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Stadt, Land, Fluss … Toyota Urban Cruiser

Um im hart umworbenen Kleinwagensegment aufzufallen, müssen sich die Autohersteller schon etwas einfallen lassen. Dies ist Toyota in jedem Fall gelungen, was bereits der Name „Urban Cruiser“ andeutet, spiegelt sich im Design wieder. Mit farblich abgesetztem Unterfahrschutz, leicht erhöhter Bodenfreiheit und ausgearbeiteten Radkästen trägt er optische Akzente eines SUVs und wirkt robust und abenteuerlustig. Von seiner Optik sollte man sich nicht beirren lassen. Der Urban Cruiser erinnert zwar an einen eingelaufenen Offroader, ist aber nicht wirklich fürs Gelände gemacht. Und das gilt selbst für unseren Testwagen mit Allradantrieb.

Der Name sagt eigentlich schon alles: Urban Cruiser. Also sollet sein Haupteinsatzgebiet der urbane Raum sein, also bewohntes Gebiet. Trotzdem wurde ihm eine Art Unterfahrschutz, farblich abgesetzt, verpasst und auch der markante Kühler mit der massiven Querstrebe sorgt zusammen mit den deutlich ausgestellten Radläufen für einen urigen Auftritt, wie es sich für ein SUV gehört.

Die leicht vergrößerte Bodenfreiheit unterstützt zusätzlich den Eindruck vom kernigen Naturburschen, dem im Falle unseres Testwagens sogar ein Allradantrieb spendiert wurde. Die geradlinige Schulterlinie endet in einem eher schlichten Heck, das seinen Reiz wiederum aus dem angedeuteten Unterfahrschutz bezieht. Für den sportlichen Touch sorgt ein kleiner Dachkantenspoiler.

Unser Testwagen macht aber vor allem deutlich, was Farbe tatsächlich ausmacht. Vergleichen Sie doch mal Testfahrzeug mit dem Urban Cruiser, den wir damals auf der Präsentation gefahren sind. Die silberne Metallic-Lackierung nimmt dem Fahrzeug einfach zu viel Raffinesse und lässt den Wagen langweilig wirken – wirklich schade.

Sieht man mal von der Farbgebung ab, kommt der Urban Cruiser schick daher und macht eine gute Figur. Dasweckt natürlich Erwartungen für den Innenraum, denen der kompakte Cityroader allerdings nicht gerecht wird.

Wenn wir auch zugeben müssen, dass die Japaner sich Gedanken gemacht und es versucht haben. Angefangen bei der aufgesetzten Mittelkonsole, die sich vollständig in Silber präsentiert, bis hin zu der eigenwilligen aber pfiffigen Ausführung des Kombiinstruments. Markant in drei Teile gestaffelt, sind im mittleren Abschnitt Tacho und Drehzahlmesser in einem Rundinstrument zusammengefasst. Die weiteren Anzeigen sind auf die übrigen Bereiche verteilt, leider jedoch nicht immergut einsehbar.

Da ist es um die groß ausgeführten Bedienelemente besser bestellt, die zudem in optimaler Reichweite liegen, nun auch während der Fahrt bedien- und aktivierbar, das Navigationssystem. Dessen optische Ausführung allerdings so gar nicht ins Bild passen will, zu rustikal und eckig harmoniert es nicht mit dem restlichen Interieur.

Dieses weist auch an den Türen oder dem Lenkrad weitere silberfarbene Applikationen auf. Wenig zufrieden waren wir allerdings – und so gar nicht von Toyota gewohnt – von der Anmutung wie auch der Verarbeitung eines Teils der verwendeten Materialien.

Platz nehmen wir auf durchschnittlich ausgeformten und angenehm straff gepolsterten Sitzen, die Beine liegen jedoch nicht immer vollständig auf. Die Sitzverstellung wirft keine Probleme auf und geht leicht von der Hand, dies gilt auch für die Justierungsmöglichkeiten der Lenksäule in Höhe und Weite.

Die leicht erhöhte Sitzposition spricht an sich für eine gute Rundumsicht, dennoch ist die Karosserie rundum schlecht einsehbar und gerade die breiten C-Säulen schränken den Blick nach hinten stark ein. Zudem mangelt es auf der hinteren Sitzbank an ausreichendem Platz, größere Insassen stoßen hier schnell an ihre Grenzen. Daran ändert auch die um 150 mm verschiebbare Rückbank nicht wirklich was, zudemsteht sie nur in der frontgetriebenen Version zur Verfügung.

Ablagemöglichkeiten für wirklich kleine Utensilien finden wir im Urban Cruiser zur genüge, doch viel mehr passt auch in das zweigeteilte Handschuhfach oder die anderen Ablagefächer nicht hinein. Dafür nehmen die zahlreichen Getränkehalter auch große Flaschen auf.

Nur gut, dass in den Kofferraum auch größere Gegenstände eingeladen werden können, dieser fasst in der frontangetriebenen Version je nach Stellung der Rücksitze zwischen 314 und guten 388 Liter Bei der 4×4-Version nimmt die fixierte Sitzbank dem Laderaum einiges und so liegt der verbleibende Stauraum bei 305 Liter und lässt sich im Gegensatz zu den möglichen 749 Liter beim 2WD nur auf 673 Liter erweitern.

Das schafft man zwar spielerisch und mit wenigen Handgriffen, doch die entstehende Fläche ist nicht nur ansteigend, sondern auch mit einer unschönen zehn Zentimeter Stufe versehen, die Seitenwände sind zudem recht zerklüftet. Die hohe Ladekante kommt einem gerade bei schweren Gegenständen auch alles andere als entgegen, ebenso die darauf folgende und zu überwindende Schwelle. Die flexible Gepäckraumabdeckung zeigt sich dagegen von ihrer guten Seite und passt sich an die jeweilige Rückenlehneneinstellung an.

Der 1,4-Liter D-4D Dieselmotor wird sowohl mit Vorderrad- als auch mit Allradantrieb angeboten. Wir konnten uns von dem aktiven Allradantrieb ATC 4WD überzeugen, der auch bei rutschiger Fahrbahn, wie z.B. bei Nässe oder Schnee für optimale Traktion sorgt und sicheres Kurven-Handling garantiert. Im Gelände konnte er dagegen nicht viel ausrichten, da es dem Fahrzeug einfach an der nötigen Bodenfreiheit fehlt. Für Wald- und Feldwege und auch mal eine nasse und damit rutschige Wiese kann der 4WD durchaus punkten.

Das System ist mit der Antriebsschlupfregelung vernetzt und treibt im normalen Fahrbetrieb und bei entsprechenderStraßenbeschaffenheit rein die Vorderachse an, was natürlich auch dem Spritverbrauch entgegen kommt. Die Antriebskraft-Verteilung variiert stufenlos und arbeitet vollautomatisch. Mittels Lock-Schalter können Sie den Allradantrieb auch manuell zuschalten, die Verteilung liegt dann bei 50:50 und schaltet selbstständig ab Tempo 40 km/h wieder in den automatischen Modus um.

Ausreichend straff aber mit gutem Federungskomfort auf schlecht ausgebauten Straßen hat Toyota eine angenehme Fahrwerksauslegung gefunden und diese mit einer angenehm leichtgängigen und direkt ausgelegten elektrischen Servolenkung EPS mit variabler Lenkunterstützung kombiniert.

Womit der Urban Cruiser in der Stadt und auf engen kurvenreichen Straßen sehr gut zu handeln ist und sich von seiner wendigen Seite zeigt. Bei zunehmendem Tempo wird die Lenkung spürbar straffer und der Japaner lässt sich exakt einlenken. Im Slalom sind keine großen Lenkkräfte nötig und das Fahrzeug bleibt gutmütig und stabil, legt sich aber spürbar in die Kurven, ein Eindruck der durch die höhere Sitzposition verstärkt wird.

Auch die Bremsanlage richtet sich nach der Antriebsvariante. Während die Vorderachse stets mit 275 Millimeter großen und innenbelüfteten Scheibenbremsen bestückt ist, ist der Fronttriebler an der Hinterachse mit Bremsscheiben im Durchmesser von 259 Millimeter versehen, die Scheiben der Allradvariante betragen dagegen 279 Millimeter.

Sie sorgen, wenn auch mit deutlichem Quietschen, für gute Verzögerungswerte, bringen das Fahrzeug spurstabil und sicher zum Stehen, aus Tempo 100 heraus braucht der Toyota rund 38 Meter bis zum Stillstand. Die Bremse spricht bereits bei leichtem Tritt aufs Bremspedal schnell an.

Mit gerade mal zwei Motoren hält Toyota das Angebot weiterhin klein und bietet dem Kunden abgesehen vom 1,33-Liter Benzinmotor mit der variablen Ventilsteuerung Dual VVT-i undStart-Stop-Automatik, einen 1,4-Liter D-4D Dieselmotor, der auch in unserem Testwagen verbaut war.

Auf das Start-Stop-System müssen wir hier leider verzichten, das manuelle 6-Gang-Schaltgetriebe mit Schaltpunktempfehlung ist allerdings auch beim Diesel mit an Bord.

Es hält auf angenehmen Wegen geführt keine großen Überraschungen aber dafür teils störende Hakler bereit. Die Gänge fünf und sechs sind mit Fokus auf Spritsparen länger übersetzt, so ist die Leistungsentfaltung z.B. bei Tempo 80 im fünften Gang sehr zäh. Auf der anderen Seite lässt sich der Urban Cruiser sehr angenehm niedertourig fahren und zeigt auch beim Anfahren keine Schwächen.

Wer die 66 kW / 90 PS und die spritzigen 205 Newtonmeter ab 1.800 U/min voll fordert, erreicht die Tempo 100 aus dem Stand in 11,7 Sekunden, allerdings ist bei 175 km/h auch schon die Topspeed erreicht.

Der Verbrauch ist abhängig davon, ob Sie auf die Fronttrieblervariante die sich mit 4,5 Liter begnügt zurückgreifen oder den Allradler wählen. Doch auch dieser kann mit 4,9 Liter absolut überzeugen. Die 130 g/km CO2-Ausstoss gehen ebenso in Ordnung, auch wenn er sich natürlich den 118 g/km der frontangetriebenen Variante geschlagen geben muss. Dass das Aggregat jedoch nur die Euro4 Norm erfüllt, ist heut zu tage kaum noch akzeptabel.

Die serienmäßige Sicherheitsausstattung entspricht mehr als dem guten Durchschnitt und umfasst Frontairbags, einen Fahrer-Knieairbag, Seitenairbags vorn sowie Kopfairbags.

Ebenfalls im Paket inklusive: Dreipunkt-Sicherheitsgurte mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern, aktive Kopfstützen, ABS, eine elektronische Bremskraftverteilung EBD, Bremsassistent BA und die Antriebsschlupfregelung TRC wie auch das elektronische Stabilitätsprogramm VSC.

Die beim Toyota Urban Cruiser bisher bekannten Ausstattungslinien „Town“, „Trek“ sowie „Town+“ und „Trek+“ entfallen undwerden durch die Versionen „Life“ und „Club“ ersetzt.

Die Basis-Variante bleibt bestehen, ist aber nun auch für den von uns gefahrenen Diesel erhältlich und lässt sich mit dem Allradantrieb kombinieren. Die Topausstattung ist dagegen ausschließlich für die 4WD-Version verfügbar, abgesehen natürlich vom Benziner, den es nur frontangetrieben gibt.

Leider hat sich an der bisherigen Preispolitik nichts geändert und so schlägt der Urban Cruiser weiterhin mit 19.100,- Euro für den 1.4l D-4D 4×2 ordentlich zu, die Allradvariante verlangt zusätzliche 1.600,- Euro. Wenn sich auch die Ausstattungsangebote verändert haben, so ist uns der Preis für das gebotene Fahrzeug zu hoch.

Doch gehen wir auf die veränderten Ausstattungslinien im Detail ein: Sie beinhaltet in der Basisausführung nun u.a. elektrische Fensterheber vorn, eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung, ein CD-/MP3-Audiosystem mit sechs Lautsprechern, eine in Höhe und Weite verstellbare Lenksäule sowie einen höhenverstellbaren Fahrersitz.

In der neu bezeichneten nächst höheren Version “Life“ sind dagegen 16-Zoll-Leichtmetallräder mit mattierter Oberfläche, eine manuelle Klimaanlage, ein CD-Audiosystem mit AUX-Anschluss und kabelloser Bluetooth-Schnittstelle, elektrische Fensterheber rundum, Nebelscheinwerfer, ein Multifunktionslederlenkrad wie auch ein Lederschaltknauf enthalten.

Die „Club“-Linie stellt die Top-Variante dar und hebt sich nicht nur im Innenraum durch exklusivere Applikationen ab, sondern erstrahlt mit hochglanzpolierten Leichtmetallrädern im 16-Zoll-Format, sorgt mit einer Klimatisierungsautomatik stets für eine angenehme Temperatur, verfügt über das Smart-Key-System mit schlüssellosem Zugang sowie Start-/Stop-Taste, Privacy-Glas, einen automatisch abblendenden Innenspiegel und elektrisch anklappbare Außenspiegel.

Das ebenfalls in unserem Testwagen verbauteNavigationssystem ist für die Linien Life und Club optional erhältlich. Des weiteren finden Sie in der Aufpreisliste Features wie z.B. eine Rückfahrkamera, eine sprachgesteuerte Bluetooth-Vorrichtung oder Anhängevorrichtung.

Stand: November 2010; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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