// Fahrbericht / Der Nissan Cube beweist Mut zum Anderssein

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Der Nissan Cube beweist Mut zum Anderssein

Der neue Nissan Cube zieht mit seinem Erscheinen in Deutschland die Aufmerksamkeit auf sich wie kaum ein anderes Fahrzeug zuvor. Dennoch ist das Konzept nicht so neu wie es scheint, der Cube präsentiert sich bereits in seiner dritten Generation und startete schon 1998 in seinem Heimatland Japan. Sein wirklich extrovertiertes Äußeres bekam er allerdings erst in seinem zweiten Lebenszyklus verpasst. Ob einem nun diese gewagte Optik gefällt oder nicht ist wie immer Geschmackssache, an der Front haben sich angeblich die Designer von einer Bulldogge mit Sonnenbrille inspirieren lassen. Bereits die Mitbewerber Daihatsu Materia oder Kia Soul wagten den Schritt in Richtung peppiger Kastenwagen – doch der Nissan Cube setzt noch eins drauf.

Nach Angaben der Designer stand eine Bulldogge mit Sonnenbrille Pate für die Front, sowie niemand geringeres als Jennifer Lopez „the but“ für das Heck – was die Bezeichnung „J-Line“ für die außergewöhnliche Linienführung erklärt. Nun ja, im Zeitalter von Lady Gaga verwundert einen nichts mehr. Und wenn wir ehrlich sind, finden wir immer mehr Gefallen an dem Mut zum anders sein und somit am neuen Cube.

Über dem bullig hervorstehenden Stoßfänger stecken schmale Scheinwerfer verbunden durch ein schwarzes Band. Alles ist irgendwie abgerundet, spitze Ecken sucht man hier vergebens und so sieht der ganze Wagen, vor allem aber die Seitenansicht kommt irgendwie „blubbrig“ frech aus, doch der wirkliche Hingucker stellt die asymmetrische Heckpartie dar. Auf der Beifahrerseite verschmilzt zumindest optisch das Seiten- mit dem Rückfenster und vermittelt nicht nur einen lässigen Style, sondern auch das Gefühl, die D-Säule wäre nicht vorhanden, was jedoch nicht der Fall ist.

Seinen perfekten Abschluss findet der Look in der asymmetrisch ausgelegten Hecktür. Darunter befinden sich die Rückleuchten die sich in Form eines schmalen Balkens am unteren Rand entlangziehen.

Bewusst extravagant und modern präsentiert sich auch die Farbpalette mit Namen wie Bitter Chocolate, Sea Turquoise oder Witty Military.

Mit großer Erwartung betreten wir also den Innenraum – und sogleich wir doch etwas enttäuscht, obwohl Nissan sich auch hier von einer anderen Seite zeigt. Zumindest unser Testwagen wirkte mit der durchgehend grauen Hartplastiklandschaft etwas farblos. Erfreulicherweise können Sie Ihren ganz persönlichen Cube mit farbigen Applikations-Sets aufpeppen. Ob rot, weiß, schwarz, silberfarben oder im Kohlefaser-Look – für die nötige Frische ist somit gesorgt.

Zudem steht ein schwarzer und beiger Innenraum-Trim zur Verfügung, wobei das Interieur in “Casual Graphite” dunklere Töne für die Bestuhlung mit helleren Farben für den Rest kombiniert. Wer “Jacuzzi Beige” auswählt, bekommt Sitzbezüge, Türverkleidungen und den oberen Teil des Instrumententrägers in einem blassen Grauton. Davon Dunkelbraun abgesetzt sind der untere Teil des Armaturenträgers sowie der Bereich des Fußbodens.

Die Sitzbezüge sind in beiden Ausführungen aus gesteppten Stoff in Kunstleder-Optik, kombiniert mit wellenförmigen Ziernähten. Japanischer Flair zeigt sich allerdings nicht nur in diesen Wellenformen, auch in konzentrischen Kreisen, die wir u.a. in den Getränkehaltern, den Lautsprechern sowie am Dachhimmel finden.

Oder aber auch am herrlich großen Panorama-Glasdach. Neben einem klassischen grauen Rollo, das das getönte Glasdach völlig abdunkelt, können sich die Insassen auch mit einer Shoji-Jalousie, die an japanisches Reis-Papier erinnert, vor störendem Sonneneinfall schützen, ohne dabei jedoch den Innenraum komplett abzudunkeln. Kleiner Wehmutstropfen: das Dach ist nicht zu öffnen.

Coole Loungeatmosphäre soll im Cube herrschen, und das ist den Machern auch gelungen. Bis hin zum Gestühl, das wahrlich zum Verweilen und Chillen einlädt, allerdings nicht zur flotten Kurvenfahrt. Großzügig geformt, ohnejeglichen Seitenhalt und dazu kommt noch ein Veloursbezug – da fühlt man sich tatsächlich wie zu hause auf dem Sofa.

Passend hierzu, die Ablagematte “Fluffy” aus langflorigem Teppichstoff. Doch wider Erwarten finden wir diesen nicht an den Füßen, sondern in Kreisform mitten auf dem Armaturenbrett. Was durchaus „anders“ und „mutig“ ist, für meinen Geschmack aber leider irgendwie billig wirkt.

Dennoch zeigt Nissan moderne, gute Ansätze, beim Gesamtbild fehlt uns jedoch etwas die Harmonie. Die Bedienelemente konzentrieren sich im Kern auf die Kreiseinheit in der Mittelkonsole, das darüber platzierte eckige und „alt“ wirkende Navi will allerdings so gar nicht dazu passen. Das Multifunktionslenkrad vermittelt den spielerischen Touch, passend zur Instrumenteneinheit bestehend aus asymmetrischen blauen und weißen Analoginstrumenten.

Dass der Cube außen wie innen nicht jeden Geschmack treffen wird ist klar, was ihm wiederum keiner streitig machen kann, ist das absolut großzügige Raumgefühl, das wir vorn wie auch im Fond erfahren durften.

In Reihe eins fühlen wir uns schon fast etwas verloren, da die Frontscheibe sowie der Dachhimmel schier endlos weit von uns entfernt sind und das bei einer Größe von 1,80 Meter und der angenehm erhöhten Sitzposition. Mit der Rundumsicht ist es nicht all zu schlecht bestellt, die kurze Haube ist gut einzusehen und auch das Heck ist mit etwas Übung perfekt abzuschätzen, zur Sicherheit gibt es ja die Rückfahrkamera.

In der zweiten Reihe ermöglicht die längsverschiebbare Rückbank überwältigende Beinfreiheit. Hier sitzen wir im Vergleich zu vorn noch einmal erhöht und verfügen dank stufenlos in der Neigung justierbarer Rückenlehnen ebenfalls über Wohnzimmer-Wohlfühlatmosphäre.

Zahlreiche Getränke- sowie Flaschenhalter, große Taschen in den Türen, ein großes Handschuhfach, eine Ablage in der Mittelkonsole, ein Fach in der Hecktüre sowie eine Verstaumöglichkeit in derC-Säulen-Verkleidung bieten überraschend viel Platz für allerlei Kleinkram.

Multifunktionale Haken können zudem an diversen Stellen angebracht werden und erweisen sich als äußerst praktisch. Wenn auch nicht gleich auf den ersten Blick erkennbar, so sind auch die flexiblen Gummibänder an den vorderen Türen zum Befestigen von Gegenständen gedacht und in drei verschiedenen Farben erhältlich.

Nachgedacht hat Nissan auch bei der Platzierung von Werkzeug und Reserverad, denn diese befinden sich nicht wie gewohnt unter dem Ladeabteil, sondern hinter den Vordersitzen und ermöglichen so ein schnelles und einfaches Erreichen auch bei vollbeladenem Kofferraum.

Dieser bietet ein Stauvolumen von 260 über 410 Liter bis hin zu maximal 1.563 Liter, je nach Einstellung der Rücksitze, die sich bis zu 240 mm längs verschieben oder einfach umlegen lassen. Allerdings tut sich dann eine weitere störende Stufe auf.

Die seitlich auf der Fahrerseite angeschlagene Hecktür ermöglicht an sich ein optimales Be- und Entladen, doch es muss eine recht hohe Ladekante und zudem noch eine tiefe Stufe überwunden werden.

Das Fahrwerk an sich ist in Ordnung und in Anbetracht der Auslegung, sich gelassen und ruhig fortzubewegen, auch absolut gelungen. Doch sobald die Geschwindigkeit ansteigt und die Straßen kurviger werden, tragen der fehlende Seitenhalt der Sitze und die gefühllose Lenkung zusammen mit einem sicht störend aufbauenden Schaukeleffekt dazu bei, dass das Fahrzeug zunehmend unsicherer wirkt, es neigt sich spürbar und drückt mächtig nach außen, bleibt aber letzten Endes nicht zuletzt dank ESP leicht beherrschbar.

Während das Fahrwerk bereits absolut auf Cruisen ausgelegt ist, schließen sich die Motoren diesem Eindruck an. Europäer haben die Wahl zwischen einem 1,6 Liter Benziner und einem 1,5- Liter-Turbodiesel, wobei beide 81 kW / 110 PS leisten. Während allerdings der Ottomotor die Euro-5-Abgasnorm erreicht, befindet sich der Diesel derzeit noch aufEuro4-Niveau.

So kultiviert beim Benziner das auftretende Motorengeräusch ist, so verhält es sich auch mit dem Vortrieb, zumindest abseits des Großstadtdschungels. Hier geht er eher zäh zu Werke, der Durchzug ist besonders in den oberen Gängen bescheiden. In der Stadt finden wir wiederum mehr Gefallen an diesem Aggregat, hier gibt sich der Japaner ausreichend flott.

Der Turbodiesel zeigt sich verständlicherweise mit einem maximalen Drehmoment von 240 Newtonmeter ab 4.000 U/min im Gegensatz zu den 153 Newtonmeter ab 4.400 U/min beim Benziner deutlich dynamischer und mit einem Mixverbrauch von 5,2 Liter gegenüber 6,6 Liter auch sparsamer.

In den Beschleunigungswerten nehmen sie sich nicht viel, hier hat der Ottomotor mit 11,3 Sekunden zu 11,9 Sekunden die Nase vorn. In der Topspeed erreichen beide bei gerade mal 175 km/h – was absolut wieder für ein Stadtauto spricht oder eben für die Cube-Philosophie „In der Ruhe liegt die Kraft“.

Je nach Motorisierung ist der Cube mit einem Sechsgang-Handschalter (Diesel) oder einem gut geführten manuellen Fünfganggetriebe (Benziner) ausgestattet. Letzterer lässt sich auch alternativ mit einem von Nissan selbst entwickelten X-tronic-CVT-Getriebe kombinieren. Diese stufenlose Automatik konnten wir allerdings im Rahmen der Präsentation nicht erfahren.

Das Nissan „Zone Body Concept“ bietet sozusagen den Sicherheitsrahmen des Cubes, bestehend aus zwei vorderen Querträgern, einer weiteren Quertraverse unter den hinteren Sitzen, verstärkten Türschwellern und einem Lenkungsquerträger zusammen mit speziellen Längsträgern sowie Querstreben im Dach.

Damit nicht genug, Nissan hat den Cube auch mit dem bereits erwähnten ABS, einem elektronischen Stabilitätssystem ESP mit Traktionskontrolle sowie einem Fahrer- und Beifahrer-Airbag, Seitenairbags vorn, durchgehenden Kopfairbags sowie Dreipunkt-Sicherheitsgurten vorn mit Gurtspannern und Gurtkraftbegrenzern versehen.

Wenn auch mit zahlreichen Features gut bestückt, geht derCube ab 18.000,- Euro nicht mehr als Schnäppchen durch. Exklusivität und Pepp sind dafür jedoch garantiert.

Nissan verzichtet auf unterschiedliche Ausstattungsvarianten und bestückt den Cube serienmäßig mit einem großen Panoramadach mit Shoji Shade, einer manuellen Klimaanlage, einer Doppel-DIN-Radio-CD-Kombination mit vier Lautsprechern und AUX-Eingang zum Anschluss von MP3-Playern, einer Bluetooth-Schnittstelle und einem Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzer. Außerdem im Preis inbegriffen: eine Armablage am Fahrersitz, eine ausklappbare Mittelarmlehne auf der Rückbank, die Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, Nebelscheinwerfer, elektrische Fensterheber an allen vier Türen und elektrisch verstellbare Rückspiegel.

Zusätzlich finden wir drei aufeinander aufbauende Optionspakete im Angebot, wobei das Paket ZEN eine Klimaautomatik, die Fahrlichtautomatik, einen Regensensor, Intelligent Key sowie einen Start/Stop-Knopf für faire 650,- Euro beinhaltet. Zum gleichen Preis erhalten Sie in Form des IKI-Pakets zudem 16″-LM-Felgen sowie getönte Scheiben an Seite und Heck – was wir nur empfehlen können.

Ebenfalls sehen lassen kann sich das KAADO-Paket für 850,- Euro, das neben dem Navi, ein Radio-CD-Kombi mit MP3-Wiedergabe, USB-Schnittstelle, iPod-Gateway, Bluetooth, eine Rückfahrkamera in Farbe sowie eine flexible Kofferraumabdeckung enthält.

Als letztes Feature aus der „offiziellen Aufpreisliste“ wäre nur noch die Metalliclackierung für 450,- Euro zu erwähnen. Doch was wäre ein cooles Auto ohne zahlreiche Individualisierungsmöglichkeiten? Undenkbar! Das dachte sich auch Nissan und bietet einen Zubehörkatalog an, der sich sehen lassen kann.

Accessoires von der bereits erwähnten Ablagematte, über schicke Zierteile in Chrom-Optik, verschiedenfarbigen Leichtmetallfelgen, Dekor-Sets für die Karosserie bis hin zu schicken Lichteffekten in Form einer illuminierten Beleuchtung im Fußraum, in neun möglichen Farben oder beleuchteten Getränkehalternund Einstiegsleisten.

Doch Nissan hat auch zahlreiche praktische Optionen im Angebot, hier wären zum Beispiel der Ladekantenschutz, eine abnehmbare Anhängerkupplung, Fahrrad- oder Dachträger sowie Skiboxen zu nennen.

Stand: Mai 2010, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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