// Fahrbericht / Chevrolet HHR 2,4 LT

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Chevrolet HHR 2,4 LT

Der HHR ist ein selten gesehener Gast auf unseren Straßen … an der Optik kann es auf jeden Fall nicht liegen, denn diese zieht zahlreiche Blicke auf sich. Liegt es am Innenraum, der eher farblos und mit deutlich weniger Pfiff als die schicke Hülle antritt? Die nicht weit genug aufschwingende Heckklappe allein kann es ja wohl nicht sein, der Stauraum dahinter jedenfalls ist groß und variabel. Er ist mehr ein Cruiser und dazu passt auch die Leistungsentfaltung der etwas rauen 170 PS des 2,4-L-Vierzylinders. Nicht ganz überzeugt haben uns die Bremsen im Belastungstest und die wenig exakte Lenkung, dafür stimmt der Preis und auch die serienmäßige Ausstattung.

Dem flüchtigen Betrachter drängt sich sofort der Vergleich mit dem PT Cruiser auf. Kein Wunder, denn auch der stammt aus der Feder von Bryan Ndemesbitt der unübersehbar eine Schwäche für Hot Rods und Co. hat.

Die Motorhaube des HHR ist stark gewölbt und der komplett verchromte Kühlgrill mit dem großen Chevi-Logo ist oben ebenso gerundet. Dadurch fällt der Ami richtig auf, für uns hätte aber eine etwas kantigere Form besser mit dem Rest harmoniert. Denn der gibt sich deutlich massiver, bulliger und mit – wenn auch abgerundeten – starken Kanten. Unter der mächtigen Stoßstange stecken große, runde Nebelscheinwerfer in der Frontschürze, darüber sind die Scheinwerfer in die stark ausgeformten Kotflügel integriert.

Mit seiner hohen Gürtellinie und den breiten Trittbrettern, die die Verbindung der vorne wie hinten stark ausgestellten Radhäuser bilden steht der HHR kraftvoll da, das wir durch die niedrigen Fenster, im hinteren Teil stark abgedunkelt, und die verchromte Dachrehling noch unterstützt. Deren Look passen sich die ebenfalls verchromten Türgriffe und Außenspiegel an.

Auch am Heck taucht dann wieder eine bullige Schürze auf, das Rund der Doppelheckleuchten wird vom großes Auspuffrohr wieder aufgegriffen. Den schönen Schein komplett macht die breite Chromleiste mit Logo und der großefreistehende Dachspoiler.

Mit der Rundumsicht ist es leider nicht so gut bestellt, ob im Innenspiegel oder mit Blick über die Schulter, die Sicht ist u.a. durch die sehr breiten Dachsäulen eingeschränkt.

Die Optik das HHR macht Lust auf mehr, auf ein entsprechendes Cockpit und auf den Sound eines bulligen Triebwerks. Doch nach dem Einsteigen wird man da erst mal enttäuscht. Trotz reichlich Chrom-Applikationen z.B. an den vier runden Lüftungsdüsen, den Türgriffen, dem Schalthebelknauf und den Bedienelementen für Klimaanlage und Lüftung dominiert eine schwarze Plastiklandschaft unter, die den Pfiff der Karosserie vermissen lässt.

Dabei sind auch an den Rundinstrumente durchaus die richtigen Wege beschritten worden, hier steckt Pepp drin, gefällt die farbige Aufmachung ebenso wie der schicke Chrom.

Weniger begeistert waren wir von den Schaltern für die elektrischen Fensterheber, die in der Mittelkonsole und zudem weit unten platziert waren, das ist gewöhnungsbedürftig. Auch die weiteren Schalter sind allesamt recht weit unten angebracht und teilweise eher wahllos platziert, z.B. sitzt in der Mittelkonsole der Drehregler für das Instrumentenbeleuchtung, daneben der Schalter für die Nebellampen, während die Nebelschlussleuchte wiederum links unterm Lenkrad zu bedienen ist.

Die Sitze sindstraff gepolstert und man sitzt eigentlich nicht drin sondern mehr drauf, dazu kommt der fehlende Seitenhalt. Abgesehen von der Lehne, die mit Hebel manuell einzustellen ist, lässt sich der Rest vom Sitz elektrisch bedienen, die Tasten dafür sind aber bei geschlossener Tür schlecht zu erreichen.

Ungewöhnlich weit hinten ist der Schalthebel platziert, mit heruntergeklappter Armlehne ist er kaum zu erreichen, geschweige denn die Gänge 2 und 4 einzulegen.

In der Mittelkonsole befindet sich ein verschließbares Fach und darin ein Stoffbeutel, der schnell mal die Einkaufstasche ersetzten kann und sich waschbar von der ganz praktischen Seite zeigt.

Etwas unpraktisch ist die Tatsache, dass sich der HHR nach dem sehr frühen automatischen Verriegeln nur wieder durch Drücken der Türöffner/-schließer-Taste wieder entriegeln lässt. Ein einfaches Ziehen am Innentürgriff bringt nichts.

Platz hat der HHR genügend, Insassen bis 1,80 Meter sitzen auch hinten noch gut, dann wird es im Beinraum etwas enger, der Kopfraum ist dagegen auch dann noch sehr üppig.

Mit 430 Liter bietet der Chevrolet ordentlich Kofferraum, der sich zudem durch einfaches Umlegen der Rückbank – dazu muss nur die Lehne nach vorn geklappt werden, die Sitzfläche senkt sich automatisch ab – im Verhältnis 60:40 auf 960 Liter erweiternlässt. Zusätzlich kann die Lehne des Beifahrersitzes vorgeklappt werden und dann können bequem auch lange Gegenstände bis 2,44 Meter transportier werden.

Gleich drei weitere Fächer finden sich unter dem Laderaumboden und um diese besser beladen zu können kann die Laderaumabdeckung im 45 Grad Winkel hochgestellt werden. An ihrer Unterseite sind Haken z.B. für Einkaufstaschen und -tüten montiert. Bei Bedarf kann der Laderaumboden auch in waagerechter Position in einer Höhe von 60 Zentimetern eingesetzt und mit bis zu 45 Kilogramm beladen werden.

Die Ladekante ist angenehm niedrig, die Heckklappe schwingt jedoch nicht weit genug auf, bereits bei 1,80 Meter Körpergröße knallt sie einem förmlich ins Gesicht.

Das Fahrwerk mit McPherson-Federbeinen vorn und einer Verbundlenkerachse hinten sowie dem FE3-Fahrwerks-Set-up ist die Europa-Version und soll sportlicher und dynamischer als die Amerika-Variante sein.

Trotz dieser Maßnahmen bleibt der HHR auch hier bei uns eher ein Cruiser und kann hier mit gutem Komfort dienen. Bei flotterem Ritt über unsere Straßen fehlt ihm der nötige Biss und gerade in Kurven neigt sich das Fahrzeug sehr stark. Durch den Slalom lässt er sich nur mit viel Lenkarbeit und laut quietschend manövrieren. Dabei wirkt die Lenkung nicht sonderlich exakt und wird bei flotterBeschleunigung unruhig. Letzten Endes behält die elektronische Stabilitätskontrolle (ESC – Electronic Stability Control) und die Antriebsschlupfregelung aber die Kontrolle.

Die Bremsen mit innenbelüfteten Scheiben vorn und Trommelbremsen hinten offenbarten leider Schwächen. Das recht weiche Bremspedal ist zwar im Alltag noch angenehm zu dosieren, bringt den HHR allerdings erst nach 42 m mit einem lauten Quietschen und Rubbeln aus Tempo 100 zum Stehen. Nach unserem Dauerbelastungstest mit zehn solchen Vollbremsungen machte sich in der Lenkung ein leichtes Schlackern bemerkbar.

Mehr versprochen haben wir uns ehrlich gesagt vom 2,4-Liter-Benziner, der mit immerhin 170 PS / 125 kW doch eigentlich genug Leistung bereitstellen sollte um flott unterwegs zu sein. Doch weit gefehlt, das Gewicht macht ihm anscheinend sehr zu schaffen und so kommt er doch etwas schwerfällig in die Puschen.

Oder liegt es einfach am dynamischen Auftritt des HHR, der die Erwartungen vielleicht zu hoch schraubt? Mit dem maximalen Drehmoment von 220 Newtonmetern gönnt er sich 9,1 Sekunden für den Spurt von 0 auf 100 km/h, das reicht noch aus, aber schon bei Tempo 180 ist dann die abgeregelte Höchstgeschwindigkeit erreicht. Bei all seinem Tun wirkt der Motor meist angestrengt und rau.

Auf unserer Normstrecke hat der HHR 8,5 LiterSuper bleifrei auf 100 km konsumiert, mit 6,8 Litern ist auch der Außerorts-Verbrauch ganz okay, die fast 12 Liter, die sich der 2,4 Liter Vierzylinder in der Stadt genehmigt sind aber recht viel.

Die auf kurzen Wegen geführte Schaltung lässt sich trotz kleinem Holperer über die Mittelstellung angenehm und knackig schalten. Die Abstimmung geht so weit in Ordnung, ein sechster Gang wäre aber trotzdem wünschenswert.

Mit Front- und Seitenairbags, 3-Punkt-Sicherheitsgurten vorn und hinten inkl. Gurtstraffern vorn, ISOFIX sowie Seitenaufprallschutz ist die Sicherheitsausstattung nicht unbedingt üppig ausgefallen.

Wer sich nur schlecht entscheiden kann, ist mit dem Chevrolet HHR gut bedient, denn dieser stellt den Kunden mit nur „einer“ Ausstattung und „einer“ Motorisierung vor keine allzu große Auswahlprobleme. Was aber nicht heißen soll, dass keine umfangreiche Serienausstattung verfügbar wäre, diese ist bereits bei einem Grundpreis von 22.990,- Euro sehr üppig.

So sind erfreulicherweise ein Tempomat, Nebelscheinwerfer, verdunkelte Seitenscheiben, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, eine Klimaanlage, el. einstellbare Außenspiegel, ein Bordcomputer, ein Soundsystem von Pioneer mit Subwoofer sowie Endstufe, beheizbare Frontsitze, ein elektrisch verstellbarer Fahrersitz und eine serienmäßigeLederausstattung schon mit drin!

Je nach Belieben steht für 490,- Euro noch eine Metallic-Lackierung, für 1.200,- Euro ein Automatikgetriebe und für 790,- Euro ein elektrisches Glas-Hub-Schiebedach zur Wahl.

Stand: September 2008, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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