// Fahrbericht / VW Jetta 1.2 TSI

Volkswagen

VW Jetta 1.2 TSI

Wer dreht sich schon nach einem Golf um? Viele, zumindest wenn der einen Kofferraum am Heck trägt und dann auf den Namen Jetta hört. Trotzdem wird wohl auch der nicht an die Verkaufszahlen des Golf heran kommen, denn dieser verkauft sich wie warme Brötchen. Klar, das liegt einfach daran, dass hierzulande die Stufenheck-Versionen nicht so beliebt sind wie die sicher praktischeren Schrägheck-Modelle. Und oft sehen sie auch bei weitem nicht so gut aus, doch das ist beim Jetta eigentlich ganz anders. Nicht nur der angesetzte Kofferraum macht eine gute Figur, auch die Front ist hier kantiger, sportlicher und lässt das Fahrzeug größer, erwachsener erscheinen. Was wir sonst noch so herausgefunden haben, lesen Sie in unserem Test.

Der Jetta ist der Golf mit Kofferraum hinten dran, und der läuft seit jeher bei uns dem Erfolg seines Schwestermodells hinterher. Eigentlich völlig unverständlich, denn vor allem was die Optik angeht, braucht sich das Stufenheck-Modell wahrlich nicht zu verstecken.

In der neuen Familienoptik gehalten, unterscheidet er sich zwar nur wenig, aber entscheidend vom Golf. Wo der mit rundlicheren Formen eher kompakt wirkt, könnte man den Jetta fast schon für einen Passat halten. Die kantigeren Scheinwerfer – ähnlich dem Polo – stehen dem Wagen sehr gut zu Gesicht und auch die modifizierte Frontschürze mit der kantigen Lippe sorgen nicht nur für einen sportlich-dynamischen Auftritt, sondern lassen den Wagen breit auf dem Asphalt stehen.

Die langgestreckte Silhouette mit der sanft geschwungenen Dachlinie steht dem Jetta sehr gut und läuft in einem kraftvollen und harmonisch angesetzten Heck aus, dass nicht nur mit den schön geformten Rückleuchten zu gefallen weis. Der angedeutete Diffusor an der weit nach unten gezogenen Heckschürze sorgt auch hier für Sportlichkeit. Eigentlich wäre der Jetta die ideale Basis für das Golf Cabriolet.

Dass die gesamte Karosserie sehr gut verarbeitet wurde und mit exakten, engen Spaltmaßen glänzen kann, braucht man fast nicht mehr zu erwähnen, dass teils spezielle Dichtungen an den Türendie Spalten praktisch bündig abschließen schon, das macht sich nicht nur beim Verbrauch sondern auch bei den Windgeräuschen und der Verschmutzung der Einstiege positiv bemerkbar.

Im Innenraum hören dann die Unterschiede zum Golf praktisch gänzlich auf, und so verkneift sich auch der Jetta weitestgehend frische Applikationen, Einsätze oder ähnliches. So kommt dann das Cockpit in ziemlichem Einheitsgrau-Schwarz daher, das nur durch zarte Chromränder aufzulockern versucht. Die Verarbeitung der angreiffreundlichen und teils angenehm weichen Materialien ist wie gewohnt hochwertig und wie die Platzierung und Bedienbarkeit der Hebel und Schalter nahezu tadellos.

Der Einstieg gelingt vorne wie hinten sehr bequem und schon nehmen wir auf gut ausgeformten, straff gepolsterten und groß dimensionierte Sitzen in Reihe eins Platz, die sehr gute elektrische Sitzverstellung arbeitet bestens und die Sitzheizung ist ausgesprochen schnell. Die Frage nach ausreichend Platz stellt sich vorne nicht, und auch in Reihe zwei sitzen 1,80 m große Mitfahrer hinter einem ebenso großen Fahrer noch sehr bequem, die beiden Außensitze sind gut ausgeformt und gepolstert, der Mittelsitz ist allenfalls eine Notlösung.

Viel größer sollte man aber als Fondpassagier nicht sein, denn mit 1,80 m stößt man gerade so nicht am Dach an, die Kopfstützen reichen für diese Größe aber auch aus. Die Seitenfenster fahren hinten leider nicht ganz nach unten. Also wieder nach vorne und neben dem guten Seitenhalt erfreut einmal mehr das kleine griffige Lederlenkrad mit guter Ausformung und zweifacher Verstellmöglichkeit.

Und auch der Regensensor (Extra) kann mit seiner Arbeit und der ganz individuellen Empfindlichkeitseinstellung gut überzeugen, wie das rein intuitiv über Touchscreen zu bedienende Radio und Navigationssystem. Daran, dass der Start-Stopp-Knopf links vom Lenkrad positioniert ist, muss man sich erst gewöhnen, daran, dass sich der Durchschnittsverbrauch beim Neustart immer wieder selbst „genullt“ hat, haben wir uns nicht gewöhnen können.

Mit einem angenehm dezenten „Nicht-Angeschnallt-Bimmeln“, dass erst beiNichtbeachten fordernder wird, hat sich der Jetta gleich in unsere Ohren geschmeichelt, der angenehm kernig-dezente Motorsound übrigens auch, da ist man gleich wieder versucht, dem Jetta das etwas sachliche Cockpitdesign nachzusehen, das rote Dimmerlicht ist immerhin schon mal ein Anfang, der Rest ist selbstverständlich bestens beleuchtet.

Wir wollen jetzt nicht kleinlich sein, aber das Fach unter dem Beifahrersitz ist wirklich nur für kleine Kleinigkeiten, ansonsten sind aber genügend Fächer und Getränkehalter vorhanden. Außerdem ein optisches und akustisches Einparksystem – prima, zumal die hinteren Dachsäulen ziemlich breit ausfallen und auch das Heck recht hoch geraten ist. Damit das Auto aber auch beim Vorwärts einparken „vorausschaut“, muss es erst mal durch das Einlegen des Rückwärtsganges „aktiviert“ werden.

Wie schon erwähnt, liegt der Hauptunterschied im Kofferraum, der zumindest optisch schick ans Heck angesetzt wurde. Und ausgerechnet hier sammelt der Golf-Bruder Minuspunkte, obwohl es erst mal gut los geht, denn betätigt man die Fernentriegelung, z.B. vom Fahrersitz aus, schwingt der Kofferraumdeckel von allein nach oben. Und während die Ladekante gut gegen Ladekratzer geschützt ist, bleibt die Stoßstange völlig ungeschützt. Anschließend geht es dann rund 20 cm tief nach unten.

Kann das Stauvolumen mit seinen 510 Litern im Normalzustand noch voll punkten, gibt es für die recht kleine Ladeöffnung, durch die ein Einkaufskorb gerade so passt, schon wieder Abstriche. Links und rechts im Kofferraum sind zusätzliche Fächer eingebaut, der Rest ist glattflächig und sehr tief, kleinere Gegenstände, die hier nach vorne rutschen, sind nur schwer wieder zu erreichen.

Und dann kann man ja auch noch die Rücksitzlehnen vorklappen und so die Ladekapazität erhöhen, dann bleibt aber eine Stufe im noch dazu ansteigenden Ladeboden, und auch die nutzbare Durchladeöffnung ist ziemlich eingeschränkt. Erst wenn man vorher die Sitzbank hochklappt, lässt sich das volle Ladevolumen nutzen. Störend wirkt sich auch aus, dass die Scharniere des Kofferraumdeckel in den Stauraum und somit ggf.aufs Gepäck drücken.

Im nun folgenden Kapitel steht der Jetta dem Golf in nicht viel nach. Auch hier zeigt sich das Fahrwerk von seiner ausgewogenen Seite, bietet einen sehr guten Fahrkomfort. Die Federung bügelt fast jede Unebenheit sauber weg, nur ganz grobe Schlaglöcher werden etwas trocken nach innen weitergegeben.

Ansonsten steckt das Fahrwerk auch Kopfsteinpflaster gut und vor allem leise weg. Gleichzeitig geht der Jetta aber auch super selbst um engste Kehren, quietscht dabei zwar deutlich mit den Reifen, bleibt aber stets sehr gutmütig, untersteuert nur leicht. Das serienmäßige ESP greift spät und nur dezent ein, lässt dem Fahrer viel Fahrspaß, kann allerdings dadurch auch nicht verhindern, dass der Jetta bei schnell wechselnden Richtungen zunehmend übersteuert. Spaß hat man dank der guten Traktion auch beim Beschleunigen aus dem Stand heraus.

Der Geradeauslauf ist prima und selbst bei schnelleren Autobahnetappen bleiben Wind- und Abrollgeräusche gut erträglich, der Motorsound ist meist dezent kernig und nicht aufdringlich. Exakt und straff arbeitet die Lenkung, und mit wenig Seitenneigung folgt der Jetta willig jeder kleinen Lenkbewegung wie auf Schienen. Die Rückmeldungen von der Straße geben dem Fahrer stets ein gutes Gefühl.

Und das geht auch beim Bremsen nicht verloren. Die ABS-Bremsanlage mit elektronischem Bremskraftverstärker und Notbremsassistent wirkt auf Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet, und bringt den Jetta auch auf wechselndem Untergrund schnell, sicher und spurtreu zum Stehen. Ein Nachlassen der Bremswirkung konnten wir auch nach dem 10. Versuch aus Tempo 100 zum Stillstand, wofür unser Testwagen im Schnitt 37 Meter benötigte, nicht feststellen. Auch die Dosierbarkeit und das Ansprechverhalten sind bestens.

Komfortabel zeigt sich unser Testwagen auch mit dem schlüssellosen Schließ- und Startsystem „Keyless Access“, bei dem der „Schlüssel“ als Sender dient und lediglich mitgeführt werden muss. Wozu dann unser Schlüssel noch einen konventionellen „Bart“ hatte? Und vor allem, wo sollte man den noch reinstecken?

Bevor wir uns den Motor unter derschicken Haube mal näher ansehen, kommt dann doch schon wieder etwas Ärger, oder sagen wir mal lieber, Verwunderung auf, denn dass man die schwere Motorhaube ohne Unterstützung durch Dämpfer hochstemmen und dann mit einem Stab arretieren muss, hatten wir eigentlich nicht erwartet, nachdem sich doch der Jetta sonst eigentlich eher auf höherem Niveau bewegt.

Schauen wir uns also den Motor mal genauer an, oder sollte man sagen Motörchen? Immerhin ist der Vierzylinder Ottomotor nur 1,2 Liter klein und leistet auch nur 77 kW/105 PS. Das maximale Drehmoment von 175 Nm liegt zwischen 1.500 und 4.000 U/min an. Aber schauen bringt ohnehin nicht viel, es ist ein einfaches Arbeitsgerät, bei dem VW sowohl auf nennenswerte Gestaltung als auch auf optische Verkleidungen verzichtet hat.

Also schauen wir doch lieber mal auf die Fahrleistungen. 190 km/h Spitze lesen sich ebenso gut wie der Sprint von Null auf Hundert in 10,9 Sekunden. Doch wozu überhaupt schauen, wichtig ist doch der Fahreindruck. Also schnell den Startknopf gedrückt – der liegt ungewöhnlicherweise links neben dem Lenkrad – und schon erwacht der kleine Benzin-Direkteinspritzer mit Turbocharger zum Leben – und läuft schon im Stand leise und kultiviert.

Gibt man Gas, wird zumindest innen der Sound schön kernig, außen hört sich der Motor nicht immer besonders gelungen an. Und los geht’s, der 77 kW Jetta zieht gut los und auch gut durch, drückt bis Tempo 140 sehr gut vorwärts, erst dann lässt er ein wenig nach, das ist aber voll okay. Und für die 77 kW geht er richtig gut ab. Downsizing nennen die Fachleute die „Verkleinerung“ der Motoren bei gleichzeitiger Leistungssteigerung. Voll gefordert wird der Motor kernig laut, stört dabei aber nicht.

Eine ganz feine Sache ist dann auch die Kombination mit dem serienmäßigen Sechsgang-Schaltgetriebe. Der Schalthebel flutscht nur so auf kurzen Wegen super geführt durch die Kulisse, die Abstufung harmoniert zudem gut mit dem Motor und unterstützt das flotte Vorwärtskommen ebenso wie schaltfaules Dahingleiten.

Und wie sieht es mit dem Verbrauch aus. Es gibt das 1,2 Liter 77 kW-Aggregat auch alsBlueMotion, dann schafft er es auf 5,3 Liter im Mix, der „normale“ 1.2 TSI will in der Stadt mit 7,1 Litern, außerorts mit 4,9 und somit im Mix mit 5,7 Litern Super Bleifrei auf 100 km gefüttert werden. Wir haben in der Regel 6,6 im Mix und bei bewusst zurückhaltender Fahrt 6,2 Liter verbraucht. Im flotten Galopp über unsere Berg- und Tal-Strecken im Thüringer Schiefergebirge waren es dann aber locker 8,5 Liter, bei jeder Menge Fahrspaß. Der CO2-Ausstoß verdirbt die gute Lauen mit 134 g/km auch nicht.

Mit seinen sechs Airbags (Frontairbags und Kopfairbagsystem vorne und hinten inkl. Seitenairbags vorne) ist er serienmäßig so ausgestattet, wie man es von einem modernen Fahrzeug unbedingt erwartet. Wer will, kann gegen Aufpreis (345,- Euro) auch hinten Seitenairbags und Gurtstraffer ordern.

Diese Gurtstraffer sind auch an den höhenverstellbaren vorderen Sitzgurten montiert, auf allen Plätzen gibt es höhenverstellbare Kopfstützen, vorne sicherheitsoptimiert, dazu ISOFIX, Rückstrahler in den Türen, Warnblinkautomatik bei Vollbremsung und Beifahrerairbag-Deaktivierung.

Unseren VW Jetta mit dem 1.2 TSI 77 kW Motor gibt es als Trendline für 20.900,- Euro und als Comfortline für 22.600,- Euro. Dabei ist beim Trendline die Rücksitzbank ungeteilt und nur die Lehne geteilt umklappbar. Auf 16 Zoll Stahlfelgen sind 205er Breitreifen montiert, Außenspiegel und Türgriffe sind in Wagenfarbe lackiert, eine grüne Wärmeschutzverglasung ist ebenso verbaut wie elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, eine Außentemperaturanzeige, ein Berganfahrassistent, elektrische Fensterheber vorne und hinten, Klimaanlage, Make-up-Spiegel in den Sonnenblenden, Servolenkung, Tagfahrlicht und eine Zentralverriegelung.

Bei der Comfortline sind dann bereits Alufelgen montiert, kann auch der Beifahrersitz höhenverstellt werden, sind Lenkrad und Handbremshebel mit Leder bezogen, haben die Komfortsitze vorne eine Lendenwirbelstütze, gibt es eine Mittelarmlehne mit Ablagebox, den Park-Pilot sowie das Radiosystem mit vier Lautsprechern und MP3.

Alles Weitere finden Sie dann in der umfangreichen Aufpreisliste, wiez.B. den Licht- und Regensensor für 175,- Euro, das elektrische Glasschiebedach für 890,- Euro, die Climatronic für 335,- Euro, den Metallic-Lack für 500,- Euro oder auch Navigationssysteme und Sportpakete.

Stand: Oktober 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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