// Fahrbericht / Der gasbefeuerte Chevrolet Aveo

Chevrolet

Der gasbefeuerte Chevrolet Aveo

Eigentlich ist er ein Koreaner, hörte früher auf den Namen Daewoo, aber jetzt segelt er unter der Flagge von Chevrolet und wird in Polen, um genau zu sein, in Warschau produziert. Als Dreitürer kommt er recht sportlich rüber und der Hersteller sieht ihn auch als Sportler, mit dem 1,2 Liter-Motor mit 84 PS bleibt er aber eher zäh, wird dafür schnell laut. Wer sich mit der langsameren Gangart arrangiert, kommt mit niedrigem Verbrauch weg, fährt vor allem mit Autogas billig, stört sich nicht am fehlenden Seitenhalt der Sitze und der wenig Gefühl vermittelnden Lenkung und schätzt das komfortable Fahrwerk. Auch ohne Abwrackprämie bekommt man ihn schon für unter 10.000,- Euro.

Die beiden Lufteinlässe bilden optisch eine Einheit, sind nur von einem Streifen getrennt, der zugleich das Logo aufnimmt, das aber irgendwie aussieht, als wäre es aus dem oberen Grill herausgerutscht. Schwungvoll fügen sich links und rechts die Scheinwerfer und darunter die zusätzlichen Lüftungsschlitze an, letztere tragen auf Wunsch auch die Nebelscheinwerfer, was nicht nur dem besseren Sehen bei Nebel sondern auch generell dem besseren Aussehen dient.

Seitlich sorgen kleine Lüftungsschlitze vor den Außenspiegeln, angesetzte Schwellerverbreiterungen und markant ausgeformte hintere Kotflügel für den nötigen Schwung, der noch von der deutlich abfallenden oberen Fensterlinie unterstützt wird. DieHalbschalentürgriffe fügen sich zwar gut ins Bild, bieten Helfern von außen im Ernstfall aber wenig Angriffsfläche.

Am Heck taucht der Dreitürer ganz in die Familienoptik ein, die auch dem Fünftürer zueigen ist. Vor allem die Rückleuchten sorgen für eine gute Wiedererkennung, die sportliche Note unterstreicht der Gittereinsatz in der Heckschürze, je nach Ausstattung gehört auch ein Dachkantenspoiler dazu.

Zu viel Sportlichkeit sollte man aber vom dreitürigen Aveo nicht erwarten, das gilt auch für den Innenraum. Hier wird eher mehr Sportlichkeit von den Insassen verlangt, wenn es z.B. in engen Parklücken ans Ein- und Aussteigen geht, hier sind die breiteren Türen eher von Nachteil. Ist Platz genug vorhanden, kommt man zumindest vorne bequem rein. Und weil ein Easy-Entry fehlt und die Sitze nicht einfach so nach vorne fahren, kommt man auch dementsprechend schwer auf die Rücksitze.

Erst mal hier angelangt, kann man dank stark ausgehöhlten Vordersitzlehnen auch als 1,80 m großer Mitfahrer hinter einem ebenso großen Fahrer noch ganz gut sitzen und trotz des abfallenden Daches hat man noch 1-2 cm Luft am Kopf. Trotzdem sitzen Große besser vorne, und in der Tat ist hier ausreichend Platz vorhanden, aber die Sitze lassen schließlich jeden Gedanken an Sportlichkeit verschwinden.

Zwar sind sie angenehm straff gepolstert und auch ausreichend groß, aber die nur ganz schwache Ausformung sorgt für Null Seitenhalt. An einen sportlichen Wagen erinnert nur diestark eingeschränkte Übersichtlichkeit durch die nach hinten immer breiter werdenden Dachsäulen.

Schön gestaltet zeigen sich die Türverkleidungen, das gilt im Ansatz auch für das gesamte Cockpit, aber nicht nur dass hier Hartplastik durch und durch zum Einsatz kommt, eine gewisse „Eintönigkeit“ in Schwarz verschenkt hier optische Reize. Einen zarten Versuch macht nur das Lenkrad mit seinen Aluapplikationen, muss dann aber mit den Hupknöpfen und der Verstellbarkeit nur in der Höhe wieder Abstriche hinnehmen.

Dafür sind alle Bedienelemente gut erreichbar und übersichtlich montiert, einzig der im Scheibenwischerhebel integrierte Schalter für die Nebelschlussleuchte passt da irgendwie nicht hin und die Zahl der Ablagen bleibt überschaubar, Getränkehalter sind jedoch gar nicht in Sicht. Und auch wenn man als 1,80 m-Mensch recht weit hinten sitzt, bleiben die weit hinten montierten Schalter für die elektrischen Fensterheber nicht besonders gut erreichbar.

Warum der Griff zur Kofferraumentriegelung unter der Griffleiste nach rechts gerückt ist, weiß wohl nur Chevrolet, aber daran gewöhnt man sich. Die Heckklappe schwingt nur rund 1,80 m weit auf, darunter verbirgt sich eine eher hohe aber sehr gut geschützte Ladekante, auch die Stoßstange wurde dabei nicht vergessen. Dass es vor allem im unteren Bereich recht eng zu geht kann damit aber nicht ausgeglichen werden. Mit 220 Litern Stauraum kann man ganz gut leben, und wenn es sein muss lassen sich dieRücksitzlehnen einfach im Verhältnis 60 zu 40 geteilt umlegen und so bis zu 980 Liter Ladevolumen schaffen, im Boden bleibt aber eine Stufe zurück.

Wenig Sportlichkeit hat der Dreitürer-Aveo auch in Sachen Fahrwerk im Sinn. Im Gegenteil, der Fokus liegt auf einem guten Komfort, der nur durch grobe Bodenunebenheiten gedämpft wird, die auch akustisch stark nach innen poltern. So schiebt der Aveo in schnellen Kurven deutlich über die Vorderräder und wird recht weich mit deutlicher Karosserieneigung, bei schnellen Richtungswechseln hingegen verhärtet sich die Lenkung enorm und das Fahrzeug schaukelt sich ziemlich auf. Ansonsten arbeitet die Lenkung recht streng, vermittelt aber nicht nur dem sportlich ambitionierten Fahrer nicht genügend Gefühl.

Also bleibt es auch hier eher beim cruisen, und dann vermisst man auch weniger die Unterstützung einer Traktionskontrolle oder des Stabilitätsprogramms ESP.

Und auch die Bremsanlage gibt keinen Grund zur Beanstandung, solange man sich im „normalen“ Geschwindigkeitsbereich bewegt. Über das leicht weiche Bremspedal lassen sich die über ABS und EBV (Elektronischer Bremskraftverteilung) gesteuerten Scheibenbremsen vorn und Trommelbremsen hinten fein dosieren, eine Vollbremsung aus Tempo 100 braucht ca. 41 Meter, wird bis zur zehnten Vollbremsung gut zwei Meter länger. Vorsicht ist bei Vollbremsungen aus deutlich höherem Tempo geboten, selbst auf gut ausgebauter Straße wird das Fahrzeug dann schnellunruhig.

Nachdem wir uns jetzt damit abgefunden haben, dass der Dreitürer auch nicht sportlicher ist als die fünftürige Limousine, macht uns auch der Umstand nichts mehr aus, dass unter der Haube nur der kleinere 1,2 Liter Vierzylinder-Motor mit 62 kW/84 PS schlummert. Wobei schlummern nicht unbedingt richtig ist, wenn er voll gefordert wird, entwickelt der ansonsten ausreichend komfortabel laufende Motor einen kernigen, vor allem aber lauten Sound.

Will man dem am Start mit einem eher zurückhaltenden Gasfuß begegnen, kann es leicht vorkommen, dass man den Aveo auch mal abwürgt. Wenn es dann losgeht, geht es eher zäh vorwärts, nach langen 13 Sekunden (laut Werk, wir haben stets mindestens zwei Sekunden länger gebraucht) sind Tempo 100 erreicht und die Topspeed von 172 km/h verlangt auch einen gewissen Anlauf, ist dann aber vollkommen ausreichend. Um in der Stadt gut mithalten zu können reicht die gebotene Power in Verbindung mit den 114 Nm Drehmoment aber aus.

Serienmäßig ist der 1,2-Liter-Aveo mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe kombiniert, das gut mit dem Motor harmoniert und recht lang übersetzt ist, leichtgängig und exakt mit einem leichten Hakler arbeitet. Kleines Manko: Beim Einlegen des Rückwärtsganges ist dieser leider nicht immer auch gleich drin.

Die Abstimmung ist weniger auf Sportlichkeit denn auf Sparsamkeit getrimmt, und so kann der Aveo mit seinen 84 PS im Schnitt mit 5,5 Litern Super auskommen, Stadtfahrten schlagen mit 7,2 Litern zuBuche, bei reinen Außerortsfahrten begnügt er sich sogar mit nur 4,6 Litern Super. Es sei denn …

Ja, es sei denn Sie haben sich auch für die Autogas-Ausführung „Ecologic“ entschieden. Dann können Sie noch mal was sparen. Auf unserer Normstrecke z.B. haben wir einen Mixverbrauch von 8,29 Litern Flüssiggas erfahren, was bei einem Preis von 0,579 Cent pro Liter zum Testzeitpunkt einen 100 km-Preis von 4,80 Euro ergibt. Allerdings lagen wir damit auch rund 0,8 Liter über der Werksangabe. Ein Liter Super kostete derzeit 1,349 Euro, ergibt bei 5,5 Litern auf 100 km 7,42 Euro. Es hängt also mal wieder von Ihrer Fahrleistung ab, wie lange Sie brauchen, bis sich die Anschaffung der Autogas-Aufrüstung amortisiert hat, die mit 2.350,- Euro zu veranschlagen ist, oder Sie achten mal auf Aktionen, bei denen es sie auch schon mal umsonst gibt.

Front- und Seitenairbags vorne gehören neben Dreipunkt-Sicherheitsgurten, 5 Kopfstützen, vorne höhen- und neigungsverstellbar sowie ISOFIX Kindersitzverankerungen hinten zur Grundausstattung. Windowbags gibt es, wie ESP, aber auch nicht als Extra.

Auch ohne Abwrackprämie kommen Sie schon für 9.990,- Euro Listenpreis an einen Chevrolet Aveo 3-Türer mit 1,2 Liter-Motor und 62 kW/84 PS. Allerdings beinhaltet die Basis-Variante keine Klimaanlage und die kann auch nicht aufgerüstet werden.

Wer zusätzlich eine Funkfernbedienung für die Zentralverriegelung, einen Bordcomputer, elektrisch einstellbare Außenspiegel, eineAlarmanlage und 15-Zoll-Felgen haben möchte, bekommt das für 11.790,- Euro in der LS-Version. Hier kann dann auch eine Klimaanlage für 1.000,- Euro geordert werden, die Metallic-Lackierung kostet 400,- Euro Aufpreis.

Stand: September 2009, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

Werbung: Automarkt auto24.de

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