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Volkswagen

VW Golf Plus 1,9 TDI

Das Plus an Golf! Golf Plus bedeutet 10 cm mehr Höhe, und damit mehr Nutzwert, mehr Raum, mehr Komfort beim Ein- und Ausstieg, mehr Variabilität in Reihe zwei, mehr Ablagemöglichkeiten für Kleinkram, mehr Laderaum für mehr Gepäck, mehr Zuladung, künftig sogar noch mehr Motoren und das Ganze für etwas mehr Geld als der normale Golf. Wie bei dem ist der Fahrkomfort gut, die Bedienung bestens, die Sicherheitsausstattung umfangreich und die Serienausstattung eher mäßig, dafür gibt es wieder mehr in der Aufpreisliste.


Die Verwandtschaft des Golf Plus mit dem „normalen“ Golf 5 ist nicht zu übersehen. Abgesehen von etwa 10 Zentimetern Höhenzuwachs beim Golf Plus sind beide Fahrzeuge in den Außenabmessungen nahezu identisch.

Die Operation, ein nur 4,20 Meter langes, dafür aber fast 1,60 Meter hohes Fahrzeug einigermaßen harmonisch aussehen zu lassen, kann als recht gut gelungen bezeichnet werden. Ein optisch aufregendes Auto ist der Golf Plus deshalb aber nicht geworden, hier war ein hoher Nutzwert ganz klar das Ziel.

Fließende Übergänge zwischen Motorhaube, Frontscheibe und Dachpartie prägen die Seitenansicht. Dazu gesellt sich einbeinahe kombitypisch steiles Heck. Klarglasscheinwerfer mit integrierten Blinkleuchten und ein großes Markenemblem dominieren die Front, am Heck finden sich, VW- typisch, runde Rückleuchten in LED- Technik. Die seitlichen Blinkleuchten sind in die Außenspiegel integriert.

In der getesteten Trendline Version rollt der Golf Plus serienmäßig auf 15 Zoll Stahlfelgen, in unserem Fall in Kombination mit Winterbereifung (195/65). Auffällig waren sehr unterschiedliche Spaltmaße, auch die Motorhaube war etwas versetzt montiert.

Dank der stets fünftürigen Karosserie fällt es dem Fahrer und allen Mitreisenden leicht, in das Auto einzusteigen. Die Türen öffnen ausreichend weit, nur das Schließen erfordert etwas viel Kraft. Gerade ältere Reisende werden den bequemen Einstieg Dank der leicht erhöhten Sitzposition als besonders angenehm empfinden.

Den Fahrer empfängt ein straff gepolsterter Sitz mit guten Verstellmöglichkeiten. Man findet schnell eine optimale Sitzposition, alle Bedienelemente sind gut erreichbar und logisch angeordnet, die Instrumente sind gut ablesbar, typisch Golf eben. Zudem lässt sich das Lenkrad in Höhe und Weite verstellen.

Auf den vorderen Sitzen lässt sich das Platzangebot mit gutbezeichnen, die Kopffreiheit ist natürlich außergewöhnlich gut. Der Beifahrersitz lässt sich beim Trendline Modell nicht in der Höhe verstellen, so ist die Kopffreiheit dort nicht ganz so üppig.

Etwas enttäuscht wird der Fahrer von einer nur mäßigen Rundumsicht, sowohl die geteilte A- Säule sowie auch die breiten B- und C- Säulen schränken die Rundumsicht stark ein. Dafür gibt es künftig optional eine Einparkhilfe und serienmäßig senkt sich der Beifahreraußenspiegel ab, sobald der Rückwärtsgang eingelegt wird.

Die große Stunde des Golf Plus schlägt in Reihe zwei und im Kofferraum. Hier bietet er fast die Variabilität eines Minivans. Die Rücksitzbank ist asymmetrisch geteilt verschiebbar, dadurch lässt sich mit wenigen Handgriffen entweder das Platzangebot auf den Rücksitzen vergrößern oder der Gepäckraum erweitern. Durch einfaches Umklappen der Rücksitzlehnen entsteht zudem eine große ebene Ladefläche. Auch lässt sich die Neigung der Rückenlehne in mehreren Stufen verstellen.

Unter dem Kofferraumboden bietet ein geräumiges Fach zusätzliche Möglichkeit, Kleinkram zu verstauen. Diesem Fach ist allerdings das Reserverad zum Opfer gefallen. Auch in Sachen Materialauswahl und Verarbeitung desInnenraumes konnte der Testwagen überzeugen.

Grundsätzlich reist es sich im Golf Plus angenehm, auch der Langstreckenkomfort ist gut. Recht sportlich ausgelegt zeigt sich das Fahrwerk, gerade auf kurze Unebenheiten bei Stadttempo wirkt der Golf Plus etwas unharmonisch und unruhig, vom optional erhältlichen Sportfahrwerk muss man da eigentlich abraten.

Bei steigendem Tempo und mit zunehmender Beladung federte der Testwagen verbindlicher, ohne dabei jemals schwammig zu werden. Dank dieser Abstimmung umrundet der Golf Plus enge Kurven ausgesprochen flott und sicher, da wirkt sich die Fahrzeughöhe nicht negativ aus. Um das serienmäßige ESP zum Einsatz zu bringen muss man es schon sehr zügig angehen lassen.

Die Bremsanlage mit Scheibenbremsen rundum (vorn innen belüftet) war dem hohen zulässigen Gesamtgewicht von 2000 kg locker gewachsen. Die Bremse lässt sich sehr gut dosieren und lässt auch bei starker Belastung in ihrer Wirkung nicht nach.

Unser Testwagen war mit dem Basis-Diesel mit 1,9 Litern Hubraum und 66 kW / 90 PS ausgestattet. Dieses Triebwerk bietet ordentliche Hausmannskost ohne dabei wirklich zu überzeugen, erst nach einigem Anlauf werden auf der Autobahn reichlich 170 km/h erreicht.

Der Motor istausreichend elastisch (max. Drehmoment 210 Nm bei 1.800 U/min) und auch die 13,5 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 waren subjektiv ausreichend. Von einem modernen Dieselmotor erwartet man jedoch auch Fahrspaß und den bietet der Basismotor kaum.

Stets moderat bleibt er jedoch in Sachen Verbrauch. Auf unserer Verbrauchstestrunde reichten 4,8 l auf 100 km, im Alltag sind Werte um 6 Liter realistisch und auch auf Vollgasetappen auf der Autobahn waren es nie mehr als 8 Liter pro 100 Kilometer. Leider ist der 90 PS-Motor derzeit nicht mit einem Dieselpartikelfilter erhältlich, sicher gibt es da aber bald entsprechende Nachrüstmöglichkeiten.

Der Basisdiesel ist ausschließlich mit einem 5-Gang Schaltgetriebe erhältlich. Die Abstufung passt gut und das Getriebe lässt sich sauber schalten.

Bei der serienmäßigen Sicherheitsausstattung hat sich Volkswagen nicht lumpen lassen, diese ist praktisch vollständig. Aktive Kopfstützen vorn, die für das Modelljahr 2007 nochmals optimiert wurden, 5 Dreipunktgurte, Front- und Seitenairbags vorn, Kopfairbags vorn und hinten sowie ISOFIX Kindersitzbefestigungen hinten sind immer an Bord.

Seitenairbags hinten und moderne Xenonscheinwerfer mit Kurvenfahrlicht gibt es als Extra.Dazu ein modernes ESP inklusive ABS, ASR, EDS und sogar Gespannstabilisierung, das ist vorbildlich. So ist, auch Dank des Fahrverhaltens, für hohe aktive und passive Sicherheit gesorgt. Neu ist auch die bei einer Vollbremsung automatisch zugeschaltete Warnblinkanlage.

Mit einem Basispreis von 19.775,- Euro bleibt der 90 PS Golf Plus TDI in der Trendline Version knapp unter der 20.000 Euro Grenze. Damit liegt er preislich ziemlich genau in der Mitte zwischen Golf und Touran. Mit einigen sinnvollen Extras, z.B. Klimaanlage, Radio, Metalliclackierung u.s.w. sind aber schnell 25.000,- Euro erreicht, ohne gleich in Luxus zu schwelgen. Das ist verdammt viel Geld.

Für wen dieser Golfableger nun genau passt, diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Die Familie wird eher zum Touran greifen, der Single wird dem Golf treu bleiben. Ältere Personen, die eine etwas erhöhte Sitzposition und das bequeme Ein- und Aussteigen genießen, denen ein Touran aber zu groß ist, für die ist der Golf Plus sicher eine echte Alternative.

Die Unterhaltskosten liegen dabei absolut auf Golf Niveau. Die Versicherungseinstufung ist günstig (Haftpflicht 17, Vollkasko 17, Teilkasko 22). Trotz steigender Treibstoffkosten kann man gelassen reisen,da der Kraftstoffverbrauch niedrig ist. Auch die Werkstattkosten bleiben mit einem kleinen Service alle 30.000 km (1x pro Jahr) oder einer größeren Inspektion nach je 60.000 km (alle 2 Jahre) überschaubar.

Stand: Juni 2006, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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