ein DSC (Dynamische Stabilitäts-Kontrolle) der neuesten Generation zum Einsatz, das spät und auch nur dezent eingreift und den Fahrer so optimal unterstütz. Dabei werden an einzelnen Rädern vor erreichen des Grenzbereiches gezielte Bremseingriffe gesetzt und ggf. auch die Motorleistung reduziert um ein Ausbrechen des Fahrzeugs zu verhindern.

Wer meint, so richtig sportlich unterwegs sein zu wollen, der kann das DSC ganz ausschalten oder in den DTC-Modus wechseln. In diesem Dynamic Traction Control-Modus ermöglicht das DSC eine besonders vortriebsorientierte Fahrweise, das heißt, die Elektronik greift sehr spät ein und lässt einen höheren Schlupf zu.

Aber das DSC kann auch positiv auf die Bremsleistung einwirken, und das in praktisch jedem Bereich, nicht nur bei Nässe oder betont sportlicher Fahrweise. So werden bei einem besonders schnellen „Fuß vom Gas nehmen“ die Bremsbeläge vorangelegt, also näher an die Bremsscheiben gebracht um ggf. eine spontanere Bremswirkung zu erzielen.

Außerdem wirkt das DSC durch die üppige Bremsendimensionierung bei mehreren starken Bremsvorgängen dem Faden entgegen, also dem Nachlassen der Bremsleistung. Bei höherer Erwärmung wird automatisch der Bremsdruck angepasst. Der Fahrer bekommt davon nicht viel mit, außer vielleicht dass die Pedalkraft konstant bleibt. Und auch von der Trocknung bei Nässe, bei der das DSC die Beläge sanft an die Scheiben anlegt um ein Trockenbremsen zu bewirken, läuft für den Fahrer unmerklich ab.

Nicht unerwähnt lassen wollen wir diese Fakten: die ABS-Bremsanlage wirkt mit elektronsicher Bremskraftverteilung vorne und hinten auf innenbelüftete Scheibenbremsen. Die Kurvenbremskontrolle (CBC) sorgt durch Verringerung des Bremsdrucks auf das kurveninnere Vorderrad und beide Hinterräder füreine hohe Stabilität schon beim leichten Kurvenbremsen.

Wie von BMW eigentlich nicht anders gewohnt, schafft die angenehm straffe und direkte Lenkung eine hervorragende Verbindung zur Fahrbahn. Erstmals in dieser Klasse (nur für den 130i) bietet BMW die Aktivlenkung an. Diese passt sich der jeweiligen Geschwindigkeit optimal an, erlaubt z.B. mit geringsten Lenkbewegungen und minimalem Kraftaufwand leichtes Einparken oder Rangieren und wird mit zunehmendem Tempo straffer und weniger direkt. Solchermaßen perfektes Handling ist allerdings mit einem Aufpreis von 1.300,- Euro nicht ganz billig.

Was für den Motorsport gut ist, kann auf der Straße nicht schaden, frei nach diesem Motto hat BMW die Bedplate-Konstruktion übernommen, das heißt, neben Aluminium wurde auch eine Menge Magnesium verarbeitet, wodurch der neue Drei-Liter-Sechszylinder zum leichtesten Aggregat seiner Klasse wurde.

Was seine Leistung angeht ist er aber eher ein Schwergewicht. Gewaltige 265 PS bei 6.600 U/min aus 2.996 cm³ Hubraum in einem 1er BMW zaubern einem schon beim Lesen der Daten ein Schmunzeln ins Gesicht. Und wenn sich die 195 kW und das schon ab 2.500 Touren anliegende maximale Drehmoment von 315 Nm erst mal so richtig ins Zeug legen, kann man sich ein breites Grinsen nicht mehr verkneifen.

An den 6,1 Sekunden, die beim Sprint von 0 auf 100 km/h vergehen, hat so mancher Konkurrent zu knabbern. Dank sportlich abgestuftem Sechsgang-Schaltgetriebe laufen auch die Zwischensprints sehr zügig ab, so vergehen nur 5,8 Sekunden um im vierten Gang von 80 auf Tempo 120 zu kommen. Da wird sich so mancher über die auferlegte Selbstbeschränkung von BMW und die damit verbundene, elektronisch abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ärgern.

Untermalt wird der begeisternde Vortrieb von einem kernig-sonoren Sound, der häufig Lust auf mehr macht. Hören Sie doch mal rein.Da besteht höchste Suchtgefahr, die nicht einmal durch einen zu hohen Spritverbrauch gebremstwird. Zumindest der Durchschnittsverbrauch von 9,2 Litern bei „normaler“ Fahrweise geht voll in Ordnung. Es ist aber leider davon auszugehen, dass er sich proportional zum Adrenalinausstoß und der gefahrenen Geschwindigkeit erhöhen dürfte.

Dank Valvetronic und der stufenlosen Nockenwellenverstellung Vanos erfolgt eine stufenlose und sehr schnelle Steuerung der Einlassventile und Laststeuerung des Motors. Positiv auf den Verbrauch wirkt sich zudem die elektrische Wasserpumpe aus, die unabhängig von der jeweiligen Motordrehzahl arbeitet und sich nur am Kühlbedarf des Motors orientiert.

Zur Zeit ist der BMW 130i nur mit einem Sechsgang-Handschaltgetriebe lieferbar, was aber kein Grund zum Trübsal blasen ist – im Gegenteil. Nicht nur, dass die Hand so herrlich auf dem verkürzten Schalthebel liegt, dass man sie gar nicht mehr wegnehmen möchte, die Schaltwege sind knackig kurz und die Führung so exakt, dass der Hebel durch die Kulisse gleitet wie das heiße Messer durch die Butter. Die gelungene Abstimmung des Getriebes auf die Motorcharakteristik tut ein Übriges dazu.

Wem das aber (immer noch) nicht reichen sollte, der muss sich voraussichtlich bis zum Frühjahr 2006 gedulden, ein DSG-Getriebe ist in Planung.

Der 130i steht nicht nur leistungsmäßig ganz oben, auch im Bereich der Sicherheit ist er top. Sechs Airbags (zweistufig auslösende Airbags für Fahrer und Beifahrer, Seiten- und Kopfairbags), automatisch wegklappende Pedale, eine verformbare Lenksäule, Dreipunktgurte auf allen fünf Sitzplätzen, mit Gurtstrammern und Gurtkraftbegrenzer sowie ISOFIX-Verankerungen vorne und hinten sind Standard.

Ein weiteres Feature stellt das BMW Licht Control Modul (LCM) dar, bei einem Ausfall des Bremslichtes zum Beispiel, wird ersatzweise das Rücklicht höher bestromt und somit dieselbe Wirkung erreicht. Der Fahrer bekommt zudem den Ausfall im Cockpit-Display angezeigt.

Auffahrunfälle vermeiden soll das zweistufige Bremslicht, das dieIntensität des Lichtes der Bremsung anpasst. Bei einer Vollbremsung zum Beispiel wird das Bremslicht durch die Beleuchtung des oberen Bereichs der Rückleuchteneinheit unterstützt.

Doch damit nicht genug. Eine Reifenpannenanzeige informiert über Druckverluste und die Bremsbelag-Verschleißanzeige über ausreichende oder eben nachlassende Bremskraft. Und schließlich besitzen die Reifen des BMW 130i Notlaufeigenschaften, die dafür sorgen, dass man auch mit einem Plattfuß noch in die Werkstatt kommt. Zur Not bis zu 150 km weit. Auch bei einem plötzlichen Reifenplatzer kann der Reifen nicht von der Felge springen.

Mit 32.500,- Euro ist der BMW 130i mit Sicherheit kein Schnäppchen, bewegt sich aber auf gleichem Niveau wie zum Beispiel sein Mitbewerber VW Golf R32 (32.200,-).

An sich ist die serienmäßige Ausstattung u. a. mit elektrisch einstell- und beheizbaren Außenspiegeln, dem Bordcomputer, elektrischen Fensterhebern vorn und hinten, schlüssellosem Zugang inkl. Komfortzugang, der Klimaanlage, dem Sport-Lederlenkrad, Nebelscheinwerfern, 17-Zoll-Leichtmetallrädern, CD-Radio Business, den Interieurleisten Titan matt und dem höhenverstellbaren Fahrersitz schon recht umfangreich, doch wie von BMW gewohnt, sind der individuellen Gestaltung keine Grenzen gesetzt.

So hat man schnell mit einem Navigationssystem Professional für 2.750,- Euro, dem M Sportpaket für 2.100,- Euro, der Lederausstattung für 1.680,- Euro, dem adaptiven Kurvenlicht für 400,- Euro, der Aktivlenkung für 1.300,- Euro, der Klimaautomatik für 550,- Euro und der elektrischen Sitzverstellung für 1.250,- Euro die 40.000,- Euro – Marke erreicht und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht, schließlich gibt es da noch einen Tempomat, das el. Glas-Schiebe-Hebedach, die Park-Distance vorn und hinten, den Regensensor und, und, und.

Dafür können Sie dann bei der Wartung etwas sparen, so ist das Getriebe mit einer Lebensdauer-Ölfüllung versehen und, abhängig vonIhrem Fahrstil, braucht der BMW 130i erst nach 30.000 km zur Inspektion. Der Fahrspaß macht die Investition auf jeden Fall wieder wett, und wie heißt es so schön: „Man gönnt sich ja sonst nichts!“

Stand: Oktober 2005, Text und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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