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Sparsam, sparsamer, neuer Kia Picanto

Er hat ein Facelift bekommen, aber nur dezent und so fügt sich der Picanto noch immer nicht in das neue KIA-Familiengesicht ein, bleibt dafür seinem treuen Blick aus Kulleraugen treu. Geändert wurde der Kühlergrill und die Frontschürze, die jetzt auf die kleinen Rammschutzleisten verzichten muss und neu eingepasste Nebelscheinwerfer sowie eine Art Unterfahrschutz, abgesetzt in schwarzem Kunststoff, trägt. Ein solcher sorgt jetzt auch am Heck für mehr Sportlichkeit. Innen kommt ein neues Lenkrad und ein Ablagefach unter dem Beifahrersitz zum Einsatz. Wichtiger ist aber die Tatsache, dass KIA seinen Cityflitzer noch sparsamer gemacht hat, einen halben Liter spart er in der Stadt, außerorts sind es mit 4,2 Litern immerhin noch 0,3 Liter weniger. Mit 119 g CO2 pro km ist er ebenfalls vorbildlich.

Die Zeit war wohl einfach noch nicht reif für einen völlig neuen Picanto, so muss sich der kleine Koreaner noch gedulden, bis auch ihm dann vielleicht das aktuelle Familiengesicht verpasst wird. So beschränken sich die Änderungen auf den Kühlergrill, der bei unserem Picanto Spirit ganz in Schwarz auftritt und damit gut mit dem neuen Schürzenansatz in schwarzem Kunststoff harmoniert und den Kleinen sportlicher auftreten lässt.

Dazu wurden dann auch die Nebelscheinwerfer neu eingepasst und die kleinen Rammschutzleisten in der Schürze weggelassen. Eine Lichtkante übernimmt stattdessen die optische Linienführung. Schwarz ist jetzt auch der Seitenschweller, der die dynamische Verbindung zum Heck herstellt, wo sich ebenfalls eine schwarzeSchürze breit macht – diese Änderungen beziehen sich auf die Version Spirit.

Wobei man das wörtlich nehmen kann, durch diese kleine Manipulation steht der Picanto nicht nur sportlicher sonder auch breiter auf der Straße. Dass die von uns gefahrene Version „Spirit“ auf 15 Zoll Alu-Felgen steht, tut der Optik ebenfalls gut, was den Spritverbrauch angeht muss man dafür aber etwas bluten. Mit dem neuen Farbton „Lemon“ kann man sich zudem etwas mehr absetzen.

Bleiben wir gleich am Heck, öffnen die Heckklappe und schauen uns mal den Kofferraum an. Hier sollten alle groß gewachsenen Menschen aufpassen, über 1,80 m kann man sich schnell mal den Kopf stoßen. Schnell fertig ist man auch mit dem Beladen, denn in Normalstellung passen gerade mal 127 Liter rein – bei steil gestellten Rücksitzlehnen. Braucht man mehr Platz, müssen die Sitzflächen der Rücksitze hochgeklappt, die Kopfstützen entfernt und die Lehnen vorgeklappt werden.

Und schon stehen bis zu 882 Liter Stauvolumen zur Verfügung, inklusive ebenem Ladeboden. Zusammen mit der 421 kg maximalen Zuladung kann der Kleine also mehr als nur den Wochenendeinkauf wegstecken.

Kommt das Gepäck über eine angenehm niedrige Ladekante ganz bequem rein, tun sich vor allem größere Menschen in der zweiten Reihe etwas schwer. Besonders im Fußbereich wird es beim Ein- wie Ausstieg ziemlich eng. Hinter großen Fahrern ist spätestens für 1,80 m Menschen ohnehin Schluss, und das nicht nur weil dann die Kopfstützen nicht mehr weit genug ausziehbar sind. Schön ist die individuelle Lehnenverstellung die dem zu steilen Sitzen schnellein Ende macht.

Man kann halt nicht alles haben, immerhin gibt sich der Picanto mit einer Außenlänge von 3,55 Metern auch ganz schön bescheiden. Um vor allem die hinteren Türen richtig zu schließen bedarf es doch etwas Druck, das geht vorne einfacher – wie das Ein- und Aussteigen und auch das Platzangebot in Reihe eins voll in Ordnung geht.

Die Sitze sind allerdings auch hier etwas zu kurz, aber ausreichend straff gepolstert. Und man mag es kaum glauben, aber der Winzling, der noch dazu mit einem niedrigen Preis punktet, hat eine Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer zu bieten. Wenn das mal kein Komfort ist.

Dafür muss man sich aber auch mit viel Hartplastik im Cockpit abfinden, das mit einer einzigen Aluapplikation in der Mitte glänzt. Wie gehabt ist alles gut erreichbar, nur die Schalter für Heizung und Klima liegen recht weit unten und sind nicht immer optimal abzulesen.

Deutlich schicker sieht jetzt das neue Lenkrad aus, das mit seinem runden Pralltopf aus dem KIA Soul übernommen wurde, wie beim Vorgänger hüllen sich die schicken Rundinstrumente bei Dunkelheit in orangerotes Licht.

Zahlreiche Ablagen bis hin zum Fach unter dem Beifahrersitz nehmen mehr Kleinkram auf, als man gemeinhin so ins Auto schleppt, zwei unbeleuchtete Make-Up-Spiegel in den Sonnenblenden zeigen, dass man wohl auch bei KIA der Meinung ist, den Picanto vor allem für das weibliche Geschlecht zu bauen, und die freuen sich dann auch sicher über den Tickethalter, der lästiges Kramen in der überfüllten Handtasche verhindert.

Komfort ist beim Picanto eine Frage des Tempos und derStraßenbeschaffenheit. Denn das Fahrwerk ist eher straff ausgelegt und macht aus Querrillen und Schlaglöchern keinen Hehl, vor allem aber wird der kleine Motor gefordert zum Teil sogar störend laut, auf langen Autobahnstrecken vermisst man schnell einen sechsten Gang.

Richtig sportlich straff gibt sich auch die exakte Lenkung, und so kann man mit dem kleinen Koreaner auch richtig spritzig um die Ecken wieseln. Selbst im Slalomtest bleibt er leicht untersteuernd recht gutmütig, die Lenkung wird aber hier zunehmend straffer. Die Seitenneigung hält sich trotz des höheren Aufbaus und der etwas erhöhten Sitzposition in Grenzen.

Auf Wunsch ist ein ESP lieferbar, das den Fahrer bei allzu forschen Fahrmanövern unterstützt. Störend macht sich allenfalls bemerkbar, dass man als Fahrer eines Picanto von anderen Verkehrsteilnehmern nicht für voll genommen wird, da wird vorgefahren und gedrängelt wie blöd, der ambitionierte Fahrer freut sich dann auf die nächsten engen Kehren, wo der Picanto den meisten Geradeausrasern zeigen kann wo’s lang geht.

Hat der KIA Picanto ESP an Bord, ist das ABS Bremssystem mit EBD (elektronischer Bremskraftverteilung) mit Scheibenbremsen rundum ausgestattet. Trotz lautem ABS-Rubbeln zieht er bei einer Vollbremsung schwarze Striche auf den Asphalt, steht aber auch nach der 10. Vollbremsung aus Tempo 100 heraus nach rund 39 Metern.

Alles beim Alten geblieben ist unter der kurzen Motorhaube. Oder doch nicht? Hier werkelt der bekannte 1,1 Liter Vierzylinder Benzinmotor mit drei Ventilen pro Zylinder. Er leistet nach wie vor 48 kW/65 PS bei 5.500 U/min undentwickelt ein maximales Drehmoment von 97 Nm bei 2.800 U/min.

Damit ist man vor allem für die Stadt bestens gerüstet, auch wenn er schon an Start recht viel Gas braucht, aber schon auf der Landstraße bekommt man zu spüren, dass er für den Sprint von Null auf Hundert lange 15,1 Sekunden benötigt und auch beim Durchzug sollte man keine Wunder erwarten. Dass ihm auf der Autobahn an Bergaufpassagen schnell die Luft ausgeht braucht man eigentlich nicht mehr zu erwähnen, hier wirkt der Motor nicht nur zäh und rau sondern wird mit zunehmendem Tempo auch richtig laut, manchmal sogar dröhnend.

Treibt man den Picanto auf die mögliche Topspeed von 154 km/h, gesellen sich zum lauten Motor auch deutliche Windgeräusche, spätestens hier wünscht man sich einen sechsten Gang. Ohnehin könnte das Getriebe eine Verbesserung vertragen, die Wege sind zwar ausreichend exakt, aber auch ziemlich lang und bei schnellen Gangwechseln hakte vor allem der dritte Gang öfters, auch der Rückwärtsgang flutschte nicht immer wie er sollte.

Hat man es im Picanto eilig, kann er seinen größten Trumpf gar nicht ausspielen. Denn richtig sparsam wird er bei angepasstem Tempo. Und da haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet und den kleinen Benziner vor allem in der Stadt noch mal deutlich sparsamer gemacht. Im Vergleich zum Vorgänger kommt er jetzt mit einem halben Liter weniger aus und spritzt nur noch 5,9 Liter auf 100 km in die Brennräume, wohlbemerkt für den Spirit mit den 15 Zoll Alufelgen. Mit den 14-Zöllern sind es nur 5,8 Liter und außerorts begnügt er sich sogar mit 4,4 bzw. 4,2 Litern.

Und so hatunser aktueller Testwagen auch auf unserer Normstrecke mit 4,9 Litern im Mix einen sehr guten Wert erreicht. Der CO2-Ausstoss sankt gleichzeitig von 123 auf 119 bzw. 114 g/km. Doppelt erfreulich, die jährliche Kfz-Steuer beträgt für den Spirit ganze 28 Euro.

Geblieben ist es bei der bekannten Sicherheitsausstattung, zu der neben den vier Airbags (Front- und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer) auch Dreipunktsicherheitsgurte, vorne höhenverstellbar und mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern sowie Kopfstützen und die ISOFIX Kindersitzbefestigung gehören. Im Spirit ist zudem serienmäßig eine Diebstahlwarnanlage verbaut.

Der Kia Picanto zählt zu den preiswertesten Fahrzeugen, startet in der Einstiegsvariante „Attract“ bei 8.690,- Euro, und selbst unser Spirit kostet als Topmodell nur 11.950,- Euro. Dann ist aber auch eine sehr umfangreiche Grundausstattung enthalten, die neben elektrischen Fensterhebern vorne und hinten auch elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel mit seitlichem Blinker, höhenverstellbarem Fahrersitz und Lederlenkrad, Heckscheibenheizung, Klimaanlage, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, Servolenkung, CD-Radio, geteilte Rücksitzlehne, 15 Zoll Alufelgen und 175er Reifen, Dachkantenspoiler, Wärmeschutzverglasung, Alu-Optik in der Mittelkonsole etc. umfasst.

Als Extras bleiben dann nur ein portables Navigationssystem für 399,- Euro, das Komfortpaket mit Klimaautomatik und Sitzheizung vorne für 270,- Euro, eine Metallic-Lackierung für 255,- Euro oder ESP für 400,- Euro übrig. Wer will, kann für 1.080,- Euro eine Vierstufen-Automatik ordern,die den Picanto aber nicht nur durstiger und umweltschädlicher macht, sondern auch die jährliche Steuer auf 68,- Euro erhöht, die Topspeed auf 145 km/h reduziert sowie den Sprint auf Hundert auf 17,5 Sekunden verlängert.

Stand: Juni 2010; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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