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Der Spritsparer: Toyota Avensis

147 PS sind eigentlich ausreichend für ein Auto wie den Avensis, bei ihm wurde jedoch das Sechsgang-Getriebe ziemlich lang übersetzt, und so spart der Japaner zwar ordentlich Sprit, kommt im Mix mit 6,4 Litern aus, zeigt dafür aber auch sehr wenig Temperament. Halb so wild, richtig schnelles Fahren macht der weitgehend gutmütige Avensis durch sein ESP zunichte, das fast schon störend runterbremst. Der gute Gesamtkomfort geht auf Schlaglochpisten verloren, an den sehr guten Platzverhältnissen ist nichts auszusetzen. Groß ist auch der Kofferraum, der nach dem Umklappen der Rücksitze eine Stufe im Boden hinterlässt und die Scharniere des Deckels drücken aufs Gepäck.

An der Front kommt uns der neue Toyota Avensis ein wenig amerikanisch, erinnert etwas an einen Cadillac, am Heck haben sich die Designer dann eher an der Linie des Lexus IS orientiert. Trotzdem ist das Gesamtbild stimmig und gefällig, der neue Avensis fällt in der Masse deutlich mehr auf als sein Vorgänger.

Und er wirkt richtig sportlich, die abgerundete Motorhaube biegt den Frontscheinwerfern einen „bösen Blick“ hin und der markante Kühlergrill läuft optisch in die Frontschürze weiter, die den Avensis richtig dynamisch dastehen lässt und in vorne stark ausgestellte Radläufe übergeht.

Weiteren Schwung holt sich die Seitenlinie durch die ungewöhnlich profilierten Türen oberhalb des Schwellers, die ansteigende Gürtellinie und die sportlich gebogene Dachlinie, die dem Avensis coupéhafte Linien beschert und in einem hohen und kurzen Heck ausläuft.

Hier betonen die waagerechten Rückleuchten die Horizontale und lassen den Japaner breit auf der Straße stehen, ein Umstand, der durch die massive Heckschürze noch verstärkt wird.

Modern und mit einem sportlichen Touch präsentiert sich auch der Innenraum des neuen Avensis, die an allen entscheidenden Stellen angenehm weich verarbeiteten und angreiffreundlichenKunststoffe sind schön strukturiert und wie der Rest sehr gut verarbeitet. Alle wesentlichen Bedienelemente sind gut erreichbar und übersichtlich platziert, für die elektronische Handbremsenbetätigung, die vom Lenkrad verdeckt wird, gilt das leider nicht, zum Glück muss sie nur gedrückt werden, sie löst sich beim Anfahren selbstständig. Vergisst man sie zu aktivieren, rollt der Avensis selbst auf vermeintlich ebener Strecke schnell weg.

Ziemlich versteckt haben sich auch die Schalter für ESP OFF und die Tankklappenfernentriegelung, ansonsten hat uns nur die Tatsache gestört, dass sich die Klimaregelung immer wieder ohne Zutun beim Neustart auf Umluft zurückgestellt hat. Gut ablesbar in Optitron-Hinterleuchtung sorgen auch die Instrumente für Modernität und dafür, dass man glaubt, bereits das Fahrlicht eingeschaltet zu haben.

Trotz zahlreich verarbeiteter Applikationen in Titan-Optik ist es den Designer nicht gelungen, dem Cockpit das gewisse Etwas zu geben, es wirkt ein wenig trist und nüchtern. Eher eingeschränkt präsentiert sich auch die Übersichtlichkeit besondern nach schräg hinten.

Nehmen Sie Platz – und egal ob vorne oder hinten – der Avensis bietet jede Menge davon. Auf groß dimensionierten Sitzen findetman ein bequemes Unterkommen, darf aber kaum Seitenhalt erwarten. Die Verstellung erfolgt problemlos und auch wenn vorne große Passagiere den Sitz weit nach hinten fahren, finden auch Erwachsene auf den Rücksitzen noch gute Platzverhältnisse vor. Dazu wollen die recht kurzen Kopfstützen auf der Rückbank so gar nicht passen.

Oder man nutzt den Raum zur Vergrößerung des mit 509 Litern bereits üppigen Kofferraums, muss dann aber mit einer Stufe und ansteigendem Boden der im Verhältnis 60 zu 40 umklappbaren Rücksitze leben. Noch ungewohnter für einen Toyota haben wir aber die Lösung des Kofferraumdeckels empfunden, bei dem die Scharniere aufs Gepäck drücken. Zudem ist die Ladekante im Alltag recht hoch und danach geht es eine ordentliche Stufe nach unten.

So sportlich wie er von außen aussieht fährt sich der neue Avensis leider nicht. Trotz breiterer Spur und größeren Rädern liegt der Fokus mehr auf Komfort. Und so wird er in schnell gefahrenen Kurven etwas schwammig, schiebt ordentlich über die Vorderräder und quietscht mächtig mit den Reifen.

Und obwohl er im Großen und Ganzen recht gutmütig bleibt, greift das serienmäßige ESP deutlich spürbar ein. Schade eigentlich, denn mit der angenehm direkten und straffenLenkung hat die Limousine gut im Griff. Und hat man sich gerade an den guten Fahrkomfort gewöhnt, tauchen die ersten Schlaglöcher auf und der gute Eindruck geht wieder etwas verloren.

Wer glaubt, das ESP ausschalten und dann nach Herzenslust um die Kurven räubern zu können, der irrt, denn die Sicherheitselektronik aktiviert sich wieder automatisch. Im Slalomtest empfanden wir die Eingriffe aber als störend und viel zu stark.

Keinen Grund zur Klage geben die Bremsen, die mit Scheibenbremsen rundum (vorn innenbelüftet), ABS, elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent wirkungsvoll und ohne Fading auch nach der zehnten Vollbremsung ans Werk gehen. Im Alltag fein dosierbar und schnell ansprechend, begleiteten Reifenquietschen und ABS-Rubbeln bei einer Vollbremsung den Weg zum Stillstand, der beim Avensis aus Tempo 100 nur sehr gute 35 Meter dauert.

Nachdem wir im Rahmen der Präsentation einem Diesel den Vorzug gegeben hatten, sollte es im Test ein Benziner sein. Von den drei angebotenen fiel unsere Wahl auf den 1,8 Liter Vierzylinder mit 108 kW/147 PS und einem maximalen Drehmoment von 180 Nm bei 4.000 U/min.

Damit ist der Avensis zwar ausreichend motorisiert, viel Temperament sollte man aber tunlichst nichterwarten. So zeigt sich der Vierzylinder schon am Start recht zäh, verlangt vor allem beim Anfahren recht viel Gas um nicht abgewürgt zu werden und genehmigt sich eine Anfahrschwäche wie man sie eigentlich nur von früheren Dieseln kannte. Und verhalten geht es weiter, an die Werksangabe von 9,4 Sekunden für den Sprint von Null auf Hundert sind wir auch nicht ansatzweise rangekommen. Mit 200 km/h Topspeed kann man leben, auch wenn sich der Motor dann als recht laut und rau entpuppt, ansonsten läuft das Aggregat kultiviert und vor allem im Stand sehr leise.

Und so ist auch der Durchzug nichts besonderes, nicht nur in den länger übersetzten oberen Gängen geht nicht viel, an Steigungen muss oft zurückgeschaltet werden. Wer es eiliger hat muss die Gänge voll ausdrehen und öfters zur Sechsgang-Handschaltung greifen, die auf ordentlichen Wegen den Schalthebel sauber durch die Kulisse gleiten lässt. Eine Anzeige hilft beim Spritsparen und zeigt den günstigsten Schaltzeitpunkt an.

Damit und dank der langen Getriebeübersetzung kann man den Avensis 1.8, wie wir auf unserer Normstrecke, mit 6,4 Litern Super sehr günstig bewegen, in der Stadt sind es 8,5, außerorts 5,4 Liter. Auch die 155 g/km CO2 sind schon ganz okay, trotzdemerreicht das Aggregat nur Euro 4.

Mit sieben Airbags geht der Avensis an den Start, neben Frontairbags, vorderen Seitenairbags und durchgehenden Kopfairbags ist auch ein Fahrer-Knieairbag an Bord.

Außerdem sind aktive Kopfstützen vorn, ISOFIX Kindersitzbefestigungen und das Kinder-Rückhaltesystem CRS (Child Restraint System), und Gurte (vorne höhenverstellbar und mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern) mit dabei.

Als 1,8 Liter-Benziner gibt es die Avensis Limousine als Sol für 25.200,- Euro und als Executive für 29.250,- Euro.

Die Ausstattung ist in jedem Fall sehr ordentlich, neben einer Zweizonen-Klimaautomatik, Lederlenkrad mit Radio-Fernbedienung, Tempomat, elektrisch einstellbare Lendenwirbel-Stütze, elektrische Fensterheber rundum, Nebelscheinwerfern und Licht- sowie Regensensor ist auch die elektronische Parkbremse Serie.

Beim „Executive“ sind zudem ein Audiosystem mit elf Lautsprechern und 6-fach-CD-Wechsler, Sitzheizung, eine beheizbare Scheibenwischer-Ablage, Smart Entry System mit Start-Stop-Knopf, elektrisch anklappbare Außenspiegel und ein automatisch abblendender Innenspiegel serienmäßig.

Merkwürdigerweise sind die hinteren Parksensoren nur bei ihm, die vorderen auch beim Sol als Optionerhältlich. Sonnenrollos für die hinteren Fenster, Bi-Xenonlicht mit Kurvenlicht, 18 Zoll Alufelgen, HDD Multimedia-Navi mit 7 Zoll Touchscreen wie auch die Lederausstattung sind nur dem Executive optional vorbehalten.

Stand: Juli 2009, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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