// / VW Beetle Cabrio – Und der Käfer lebt doch.

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VW Beetle Cabrio – Und der Käfer lebt doch.

Aber nicht falsch verstehen, der Neue ist nicht etwa ein alter Hut, aber es gibt doch zahlreiche Parallelen zum Käfer: Ein 1,2 Liter Motor werkelt unter der Haube – allerdings vorne und mit 105 PS deutlich stärker als früher, und doch wesentlich sparsamer. Die Frontscheibe ist endlich nicht mehr ganz so weit weg, mehr wie damals, als der Käfer eine ganze Nation bewegte. Und das gesamte Cockpit erinnert – auch ohne Blumenvase – irgendwie an den alten Käfer, der auch noch ohne schwarzes Plastik und mit viel Wagenfarbe auskam. Natürlich ist jetzt alles moderner, und auch das Dach ist wieder näher am Kopf. Viel besser als früher ist das neue Verdeck, es geht elektrisch und auch während der Fahrt, und ohne Persenning. In jedem Fall hat VW mit diesem Auto einen echten Sympathieträger, einen Hingucker und einen treuen Begleiter auf die Räder gestellt, den wir nur schweren Herzens wieder abgegeben haben. Was uns unbedingt fehlt ist der alte Name – Käfer, und nicht englisch Beetle.

Optik ist immer eine Frage des Geschmacks, aber der neue Beetle lässt den Vorgänger wahrlich alt aussehen. Dabei sind es weniger die jetzt modernen Scheinwerfer mit dem gebogenen Tagfahrlicht, nicht die jetzt wesentlich stimmigere Frontschürze, die zugleich eine gewisse Familienzugehörigkeit zu den anderen VW-Modellen aufkommen lässt, vielmehr haben die niedrigere Frontscheibe und das nicht mehr so im hohen Bogen verlaufende Dach wohl den größten Anteil. Und damit kommt er auch dem Urahn sichtbar näher.

So steht das Beetle Cabrio jetzt deutlich bulliger auf der Straße, und auch wenn es meilenweit vom Urvater Käfer entfernt ist, es ist doch irgendwie einer. Na ja, das meiste Käferfeeling kommt innen auf. Doch dazu später …

Das neue Verdeck steht jetzt nicht nur tiefer über den Köpfen, es fährt auch gelungen und das sogar während der Fahrt in den Bereich hinter den Rücksitzen, versteckt sich dort schön, nimmt weniger Sicht weg und steht nicht mehr so unmotiviert aus der Fahrzeuglinie heraus. Okay, mit dem Käfer hat das nichts gemein, aber Retro sollte Verbesserungen ja nicht ausschließen.

Am Heck entfernt sich das neue Cabrionoch deutlicher vom Käfer, macht aber trotzdem eine gute um nicht zu sagen wesentlich bessere Figur. Ein angedeuteter Diffusor, die kleine Spoilerlippe, das niedrigere Dach und auch die nicht mehr runden Rückleuchten machen sich sehr gut. Offen wie geschlossen gibt das Beetle Cabrio einen echten Blickfang ab – und das nicht nur wegen der auffälligen, knallroten Lackierung.

Im Innenraum ist die Rückkehr zu den eigentlichen Wurzeln am größten. Und hier hat das Beetle Cabrio nur gewonnen, und wie. Endlich ist die Frontscheibe nicht mehr so endlos weit weg wie in einem Van, das Dach steht, weil der auch optisch unschöne Dachbogen endlich gewichen ist, wesentlich näher am Kopf, so entsteht eine Behaglichkeit, ohne dass es auch nur ansatzweise eng zuginge. Und man hat den Weg zurück zur in Wagenfarbe lackierten Armaturen gefunden, so bildet das Armaturenbrett mit den Türen, die im oberen Teil auch in Wagenfarbe lackiert sind, ein schicke Einheit.

Schön, dass auch das Lenkrad ein bisschen was von der frischen Farbe abbekommen hat, von dem unten leicht abgeflachten Lederlenkrad hätte man im früheren Käfer nicht mal geträumt. So schlägt das neue Beetle Cabriolet einen gelungen Bogen zwischen Retro und Moderne, das Handschuhfach als Erinnerung an das „Käferfach“, Mittelkonsole und darüber liegender Monitor mit Bedienteil fügen sich ebenso gelungen ins Bild wie die Instrumenteneinheit mit einem großen runden Hauptinstrument, dem Tacho – auch wieder alte Zeiten modern interpretiert.

Klar, das kleine Seitenfenster fehlt völlig, aber nennen Sie es Romantik oder verklärte Jugenderinnerungen, ich hatte im neuen Beetle Cabrio endlich wieder genau jenes Gefühl, das mir die Erinnerungen an meine früheren Käfer immer vorgaukelt. Ich fühlte mich geborgen und alles strahlt aus: Er läuft und läuft und läuft …

Kommen wir mal zum Sitzen. Unser Testwagen war mit „ganz normalen“ Sitzen ausgestattet, doch auch die sind ganz gut ausgeformt, ausreichend groß und straff gepolstert. Sie sind einfach manuell zu verstellen, ließen aber eine Lordosenstütze vermissen. Die gibt’s für 165,- Euro als Extra. Der Stoffbezug war zweifarbig mit einem breiten roten Mittelteil, der aber leidernicht so rot war wie die Außenfarbe – na man kann nicht alles haben.

Dafür hat man ein Easy Entry, mit dem man auch ganz gut nach hinten kommt, selbst bei geschlossenem Verdeck. Und hier ist dann für einen 1,80 m großen Mitfahrer hinter einem 1,80 m Fahrer im Beinbereich gerade so ausreichend Platz, der Kopffreiraum ist okay und in der Breite wird es – obwohl nur zwei Sitzplätze vorgesehen sind – dann schon ein wenig eng. Ausreichend dagegen sind die Kopfstützen.

Fast möchte man sagen „natürlich“ sind alle wichtigen Schalter gut erreichbar, einfach zu bedienen und beleuchtet, es ist schließlich ein VW, das Ambientelicht hingegen ist für einen Wolfsburger fast schon ungewohnt, denn nicht nur dass rund um die großen Lautsprecher ein Leuchtring steckt, auch in den Türen dimmert es – und diese Lichter können sogar zwischen Rot, Blau und Weiß gewechselt werden.

Über den großen Bildschirm im Armaturenbrett ist u.a. das Navigationssystem einfach und intuitiv zu bedienen, die Zielführung ist okay, die Sprache wirkt aber bisweilen etwas zusammengestöpselt. Das System hat keine Schildererkennung, spiegelt aber die Tempolimits ins Bild – leider halt immer nur so aktuell wie das System gerade ist, und so geht so manch neues Tempolimit am Fahrer vorbei und der Wert der Anzeige bleibt fraglich.

Kofferraum war von jeher ein heikles Thema, und das ist auch beim aktuellen Modell nicht besser, hat es doch den Stauraum hinter den Rücksitzen nicht, der früher so manches Teil aufnehmen konnte. So muss man sich mit den 225 Litern in Heck begnügen, die noch dazu durch eine nicht eben riesige Klappe bedient werden. Und wenn dann noch das Windschott drin steckt … Aber hier haben die Entwickler gut mitgedacht, Windschott und dessen sichere Box können mit wenigen Handgriffen komplett entfernt werden.

Und zwei weitere Griffe, und die Rücksitzlehnen können geteilt umgelegt werden. Dann steigt das Stauvolumen doch deutlich. Auch wenn eine dicke Stufe im Ladeboden bleibt und die Durchladeöffnung auch nicht gerade riesig ist – aber für ein Cabrio okay. Die hohe Ladekante ist gut, die Stoßstange nicht geschützt und danach geht es noch mal rund 20 cm tief runter.

Bei diesen Kapitelnreicht der neue Beetle in nichts an den alten ran – und das ist sehr gut so. Denn hier zeigt sich der neue als top modern und mehr als auf der Höhe der Zeit.

So zum Beispiel die Klimaanlage/Heizung. Die merkt sich nämlich die Einstellungen bei geschlossenem und geöffnetem Verdeck und wechselt jedes Mal entsprechend automatisch hin und her.

Und was die Windverwirbelungen angeht sorgt nicht nur das Windschott (Extra für 325,- Euro) für höchsten Komfort, Windverwirbelungen sind kaum spürbar. Und selbst wenn die Scheiben unten sind und das Windschott sauber im dafür vorgesehen Fach im Kofferraum verstaut ist, hält sich der Wind in Grenzen, auf den vorderen Plätzen zumindest.

Und hat man die Mütze oben zeigt sich das Dach absolut wasserdicht und auch die Windgeräusche sind auf ein Minimum begrenzt. Und von einem elektrischen Verdeck, das auch noch während der Fahrt geöffnet oder geschlossen werden kann, war der alte Käfer Lichtjahre entfernt.

Wie von der gefühlvollen Lenkung des Beetle Cabrio, die beim Rangieren komfortabel leichtgängig und beim flotteren Fahren schön straff arbeitet. Damit lässt sich das Cabriolet prima um die Kurven manövrieren, je flotter das geht, je massiver schiebt es über die Vorderräder und drückt mit dem Heck nach, außerdem quietscht es mit den Reifen – wie auch beim rasanten Anfahren – dank ESP ist aber alles problemlos zu handeln. Verwindungen sind nur ganz dezent zu spüren.

Wie der Neue auch beim Bremsen ein gute Figur macht. Mit ABS, elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent sowie Scheibenbremsen vorn (innenbelüftet) und hinten steht der Beetle spurtreu und sicher, er spricht spontan an und lässt die Bremsvorgänge gut dosieren. Aus Tempo 100 steht er nach einer Vollbremsung nach weniger als 37 Metern – ohne Fading bei wiederholten Bremsversuchen.

Insgesamt ist das Fahrwerk des Beetle Cabrio sportlich straff abgestimmt, was bestens zur Aufmachung des offenen Flitzers passt. Und doch hat es ausreichend Komfort im Gepäck, um auch langes Cruisen oder Autobahnetappen zum Vergnügen zu machen. Nur wirklich grobe Schlaglöcher dringen dann zu den Insassen durch.

Der Käfer lebt … ein Motor mit 1,2 Liter Hubraum war langeZeit das Maß der Dinge im beliebten Krabbeltier, und der aktuelle Beetle kann mit einem ebensolchen 1,2 Liter TSI bestückt werden. Damit enden aber auch schon alle etwaigen Gemeinsamkeiten. Denn nicht nur dass der Beetle den Motor vorne trägt und die Kraft an die Vorderachse weiterleitet, allein schon die 105 PS / 77 kW hätten uns seinerzeit die Freudentränen in die Augen getrieben. Und ein Blick in die Ausstattungslisten zeigt, dass es den Beetle auch mit einem 200 PS starken 2-Liter-Motor gibt – früher der helle Wahnsinn, heute helle Freude.

Aber auch wenn Sie sich mit dem 105 PS TSI mit seinen vier Zylindern und Benzindirekteinspritzung begnügen müssen, ist das kein Grund zur Bekümmernis. Denn der Turbo-Motor läuft nicht nur angenehm leise und kultiviert, er hat erstaunlich viel Bums, kann schön niedertourig gefahren werden und geht bei Bedarf richtig gut ab.

So sprintet der Wolfsburger in 11,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und weiter bis zur Topspeed von 178 km/h. Auch wenn es die Tachonadel nie bis dort hin schafft, die Tacho-Anzeige reicht bis 260 km/h. Immerhin, das Topmodell schafft 223 Spitze.
Der 1.2 TSI ist an eine Sechsgang-Handschaltung gekoppelt, deren Schalthebel auf kurzen Wegen angenehm straff und exakt geführt ist. Die Abstufung harmoniert bestens mit dem Motor und auch die Arbeit der Schaltempfehlung ist voll okay, zeigt auch das Runterschalten an und lässt den Wagen kaum mal verhungert. Außerdem hilft eine Start-Stopp-Automatik Sprit zu sparen, sie gibt’s aber nur in der BlueMotion-Version. Und dann gibt VW den Verbrauch mit 7,1 Litern innerorts, 5,0 Litern außerorts und 5,8 Litern im Mix an, dabei stößt er dann 134 g CO2 je km aus.

Wir haben im Rahmen unserer Testfahrten im Alltag zwischen 5,8 und 6,2 Liter im Mix verbraucht, bei Autobahntempo 130 waren es um die 6,7 Liter und ließen wir die Tachonadel um die 160er Marke pendeln, dann flossen 8,4 Liter pro 100 km aus dem Tank.
Neben dem leisen Motor, der nur voll gefordert einen angenehm kernigen Sound von sich gibt, sind auch die wenigen Wind- sowie stets zurückhaltenden Abrollgeräusche sehr komfortfördernd.

In diesem Kapitel wollen wir die Urväter des Beetle gar nicht erst bemühen,sie wären chancenlos. Denn auch hier ist das Beetle Cabrio ziemlich auf der Höhe der Zeit. Das beginnt bei der serienmäßigen Ausstattung mit Dreipunkt-Automatikgurten auf allen Plätzen, vorne mit Gurtstraffern,. Frontairbags, Kopf-Seiten-Airbags vorne, sicherheitsoptimierten Kopfstützen vorn, Warnblinkautomatik bei einer Vollbremsung etc.

Nebelscheinwerfer und Abbiegelicht sind dann ab der Linie „Design“ Serie, die Rückfahrkamera kostet 280,- Euro, der ParkPilot 550,- Euro und eine Diebstahlwarnanlage mit Innenraumüberwachung 320,- Euro extra.

Und natürlich werden wir uns auch jetzt einen Vergleich verkneifen, zu viel Zeit liegt zwischen den Modellen. Schließlich sind nicht nur die Preise angewachsen, vor allem die individuellen Ausstattungsmöglichkeiten und Modell-Varianten sind beim neuen Beetle fast schon unglaublich.

Wirft man einen Blick in die Preisliste, scheint erst mal alles normal, da steht das VW Beetle Cabriolet mit dem 1,2 TSI mit 105 PS mit 21.350,- Euro in der Liste, mit Blue Motion Technologie mit 21.750,- Euro und mit dem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe mit 23.200,- Euro. In der dann folgenden Ausstattungsliste tauchen dann schon so Dinge wie Blinker in den Außenspiegeln, Heckspoiler, elektrisches Verdeck, getönte Scheiben, Easy Entry, höhenverstellbare Vordersitze, ISOFIX, Rückstrahler in den Türen, Tagfahrlicht, Start-Stopp, 2-fach verstellbare Lenksäule, Komfortblinker, elektrische Fensterheber, Berganfahrassistent, elektrische Außenspiegel und einiges mehr auf.

Doch dann geht es erst so richtig los, auf den Folgeseiten tauchen fast schon unzählige Ausstattungsvarianten auf, „Design“, „Sport“, „50’s Design“, „60’s Sport“, „70’s Design“ und „Exclusive Design“ sowie „Exclusive Sport“. Dazu noch unzählige Extras und eine R-Line-Ausstattung, auf alles hier eingehen zu wollen, würde den Umfang des Berichtes sprengen. Zumal es auch nicht alle Ausstattungen für den kleinen TSI Motor gibt. Aber auch so können Sie ihn auf über 31.400,- Euro hochschrauben – ohne die zusätzlichen Extras zu bemühen.
Ihnen bleibt da eigentlich nur der Gang zum Händler um sich umfassend über alle Möglichkeiten zu informieren.

Und dann kennt das VW Beetle Cabrio nurzwei Dinge: Einsteigen und sich wohl fühlen. Und vielleicht nennen Sie Ihren Wagen dann ja auch einfach nur Käfer? Und dafür gibt es zumindest einen Schriftzug in der Aufpreisliste für 50,- Euro.

Stand: Juli 2013; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

Werbung: Automarkt auto24.de

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