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Volkswagen

VW up! Up up and away?

Es ist ein moderner Kleinwagen geworden, besitzt aber leider nicht alle VW-Tugenden, so sind nicht alle Schalter beleuchtet und auch sonst wurde hier und da der Sparstift angesetzt, ohne dass jedoch der Preis ein echtes Schnäppchen wäre. Aber er kann mit nur 44 kW richtig flott, bremst aus Tempo 100 nach guten 36 Metern, zeigt aber doch sowohl im Komfort wie beim Bremsen auf schlechten Straßen gewisse Schwächen. Der Platz ist vorne prima, hinten eher weniger aber man kommt dank weit vorfahrenden Sitzen ganz gut hin, muss nur den Sitz wieder mühsam einstellen. Bedienung und Handhabung sind gut und intuitiv, und fünf Sterne im NCAP Crashtest hat der Kleine auch geholt.

Er ist ein Drilling, der up! von VW, seine Geschwister kommen von Skoda und Seat, dennoch sieht der kleine Wolfsburger ziemlich eigenständig aus, wenn er sich auch – ganz bewusst – aus der Familienoptik von Polo, Golf und Co. abhebt.

Markant ist die Kühlerlösung mit dem Wabengitter, das mit seinem Kunststoffeinsatz in Wagenfarbe fast wie ein lächelnder Mund wirkt. Darüber dominiert das große VW-Logo die Front, flankiert von den beiden Klarglasscheinwerfern. Um dem Fahrtwind den richtigen Weg zu weisen sitzt unterhalb der Frontschürze noch eine Spoilerlippe.

Obwohl für den täglichen Kampf im Großstadt-Dschungel gemacht, besitzt der up! rundum keine Rammschutzleisten, Parkdellen und -kratzer sind da vorprogrammiert. Und bei unserem dreitürigen Testwagen sind natürlich die Türen recht groß, was in engen Parklücken auch so seine Tücken mit sich bringt. Aber der Kleine hat echte Türgriffe.

In der Seitenansicht wie am Heck ist dann die Ähnlichkeit zu den Geschwistern deutlich größer. Extrem kurze Fahrzeugüberhänge und eine im unteren Teil schwarz abgesetzte Heckklappe betonen etwas die Breite und lassen den Wolfsburger mit seinen breiten Reifen auf schicken Alufelgen satt dastehen. Im kleinen Dachkantenspoiler ist die dritte Bremsleuchte untergebracht.

Die Verarbeitung macht einen soliden Eindruck, die Spaltmaße sind eng und exakt. Und wie seiht es hinter der Heckklappeaus?

Nun, die Heckklappe schwingt schon mal weit auf, da kann sogar ein 1,90 m Mensch drunter stehen, und auch die Kofferraumöffnung ist ausreichend groß, aber weder die Ladekante noch die Stoßstange sind gegen Ladekratzer geschützt. Und recht einfach geht es dann weiter, die Gepäckraumabdeckung muss von Hand hochgeklappt werden, bleibt auch dank Verriegelung von allein stehen. Aber ein Bierkasten geht praktisch nicht drunter, da muss man dann schon den Zwischenboden raus nehmen, um die ganze Tiefe zu nutzen, dann geht es für die Ladung aber auch ziemlich weit runter und später auch wieder rauf.

Insgesamt ist der Kofferraum recht klein, schon eine bisschen größere Kiste oder Einkaufskorb geht nur nach dem Umklappen der Sitze in den up!. Das geht zwar einfach vom Kofferraum aus, aber dazu sollten die Vordersitze nicht ganz hinten stehen und die Gepäckraumabdeckung ist dann der Kiste auch gleich im Weg.

Die Ladefläche ist halbwegs eben, was dagegen schlecht ist, ist die Verkleidung der Rückseite der Rücksitzlehnen, da eine schwere Kiste drüber zu schieben ist ein Kraftakt. Nun gut, so ein Kleinwagen ist kein Lastesel und so lassen sich die Schwachpunkte in Sachen Kofferraum durchaus verkraften.

Kommen wir also nach vorne. Bei unserem Testwagen machte sich ein frischer Mix aus schwarzen Applikationen, einem hellen Armaturenbrett dessen Aufmachung auch in den Türen wieder auftaucht zusammen mit der auch innen sichtbaren roten Lackierung an den Türen sehr gut. Es kommt nicht mal Kleinwagenatmosphäre auf und das Platzangebot in Reihe eins ist sehr gut.

Auch die Sitze sind ausreichend groß, dazu straff gepolstert und ordentlich ausgeformt, die Kopfstützen sind fix in die Rückenlehne integriert, meist sitzt man wegen der fehlenden Längsverstellung am Lenkrad ziemlich aufrecht und drum passen sie dann recht gut und stehen nahe am Kopf. Die Lehnenverstellung erfolgt mittels Hebel, ein Drehrad wäre uns lieber gewesen, was wirklich fehlt ist eine Lordosenstütze.

Zwar als Extra aber immerhin verwöhnt der Kleine mit einer Sitzheizung vorne. Durch die großen Türen kommt man – außer in engen Parklücken –sehr bequem rein, allerdings erst mal drin ist der Gurt recht schwer zu erreichen. Der Weg nach hinten ist durch weit vorfahrende Sitze gar nicht mal schlecht, allerdings muss man danach die ursprüngliche Sitzposition wieder hinpfriemeln.

Hinter einem 1,80 m großen Fahrer ist für einen Erwachsenen praktisch kein Unterkommen mehr, vor allem der Beinraum fehlt und die Kopfstützen sind auch nicht weit genug ausfahrbar, also werden besonders auf langen Strecken hinten besser nur Kinder untergebracht.

Kommen wir wieder nach vorne und werfen wir mal einen Blick auf das Cockpit. Ein schöner großer Tacho in der Mitte, zwei weitere kleine Rundinstrumente links und rechts davon, u.a. für den Drehzahlmesser, alle drei mit silbergrauem Rand. Unterhab des Tachos steckt eine Anzeige, auf der u.a. der Verbrauch abrufbar ist. Die ist aber nur bedingt nutzbar, da sie sich von Witterungseinflüssen beeinflussen lässt. Denn ist es z.B. unter vier Grad draußen, dann schaltet sie automatisch um und gibt Signal. Ganz okay, aber sie geht nicht mehr von allein zurück auf z.B. den Durchschnittsverbrauch. Da muss man dann immer wieder rumdrücken, denn das Spielchen wiederholt sich. Da ist es dann ganz gut wenn man das Navi hat, weil man auch dort den Durchschnittsverbrauch anzeigen kann, und hier nullt der sich auch nicht bei jedem Neustart.

Im Navi-Infobereich bringt der Bordcomputer zudem nicht nur den Durchschnittsverbrauch, -geschwindigkeit, Fahrstrecke und Reichweite sondern auch den momentanen Verbrauch und die Fahrzeit. Und man kann ganz einfach auswählen, ob beim Neustart genullt wird oder nicht. Um heraus zu finden wo man die Langzeitmessung nullt muss man dann aber doch in die Bedienungsanleitung sehen.

Aber da hatte vielleicht auch nur unser Testwagen eine Macke, denn auch die Lautstärke der Navistimme ließ sich nicht wie vermutet verstellen, nur ob Stimme an oder aus, dabei wären im Display dafür Touchscreen-Elemente vorhanden. Nur gut, dass man während der Durchsage durch die Lautstärkeregelung des Radios die Stimme beeinflussen konnte.

Ohne sich damit intensiver zu beschäftigen kann man aber ganz einfach einZiel eingegeben und losnavigieren. Aber es findet nicht immer auch die eingegebene Hausnummer und so konnte es sein, dass man schon vorher am Ziel ankam, und schon wieder braucht man einen Blick in die Bedienungsanleitung, um die Zielführung abzubrechen. Wenn man’s dann mal weiß …

Die wichtigen Dinge im up! sind weitestgehend in rotes Licht getaucht, aber die Fensterheber nicht, nicht mal ein Orientierungslichtlein. Überhaupt hat VW bei solchen Dingen gespart, zwar gibt es elektrische Fensterheber, aber auf der Fahrerseite ist nur ein Knopf für die Fahrerseite, für’s Beifahrerfenster muss man sich strecken. Das Licht wird über einen Drehschalter bedient, wie mittlerweile bei VW üblich, aber der ist beim up! recht weit unten.

Die Sonnenblende auf der Fahrerseite besitzt keinen Make-up-Spiegel, auf der Beifahrerseite ist er unbeleuchtet. Raus kommt man dann auch wieder prima, jedoch müssen die Türen richtig zugeschlagen werden, damit sie auch wirklich ins Schloss fallen.

Sein Haupteinsatzgebiet ist eigentlich die Stadt, und hier bietet er nicht nur ein völlig problemloses Handling sondern auch einen sehr guten Komfort. Verlässt man den urbanen Bereich und begibt sich auf die Landstraße, dann kann der up! auch hier überzeugen, zumindest, solange man ihn zivil bewegt.

Soll es dann mal schneller gehen, schiebt er in schnellen Kurven ordentlich über die Vorderräder und verlangt hier und da gewisse Lenkeingriffe oder aber man lässt sich zu eigentlich unnötigen Angstbremsern hinreißen, denn er wird zunehmend unruhig. Und kommen dann auch noch Bodenwellen oder Schlaglöcher dazu, dann wird die Fuhre doch ziemlich nervös.

Doch im Großen und Ganzen geht es im up! flott um die Kurven, vor allem auch weil sein Fahrwerk relativ straff abgestimmt ist. Auf der anderen Seite sorgt diese Straffheit und der kurze Radstand für deutliche Komforteinbußen sobald die Straßen schlecht werden, Schlaglöcher, Holperer und Querrillen dringen stark nach innen. Auf Buckeln und Bodenwellen wird man ganz ordentlich hin und her geschleudert und auf Kopfsteinpflaster kann es auch schon mal klappern und knirschen.

Ansonstenfolgt der kleine VW willig und exakt der Lenkung, die in der Stadt, also beim langsamen Fahren angenehm leichtgängig und bei höheren Geschwindigkeiten straffer arbeitet und den Wagen zielgenau ausrichtet und dabei auch eine gute Rückmeldung von der Straße liefert. Der Geradeauslauf ist ebenso okay wie die Straßenlage auch bei höherem Autobahntempo.

Die Bremsanlage des up! besteht neben ABS auch aus einem Bremsassistenten, die Leistung lässt sich prima dosieren und die Anlage spricht schnell an. Zur Sicherheit sollte man aber Vollbremsungen aus Tempo 100 vorsichtshalber vorher mal üben, denn vor allem wenn die Straße nicht ganz eben ist wird das Auto sehr unruhig und es kann auch mal vorkommen, dass es ein bisschen quer kommt und trotz ABS auch nicht sauber in der Spur bleibt.

Ist die Straße okay, steht der VW up! aus Tempo 100 nach guten 36 Metern, praktisch ohne Reifenquietschen aber mit ordentlichem ABS-Rubbeln. Dabei taucht der Vorderwagen tief ein. Zwar nur als Extra aber doch ein Novum in dieser Klasse ist eine laserbasierte City-Notbremsfunktion erhältlich. Bis Tempo 30 kann sie bei einer zu befürchtenden Kollision eine Vollbremsung einleiten und so einen Unfall verhindern oder zumindest dessen Schwere verringern.

Wenn man bedenkt, dass der kleine up! einen 1-Liter Dreizylinder mit gerade mal 44 kW unter der Haube hatte, dann konnte er ganz schön spritzig sein. Aber auch genau hier liegt eigentlich die Crux, denn will man flott sein, brauch der Motor Drehzahl und dann ist es mit dem Benzinsparen schnell vorbei. Dafür macht es richtig Spaß mit dem up! über kurvige Landstraßen zu wieseln.

Bleibt man zivil, dann sind 5 Liter durchaus kein Problem im gemischten Verkehr, geht es flotter voran, dann sind es schon mindestens 5,5 Liter und wenn man den up! scheucht, dann muss man mit 6,5 und mehr Litern auf 100 km rechnen. Die vom Werk angegebenen 4,5 Liter haben wir zugegebenermaßen nicht erreicht. Wer wirklich sparen will, der muss dann auch die BlueMotion-Technologie ordern und dafür 400,- Euro auf den Tisch legen, dann sollen laut VW auch 4,1 Liter im Mix drin sein.

Ganz hilfreich beim Spritsparenist die Schaltempfehlung, die an sich auch ganz gut arbeitet und sogar zum Zurückschalten rät. Probleme gibt es da eigentlich nur bei Bergaufstrecken, da empfiehlt sie den nächst niedrigeren Gang so spät, dass man vom 5. Gang ggf. bis in den 2. zurück muss weil er mittlerweile regelrecht verhungert.

Der 999 cm³ kleine Dreizylinder mit 12 Ventilen ist vom Sound her angenehm kernig und bleibt meist unaufdringlich. Klar ist auch hier, wird er voll gefordert, wird er auch recht laut. Ansonsten kann man sich auch bei Tempo 160 auf der Autobahn, was zugleich der Topspeed entspricht, noch gut unterhalten, der Verbrauch liegt dann bei 5,7 Liter Super. Nach 14,4 Sekunden schieben die 60 PS den up! aus dem Stand auf Tempo 100.

Unser Testwagen war mit einem Fünfgang-Handschalter kombiniert, er wirkt ein klein wenig knöchern und beim Schalten unter Volllast hatten wir hin und wieder Probleme mit dem dritten Gang. Darüber hinaus ist die Führung ebenso okay wie die Länge der Schaltwege, auch der Holperer über den Leerlauf ist nur ganz minimal zu spüren. Die Abstimmung der fünf Vorwärtsgänge passt gut zur Motorcharakteristik, die Anschlüsse stimmen.

Mit Frontairbags für Fahrer und Beifahrer sowie Kopf-Thorax-Airbags vorne erfüllt der up! zumindest mal die Grundsicherheit, beim Euro NCAP Crashtest holte er auf jeden Fall fünf Sterne.

Natürlich gehören Dreipunkt-Automatikgurte auf allen Plätzen sowie Kopfstützen und ISOFIX zur Grundausstattung dazu.

Mal abgesehen von den Sondermodellen gibt es den VW up! mit dem 44 kW-Einstiegsmotor als take up! für 9.875,- Euro, als move up! für 10.775,- Euro und als high up! für 12.600,- Euro.

Will man vier Türen, dann sind 480,- Euro Aufpreis fällig, und so wirklich gut ausgestattet sind auch erst die höheren Linien, so hat der move up! el. Fensterheber, den höhenverstellbaren Fahrersitz und die geteilte Rücksitzbank sowie die Zentralverriegelung an Bord, und erst im high up! sind Klimaanlage, Alufelgen, Nebelscheinwerfer, elektrische Außenspiegel, Lederlenkrad, Radio etc. mit dabei.

Ein Panorama-Ausstelldach kostet 880,- Euro extra, die Lederoptik ist 770,-Euro wert und für die Raucherausführung müssen Sie 20,- Euro locker machen. Dafür brauchen Sie im Jahr auch nur 20,- Euro Steuern bezahlen, die Versicherungseinstufungen liegen bei HPF 15, VK 13 und TK 15.

Stand: November 2012; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

Werbung: Automarkt auto24.de

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