// Fahrbericht / Renaults frischer „Wind“ in der Cabrio-Szene

Renault

Renaults frischer „Wind“ in der Cabrio-Szene

Er sieht schick aus, hat ein schnelles Verdeck, pardon Dach, das aus dem Coupé ratz fatz einen Targa macht, der aber nach schräg / hinten ziemlich unübersichtlich ist. Innen ist guter Platz für zwei, allerdings hüllt sich das Interieur in langweiliges Grau in Grau. Der Kofferraum fasst 270 Liter, aber mit hoher Ladekante und anschließender rund 30 cm tiefer Stufe. Das sportlich-straffe Fahrwerk harmoniert gut mit der straffen Lenkung, wirft die Insassen auf schlechten Wegen aber hin und her, hat dafür mit der Motorleistung aber keine Probleme. Der Wind wird flott – bis 201 km/h – aber auch schnell laut, kann im Mix mit 7 Litern auskommen. Ab 16.900,- Euro geht das Vergnügen los.

Da haben die Franzosen eine schicken kleinen Flitzer auf die Räder gestellt, ein frecher Roadster, nein, eigentlich mehr ein Targa mit elektrischen Dach, aber das muss ja kein Nachteil sein.

Das strahlende Blau steht dem Kleinen sehr gut, dazu kontrastiert der schwarze Kühler mit den silbergrauen Einsätzen sehr gut, diese Kombination taucht auch in den schicken Felgen wieder auf. Tief duckt sich der Wind auf den Asphalt, die Frontschürze suggeriert bereits sportlichen Fahrspaß. Dass hinter der Klarglas-Abdeckung der Scheinwerfer auch wieder Blau auftaucht macht sich besonders gut.

Die Frontscheibe steht ziemlich flach und so merkt man schon beim Einstieg, dass es hier nicht nur sportlich sondern auch recht tief zugeht, bei 1,80 m Körpergröße hat man sich schnell mal den Kopf gestoßen, denn ab der Frontscheibe geht das Dach schon wieder nach unten um in einempummeligen Heck zu enden.

Der Clou ist natürlich die Dachkonstruktion. Sie dreht sich nach Entriegeln eines Drehknopfes auf Knopfdruck am stehen bleibenden Überrollbügel vorbei und verschwindet unter der riesigen, festen Abdeckung. Die Heckscheibe ist in den Überrollbügel integriert, wodurch erst der Targa-Eindruck entsteht. Ein weiterer Vorteil dieser Konstruktion mit dem einteiligen Dach ist die Geschwindigkeit, in der das Dach verschwindet, es dauert kaum 10 Sekunden.

So tief wie der Wind vorne auf der Straße kauert, so hochbeinig steht er mit dem Heck da. Der mächtige Diffusor verstärkt diesen Eindruck noch. Das ist aber mal wieder alles eine Geschmacksfrage, ganz anders die Türgriffe à la Twingo, die sind nicht nur im Falle einer Unfall-Rettung von Nachteil.

Ein viel größerer Nachteil ergibt sich bauartbedingt. Durch das kleine Heckfenster sieht man durch den mitten im Blickfeld stehenden Heckspoiler nur wenig, und zur Seite hin sorgt die ultrabreite B-Säule für kaum Sicht. Wer schön sein will …

So ein kleiner Wagen und dann auch noch das Dach im Kofferraum, da wird es wohl mit dem Platz schlecht bestellt sein. Also mal den Kofferraumdeckel hoch – ging bei unserem Testwagen ausgesprochen schwer – und wo ist das Dach? Es liegt im oberen Teil des Kofferraumdeckels und so ist der erstaunlich große Kofferraum auch bei geöffnetem Dach voll nutzbar. Allerdings sammelt sich immer wieder Dreck und Staub im Verdeckkasten.
Na ja, nutzbar ist so eine Sache, denn erstens ist die Ladekante sehr hoch und die Öffnung eher schmal, danach geht es dann wieder rund 30 cm tief nach unten und zweidiagonale Streben, die der Stabilität dienen, stehen ggf. auch schon mal im Weg. Aber es gehen 270 Liter Gepäck in die tiefe Höhle, schwere Sachen bringt man aber kaum rein, schon allein deshalb nicht, weil die maximale Zuladung mit 135 kg sehr bescheiden ausfällt.

Für den Platz haben die Entwickler auch getrickst, statt eines echten Reserverades steckt nur ein Reparatur-Set im Wind. Gespart haben sie auch am inneren Zuziehgriff um den Kofferraum wieder zu schließen. Wie auch immer, das Thema Kofferraum ist bei einem Cabrio nun wirklich nicht kaufentscheidend.

Schon mehr wie man sitzt. Platz hat der kleine Zweisitzer genügend, beim Einstieg ist aber ein wenig Vorsicht geboten, es geht ganz schön weit runter und große Fahrer stoßen schnell mit dem Kopf am Dach an. Die Sitze sind schön sportlich geformt, aber leider ein bisschen weich gepolstert und die Beinauflage dürfte gerne etwas länger sein. Die manuelle Verstellung gelingt einfach, schade, dass das Lenkrad nur in der Höhe zu verstellen ist.

Schade auch, dass sich die Ingenieure bei Renault einmal mehr dazu entschlossen haben, die Hupe in den Blinkerhebel zu integrieren, und schade auch, dass sich die Schalter für die elektrischen Außenspiegel und das ESP links und rechts hinter dem Lenkrad verstecken, das ist schön und herrlich griffig, dick und mit weicher Lederpolsterung ausgeführt. Nicht wirklich tragisch aber einfach unverständlich ist die Tatsache, warum sich die Designer für Tacho und Drehzahlmesser unterschiedliche Schrifttypen ausgesucht haben.

Schön machen sich ansonsten die drei ineinander verschachtelten Rundinstrumente mitihren silbergrauen Röhren, die alle unter einer schicken Abdeckung liegen, gefällig auch die weiteren silbergrauen Applikationen, im Gesamten versinkt der Innenraum für unseren Geschmack aber zu sehr im Einheitsgrau, passt so gar nicht zum peppigen Äußeren des Wind.

Wie hätten Sie Ihr Cabrio gerne? Sportlich oder komfortabel? Die Geschmäcker gehen natürlich auch hier auseinander. Und der Renault hat sich für die sportlichere Auslegung entschieden. Mit dem echt sportlich straffen Fahrwerk geht er wieselflink um die Pylonen, untersteuert leicht und lässt sich so problemlos durch enge Landstraßenkurven räubern. Dazu passt die straffe und exakte Lenkung. Seitenneigungen in Kurven sind ihm fremd und so sorgt der kleine Wirbelwind für viel Fahrspaß.

Auch liegt er gut bei höherem Tempo auf der Straße – zumindest solange diese in einem guten Zustand ist. Da sich unser Staat aber zunehmend mit der Straßeninstandhaltung schwer tut, musste unser Wind häufiger über schlechte Wege wehen und dann dringen nicht nur Schlaglöcher ziemlich ungehindert ins Innere, die Insassen werden auch ordentlich hin und her geworfen.

Zusammen mit dem 133 PS -Benziner frischt der Wind ganz schön auf, wird aber schon ab 100 zunehmend laut, wobei neben dem Motor vor allem Wind- und Abrollgeräusche sehr dominant werden, ein Umstand, der auch durch das ungedämmte Dach verursacht wird. Darunter kann er mit einem animierenden Sound gefallen. Gefallen hat uns auch die Windentwicklung im offenen Wind, nur am Hals zieht es bisweilen etwas, wer auch in der kühleren Jahreszeit offen fahren will, sollte besser einen Schal imunbeleuchteten Handschuhfach oder dem Fach hinter den Sitzen haben.

Dank ESP mit Antriebsschlupfregelung und Untersteuerungskontrolle bringt der Wind seine Kraft über die Vorderräder gut auf den Boden, vom Antrieb ist im Lenkrad mit der elektrischen Servolenkung kaum was zu spüren.

Wir hatten während unsrer Testphase neben nassen auch schon teils schneematschige Straßen, die zeigten, dass der Wind mit seiner ABS-Bremsanlage mit elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent sowie den Scheibenbremsen vorn und hinten gut zu beherrschen ist. Aus einer Vollbremsung aus Tempo 100 steht er – auf trockener Straße – nach sehr guten 36 Metern.

Zwei Motoren stehen für den Wind zu Verfügung, statt mit dem 100 PS Vierzylinder hatte Renault freundlicherweise unseren Testwagen mit der 133 PS starken „Windkraftanlage“ ausgestattet. Der Saugmotor holt seine 98 kW bei 6.750 U/min aus den vier Zylindern mit 1.598 cm³ Hubraum und stellt dazu ein maximales Drehmoment von 160 Nm bei 4.400 Touren zur Verfügung.

Damit geht der Wind in 9,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und wird bei Bedarf 201 km/h schnell. Und auch dann liegt er noch ruhig auf der Straße, allerdings wird der ansonsten animierende Motorsound ziemlich laut. Denn schon bei knapp über 100 dreht der Vierzylinder im fünften Gang auf über 3.000 Touren. Da wünscht man sich zum Cruisen doch schon mal einen sechsten Gang.

Bis dort hin passt die Abstufung des Fünfgang-Schaltgetriebes aber ganz gut, die Wege sind ausreichend kurz und angenehm straff, allerdings kann es sich ein wenig Hakeln nicht verkneifen. Der Motor dreht schnell hoch und soist man immer wieder mal versucht, das spritsparende Fahren in den Wind zu schlagen.

So kann man den Wind außerorts mit 5,7 Liter bewegen, genauso gut kann man die 9,1 Liter aus der Stadt auch auf flotten Landstraßensprints durch den Auspuff jagen. Im Mix gibt Renault 7,0 Liter Super an, dabei stößt der Euro 5-Motor 165 g CO2 pro Kilometer aus.

Die Tatsache, dass die Windschutzscheibe weit nach hinten reicht und direkt hinter den Köpfen der Überrollbügel stehen bleibt, gibt selbst ängstlichen Naturen sofort ein sicheres Gefühl.

Außerdem hat der Wind adaptive Frontairbags sowie Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer an Bord, dazu Dreipunktautomatikgurte mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern. Bei einem Unfall werden die automatisch verriegelnden Türen entriegelt und die Kraftstoffzufuhr unterbrochen.

Schon ab 16.900,- Euro können Sie mit dem Wind TCe 100 losfliegen, unser 133 PS starker 1.6 16V kostet als Dynamique 18.300,- Euro und ist mit allem ausgestattet, was man so braucht. Von elektrisch verstell- und beheizbaren Außenspiegeln über elektrische Fensterheber, 17 Zoll Alufelgen, Lederlenkrad, Nebelscheinwerfer, Sportsitze in Stoff-Leder-Kombination, Tempomat und CD-Radio bis hin zur Zentralverriegelung ist fast alles wünschenswerte dabei.

Als Extra könnte sich jedoch eine Klimaanlage für 1.000,- Euro empfehlen, beheizbare Vordersitze kosten 250,- Euro, eine Einparkhilfe hinten 222,- Euro und eine Metallic-Lackierung ist für 450,- Euro zu haben.

Wer seinen Wind ganz edel mag, der kann die Ausstattungslinie Night & Day für 20.500,- Euro ordern, dann sind die Klimaautomatik,Ledersitze, Licht- und Regensensor, Instrumentenabdeckung in Rot, Bluetooth, Sitzheizung etc. schon mit drin.

Nutzungsabhängig muss der Wind spätestens alle 20.000 km oder alle zwei Jahre zur Wartung in die Werkstatt.

Stand: März 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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