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Renault Twingo ENERGY TCe 90

Twingo, ein kleiner Kravallo. Mit dem optionalen Sport-Paket trifft das in jedem Fall zu. Spezielle Front- und Heckschürzen, Verbreiterungen, große Alufelgen mit Breitreifen, Dekorstreifen und innen dann farbige Akzente in Rot, dazu schicke Sitze, ein unten abgeflachtes Lederlenkrad, Alu-Pedale und -schaltknauf und noch so einiges mehr machen schon allein optisch was her. Der quirlige Dreizylinder mit munteren 90 PS tut sein Übriges dazu und dann passt auch die recht straffe Federung, die aber auf schlechter Wegstrecke doch etwas den Komfort vermissen lässt. Der Platz ist für einen Kleinstwagen gar nicht schlecht, und in der von uns gefahrenen Luxe-Aussattung wird auch richtig viel geboten. Allerdings kann dann der Preis auch schnell auf über 16.000,- Euro klettern.

So sind die Zeiten – der Renault Twingo baut auf der Plattform des smart auf, zu sehen ist das nicht, nur die Tatsache, dass auch beim Franzosen der Motor im Heck sitzt könnte einen auf diese Spur bringen. Optisch ist der Twingo absolut eigenständig und für einen Kleinstwagen durchaus gut proportioniert.

Geht er von vorne besehen durchaus noch als Schmalhans durch, macht er von hinten richtig dicke Backen, was vor allem an der gelungenen optischen Einheit von Heckklappe und Rückleuchten liegt und vom Lufteinlass und dem darunter liegenden Diffusor sowie vom Dachkantenspoiler noch unterstützt wird. Schade, dass sich Renault nicht getraut hat, ein dickes Auspuffrohr einzubauen, so wird die richtig sportliche Illusion gleich wieder zunichte gemacht.

Besonders gut hat uns die „Kriegsbemalung“ gefallen. Schwarze Zierelemente mit roten Dekorstreifen ziehen sich vom Kühlergrill über die Alufelgen und an der Seite weiter über die Rammschutzleiste unten, den Außenspiegeln oben und einem Dekoraufkleber dazwischen. Zusammen mit den breiten Reifen wird dem Kleinen so geschickt das Niedliche des Kleinstwagens genommen.

Am Heck war schließlich kein Platz mehr für rotes Dekor, das übernehmen die Rückleuchten und die Rückstrahler ganz unten links und rechts vom Diffusor. Rein optisch ist dieser Twingo schon mal richtig gelungen, da steigt man gerne ein und auch ein Mann braucht sich hier nicht verstecken. Mal sehen ob das innen so weiter geht?

Um es gleich vorweg zu nehmen: es gehtso weiter. Schon der erste Blick macht Lust das Teil anzuschmeißen und los zu düsen. Doch schauen wir uns erst mal genauer um. Auch hier kommt reichlich Rot als das anmutende Element vor, und mit Ausnahme der hinteren Türgriffe sowie der Abdeckung der herausnehmbaren Box auf dem Mitteltunnel, an denen das Material richtig billig aussieht, haben die Macher durchwegs bei der Materialwahl ein glückliches Händchen bewiesen. Vor allem bei den roten Applikationen im Lenkrad und an der Instrumenteneinheit mit dem großen Monitor in Rot-Metallic zeigen die Macher von Renault was sie können.

Das Cockpit kommt richtig hochwertig rüber, das liegt unter anderem auch am schicken Lederlenkrad (mit glattem und gelochtem Leder) mit der Abflachung im unteren Teil und den schicken weißen Ziernähten, an den Alupedalen und dem Alu-Schaltknauf und vor allem an den Sitzen.

Die muten auf den ersten Blick so gar nicht nach Kleinstwagen, sind eine schicke Kombination aus anthrazitfarbenem und weißem Textilleder mit roten Ketterbändern und einem modern gemusterten Stoff für die Sitzbahnen sowie weiße und rote Ziernähte.

Die Sitze sind für einen Kleinstwagen ausreichend groß, nur in der Beinauflage würde ich mir ein paar Zentimeter mehr wünschen. Dafür, dass er eigentlich ja ein Stadtflitzer ist, bietet er sogar einen ganz ordentlichen Seitenhalt. Sie werden manuell verstellt, auch in der Höhe, der Fahrersitz hat für die Lehne ein feinrastriges Drehrad, der Beifahrer muss hier mit einer Hebellösung vorlieb nehmen, was aber notwendig ist, da man die Lehne auch komplett nach vorne klappen kann um lange Gegenstände durchladen zu können.

Die Alupedale mit Gumminoppen unterstreichen seinen sportlichen Anspruch, allerdings stehen für große Füße Kupplung und Bremse recht nah beieinander. Die Sonnenblenden haben beide einen Make-up-Spiegel, klappt man den Spiegel auf, sieht sich der Mensch hinterm Steuer aber nur zur Hälfte.

Die Bedienung des Bildschirms für Radio, Navi und R-Link mit all seine Möglichkeiten geht rein intuitiv, wirft keine Fragen auf. Für mich hätte der Monitor nur seine Helligkeit nach dem tatsächlich vorhandenen Licht wählen können, und nicht einfach nur weil man mit Licht fährt auf Nacht umzustellen, denn dadurch wird das Bild bisweilen doch recht dunkel.

Das Navi glänzt nicht nur mitschneller Eingabe, exakter Zielführung und schnellem Umschwenken auf eine Ausweichroute, sondern zeigt auch die einprogrammierten Tempolimits an, und wenn man die überschreitet, wechseln sie von Schwarz auf Rot und blinken.

Hin und wieder hätte ich mir aber dann doch einen Drehzahlmesser gewünscht, auch wenn wir selbst bei flotter Fahrweise nie in den Drehzahlbegrenzer gerutscht sind, würde aber gut zum sportlichen Ambiente passen. Die wenigen Schalter sind alle in Orange beleuchtet, leider aber nicht die im Lenkrad, z.B. für den Tempomat.

Das Radio ist ebenfalls einfach zu bedienen, aber auch nach x-maliger automatischer Senderaktualisierung hat es unseren „Haussender“ einfach nicht gefunden. Und egal welchen Sender man dann ausgewählt hat, zwischendrin gab es immer wieder Gedenksekunden, in denen es den gesamten Radioempfang ausgeblendet hat. Das Aussetzen der Musik kann eine oder auch mehrere Sekunden dauern und es kann innerhalb von einer Minute auch mehrmals passieren. Nicht so gut.

Gut hingegen ist das Platzangebot vorne, hinten wird es naturgemäß etwas enger. Als 1,80 Meter großer Mitfahrer hinter einem ebenso großen Fahrer hört dann der Spaß auf. Nicht nur dass die Knie weit in die Sitzlehne hineinstoßen, die Beine stehen steil angewinkelt und auch der Kopfraum ist dann zu Ende. Die Kopfstützen sind dafür sogar fast weit genug ausfahrbar. Richtig bequem sitzen hinten zwei Personen, wenn sie kleiner gewachsen sind. Gelingt der Einstieg hinten dank der zusätzlichen Türen noch ganz bequem, wird das Raus vor allem für die Fuße recht eng.

Ein Zug an der Lasche der Rücksitzlehnen und sie klappen 50 : 50 geteilt nach vorne. Die Sitzfläche braucht man vorher nicht hochklappen, würde auch nichts bringen, denn dahinter ist der Ladeboden so hoch wie die recht hohe Ladekante, die sehr gut geschützt ist. Kein Wunder, schließlich sitzt darunter der Motor.

Die Heckklappe öffnet weit, man kann auch mit 1,85 m locker drunter stehen ohne sich anzustoßen. In den Kofferraum mit „Fußbodenheizung“ passen 219 Liter, bei umgelegten Rücksitzlehnen gehen bei dachhoher Beladung 980 Liter rein. Mal sehen, wie sich sein Fahrwerk macht?

Das Fahrwerk ist sehr straff und passt damit gut zum sportlichen Outfit. Solange die Straße in einem guten Zustand ist, ist das überhaupt kein Problem, aberSchlaglöcher und grobe Querrillen werden geradezu brutal nach innen weitergegeben, die knallen richtig durch. Dafür kann er auf der anderen Seite aber auch richtig flotte Kurvengeschwindigkeiten aufbauen und auch schnelle Richtungswechsel prima bewerkstelligen, die Karosserieneigungen sind recht gering.

Wenn man ihn richtig flott durch die Kurven treibt, wobei er seine Reifen hemmungslos quietschen lässt, und dann auch noch extreme Bodenwellen oder Schlaglöcher erwischt, dann versetzt das Fahrzeug auch ein wenig. Vom Heckantrieb ist eigentlich nicht viel zu spüren, er fährt sich eher wie ein Mittelmotor-Sportwagen. Dafür sind seine elektronischen Helferlein verantwortlich, die ein auftretendes Übersteuern schnell glattbügeln.

Seitenwind kann ihn bisweilen aber schon ganz schön beuteln und aus der Spur drücken. Bei Autobahnrichtgeschwindigkeit 130 und ordentlich Seitenwind ist es schon ein recht unruhiges Fahren, da fährt er schon deutlich hin und her. Wenn dann bei 160 (er kann echte 165 km/h) immer noch der Seitenwind bläst, dann wird es richtig ungemütlich, denn nicht nur die Sogkraft von Lkw und überholenden Fahrzeugen, auch der Wind in Schneißen und auf Brücken zieht so stark am Fahrzeug, dass man die Spur nur noch mit größter Mühe halten kann, der Seitenwindassistent ist dann völlig überfordert.

Dabei arbeitet die Lenkung angenehm straff und direkt, stellt sich aber sehr ruckartig und heftig wieder auf Geradeaus. Einfach mal das Lenkrad „flutschen lassen“ quittiert er mit heftigen Schlenkern. Ach ja, er ist ja eigentlich ein Stadtflitzer. Okay, hier ist er sehr wendig mit einem Wendekreis von nur 8,60 Metern.

Die Bremse arbeitet ebenso zackig, packt sehr spontan und dann auch sehr fest zu, da braucht es eine kleine Eingewöhnung bis man sanft dosiert bremsen kann. Die Vollbremsung absolviert er mit so richtig viel Biss, aber auch mit lautem Reifenquietschen, aber spurtreu. Aus Tempo 100 heraus steht er nach knapp 37 Metern und dabei taucht er auch vorne nicht sonderlich ein.

Was hat der Kleine noch zu bieten? Eine gut funktionierende Start-Stopp-Automatik. Und die benutzt er so gerne, dass wenn man an der Ampel anhält und den Fuß auf der Kupplung stehen lässt und den Gang nicht rausnimmt, dann zeigt er mit einem blinkenden Start-Stopp-Symbol dass er doch eine hätte.

Ist derFrontscheibenwischer aktiviert, wird beim Einlegen des Rückwärtsganges automatisch auch der Heckscheibenwischer aktiviert. Zumindest dann, wenn man das irgendwann mal im Bordcomputer so programmiert hat. Der Heckscheibenwischer selbst dürfte gerne ein größeres Feld freimachen, vor allem nach oben hin lässt er sehr viel ungewischt. Der Frontscheibenwischer hat einen Regensensor, der auch noch in der Empfindlichkeit eingestellt werden kann.

Die Tankanzeige bleibt erst mal fast unbeweglich stehen, aber dann nach ein paar hundert Kilometern rauschen die sechs Anzeigenblöcke nur so nach unten. Eine etwas feinere Einteilung wäre durchaus wünschenswert. Die Lichtautomatik funktioniert so weit gut, lässt sich aber wie so viele bei Nebel zu viel Zeit um das Fahrlicht einzuschalten. Mal sehen ob der Motor auch genügend sportlichen Biss hat?

Hat er. Seine 90 PS sind für den Kleinen durchaus ordentlich. Und damit sind auch seine Fahrleistungen sehr ordentlich, nicht nur die Topspeed von 165 km/h, auch die Beschleunigung von Null auf Hundert in 10,8 Sekunden. Und der Clou: er hat den Motor hinten und treibt damit die Hinterräder an, was zusätzlich zur Elektronischen Stabilitätskontrolle mit Antriebsschlupfregelung die Kraft optimal auf den Boden bringt.

Startet man das Fahrzeug, geht ganz wie bei großen Sportwagen erst der Zeiger des Tachos ganz nach oben und kehrt dann in die Nullstellung zurück, das macht auch die digitale Tankanzeige. Wenn man ihn dann anlässt, kann er mit einem angenehm kernigen aber nicht aufdringlichen Sound gefallen, der dann auch bei flotter Fahrweise schön durchkommt und kaum an einen Dreizylinder erinnert. Sein maximales Drehmoment liegt bei 135 Nm bei 2.500 U/min.

Fährt man ihn richtig flott, liegt der Verbrauch im Mix so bei 7,5 Litern, geht man auf einen gemäßigten Modus zurück, kommt man mit 5,8 Litern hin. Eine große Ersparnis hat dann im Test die Eco-Einstellung nicht gebracht, 0,4 Liter vielleicht, dafür ist die flottere Fahrweise mit mehr Biss viel zu verlockend, um dafür darauf zu verzichten. Schaltet man den Eco-Modus aus, spürt man sofort – ohne den Gasfuß zu verändern, dass er spürbar agiler und dann direkter reagiert.

Sie ahnen es wahrscheinlich schon, an die Werksangaben in Sachen Verbrauch sind wir bei weitem nicht rangekommen, folglich werden auch dieangegebenen 99 g/km CO2 nicht im Alltag zuhalten sein. Pendelt die Tachonadel um die 130, geht der Verbrauch auf rund 7 Liter hoch, lässt man die Tachonadel auf über 160 hochklettern, wird das ganze Fahrzeug deutlich lauter und auch der Motor brüllt jetzt eifrig mit – und der Verbrauch geht schnell mal auf 12 Liter hoch.

Die 5-Gang-Schaltung arbeitet schön knackig auf ausreichend kurzen Wegen, könnten aber so sportlich wie er sich gibt auch noch einen Tick kürzer sein. Die Hand greift an einen zumeist schön kühlen metallischen Schaltknauf, die Abstufung passt auch, er zieht munter los, kann aber auch recht niedertourig gefahren werden. Vor allem auf der Autobahn könnte aber ein sechster Gang etwas niedrigere Drehzahlen bringen.

Voll auf Kleinstwagen-Niveau liegt die Sicherheitsausstattung. Fron- und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer, Kopfstützen und Sicherheitsgurte (vorne mit Gurtstraffern) müssen da genügen. Mal sehen, was der Spaß dann schließlich kostet?

Klar, wir hatten die stärkste Motorisierung und dann auch noch in der Top-Ausstattung Luxe, da sind dann schon 13.390,- Euro fällig, und viele der oben beschriebenen schönen Dinge waren dann noch zusätzlich verbaut, so das Komfort-Paket mit Klimaautomatik, Spurassistent, Licht- und Regensensor für 590,- Euro, das Techno-Paket R-Link, Sound-Paket, Rückfahrkamera, akustische Einparkhilfe hinten, Ablagefach zwischen den Sitzen mit USB-Anschluss für 990,- Euro und schließlich das Sport-Paket für 1.190,- Euro, das die spezifische Front- und Heckschürze, Kotflügel- und Schwellerverbreiterungen, Alufelgen im 16 Zoll Format, (beim Luxe sind 15 Zoll Alus Serie) das Außenlook-Paket in Rot, das Innenlook-Paket in Rot, Stoff/Textillederpolsterung und Textilleder an der Instrumentenabdeckung, Alupedale etc. So schnellt dann der Testwagenpreis gleich auf 16.160,- Euro.

Die üppige Luxe Grundausstattung ist natürlich auch dabei, die umfasst Berganfahrhilfe, Tempomat, LED-Tagfahrlicht, Servolenkung, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, Heckspoiler, el. Fensterheber vorne, Lenkrad und Fahrersitz höhenverstellbar, el. verstell- und beheizbare Außenspiegel, Lenkrad und Schaltknauf in Leder, Nebelscheinwerfer, Geschwindigkeitsbegrenzer und noch einiges mehr.

Wer hier Verzicht üben kann, der findet den Dynamique mit dem TCe 90 schon für 11.990,-Euro oder den Liberty für 12.390,- Euro. Den Einstieg in die Welt des Renault Twingo gibt es schon für 9.690,- Euro mit dem Expression mit SCe 70 mit 71 PS. Dann ist die Ausstattung zugegeben auch etwas mager.

Stand: November 2015; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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