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Volkswagen CC – Alles bleibt gut.

Der Vorgänger hieß noch Passat CC, der Vorname ist passé, der Rest wurde facegeliftet. Oh Gott, dieses schöne Auto!? Doch keine Bange, die Designer haben nur ganz behutsam Hand angelegt und wie wir meinen, eine noch schickere Limousine mit Coupé-Optik geschaffen. Der Rest ist eigentlich schnell erzählt: ein Wohlfühl-Innenraum, ein Navi, das ewig braucht, um auf einen neue Route umzuschwenken, ein tolles Fahrwerk mit enormem Kurvenpotential und kleinen Qualitätseinbußen, ein ganz feines Doppelkupplungsgetriebe, ein kräftiger, kultivierter und zugleich sparsamer Motor, jede Menge elektronischer Helferlein zum Einparken, Spur- und Abstandhalten, fürs Fernlicht und vieles mehr. Zu bemängeln ist allenfalls die eingeschränkte Rundumsicht und dass Kleinkram in den endlosen Tiefen des Kofferraums verschwindet.

Nachdem Wolfsburg in den letzten Monaten alle seine Modelle auf „kantiger“ umgestylt hatte, durfte natürlich auch der Passat CC, der jetzt Volkswagen CC heißt, nicht fehlen. Und auch wenn Optik reine Geschmacksache ist, die rundlich geschwungenen Linien blieben erhalten und harmonieren gar nicht mal schlecht mit den jetzt geradlinigeren Scheinwerfern und Kühlergrill sowie der neuen Frontschürze. Immer noch alles wie aus einem Guss und vor allem die völlig neu eingebundenen Nebelscheinwerfer machen sich gut.

Praktisch unverändert kommt die Seitenansicht daher, die dem Comfort-Coupé seine für Limousinen eigentlich untypische Optik verleiht. Dazu tragen auch die rahmenlosen Scheiben vorne und hinten bei. Sobald man die Tür öffnet, fahren die kurz runter und danach wieder hoch.

Und auch am Heck fallen die Modifikationen sehr dezent aus, auch hier können die jetzt geradlinigeren Heckleuchten durchaus gefallen, etwas kantiger geriet dazu passend auch die neue Heckschütze, geblieben sind die diversen Chromleisten und die beiden riesigen VW-Logos an Front und Heck.
Auch im Innenraum halten sich die Veränderungen zum Vorgänger in Grenzen oder sind ggf. nur ausstattungsbedingt. So zierte unser aktuelles Modell Zierleisten aus Edelholz Ebony am Armaturenbrett und den Türen, hier mit edler alufarbener Leiste oben dran, und in der Mitte des Armaturenbrettes über dem großen Bildschirm steckt jetzt eine analoge Uhr, der Schalter für die Warnblinkanlage rutsche unter den Bildschirm.

Darunter wurde die Bedieneinheit für Heizung/Klima überarbeitet, die Drehschalter sind jetzt noch etwas größer ausgefallen. Um die optischenVeränderungen abzuschließen: auch der Wählhebel für die Automatik ist jetzt wieder mit einem runden Griff ausgestattet, der wieder richtig gut in der Hand liegt.

Optisch war’s das, Lenkrad, Türverkleidungen und auch die Sitze wurden unverändert übernommen. An der A-Säule steckt bei unserem Testwagen ein Lautsprecher (Bestandteil des Soundsystems DYNAUDIIO Confidence) und beim Blick auf den Außenspiegel fällt die Kontrollleuchte des Toter-Winkel-Assistenten auf.

Sobald es dunkel wird fällt dann die sehr schöne Ambientebeleuchtung, die auch in den Türen vorne wie hinten diffuses Licht macht und selbst die Fußräume nicht auslässt auf, dazu fällt von oben rotes Licht auf die Mittelkonsole. Alle Anzeigen und Instrumente sind nicht nur modern gezeichnet sondern auch in Rot-Weiß schön illuminiert, auch die Tasten im Lenkrad, mit dem man Radio, Bordcomputer etc. bedient.

Apropos bedienen: Das Navi ist eigentlich intuitiv zu bedienen, hier am großen Monitor wird auch das Radio etc. gesteuert. Ein bisschen hat uns beim Navigationssystem nur gestört, dass es, sobald man die vorgeschlagene Route verlässt, nicht auf die Idee kommt, es könnte eine Baustellenumleitung oder so was sein und es wäre angebracht, dementsprechend eine neue Route auszurechnen, sondern es bittet zu wenden. Wäre ja auch noch in Ordnung, aber das macht es auch noch nach der 5. oder 6. Kreuzung. Es dauert sehr lange bis es sich endlich für eine neue Route entscheidet.

Unser Testwagen war mit einer sehr feinen Soundanlage bestückt, die sich nicht nur mit einem wunderbaren Raumklang empfiehlt, sondern auch einfach per Touchscreen bedient wird, allerdings wurde bisweilen nicht jeder erste Touch auch erkannt.

Recht weit unten haben wir – obwohl er dort ein wenig verloren wirkt – den Start-Stopp-Knopf, ansonsten sind alle Tasten gut erreichbar, aber den Schalter, mit dem man das Fahrwerk von Komfort auf Normal oder Sport stellen kann, der ist, wenn der Schalthebel auf D steht, für den Fahrer praktisch nicht einsehbar. Man muss sich zum Beifahrer hinüberbeugen oder blind rumdrücken – den hätte ich mir auf der anderen Seite gewünscht, dort wo ESP off untergebracht ist.

Was schon gut ist, braucht man nicht zu verbessern. Das hat sich VW sicher auch bei den Sitzen im CC gedacht, und drum kommt hier das altbekannte Gestühl zum Einsatz. Lediglich die Sitzfläche war bei unserem Testwagen mit Alcantara bezogen (Sonderausstattung), noch kuscheliger und von Rutschen keine Spur. Geblieben ist die ausreichende Größe, dieangenehm straffe Polsterung und die sportliche Ausformung sowie die elektrische Sitzverstellung für den Fahrer (Fahrerlehne und kompletter Beifahrersitz manuell).

Natürlich hat sich auch am guten Platzangebot in Reihe eins nichts geändert, und doch muss man schon hier beim Ein- und Ausstieg aufpassen, dass man sich nicht den Kopf anstößt. Und auch an der Rundumsicht hat sich nichts verändert, die Sicht nach hinten ist generell eingeschränkt, auch im Rückspiegel ist nicht viel zu sehen. Neben dem kleinen Heckfenster stören auch die Kopfstützen den freien Blick und beim Schulterblick wird das nicht besser, denn auch die Seitenfenster sind eher schmal. Aber wozu noch umdrehen, schließlich hatte unser Volkswagen CC eine Rückfahrkamera, eine Einparkhilfe, ja sogar eine Einparkautomatik und einen Toter-Winkel-Assistent.

Wie sehr sich VW bemüht, in der Oberliga Fuß zu fassen sieht man nicht nur an den zahlreichen schicken Aluleisten (z.B. auch an den Türen hinten) sondern auch an zahllosen anderen Details. So arbeitet die Sitzheizung auch in der höchsten Stufe auf Wunsch im Dauerbetrieb, das Lenkrad ist natürlich zweifach verstellbar, es gibt einen Tipp-Blinker und im Außenspiegel ist innen ein kleiner gelber Lichtpunkt, sodass man auch die tatsächliche Funktion überprüfen kann. Innen- und Fahrer-Außenspiegel blenden automatisch ab, Regensensor …

Hinten muss man beim Einstieg ganz besonders auf den Kopf achten, die coupéhafte Dachlinie fordert hier ihren Tribut, doch ist man erst mal heil drin, hat man nicht nur eine wunderschöne Innenbeleuchtung sondern auch als 1,80 m Mensch am Kopf noch genügend Luft, an den Knien sind es sogar fast 10 cm bei einem 1,80 m großen Fahrer. Auch hinten hat der CC zwei schön ausgeformte Einzelsitze, dazwischen ist eine Konsole in der u.a. der Verbandskasten und Getränkehalter untergebracht sind. Raus geht es dann wieder gut, auch im Fußbereich ist hinten viel Platz.

Die Kopfstützen hinten können nicht übermäßig weit ausgefahren werden, da stört dann schon das Dach. Hinter der Armlehne in der Mitte verbirgt sich die Skidurchreiche. Ein Zug an der Lehne und die geteilten Rücksitze (40 zu 60) klappen vor – die Durchreiche ist dann zwar nicht so üppig, reicht aber aus.

Der 532 Liter große Kofferraum mit ausreichend niedriger Ladekante und ungeschützter Stoßstange ist sehr glattflächig gut nutzbar, aber auch sehr tief, was da nach vorne rutscht ist erst mal weg. Rechts befindet sich ein Zusatzfach und auch nur dort ist eine kleine Leuchte.Unter dem Boden befindet sich kein Reserverad, die Mulde kann als zusätzlicher Stauraum genutzt werden. Der Kofferraumdeckel öffnet sich automatisch auf Knopfdruck und fällt sanft wieder zu – das muss aber von Hand passieren.

So einen Fahrwerksschalter wie der Volkswagen CC haben mittlerweile viele, und oft spürt man kaum einen Unterschied zwischen den Einstellungen. Nicht so beim VW, die Unterschiede zwischen Komfort und Sport sind deutlich, trotzdem hat er auch in der Komforteinstellung mit groben Querrillen spürbar zu kämpfen, gibt sie recht trocken nach innen weiter. Man glaubt, dass man auf sehr flachen Niederquerschnittreifen unterwegs ist, und mit 235/40er Reifen ist man das ja auch.

In schnellen Kurven schiebt er leicht über die Vorderräder, bleibt völlig unkompliziert und lässt mit der straffen, direkten und sehr zielgenauen Lenkung atemberaubende Kurvengeschwindigkeiten zu. Schon in der Komfortstellung folgt er willig der Lenkung und die Karosserie schaukelt nur wenig. In schnellen Kurven wie im Slalomtest hält sich das ESP erfreulich zurück, und erst mal im Sport-Modus unterwegs geht’s wie auf Schienen mit ganz wenig Karosserieneigung dahin.

Selbst in schnellen Haarnadelkurven greift das ESP nur dezent ein, man hat da viel Freiheit oder besser gesagt, der Wagen liegt so gut, dass sich die Elektronik nicht so schnell erschrickt. Selbst auf Buckelpisten hält der CC sauber die Spur, es sind keine Lenkkorrekturen nötig. Da braucht man fast nicht erwähnen, dass es auf sauber ausgebauten Straßen oder auf der Autobahn wie auf einer Wolke dahin geht, die im CC adaptive Fahrwerksregelung DCC heißt.

So herrlich straff wie die Lenkung bei flotter Fahrt reagiert, so leichtgängig geht das Rangieren von der Hand. Dabei muss man das kaum noch selbst machen, denn mit der Einparkautomatik geht das wie von Geisterhand. Und wie von Geisterhand sorgt das Spurhaltesysteme „Lane Assist“ mit seinen elektronischen Helferlein dafür, dass man nicht auf Abwege gerät.

Und dann gibt es da noch die optionale Sicherheitsausstattung in Form der Distanzregelung ACC und das Umfeldbeobachtungssystem „Front Assist“, die bei auftauchenden Hindernissen warnen bzw. eigenständig durch Bremseingriffe dem Fahrer hilfreich zur Seite stehen. Da solche Reaktionen aber auch erschreckend auftreten können, ist deren Aktivschaltung an einem Symbol in den Instrumenten zu erkennen.

Fast ist es müßig, von der gut arbeitenden Bremsanlage zu berichten, aber weil’s so schön ist … der CC steht wenn es sein muss sehrschnell, kaum 36 Meter und aus Tempo 100 ist der Stillstand erreicht. Und dabei quietscht er kaum mit den Reifen und auch das ABS-Rubbeln ist nur ganz dezent zu spüren. Dabei arbeitet es hervorragend, denn auch auf stark wechselndem Untergrund bleibt der CC sauber in der Spur.

Ein Nachlassen der Bremsleistung der Scheibenbremsen vorne und hinten ist auch bei Dauerbelastung nicht festzustellen gewesen. Klar, dass die Bremse im Alltag fein zu dosieren ist und schnell anspricht.

Und auch das ist Komfort: Unser CC hatte ein sehr schönes Licht mit Fernlichtautomatik. Und die funktioniert echt nicht schlecht, ließ für meinen Geschmack aber doch etwas zu lange das Fernlicht an, vor allem wenn ein vorausfahrendes Fahrzeug auftauchte. Sehr gut funktioniert das Erkennen von Ortschaften, in denen zuverlässig das Fernlicht aus und danach wieder eingeschaltet wird.

So langsam steigern wir uns, der aktuelle Testwagen hatte statt 140 immerhin schon 170 PS / 125 kW unter der Haube. Und die stecken in einem 2 Liter TDI-Motor mit BlueMotion Technologie. Beim Anspringen hat man ganz kurz den Verdacht, dass es sich bei dem Vierzylinder um einen Diesel handeln könnte, danach ist davon nichts mehr zu merken. Der Motor hat einen angenehm kernigen Sound, einen sonoren Klang, und nur wenn man ordentlich aufs Gas geht, wird er etwas fordernder, bleibt ansonsten sehr zurückhaltend.

Der Vierzylinder mit Abgasturbolader geht kraftvoll ans Werk, hat praktisch in jeder Lage ausreichend Schub, schon allein Dank der Automatik bringt er die Kraft voll auf den Boden, kein Zerren ist an der Lenkung spürbar, allenfalls ganz dezent wenn die Fahrbahn nass ist.
Bleiben wir schnell bei der Automatik. Es handelt sich um ein 6-Gang-Doppelkuuplungsgetriebe (DSG) und das hat es echt in sich. Nicht nur dass die Gänge ausgesprochen sanft eingelegt werden, die Gangwechsel geschehen auch sehr schnell. Und man kann auf Sport umschalten und dann dreht er die Gänge höher aus, schaltet später oder fährt öfter mal in einem niedrigeren Gang.

Dabei gehen zwei eigentlich voneinander unabhängige Teilgetriebe an die Arbeit, die über zwei Lamellenkupplungen gesteuert werden. Ist zum Beispiel das eine Getriebe im zweiten Gang, legt das andere schon den dritten Gang ein und dann kann praktisch ohne Zugkraftunterbrechung gewechselt werden.

Und man kann auch selber schalten, die Befehle werden auch hier sehr schnell und doch sanft ausgeführt. Das macht schon richtig Spaß, und selbst beim Runterschalten spürt man kaum was. Man greift, wenn manschalten will, einfach ein, in dem man an den Wippen am Lenkrad zieht – fertig. Nach kurzer Zeit geht es wieder automatisch in den Automatik-Modus zurück.
Schön und schnell arbeitet auch die Start-Stopp-Automatik, die sich auch dann nicht aus der Ruhe bringen lässt wenn man eigentlich schon fast ausgerollt ist und dann doch schon wieder weiter will – sie ist sofort wieder dabei.

Legt man es drauf an, gelingt der Sprint von Null auf Hundert in guten 8,6 Sekunden, und erst bei 220 km/h ist Schluss mit dem Vorwärtsdrang. Für das Auto viel zu früh, denn selbst bei diesem Tempo liegt der Wagen so ruhig, dass man einfach schneller sein möchte. Da hilft dann aber auch das gute Drehmoment von 350 Nm zwischen 1.750 und 2.500 U/min nichts, nur der Wechsel auf einen stärkeren Motor.

Wenn man den 170 PS-Motor langsam und gemächlich fährt, kommt man mit 4,8 Litern im Mix aus, sonst bei normalem Tempo zwischen 5 und 5,5 Litern, na ja, und Testfahrer sind immer eher etwas flotter unterwegs, dann sind es 6,5 Liter, auch in der Stadt. VW gibt hier 6,6, außerorts 4,9 und im Mix 5,5 Liter an, so nah liegen wir selten an den Werksangaben.
Neben den sechs bereits als Standard geltenden Airbags (Frontairbags, Seitenairbags vorne und Windowbags vorne und hinten) hatte unser Testwagen auch die optionalen Seitenairbags hinten an Bord. Und die Gute hatten vorne wie hinten Gurtstraffer, vorne auch Gurtkraftbegrenzer und eine Höhenverstellung.

Die zahlreichen Sicherheitssysteme wie Distanzregelung mit Fahrzeugstopp- und Citynotbremsfunktion und z.B. den Spurwechsel- und Spurhalteassistent haben wir ja schon erwähnt.

Bleibt zum Schluss wie immer die Frage nach dem Preis. 37.325,- Euro will VW für den CC BlueMotion mit 170 PS, ausgestattet wie unser Testwagen sind dann aber gleich 51.790,- Euro fällig, denn neben der durchaus ordentlichen Grundausstattung waren dort noch viele angenehme und nützliche Dinge an Bord, die den Preis schnell hoch treiben.

So gehörten eine Metallic-Lackierung, Easy Open, ein Radio-Navigationssystem, 230 Volt-Steckdose, Ambientepaket, el. anklappbare Außenspiegel mit Umfeldbeleuchtung, Alcantara/Leder, Automatische Distanzregelung, schwarzer Dachhimmel, Dekor Ebony, Fernlichtregelung, Farb-Display, Climatronic, Nebelscheinwerfer mit Abbiegelicht, Parklenkassistent, Reifendruckkontrolle, Rückfahrkamera, Rücksitzlegen geteilt umklappbar, Seitenairbags hinten, geräuschdämmende Seitenscheiben vorn, Soundsystem, Spurwechsel- und Spurhalteassistent sowie Xenon-Scheinwerfer mitKurvenfahrlicht und LED-Tagfahrlicht zu den Sonderausstattungen.

Doch damit wäre Ihrem Individualisierungsdrang noch lange kein Ende gesetzt, wir empfehlen Ihnen hier unbedingt einen Blick in die Ausstattungs- und Aufpreisliste.

Stand: Februar 2013; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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