// Fahrbericht / Das Millionen-Ding – VW Golf

Volkswagen

Das Millionen-Ding – VW Golf

 Bereits die fünf Generationen zuvor haben sich bestens verkauft, millionenfach, der aktuelle Golf wird da garantiert keine Ausnahme machen. Denn außer einem nur durchschnittlichen Kofferraum von 350 Litern und einer Stufe im erweiterten Ladeboden sowie der traditionell ellenlangen Aufpreisliste leistet er sich keine Schwäche. Und das neue Modell sieht für ein Massenprodukt auch noch ganz gut aus, besser denn je. Emotionen kommen im Cockpit zwar immer noch nicht auf, aber eine tolle Verarbeitung, feine Materialien und Liebe zu Detail sind da, dazu eine tolles Fahrwerk (DCC als Extra), ein feiner Motor, sehr gute Bremsen, prima Sitze und ausreichend Platz. Unser Testwagen startet bei 20.900,- Euro plus DCC, plus vier Türen, plus Sonderfarbe, plus …

Ein Auto, das Millionen gefallen will (oder besser soll) hat es mit der Optik natürlich nicht leicht. Alles, was irgendwie polarisiert, verbietet sich von selbst, und dabei weiß doch jeder, das Geschmäcker unterschiedlich sind. Und es sollte schließlich auch kein völlig neuer Golf werden, sondern der Vorgänger behutsam weiterentwickelt werden.

Keine einfache Aufgabe, und doch ist es VW gelungen, einen durchaus schicken Kompakten auf die Räder zu stellen. Vor allem die zu einer Einheit verschmelzenden Frontscheinwerfer und Kühlergrill sorgen für eine große Wiedererkennung – auch wenn der neue Polo jetzt auf der selben Welle reitet und dem Golf zum Verwechseln ähnlich sieht.

WeitereDynamik bezieht der Wolfsburger durch die zweite Kühlluftöffnung mit integrierten Nebelscheinwerfern in der weit nach unten gezogenen Schürze. Schnell abgehandelt ist dagegen die Seitenansicht, die ganz im Stile alter Tage ziemlich schlicht daherkommt.

Am Heck sorgen vor allem die Rückleuchten für eine gute Wiedererkennung und lassen den Golf richtig bullig dastehen. Das unterstreicht dann noch der in der sportlichen Schürze angedeutete Diffusor, aus dem beim 1.4 TSI ein Doppelrohr-Auspuff hervorschaut.

Dass bei einem VW die Heckklappe weit genug aufschwingt, setzen wir eigentlich einfach voraus, dass die Ladekante in fast schon zu großer Höhe liegt ist schon schlechter, dass es dahinter aber noch mal um mehr asl15 cm nach unten erst recht. Und dann finden wir mit 350 Litern einen nur durchschnittlichen aber gut nutzbaren und solide verarbeiteten Kofferraum vor, der sich mit wenigen Handgriffen auf bis zu 1.305 Liter steigert. Dazu müssen nur die Lehnen vorgeklappt werden, allerdings bleibt die Ladefläche dann ansteigend mit deutlicher Stufe – das können andere besser, und daran können auch die Haken an den Seiten nichts ändern.

Okay, einen Patzer können wir dem Wolfsburger gestatten, und in der Tat leistet sich der Bestseller auch ansonsten keine nennenswerte Schwäche mehr, obwohl eine … doch dazu kommen wir später. Die Freude am Golf beginnt bei den sehr guten Platzverhältnissen im Innenraum, dem bequemen Einstieg vorne wie hinten und geht weiter bei den großen Sitzen,die als Sportsitze durchgehen und entsprechend guten Seitenhalt bieten, natürlich angenehm straff gepolstert sind und wenn auch nur manuell, sehr bequem zu verstellen sind. Für die Lordosenstütze hat man sich bei VW aber für eine elektrische Verstellung entschieden.

Glänzen kann der neue Golf auch mit den zahlreichen silbernen Applikationen, die von den Rändern der in sportlichen Tunneln liegenden Rundinstrumenten über das Lenkrad und den Schalthebel bis hin zu den Tasten der Klimaanlage sowie von der Radio- und Navi-Bedieneinheit reicht. Dazu ein dezentes Dekor und sehr feine Materialien, die rundum mit hochwertiger Verarbeitung glänzen. An allen entscheidenden Stellen ist das Armaturenbrett schön weich ausgeführt.

Dass alles in guter Reichweite liegt, einfach zu bedienen und gut abzulesen ist haben wir beim Golf auch nicht anders erwartet, das Handschuhfach kann gekühlt werden und als Bestandteil der Getränkehalter kann ein Flaschenöffner entnommen werden.

Komfort hat er, aber nur wenn er will, oder besser gesagt wenn Sie wollen und die optionale Dämpferverstellung geordert haben. Denn steht der Schalter auf Sport, geht das wirklich sehr gelungene Fahrwerk deutlich straffer zu Werke und lässt den Golf richtig knackig auftreten. Dann geht es zackig um die Pylonen oder in hohem Tempo um jede Kurve, und das fast ohne mit den Reifen zu quietschen und stets verleiht er ein sehr sicheres Gefühl, mit wenig Karosserieneigung. ESP greift eher spät ein und lässt nach anfänglichem Untersteuern auch bei hohem Kurventempo ein Übersteuern zu.

Aber selbst in der normalen Einstellung bietet der Golf einen sehr angenehmen sportlichen Touch, lässt aber längst nicht so viele Schlaglöcher nach innen wie in der Sportstellung. Wechselt man auf Komfort, geht es spürbar weicher zur Sache, die meisten Straßenunebenheiten werden jetzt gut weggefiltert, der Golf fährt sich super sanft. So hat also der Fahrer die freie Wahl, ob er sportlich oder komfortabel unterwegs sein will, das Fahrwerk liefert stets die passende Abstimmung dazu. Und die angenehm leichtgängige Lenkung arbeitet sehr exakt und sorgt für den optimalen Kontakt zur Fahrbahn, der Golf ist in jeder Lage absolut problemlos zu handeln.

Da ist es natürlich auch gut zu wissen, dass man sich im Ernstfall auch auf die Bremsanlage 100%ig verlassen kann. Sie ist sehr gut zu dosieren und packt im Notfall fest zu. Dabei krallen sich vorne wie hinten Scheibenbremsen (vorne innenbelüftet) fest, werden über ABS gesteuert, das mit einem Bremsassistent und elektronsicher Bremskraftverteilung kombiniert ist, damit schafft der Golf die Vollbremsung aus Tempo 100 mit warmen Bremsen in guten 37 Metern.

Neben ESP sind auch eine Antriebsschlupfregelung, eine Elektronische Differenzialsperre, eine Motorschleppmomentregelung und eine Gespannstabilisierung an Bord. So gerüstet gestattet der Golf mit seinen 122 PS auch einen ungestümen Gasfuß, ohne gleich mit den Rädern zu scharren oder unangenehme Kräfte ins Lenkrad zulassen.

Auch beim neuen Golf VI haben Sie eine große Auswahl, was die Motorisierung betrifft. Unser Testwagen war mit dem 1,4 Liter TSI Benziner mit Direkteinspritzung und Turbocharger ausgestattet. Das Aggregat läuft sehr leise und spricht spontan auf jeden Gasbefehl an.

So liegen die 90 kW/122 PS bei niedrigen 5.000 Touren an und das maximale Drehmoment von 200 Nm steht fast wie bei einem Diesel schon bei 1.500 U/min an und hält bis 4.000 Touren. Entsprechend agil gibt sich der Golf, geht in 9,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und wird 200 km/h schnell. Und auch die Zwischensprints sind prima, so geht es in 6,2 Sekunden im dritten Gang von 60 auf 100 und in 10,6 Sekunden im fünften Gang von 80 auf 120 km/h.

So macht nicht nur schaltfaules Fahren Spaß, auch der Griff zum Schalthebel des serienmäßigen Sechsgang-Schaltgetriebes ist die reine Freude. Die Abstimmung harmoniert gut mit dem Leistungsangebot des Motors, der übrigens die Euro 5 Schadstoffnorm erreicht, und auch die Führung ist tadellos, die Wege sind ausreichend kurz, angenehm straff und exakt.

Und die sechs Gänge helfen beim Sprit-Sparen. Spornt man den 1.4 TSI nicht ständig zu Höchstleistungen an, kann man, wie wir auf unserer Normstrecke mit 6,0 Litern Super auf 100 km auskommen. Reine Außerorts-Fahrten verlangen sogar nur 5,1 Liter, in der Stadt sind es 8,2 Liter auf 100 km.

Da kann man nicht meckern, neben Fahrer- und Beifahrer-Frontairbags sind auch Seitenairbags vorne im Paket mit den Kopfairbagsvorne und hinten sowie ein Fahrer-Knieairbag serienmäßig. Gegen einen Aufpreis von 335,- Euro gibt es die Seitenairbags auch hinten, dann haben auch die Gurte auf der Rückbank (die Außensitze) Gurtstraffer.

Die sind vorne ebenso serienmäßig wie die Gurthöhenverstellung, die fünf ausziehbaren Kopfstützen und die ISOFIX Halteösen auf den hinteren Außensitzen für die Kindersitzbefestigung.

Der neue Golf VI mit dem 1.4 TSI-Motor mit 122 PS startet in der Ausstattungslinie Comfortline – entsprechend war auch unser Testwagen bestückt – und kostet dann 20.900,- Euro. Ein fairer Preis, mag man meinen, und von höhenverstellbaren Frontsitzen, einem Lederlenkrad, beleuchteten Make-up-Spiegeln in beiden Sonnenblenden, dem Radiosystem RCD 210, beleuchtetem Handschuhfach mit Kühlfunktion, Klimaanlage, Servolenkung, Tagfahrlicht, elektrischen Fensterhebern vorn und Zentralverriegelung ist schon einiges drin.

Aber bereits die zwei zusätzlichen Türen, die den Golf zum von uns gefahrenen Viertürer machen, kosten 765,- Euro, mit el. Fensterherben auch hinten nochmals 200,- Euro mehr, und dann geht es richtig los, die zugegeben feine Adaptive Fahrwerksregelung DCC kostet 945,- Euro extra, die Climatronic 345,- Euro, der Metallic-Lack 490,- Euro, Sportsitze vorn mit Lederausstattung 2.160,- Euro, ein Berganfahrassistent 107,- Euro, und, und, und. Sogar die Sonderfarbe Schwarz kostet 225,- Euro Aufpreis und an der kompletten Aufpreisliste haben Sie lange, sehr lange, zu lesen.

Unterm Strichist dem Golf aber zugute zu halten, dass er sehr wertstabil ist und auch nach vielen Jahren seinen Besitzern gute Wiederverkaufserlöse bescheren wird, und da macht auch die sechste Generation keine Ausnahme.

Stand: August 2009, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

Werbung: Automarkt auto24.de

Diesen Artikel weiterempfehlen:

ähnliche Beiträge

Kommentare

Keine Kommentare for “Das Millionen-Ding – VW Golf”

Kommentar schreiben

XHTML: Folgende HTML-Elemente sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Archive

banner