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BMW 530d GT – Das Raumschiff

Dass man in Reihe eins eines 5er BMW bequem und mit viel Freiraum sitzt, ist nichts neues. Dass man aber auch auf der Rückbank sagenhafte Freiräume hat, die Beine locker ausstrecken oder baumeln lassen kann, das ist eines der Highlights im GT. Die zweigeteilte Heckklappe, die sich als Ganzes auch noch in zwei Höhen arretieren lässt, ist eine weitere Neuheit des Gran Turismo. Dass man mit dem 3-Liter Sechszylinder Diesel mit 245 PS und 540 Nm nicht nur sparsam sondern auch richtig spritzig fahren kann ist ebenso BMW-typisch wie die gefühlvolle Lenkung, das ausgewogene Fahrwerk, die bärigen Bremsen, die hervorragenden, wenn auch optionalen Komfortsitze, das feine Bluetooth, der hohe Einstiegspreis, die zahllosen Sonderausstattungen …

BMW hat keine Kosten und Mühen gescheut und die Optik des völlig neuen GT von internationalen Designteams im Wettbewerb entwickeln lassen. „Warum hat dann nicht der Beste gewonnen?“ spötteln vor allem Anhänger anderer Marken. In der Tat polarisiert der GT die Betrachter wie kein anderer aktueller BMW.

Vor allem sollte man sich nicht von der „5“ verwirren lassen, der 5er GT ist nicht einfach eine 5er Limousine mit modifizierte Heck, es ist quasi ein völlig eigenständiges Modell – eine Kombination aus Limousine, Kombi, Coupé und Sports Activity Vehicle – zumindest was die Optik angeht.

Markant gezeichnete Frontscheinwerfer (für das Tagfahrlicht kommen erstmals Coronaringe mit LED-Technik zum Einsatz) flankieren die mächtige Niere, darunter eine dynamische Schürze mit schicken horizontalen Streben. Die Seitenlinie offenbart dann schon das Neue am GT: sanft fällt das Dach nach hinten ab um in einem bulligen Schrägheck zu enden. Als erstes denkt man da an eingeschränkte Kopffreiheit auf den Rücksitzen, doch das täuscht. Sehr schick machen sich auch die vorne wie hinten rahmenlosen Seitenscheiben.

Mächtige LED- Rückleuchten bestimmen das Bild am Heck des GT, eine breite Chromspange verbindet beide und nimmt den Heckklappengriff auf. Und der hat es in sich. Drückt man hier wie gewohnt in der Mitte, dann öffnet sich nur der untere Teil bis zur Heckscheibe und gibt eine auch eher kleine Ladeöffnung frei, aber den gesamten Laderaum sollman dort hindurch ohnehin nicht bestücken. Dazu greift man etwas weiter rechts und schon schwingt die gesamte Heckklappe nach oben – auf Wunsch auch elektrisch.

Und jetzt gibt der GT eine ziemlich große Ladeöffnung frei, wobei man hier zwei Stellungen zur Verfügung hat, nur wenn man richtig viel laden will oder nicht gerade in einer niedrigen Garage steht, schwenkt man die Klappe ganz nach oben.

Damit sind wir auch schon mitten drin im neuen GT, also zumindest mal im Gepäckabteil. Das erreicht man über eine ausreichend niedrige Ladekante, die zudem gut gegen Ladekratzer geschützt ist, was man von der Stoßstange nicht behaupten kann. Der Kofferraum selbst ist glattflächig und mit 440 bis 590 Litern je nach Stellung der Rücksitzbank ausreichend groß, Boden und Verkleidung sind absolut solide, und das gilt auch für die zusätzliche Trennwand, die man – sollen die ganzen 1.700 Liter Ladevolumen genutzt werden, zusammen mit den Rücksitzen umklappen muss.

Die Sitze lassen sich aus dem Fond wie auch vom Kofferraum aus nach vorne legen. Zusätzlich gibt es noch zwei große Zusatzfächer unter dem soliden Ladeboden. Damit alles an seinem Platz bleibt, gibt es Haken und Gurte.

Rutschen wir also eins nach vorne und steigen erst mal hinten ein. Und hier erwarten uns nicht nur zwei prima ausgeformte, straff gepolsterte und sehr bequeme Sitze außen – den eher unbequemen Mittelsitz lassen wir als Lehne lieber vorgeklappt, sie können aber auch optional zwei Einzelsitze ordern – sondern auch ganz individuelle Verstellmöglichkeiten, die auch einen weiten Lehnenverstellbereich beinhalten. Hier lässt es sich wirklich fürstlich sitzen, und die Platzverhältnisse sind entsprechend. Selbst wenn der Sitz vorgezogen wird, ist der Beinraum üppig, und nur wenn man die Lehne zu steil stellt, sitzt man nicht mehr bequem und als großer Passagier mit dem Kopf recht nahe am Dach.

Nachdem man aber in einem BMW sitzt, bei dem Fahrspaß immer groß geschrieben wird, halten wir es trotz allem Komfort nicht lange auf dem Rücksitz aus und steigen vorne ein. Hier war unser Testwagen mit den bekannt guten Komfortsitzen ausgestattet, bei denen man wirklich alles, angefangen von der Länge der Sitzauflagefläche bis hin zu den Kopfstützen perfekt auf seineganz speziellen Bedürfnisse einstellen kann. Klappt man an den Kopfstützen die Seitenteile vor, senkt sich der Kopf weich in ein wahres Kopfkissen – richtig kuschelig.

Und wenn man schon so gemütlich sitzt, dann kann man doch mal in aller Ruhe den Blick schweifen lassen. Hier am Cockpit ist der GT ganz 5er, und damit auch ganz nah dran am großen 7er. Der Schwung der Instrumentenabdeckung läuft sanft zum Beifahrer hin aus. Eine breite Holzapplikation nimmt in der Mitte die großen Luftaustrittsöffnungen auf, daneben den Start-Stopp-Knopf, mit dem der BMW zum Leben erweckt wird. Fangen wir auch hier gleich hinten an, nämlich beim Ausmachen. Drückt man einmal, geht zwar der Motor aus, Radio und Co. laufen aber weiter, egal ob man auf der Bremse steht oder nicht. Es dauert eine Zeit bis man sich daran gewöhnt hat, so lange läuft stets die Musik weiter und man muss noch mal die Türe öffnen, um den Wagen richtig auszuschalten.

Will man den BWM so richtig genießen, muss man unbedingt einmal im Dunkeln einsteigen. Dann nämlich hüllt sich der GT in ein angenehmes Licht, bestehend aus indirekter Beleuchtung, aus roten Lichtleisten zwischen Holz- und Aluleiste im Armaturenbrett und in den Türen, vorne wie hinten – Ambientelicht heißt das bei BMW und ist aufpreispflichtig. Dazu sind natürlich alle Anzeigen wie auch die Instrumente in sportlichem Rot illuminiert, und bei der Innenbeleuchtung wurde natürlich auch der Fußraum nicht vergessen.

Das inzwischen altbekannte und nach den diversen Modifikationen auch ziemlich problemlos zu handelnde iDrive ist natürlich auch an Bord, die Anzeige erfolgt am großen Monitor weit oben im Armaturenbrett, bei dem fast schon Kinofeeling aufkommt. Hier wird auch das Bild der optionalen Rückfahrkamera sichtbar. Die wichtigsten Dinge wurden bei unserem Testwagen per Head-Up-Display in die Windschutzscheibe projiziert. Daran kann man sich schnell gewöhnen, vor allem an die Schildererkennung. Und anders als bei vielen anderen Herstellern, blendet BMW die stets wichtige Tempolimit-Info nicht gleich wieder aus, sondern lässt sie solange stehen, wie sie besteht. Eine ganz feine Sache, zumal das System praktisch keine Fehlmeldungen produzierte und auch die Schilderbrücken auf Autobahnen einwandfreierkannte.

Da haben die Entwickler richtig mitgedacht, leider nicht so bei der Parkbremse, die sich beim Losfahren nicht automatisch löst und stets den Eingriff des Fahrers verlangt. Eine feine Sache ist auch das große Glasdach, mit dem viel Licht in den Innenraum kommt. Deutlich weniger Sicht hat man hingegen beim Blick über die Schulter oder in den Rückspiegel, hier wird durch das hohe Heck und die breiten Dachsäulen die Sicht doch merklich eingeschränkt.

Wie eigentlich bei allen BMW braucht man das Kapitel Fahrwerk und Komfort eigentlich gar nicht mehr zu behandeln, denn auch dieser Bayer verfügt auch ohne das optionale „Adaptive Drive“ über eine sehr ausgewogene Fahrwerksabstimmung, die sowohl besten Fahrkomfort auf der einen Seite wie auch ausreichend sportliches Potential auf der anderen Seite bietet, um nicht nur lange Strecke ausgesprochen kommod zurücklegen zu können, sondern auch mal richtig flott um die Ecken zu jagen. Dabei legt sich die Karosserie nur dezent zur Seite und die Fuhre geht willig um die Pylonen, selbst bei Nässe, allerdings drücken die über 2.000 kg Lebendgewicht ganz schön nach außen, dank DSC, DTC und DBC hat man den GT aber gut im Griff. Im einzelnen stehen die Kürzel für die serienmäßigen Kontrollen für die Stabilität, die Traktion und das Kurvenbremsen.

Mit dem dicken kleinen Lenkrad hat man den Wagen bestens im Griff und zugleich ein sehr gutes Gefühl für die Straße, die Lenkung arbeitet angenehm straff und direkt.

Wie angenehm es sich im GT 530d cruisen lässt, mag diese Aussage verdeutlichen: Selbst bei Geschwindigkeiten jenseits der Tempo 200 hat man das ruhige und sichere Gefühl wie bei Richtgeschwindigkeit 130, und nicht nur der leise Motor schmeichelt den Ohren, auch die Wind- und Abrollgeräusche bleiben auf einem sehr niedrigen Niveau. Das man überhaupt in einem Diesel sitzt bekommt man sowieso kaum mit.

Auch die Bremsanlage arbeitet so sanft, dass man selbst von einer Vollbremsung nicht viel mitbekommt, außer der Tatsache natürlich, dass man auf kürzestem Weg, in Zahlen nach 35 Metern, aus Tempo 100 zum Stillstand kommt. Neben der Kurvenbremskontrolle und dem Bremsassistent kommen über ABS und mit elektronischer Bremskraftverteilung angesteuerte Scheibenbremsen, vorn undhinten innenbelüftet, zum Einsatz. Dosierbarkeit und Ansprechverhalten sind tadellos.

Um doch noch mal auf das Thema Komfort zu kommen … Unser Testwagen war mit den bereits oben beschriebenen Komfortsitzen ausgestattet, die, wenn auch mit einem Aufpreis von 2.260,- Euro zu Buche schlagen, den Komfort unglaublich erhöhen. Und auch die serienmäßige Einparkhilfe hinten erhöht den Komfort des nicht gerade übersichtlichen GT ganz enorm. Und unser Testwagen hatte auch noch eine Einparkhilfe vorne, leider beginnt die aber erst mit ihrer Arbeit, wenn man zuvor den Rückwärtsgang bemüht hat.

Dass das integrierte Bluetooth ihr Handy sofort erkennt und auch den Zugriff auf alle gespeicherten Nummern ermöglicht ist ja heutzutage (fast) schon normal, aber auch die Qualität der Freisprecheinrichtung kann sich beim BMW sehen oder besser hören lassen, das gilt auch für die Bedienung und Anzeige des optionalen Navigationssystems.

Wer heutzutage etwas auf sich hält, der verzichtet auf ein Zündschloss und lässt mittels Drücken des Startknopfs den Motor zum Leben erwachen. So auch der GT 530d. Dass es sich dabei um einen Diesel handelt, bekommt man akustisch so gut wie gar nicht mit. Statt zu dieseln lässt der Sechszylinder ein entsprechend dezent-kerniges Brummen vernehmen. Auch gefordert wird das Aggregat mit serienmäßigen Dieselpartikelfilter nie aufdringlich.

Und fordern lässt es sich gerne mal, geht dann von unten heraus sehr spritzig zur Sache, dreht flott hoch und beschleunigt in 6,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, wird 240 km/h schnell. Der Vortrieb ist richtiggehend gigantisch für solch einen Gigant.

Immerhin bringt der GT 530d locker 2 Tonnen auf die Waage, da kann man 180 kW/245 PS bei 4.000 U/min und vor allem das enorme Drehmoment von 540 Nm zwischen 1.750 und 3.000 Touren gut gebrauchen, die in den drei Litern Hubraum versteckt sind.

Und dann kommt ja auch noch eine 8-Gang-Automatik zum Einsatz, die die Gänge nicht nur sehr sanft, sondern vor allem auch schnell wechselt. Und dann kann man ja auch noch auf DS umschalten, und sofort erhöht der Automat die Drehzahl und agiert und reagiert noch eine Spur bissiger, schaltet noch schneller zurück, wenn man das Gaspedal durchtritt.

Dass man dann die günstigenVerbrauchswerte von 8,1 Litern Diesel in der Stadt und 5,6 Litern außerorts nicht mehr schafft, ist klar, auf unserer Normstrecke, die der 530d mit 6,4 Litern absolvierte, waren wir aber durchaus flott unterwegs. Im Mix entlässt der Auspuff dabei 173 g CO2 pro Kilometer, das Triebwerk erfüllt die Abgasnorm Euro 5.

Man kann die 8 Vorwärtsgänge auch selbst einlegen, die Befehle werden ebenso sanft wie schnell ausgeführt, allerdings schaltet die Elektronik wann immer sie es für nötig hält dann doch wieder selbst. Nachdem sie ihre Arbeit aber so gut verrichtet, sahen wir uns im Alltag nur ganz selten bemüht, wirklich einmal selbst eingreifen zu wollen, weder beim Cruisen noch beim flotten Ritt über kurvige Landsträßchen, die adaptive Automatik macht das bestens.

Nicht nur das Fahrgefühl hinterlässt einen sicheren Eindruck, auch die Front- und Seitenairbags vorne sowie die durchgehenden Kopfairbags, die aktiven Kopfstützen, Dreipunkt-Automatikgurte auf allen Plätzen mit Gurtstrammern vorne, Sicherheitsklemmen an der Batterie, ISOFIX, Reifen mit Notlaufeigenschaften und Reifenpannenanzeige sowie eine sich beim Crash automatisch abschaltende Kraftstoffpumpe tun ein übriges dazu.

Um den BMW 530d GT Ihr Eigen nennen zu wollen, sollten Sie schon mal mit 55.200,- Euro rechnen, mit Allradantrieb sogar 57.800,- Euro. Und dann ist die serienmäßige Ausstattung auch gar nicht schlecht, neben den bereits erwähnten Sicherheits- und Assistenzsystemen sind eine Bremsenergie-Rückgewinnung, eine Luftfederung mit Niveauregulierung an der Hinterachse, 18 Zoll große Alus mit 245/50er Breitreifen, eine Zweizonenklimaautomatik, Nebelscheinwerfer, ein Tempomat, Park Distance hinten, eine zweifach verstellbare Lenksäule, ein Regensensor und elektrische Fensterheber rundum sowie eine Zentralverriegelung mit an Bord.

Dass die meisten BMW-Kunden dann aber noch mehr wollen ist klar, und mögliche Features gibt es mehr als zahlreich. Wir wollen hier nur mal das Adaptiv Drive mit wählbaren Fahrwerkseinstellungen und nochmals reduzierten Wankbewegungen für 3.000,- Euro erwähnen, oder die Integral-Aktivlenkung für 1.750,- Euro, die Metallic-Lackierung für 980,- Euro, die Lederausstattung für 3.030,- Euro, das Edelholz für 590,- Euro, den aktiven Tempomatenfür 1.550,- Euro, das Panorama-Glasdach für 1.700,- Euro, das Head-up-Display für 1.390,- Euro, das Ambiente-Licht für 280,- Euro oder die Rückfahrkamera für 420,- Euro … Ihren Wünschen sind nahezu keine Grenzen gesetzt.

Stand: Juli 2010; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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