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Der spacige Ford Fiesta

Seine Karosserie ist frisch und modern, und geradezu spacig kommt der Innenraum rüber, allerdings haben die Designer von rund bis spitz-eckig kein Gestaltungselement ausgelassen. In guter Verarbeitungsqualität zeigt sich ein bunter Materialmix, dazu sportliche Sitze, die aber für die mit dem Fahrwerk möglichen Kurvengeschwindigkeiten gerne noch etwas mehr Seitenhalt bieten könnten. Verbesserungswürdig ist der Kofferraum: hohe Ladekante, dann tiefe Stufe und nach dem Umklappen der Rücksitzlehnen bleibt eine große Stufe im Boden. Mit dem 90 PS Diesel geht der Fiesta ganz gut, allerdings wird der Motor zunehmend laut, die Bremsen packen trotz Trommelbremsen hinten fest zu und auch die Sicherheitsausstattung ist gut, auch wenn Kopfairbags extra kosten, ein Fahrer-Knieairbag ist Serie.

Kommt ein neues Modell auf den Markt, vergleichen wir es immer wieder gern mit dem Vorgänger, beim neuen Fiesta können wir uns das sparen, ist doch der Neue so viel neuer und peppiger ausgefallen, dass der Alte wirklich alt dagegen aussieht.

Wie gut der neue Fiesta ankommt, erkennt man schon daran, dass er einem quasi an jeder Ecke begegnet, oder fällt er einfach mit seinem frischen Design nur so stark auf? Fast schon zum Single-Frame-Grill mutiert ist die untere Kühleröffnung, die den Auftakt zum markanten Auftritt macht. Mit wenigen Strichen haben die Designer dazu eine dynamische Frontschürze gezeichnet, die in deutlich ausgestellte Radhäuser übergeht.

Und dann diese stark in die Länge gezogenen Scheinwerfer, hinter deren Klarglas sich die einzelnen runden Leuchten in Dreiergruppe aufreihen. Sie geben Ihren Schwung nahtlos an die stark abfallende Motorhaube weiter, und die nimmt ihn über die flach stehende Frontscheibe und das im sanften Schwung abfallende Dach mit ins nicht minder gelungene Heck.

Hier hin läuft auch die stark ansteigende und markant herausgearbeitete Sicke an der Seite aus, die schon in der Frontschürze ihren Anfang findet. Spitz auslaufende Rückleuchten prägen auch die Heckansicht, die durch die flachen Reflektoren in der Heckschürze links und rechts des angedeuteten Diffusors den sportlichen Auftritt zusammen mit dem Dachkantenspoiler vervollständigen.

Auch im Innenraum geht der Fiesta eigene Wege,lässt aber hier von rund über geschwungen bis eckig spitz kein Gestaltungselement aus. Jedes einzelne für sich ist schick anzuschauen – allen voran z.B. die Kombination der Regler und Tasten für die Heizung/Lüftung – im Gesamtbild wirkt das Cockpit dadurch aber etwas unruhig.

Das wird natürlich noch etwas verstärkt durch den ansonsten gelungenen Materialmix mit reichlich silbergrauen Applikationen in der gesamten Mittelkonsole bis hin zum Lenkrad. Auch das Lenkrad geht neue Wege was die Ausformung angeht, allerdings empfanden wir die Kante am hinteren Rand unangenehm zu greifen. Angenehm war wieder der weiche und gut verarbeitete Kunststoff am oberen Armaturenbrett, unten rum kommt allerdings Hartplastik zum Einsatz.

In Röhren liegen die beiden modern gezeichneten Rundinstrumente mit Tacho und Drehzahlmesser, oben in der Armaturenbrett-Mitte informiert ein großes Info-Display, die meisten Bedienelemente sind gut erreichbar und einfach zu handhaben, hier machen die Regler für die Klimasteuerung eine Ausnahme, sie sind recht tief angeordnet.

Schon rein optisch geben sich auch die Sitze mit unterschiedlicher Stoffpolsterung ganz sportlich, sind auch entsprechend straff gepolstert, geben aber nur durchschnittlichen Seitenhalt. Doch das mag auch nur daran liegen, dass der Fiesta schon von seinem optischen Auftritt her einfach mehr erwarten lässt und durch sein Fahrwerk auch entsprechendes Fahren geradezu provoziert.

DasPlatzangebot ist vorne prima, hinten überrascht der noch großzügige Kopffreiraum, im Beinbereich wird es aber für 1,80 m große Mitfahrer hinter ebenso großen Fahrern ganz schön knapp, nur die starke Aushöhlung in den Rückenlehnen der Vordersitze verhindert hier den Anstoß mit dem Knie. Um lange Strecken entspannt zurücklegen zu können, müsste die Rücksitzlehne etwas flacher stehen, der Ein- und Ausstieg geht vorne voll in Ordnung, hinten wird die Öffnungsbreite wie auch die Höhe geringer, was den Einstieg erschwert und auch mal ein Anstoßen mit dem Kopf zur Folge haben kann.

Der Kofferraum leidet ein wenig unter der schicken Hülle. Gehen seine 281 Liter Ladevolumen noch in Ordnung, kann seine recht hohe Ladekante ebenso wenig begeistern wie die unmittelbar nochfolgende tiefe Stufe nach unten, dafür schwingt aber die Heckklappe weit nach oben. Braucht man mehr Stauraum – bis zu 965 Liter sind möglich – dann kann man die Rücksitzlehnen im Verhältnis 60 zu 40 geteilt umklappen. Danach bleibt aber nicht nur eine ansteigende Ladefläche sondern auch eine große Stufe im Boden zurück und auf dem Blech der Sitzrückwand rutscht das Gepäck ziemlich hin und her.

Der Blick zurück, vor allem nach schräg hinten, wird durch die zunehmend breiter werdenden Dachsäulen merklich eingeschränkt und nach vorne entzieht sich die Front ebenfalls dem Blick des Fahrers.

So dynamisch wie er aussieht, so sportlich fährt er sich auch.Das Fahrwerk kann mit seiner straffen Auslegung nur begeistern und vermittelt Go-Kart-Feeling. Entsprechend zackig geht er um die Ecken, erlaubt sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten und bleibt dabei leicht untersteuernd sehr gutmütig. Im Extremfall greift das ESP schützend ein, lässt dem sportlichen Fahrer aber große Freiheiten und so ging es auch in unserem Slalomtest ausgesprochen zackig um die Pylonen. Wer es darauf anlegt, kann mit diesem Kleinen so manchen Großen locker abhängen. Das Beste dabei ist, dass trotz aller Agilität des Fahrwerks der Komfort nicht zu kurz kommt.

Um das Fahrvergnügen noch zu steigern haben die Entwickler dem neuen Fiesta auch eine richtig direkte und angenehm straffe Lenkung verpasst, mit der sich der Kölner herrlich dirigieren lässt. Bei hohem Tempo geht jedoch ein wenig das gute Gefühl für die Straße verloren.

Zu den sportlichen Ambitionen des Fahrwerks passt auch die Bremsanlage. Über das straff arbeitende Pedal werden die ABS-gesteuerten Scheibenbremsen vorn und Trommelbremsen hinten bedient, sie reagieren schnell und lassen sich fein dosieren. Bei einer Notbremsung steht der Fiesta aus Tempo 100 mit deutlichem ABS-Rubbeln und dezentem Reifenquietschen nach gut 36 Metern, ein Nachlassen war auch nach dem zehnten Bremsversuch nicht festzustellen. Elektronische Bremskraftverteilung und Bremsassistent sind serienmäßig an Bord.

Wer bis hierhin gelesen hat, der denkt beim Thema Motor garantiertsofort an einen Fiesta RS, an mindestens 200 PS, an dicke Auspuffrohre, an … Schön wär’s, und sicher wird es den auch mal geben, aber bleiben wir doch erst mal auf dem Teppich und begnügen uns mit 90 Diesel-PS und 1,6 Litern Hubraum.

Daraus kitzelt unser Fiesta neben 66 kW auch noch stattliche 212 Nm Drehmoment bei 2.000 U/min. Die gehen ohne nennenswertes Dieseln willig zur Sache und lassen ihn von unten heraus richtig spritzig loslegen. Nach 11,9 Sekunden sind Tempo 100 erreicht und die Topspeed ist dann mit 175 km/h geschafft. Auch der Durchzug ist ganz okay, doch mit diesem Motor wird der Fiesta keinesfalls zum Rennwagen, wobei man immer den sportlichen Auftritt und das tolle Fahrwerk von seinen Erwartungen abziehen muss, der Fiesta ist ja eigentlich „nur“ ein Kleinwagen.

Und dafür reichen die gezeigten Fahrwerte absolut aus, und schließlich soll ja auch die Umwelt zu ihrem Recht kommen. Mit einem CO2-Ausstoß von nur 110 g/km und einem Mixverbrauch von 4,5 Litern auf 100 km, ermittelt auf unserer Normstrecke, ist das garantiert

Die Schaltung geht auch in Ordnung, auf angenehm kurzen Wegen lassen sich die einzelnen Gänge gut einlegen, die ersten vier Gänge sind gut auf den Wagen abgestimmt, der fünfte Gang ist recht lang übersetzt. Trotzdem wird der Fiesta mit zunehmendem Tempo laut und lauter, dadurch ist man immer wieder versucht, noch einen Gang rauf schalten zu wollen, es fehlt eindeutig der sechste Gang.

ImVergleich zum Vorgänger hat sich hier einiges verbessert. Neben Front- und Seitenairbags ist auch ein Knieairbag für den Fahrer serienmäßig an Bord, Kopfairbags gibt es gegen Aufpreis, wie die dritte Kopfstütze hinten in der Mitte.

Die vorderen Kopfstützen besitzen HWS-Schutz, die Gurte vorne sind höhenverstellbar mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern bestückt.

Unser Ford Fiesta 1,6 TDCI mit 66 kW startet als Trend für 15.500,- Euro, als Ghia sind 17.250,- Euro fällig, diesen Preis muss man auch für das Topmodell ist der Titanium hinblättern, Ausstattungswünsche bleiben dann kaum noch offen.

Aber auch unser Trend war schon ganz ordentlich ausgestattet, so gehören die Servolenkung, ABS, ESP und eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung ebenso zur Grundausstattung, wie in Wagenfarbe lackierte Außenspiegel, die elektrisch verstell- und beheizbar sind, der Dachspoiler, die Heckscheibenwachanlage, getönte Scheiben, ein Reifenreparaturset, zweifach verstellbare Lenksäule, höhenverstellbarer Fahrersitz, elektrische Fensterheber vorne und die geteilt umklappbare Rücksitzlehne.

Als Extra müssen die elektrischen Fensterheber hinten für 150,- Euro geordert werden, Metallic-Lack kostet 420,- Euro, Colorado-Rot 140,- und Hot-Magenta-Metallic 630,- Euro extra. Alufelgen stehen ab 595,- Euro in der Preisliste, die Klimaanlage mit 1.140, Euro, das Lederlenkrad mit 155,- Euro, die Einparkhilfe vorne und hinten mit 455,- Euro und derTempomat mit 345,- Euro, um mal nur einige Dinge zu nennen.

Die Zwei-Jahres-Garantie inkl. Mobilitätsgarantie und 12 Jahre Garantie gegen Durchrostung kann gegen Aufpreis auf bis zu 5 Jahre verlängert werden.

Stand: Juni 2009, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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