// Fahrbericht / VW Caddy EcoFuel

Volkswagen

VW Caddy EcoFuel

Der kleine Laster ohne Laster. Ob für die Familie, den Einkauf, die Freizeit oder die Arbeit – der VW Caddy findet viele Einsatzmöglichkeiten und der 2-Liter EcoFuel-Antrieb sorgt mit seinen 109 Erdgas-PS dafür, das immer der Geldbeutel geschont wird, weil er die Treibstoffkosten nahezu halbiert. Zwar ist er nicht der schnellste, doch die Fahrleistungen reichen allemal und ohnehin steht die hohe Nutzlast, der riesige Laderaum und die guten Platzverhältnisse für bis zu sieben Passagiere im Vordergrund. Dabei fährt er sich wie ein Pkw, bietet guten Komfort und feine Sitze.

Der VW Caddy ist ja eigentlich zwei Autos in einem: Zum einen ist er eine Art Kombi oder Van mit Pkw-Charakter und hohem Freizeitnutzwert für die ganze Familie, zum anderen ist er ein Lastesel für Handel, Handwerk und Co.

Optisch wird er dadurch zu einer Mischung aus Pkw an der Front und Kastenwagen am Heck, aber VW hat es ganz gut verstanden, beide Elemente harmonisch zusammenzufügen.

Einzig die große Frontschürze, die beim Caddy in grauem Kunststoff ausgeführt ist, deutet ein wenig auf einen rauen Arbeitsalltag hin. Beim Caddy Life haben Sie aber auch die Möglichkeit, u.a. eine in Wagenfarbe lackierte Frontschürze zu ordern, was die Pkw-Optik weiter verstärkt.

Der Übergang zum großen Gepäckabteil gelingt schnell durch eine große flache Frontscheibe, und dann bietet der Caddy unzählige praktische Vorzüge, mit Schiebetüren auf der Fahrer- und Beifahrerseite (je nach Variante) oder auch als Kastenwagen, also hinten ohne Fenster. Beim Caddy Life können die hinteren Fenster dunkel getönt sein und in den Fenstern der Schiebetüren sind kleine Schiebefenster integriert, aber nur rechts serienmäßig. Auf Wunsch mutiert der VW auch zum Siebensitzer.

Am Heck kann zwischen einer asymmetrisch geteilten Hecktür oder einer großen Heckklappe gewählt werden, die kleinere Hälfte der Tür ist zumFahrbahnrand hin montiert, ganz wie es sich für Deutschland gehört. Beim Caddy können Sie dann noch eine Leiterklappe ordern, die auch den Transport langer Gegenstände erlaubt und diese nach hinten oben aus dem Laderaum heraus stehen lässt.

Womit wir auch schon beim Innenraum wären, den wir praktischerweise gleich mal im Kofferraum beginnen. Stets ist die Ladekante bestens geschützt und auch die Stoßstange besteht gut aus unempfindlichem Kunststoff und steckt so einiges weg. Und einiges weg steckt auch der Laderaum des Caddy, und das schon in der Grundstellung.

Auch hier können Sie ganz nach Ihren Bedürfnissen ausrüsten, von der Gepäckraumwanne angefangen bis hin zur Teilverkleidung der Seitenwände und zur Trennwand.

Stets ist die zweite Sitzreihe mit zwei Handgriffen und nur einer Hand umzuklappen. Dazu werden einfach die im Verhältnis 40 zu 60 geteilten Lehnen vorgeklappt und dann der Sitz hochgestellt. Darunter kommt ein mit Teppichboden ausgelegter ebener Ladeboden zum Vorschein und schwupp haben Sie bis zu 3,2 m³ Laderaum zur Verfügung. Und die Zuladung von 666 kg für den EcoFuel sind auch nicht zu verachten, aufs Dach gehen 100 kg und an den Haken können Sie bis 1.500 kg nehmen.

Entsprechende Halterungen im Dach sorgen dafür, dass das Trennnetz auch bei umgelegten Rücksitzen eingehängt werden kann, hinzu kommen Verzurrösen etc. Ganz praktisch erweisen sich die zahlreichen Fächer bis hin zu den Netzen und Haken im Dach sowie den großen Ablagen vorne über der Frontscheibe. Obwohl natürlich auch hier Kunststoff verarbeitet wurde, wirkt alles recht hochwertig, ist sehr solide verarbeitet und verzichtet auf unschöne und vor allem scharfe Kanten. Das Bordwerkzeug ist gut erreichbar hinten an der rechten Seite verstaut.

Nutzen Sie die zweite Sitzreihe zum Personentransport, können hier auch hinter großen Fahrern große Mitfahrer bequem unterkommen. Der Kopfraum ist geradezu riesig und der Einstieg durchdie weit öffnenden Schiebetüren gelingt sehr bequem. Auf sanften Zug öffnen die hinteren Schiebetüren wie auch die vorderen Türen, ein leichter Anstoß genügt, und schon gleiten die Schiebetüren wieder zurück und rasten sanft im Schloss ein.

Einen sehr guten Sitzkomfort findet man auch in Reihe zwei, nur wenn man, weil nur eine Schiebetür vorhanden, über die Sitze rutschen muss, stören die Gurtschlösser ein wenig. Vorne gelingt dank des hohen Hüftpunktes der Ein- und Ausstieg noch besser, die Sitze sind ausreichend groß dimensioniert, und nur große Fahrer wünschen sich eine etwas längere Beinauflage.

Die Polsterung ist angenehm straff und die gute Ausformung garantiert einen ordentlichen Seitenhalt. Die Kopfstützen sind rundum weit ausziehbar und vorne auch in der Neigung zu verstellen. Ist das Gestühl im Caddy in grau gehalten, kann man im Caddy Life durch rote oder blaue Applikationen Farbe und Frische in den Innenraum bringen.

Manuell geht die Sitzverstellung geht sehr einfach von der Hand, die Lehnen mittels Drehrad, die Sitzhöhenverstellung per Hebel und so findet man in Kombination mit dem zweifach verstellbaren Lenkrad schnell die optimale Sitzposition.

Die ist hoch, was gut ist für den Überblick, trotzdem lässt sich die abfallende Front nicht einsehen. Mit den beiden großen Außenspiegeln lässt sich der Caddy trotz breiter Dachstreben ab der B-Säule gut einparken und manövrieren.

Ganz pkw-like gibt sich das gesamte Cockpit, die Instrumente sind klar gezeichnet, gut ablesbar und übersichtlich, wozu der Tacho aber bis 260 reicht hat sich uns nicht ganz erschlossen. Was soll’s, alles ist solide und dort wo es hingehört, die Radio-Einheit ist ebenso modern wie das Gebläse-Heizungs-Kombiinstrument, dass so auch im normalen Pkw zum Einsatz kommt, im Caddy Life sind Schalthebel und Lenkrad sogar mit Leder bezogen.

Die Bedienung wirft keinerlei Fragen auf, reinsetzen und losfahren sind kein Problem.Hätte man nicht schon am Heck den Schriftzug ECOFUEL gelesen, man würde kaum einen Unterschied feststellen können. Erst bei genauem Hinsehen erkennt man an der Tankanzeige eine kleine Gasflasche und im Display ist eine weitere Tankanzeige. Doch dazu kommen wir gleich noch.

Der Fahrkomfort im Caddy ist sehr gut, Straßenschäden werden bestens weggefiltert, nur über Bodenwellen kann er schon mal etwas schwingen. Die weiche Fahrwerksabstimmung relativiert sich natürlich mit zunehmender Beladung.

Ansonsten fährt man den VW Caddy wie einen ganz normalen Pkw. Er folgt willig der Lenkung, die einen feinen Kompromiss aus Leichtgängigkeit und Straffheit findet und mit der der Nützling gut zu handeln ist. Selbst im Slalomtest folgt er willig den Lenkbefehlen und setzt sie sehr direkt in Richtungswechsel um.

Dabei zeigt er sich nur leicht untersteuernd und erst mit zunehmender Geschwindigkeit wird das Heck etwas nervöser, voll beladen ist sicher vor allzu ungestümen Kurvenfahren zu warnen, das war aber im Rahmen der Presse-Fahrvorstellung nicht auszutesten. Während unserer Testfahrt verhielt sich der Caddy auf jeden Fall ausgesprochen gutmütig.

Und das gilt auch beim Bremsen, wo er sich gut dosierbar zeigt und bei einer Vollbremsung nur mit einem leichten Quietschen und deutlichem Eintauchen der Front sicher zum Stehen kommt. Neben ABS und ASR sind Scheibenbremsen vorn und hinten serienmäßig an Bord.

Die Spritpreise steigen unaufhörlich, da sind alternative Energien gefragt, Gas ist da allein mit Blick auf den Preis eine interessante Alternative. Und so hat sich VW entschieden, den Caddy auch mit einem Erdgasantrieb auszustatten.

Das kennt man ja schon, da gibt es dann einen kleinen Schalter mit dem man von Erdgas auf Benzin umschaltet … nur wo ist beim Caddy dieser verflixte Schalter? Er hat keinen, denn hier geht VW einen eigenen Weg. Der Caddy hat 26 kg fassende Erdgastanks unter dem Wagenboden und schafft damit einerReichweite von ca. 440 km. Für den Fall, dass man damit die nächste Erdgastankstelle nicht erreicht (von derzeit ca. 650 werden es bis 2007 schon über 1.000 sein), hat man eine Benzinreserve von 13 Litern für weitere 150 km.

Dabei entscheidet immer das Fahrzeug, ob es mit Gas oder Benzin fährt. So wird z.B. beim Kaltstart stets mit Benzin gestartet, dann wird automatisch auf Gas umgestellt. Warmstarts werden gleich mit Gas ausgeführt und ist der Gasvorrat verbraucht, schaltet der Caddy automatisch auf Benzin um. Man sollte also immer beide Füllstandsanzeiger im Cockpit im Auge behalten.

Vom Umschalten bekommt man als Fahrer nichts mit, der Motor wurde aber extra für einen wirkungsvollen Gasbetrieb auf 13,5 :1 hoch verdichtet. Damit er auch mit Benzin läuft, wird dann der Zündzeitpunkt und die Drosselklappenstellung verändert.

Und was ist das jetzt für ein Motor? Unter der Haube des Caddy EcoFuel schlägt ein zwei Liter Herz mit 80 kW/109 PS bei 5.400 U/min und einem maximalen Drehmoment von 160 Nm bei 3.500 U/min. Damit wird der Caddy zwar nicht zum Sportwagen, für eine Höchstgeschwindigkeit von 169 km/h reicht es aber allemal und man kommt auch ganz gut im Verkehr mit, auch wenn es etwas gedämpft voran geht.

So braucht man 13,8 Sekunden für den Sprint von Null auf 100 und auch die Elastizität ist nicht ganz so berauschend, im fünften Gang vergehen 20 Sekunden um von 80 auf 120 km/h zu beschleunigen. Da kann ein kleinerer Benziner mehr bieten. Aber allein die niedrigeren Verbrauchskosten machen diesen kleinen Nachteil wieder wett, und außerdem kann man mit der harmonisch abgestimmten Fünfgangschaltung jederzeit für mehr Drehzahl und dann ordentlichen Vortrieb sorgen.

Der Schalthebel ist am Armaturenbrett angeflanscht und lässt sich auf angenehm kurzen Wegen exakt von Gang zu Gang bewegen – richtig knackig für einen Lieferwagen. Gibt man dem Caddy die Sporen, macht der Erdgas-Antrieb mit einem kernigen Sound aufsich aufmerksam, ohne jedoch störend laut zu werden, im normalen Fahrbetrieb bleibt er angenehm leise.

Und eben kostengünstig, denn mit dem Erdgasantrieb können Sie die Spritpreise praktisch halbieren. Außerorts begnügt sich der Caddy mit 4,6 kg Erdgas auf 100 km. Und nicht nur, dass Erdgas vorerst bis 2018 steuerlich begünstig ist, auch Kommunen und Energieversorger zeigen sich Erdgas-Fahrern gegenüber immer noch spendabel.

Die erste Frage richtet sich da meist gleich auf die Sicherheit der Gastanks. Hier kann man sich beruhigt zurücklehnen, die Unterflurtanks sind aus hochfestem und hitzebeständigem Stahl und haben sich auch in extremen Tests als nahezu unverwüstlich gezeigt. Hinzu kommen 3fach elektromagnetisch gesicherte Ventile, die bei einem Unfall das ungewollte Ausströmen des Gases verhindern. Und auch beim Tanken gibt es keine Probleme: Zapfpistole aufsetzen, eine 180°-Drehung eines Hebels und schon ist eine sichere Verbindung hergestellt.

Der Rest ist schnell abgehakt, denn hier unterscheidet sich der EcoFuel Caddy nicht von seinen Brüdern: Beim Kastenwagen ist ein Fahrerairbag serienmäßig, den Beifahrerairbag, der schon beim Kombi Serie ist, kann man optional ordern, wie generell die Seitenairbags.

Allein um den Rahmen dieses Berichtes nicht zu sprengen bleiben wir beim Betrachten der Preisliste an dieser Stelle mal beim VW Caddy Life. Der ist mit dem 2 Liter EcoFuel Antrieb als Fünfsitzer ab 19.950,60 Euro zu haben, der Siebensitzer kostet 20.456,60 Euro.

Ein Caddy ist praxisorientiert, also ist auch nur alles was unbedingt wichtig ist, im Grundpreis enthalten. Für den Einsatz als Arbeitstier reicht das auch allemal aus, für den Einsatz als Freizeitfahrzeug tauchen aber sicher noch einige Wünsche auf, und so lohnt sich ein Blick in die nicht gerade kleine Aufpreisliste. Hier finden Sie dann z.B. für 1.229,60 Euro eine Klimaanlage, für 400,20 Euro ein ESP, für 440,80 Euro eine Metallic-Lackierung,einen Make-up-Spiegel auf der Fahrerseite für 18,56 Euro, ein Optik-Paket mit u.a. Stoßfängern, Außenspiegeln und Türgriffen in Wagenfarbe für 290,- Euro oder eine Sitzheizung vorne für 313,20 Euro.

Stand: Juli 2006, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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