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VW Scirocco 2.0 TSi

Scirocco ist ein heißer Wind aus der Sahara, sein Pendant auf vier Rädern ist sicher auch ein heißer Feger, zumindest wenn er wenigstens die 180 PS des Zweiliter-Benzin-Direkteinspritzers an Bord hat und man ihm ein paar Liter mehr als die Werksangabe gönnt. Dann passt auch der Sound zur dynamischen Optik, der das Facelift gut bekommen ist. Auch innen geht es sportlich zu, vor allem die Sitze tragen den Sportzusatz im Namen zurecht. Mit dem gut in der Hand liegenden Lederlenkrad steuert man den VW auch richtig flott um engste Kurven, das Sportfahrwerk macht seinem Namen ebenfalls alle Ehre, lässt aber auch bisweilen den Komfort vermissen. Selbst in der zweiten Reihe sitzt man sportlich und wenn es sein muss steckt sogar der Kofferraum einiges weg. Sportlich muss der Käufer allerdings auch den Preis nehmen, der bei unserem Testwagen auf über 37 Mille anstieg.

Auch wenn er im Kern noch ganz „der Alte“ ist, so hat ihm die Anpassung an die neue VW-Optik doch gut getan. Noch etwas klarer, eine Spur kantiger und durch und durch sportlich gezeichnet lässt er schon im Stand die Muskeln spielen.

Ausgesprochen glattflächig mit wenigen markanten Linien betont das Heck besonders die Breite, wie die hinteren Seitenscheiben war bei unserem Testwagen auch die Heckscheibe dunkel getönt, aus dem angedeuteten Diffusor schaut eine doppelflutige Auspuffanlage hervor, von der man im Alltag eigentlich viel zu wenig zu hören bekommt.

Schon der Einstieg verlangt auch vom Fahrer eine gewisse Sportlichkeit, denn über die sehr gut ausgeformten Sitze mit den ausgeprägten Sitzwangen muss man erst mal drüber kommen. Dem sportlichen Anspruch, den der Scirocco schon von außen deutlich macht, wird durchaus auch der Innenraum gerecht. Zahlreiche Chromapplikationen hinterlassen dabei einen ziemlich edlen Eindruck, eine Reminiszenz an frühere Sportwagen stellendie drei oben auf dem Armaturenbrett aufgesetzten Rundinstrumente für Ladedruck, Öltemperatur und Stoppuhr dar.

Bleiben wir aber erst mal bei den Sitzen. Diese sehen nicht nur sportlich aus, sie sind auch angenehm straff und geben richtig guten Seitenhalt, waren in unserem Testwagen bequem manuell zu verstellen. Sie bestehen aus Glattleder und Alcantara und die Mittelbahnen sind – wie dann auch die Verkleidungen in den Türen – mit schickem, modernem schwarzem Stoff bezogen. Das geht dann auch so auf der Rückbank weiter. Und auch hier sind die Sitze sehr gut ausgeformt und bieten auch hier richtig guten Seitenhalt, dadurch mutiert der Scirocco aber auch zu einem Viersitzer.

Beim ersten Einstieg nach hinten knallt man sich als 1,81 m Mensch gleich mal den Kopf an, der Dachholm ist doch ziemlich niedrig. Dann hinten angekommen hat man auch hinter einem großen Fahrer noch gut Platz, auch nebeneinander sitzen zwei Erwachsenen richtig bequem. Der Kopfraum ist aber bei 1,80 m zu Ende, die Kopfstützen reichen so weit schon nicht mehr.

Auch hinten sind die Sitze schön straff. Ein Zug am Hebel und die Rücksitzlehnen klappen 50 : 50 geteilt nach vorne, es bleibt eine gut 10 cm hohe Stufe hin zum Kofferraum und auch in die Löcher der Kopfstützen kann so manches fallen oder hängen bleiben, beim Zurück der Lehne kann sich auch der Gurt einklemmen.

Das wieder Raus muss man üben, für manchen geht es am besten wieder rückwärts raus und selbst das ist für Erwachsene nicht ganz ideal. Dass auch vorne große Menschen unbedingt beim Einstieg auf ihren Kopf aufpassen müssen, sei hier nur am Rande erwähnt. Die rahmenlosen Seitenscheiben fahren automatisch ein klein wenig nach unten und wieder hoch, damit sich die Türen einfacher öffnen und schließen lassen.

Gehen wir auch gleich noch auf den Rest vom Kofferraum ein, auch wenn der bei einem Sportwagen eher weniger wichtig erscheint. Doch er istbeim Scirocco für einen Sportwagen recht groß, es passen von 312 bis zu max. 1.006 Liter rein. Allerdings ist die Ladekante sehr hoch, die Stoßstange nicht geschützt, die Ladeöffnung durch die Gepäckraumabdeckung eher klein und nach der hohen Ladekante geht es extrem weit nach unten. Unter dem lapprigen Boden ist noch Platz für Kleinzeug und das Reifenreparaturset. Tritt man von der Seite an den offenen Kofferraum heran, muss man sich vor einer recht spitzen Kante an der Heckklappe in Acht nehmen.

Also zurück nach vorne, wo wir die sehr schnell und auf Stufe drei auch sehr stark arbeitende Sitzheizung nicht unerwähnt lassen wollen. Auch die Heizung hat sehr schnell die Luft angenehm erwärmt. Wenn verschmutzte Straßen und Regen dafür sorgen, dass er sich hinten so richtig einsaut – was er sehr gerne macht – dann hilft der Heckscheibenwischer auch nur bedingt, weil er ein recht kleines Feld freiwischt.

Doch selbst bei sauberem Heck ist die Sicht durch das Heckfenster ziemlich eingeschränkt. Nicht nur, dass die Dachsäulen relativ breit sind, das Fenster ist klein und hoch und dann sind innen die Kopfstützen der Rücksitze auch noch im Weg, auch wenn man sich bemüht hat, diese durch Löcher etwas durchsichtig zu machen.

Da kann es durchaus von Vorteil sein, wenn man sich für die Rückfahrkamera und eine Rundumeinparkhilfe oder sogar für eine Einparkautomatik entschieden hat. Alles durchaus hilfreich, denn weder ist nach vorne raus die Front wirklich abzusehen noch bringt nach schräg hinten das schmale Seitenfenster wirklich den Durchblick.

Gut sieht man mit dem Fahrlicht und schön funktioniert die Lichtautomatik, sie macht angenehm früh das Fahrlicht an. Nicht 100% überzeugen konnte hingegen die Fernlichtautomatik. Sie hatte bisweilen so ihre Aussetzer: Autos die aus einer Einfahrt oder Einmündung kommen, werden spät oder oft gar nicht erkannt, auch in Linkskurven oder an Kuppenreagiert sie spät, da würde man selbst längst reagiert haben. Nicht ganz im Sinne des Erfinders kann auch die Arbeitsweise gewesen sein, bei der sie zwar am Ortsausgang das Fernlicht anschaltet aber gleichzeitig die Fernlichtautomatik ausschaltete, ohne dass man was gemacht hätte, und so bliebt dann das Fernlicht an und man blendete die Entgegenkommenden. Auch schaltete sie bisweilen völlig unmotiviert auf freier Strecke das Fernlicht aus, nur um es nach ein bis zwei Sekunden wieder an zu knipsen.

Der Scheibenwischer kann auch automatisch und die Automatik kann sogar individuell auf ganz persönliche Vorlieben eingestellt werden, spätestens mit Stufe 1 wird sie auch nicht mehr zu hektisch.

Dass die gesamten Schalter und Regler modern gestaltet sind und bis hin zum großen Navi-Bildschirm gut erreichbar und einfach und intuitiv zu bedienen sind zeigt nicht zuletzt unser Innenraumfoto, das auch die klar gezeichneten und gut ablesbaren Rundinstrumente zeigt.

So sportlich wie er aussieht, so ist sein Fahrwerk auch sehr auf Sportlichkeit ausgelegt. Und selbst wenn man auf die Komforteinstellung wechselt werden Schlaglöcher deutlich nach innen weiter gegeben.

Er folgt willig der Lenkung, sowohl in der normalen, der Komfort- und natürlich in der Sport-Einstellung. In der Komforteinstellung sind die Karosserieneigungen etwas ausgeprägter, dafür geht hier die Lenkung auch angenehm leicht.

Steht der Schalter auf Sport geht sie bei flotter Kurvenhatz oder im Slalomtest doch recht streng – das Gefühl für die Straße ist dann aber sehr gut, die Seitenneigungen sind nahe Null und mit wenig Untersteuern sind echt hohe Kurventempi möglich. Kommen jetzt aber eine schlechte Asphaltdecke mit Längs- und Querrillen und auch Schlaglöchern ins Spiel, sollte man ihn doch gut festhalten um nicht aus der Spur zu geraten.

Die Bremsen packen gut zu, er steht auch bei schlechter Straße und auch beiNässe sehr sicher und auch sehr schnell, und das ohne großes ABS-Rubbeln. Mit Scheibenbremsen an beiden Achsen (vorne innenbelüftet), elektronischer Bremskraftverteilung und Notbremsassistent braucht er aus Tempo 100 heraus gerade mal 34 Metern bis zum Stillstand.

Mit dem 180 PS (132 kW) starken Vierzylinder Benzindirekteinspritzer mit Turbocharger hatten wir im Bereich der Benzinmotoren so die Mitte der Angebote erwischt, er geht damit in 7,4 Sekunden auf 100 und wird bei Bedarf 227 km/h schnell – vollkommen ausreichend um richtig Spaß zu haben.

Im Mix mit Stadt- und Überlandfahrt bei normalem bis zurückhaltendem Fahren haben wir 6,7 Liter verbraucht, mit etwas weniger Stadtanteil sind wir auf unserer normalen Teststrecke auf 6,1 Liter gekommen, verpassen also in jedem Fall die Werksangaben.

Und so richtig Spaß macht er, wenn man ihm mal ein bis zwei Liter mehr genehmigt. Wenn man ihm dann also so richtig die Sporen gibt, macht der Motor einen schön kernigen Sound, bleibt aber doch sehr im Hintergrund.

Die Schaltempfehlung zeigt nicht nur an, ob man rauf oder runter schalten sollte und in welchen Gang – sie zeigt auch schon mal gleich zwei Gänge rauf an – sondern auch, in welchem Gang man sich gerade befindet.

Unser Testwagen war mit dem 6-Gang-Handschalter bestückt, es gibt aber auch ein DSG. Die Handarbeit geht aber sehr gut vonstatten, die Gänge liegen nahe beieinander und so gleitet der Schalthebel auf kurzen Wegen sauber geführt und angenehm straff durch die Kulisse. Die Abstufungen harmonieren prima mit dem Motor und so dreht der Benziner wieselflink hoch. Er kann aber auch sehr niedertourig und es dauert lange, bis die Schaltempfehlung mal nach unten zeigt.

In Sachen Sicherheit hält sich VW auch beim Scirocco an die gewohnten Standards: Front-Airbags, Kopfairbags durchgehend und Seitenairbags vorne, Kopfstützen und Dreipunktsicherheitsgurte auf allen Plätzen, ESPmit Gegenlenkunterstützung, ISOFIX auf den Rücksitzen, Warnblinkautomatik bei Vollbremsung und Verbandtasche und Warndreieck, ein Umstand, der längst nicht mehr bei allen Neufahrzeugen gilt.

Und zum Schluss wie immer die Frage: Was kostet der Spaß? Unser Scirocco 2.0 TSi mit 180 PS BlueMotion Technology steht mit 26.700,- Euro in der Preisliste, los geht es bei 23.900,- Euro mit 125 Benzin-PS, der 220 PS Benziner kostet ab 28.525,- Euro, die Diesel reichen von 150 PS für 28.225,- Euro bis 184 PS für 31.650,- Euro.

Bleiben wir bei unserem Testwagen. Hier gehören u.a. 17 Zoll Alufelgen, eine Einstiegshilfe nach hinten, Sportsitze vorne mit Stoffbezug, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, Klimaanlage, zweifach verstellbares Leder-Lenkrad, geschwindigkeitsabhängige Servolenkung, Radio mit 8 Lautsprechern, Sportfahrwerk, Start-Stopp-Automatik, Reifenreparaturset, Zentralverriegelung und zahllose Kleinigkeiten zur Serienausstattung.

Und dann geht es los: 535,- Euro sind für die Pyramid Gold Metallic-Lackierung zu berappen, 2.060,- Euro kostet RNS 510, also das Radio-Navigationssystem, 1015,- Euro gehen für die Adaptive Fahrwerksregelung DCC daruf, 235,- Euro für den digitalen Radioempfang, 210,- Euro für die elektronische Differentialsperre inkl. Berganfahrassistent, die Fernlichtautomatik kostet 150,- Euro, Tempomat mit Müdigkeitserkennung 235,- Euro, die Climatronic 375,- Euro, Licht-und-Sicht-Paket 175,- Euro, Mobiltelefonvorbereitung 550,- Euro, Multifunktions-Sportlenkrad in Leder 285,- Euro, Parklenkassistent 765,- Euro, Rückfahrkamera 290,- Euro, 18 Zoll Alufelgen 730,- Euro, Sportpaket 670,- Euro , Xenon-Scheinwerfer 1.230,- Euro und einiges mehr, so schnellt der Preis auf 37.210,- Euro. Ganz schön heftig.

Und es geht noch mehr, dazu empfehlen wir wie gewohnt den Blick in die Zubehörliste des Herstellers. Ein Ölwechsel ist nach flexibler Intervall-Anzeige spätestensnach 2 Jahren mit Wartungsintervallverlängerung bzw. 15.000 km oder 1 Jahr ohne Verlängerung fällig. Die Inspektion wird erstmals nach 2 Jahren oder 30.000 km fällig, dann jährlich bzw. alle 30.000 km.

Stand: Juli 2015, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

Werbung: Automarkt auto24.de

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