// Fahrbericht / Renault Scenic TCe 115

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Renault Scenic TCe 115

Mit nur 1,2 Litern Hubraum gehen die 115 PS ganz schön kultiviert und auch ausreichend spritzig ans Werk, allerdings lagen wir mit unserem Verbrauch auch deutlich über den Werksangaben. Alles andere als „kleingemacht“ zeigt sich das üppige Raumangebot in Reihe eins, dem guten Platz (allerdings nur für zwei Erwachsene) in Reihe zwei und dem gut nutzbaren Kofferraum bis hin zur umlegbaren Beifahrersitzlehne. Dass die Rücksitze zur optimalen Laderaumnutzung ausgebaut werden müssen ist dann aber nicht ganz so prickelnd. Der Fahrkomfort ist gut, die Lenkung vermittelt aber zu wenig Rückmeldung, die Bremsen sind standfest und fest zupackend, die Zuladung mit 635 kg richtig gut. Los geht es bei 21.150,- Euro, die Bose-Edition bringt neben einem tollen Klang auch einen echten Preisvorteil.

Er trägt die typischen Renault-Züge und ist nicht nur für eine Familienkutsche richtig schick geworden. Vor allem bei der Frontschürze haben die Entwickler ganz tief in die Designkiste gegriffen und die Nebelscheinwerfer und das Tagfahrlicht mit einer schwungvollen und in Chrom glänzenden Blende verbunden.

Chrom ziert dann auch die obere Kühlluftöffnung, die zudem auf einer schwarzen Blende sitzt, die dem Van ein bisschen Crossover-Feeling beschert. Darüber geht es über die Scheinwerfer und die geschwungene Motorhaube dynamisch in die flach stehende Frontscheibe. Das Dach beherbergt ein großes Glasdach, das sich elektrisch öffnen lässt und so neben viel Licht auch frische Luft ins Wageninnere lässt.

Viel Licht und eine gute Aussicht garantieren auch die großflächigen Seitenfenster. Deutlich stärker als deren Unterkante stiegt eine in den Türen verlaufende Sicke mit den echten Türgriffen an, ungewöhnlich auch die wie ein Seitenschweller unten ausgeformten Türen.
Das markanteste am Heck sind die winkelförmigen Rückleuchten, die nach oben in den Dachkantenspoiler übergehen und sich unten um die Heckscheibe legen. Eine Blende am unteren Teil des Hecks aus schwarzem Kunststoff bringt dann wieder ein wenig Crossover ins Spiel und schützt vor allem die Stoßstange hinter der niedrigen Ladekante vor Kratzern.
Die Heckklappe reicht nicht nur tief nach unten, sie öffnet auch weit hoch, sodass mach sich auch als 1,85 m großer Mensch nicht an ihr stoßen kann, größere müssen vor allem auf das Schloss acht geben.

Durch die große Öffnung lässt sich derScénic prima beladen, und mit 470 Litern gehen auch eine ganze Menge Gepäck rein. Fährt man die Sitze der zweiten Reihe nach vorne, sind es schon 555 Liter Stauvolumen. Wem das noch nicht reicht, der kann die Rücksitze dreigeteilt umklappen. Ein Griff und die Lehne klappt nach vorne, ein weiterer Zug an einem Griff unterhalb des Sitzes und alles klappt komplett vor. Das funktioniert soweit gut, die Sitze halten aber nicht von allein, und wenn man keine Arretierung findet, kann es passieren, dass die Sitze von alleine zurückklappen und Kleinzeug darunter zerdeppern.

Außerdem nehmen die vorgeklappten Sitze recht viel Platz weg, da gibt es bessere Lösungen, denn will man den ganzen Raum nutzen, bleibt einem nur der Ausbau der Sitze, und schon stellt sich die Frage nach dem wohin, vor allem für Laternenparker. Im Fußraum links und rechts hat der Scénic zusätzliche Fächer für allerlei Kleinzeug. Unter dem Ladeboden steckt ein vollwertiges Ersatzrad und da der Laderaum schön glattflächig gestaltet ist, kann man ihn gut nutzen, die kleine, rund 5 cm hohe Stufe an der Ladekante hätte man sich vielleicht verkneifen können.

Sehr schön ist auch die Tatsache, dass man am Beifahrersitz die Lehne nach vorn umlegen kann und so auch mal lange Gegenstände ins Auto bringt. Da bleibt nur noch die Frage, ob die maximale Zuladung von 635 kg schneller erreicht ist als dass der Wagen mit insgesamt 1.870 Litern voll ist?

Rutschen wir also eins nach vorne und schauen mal, wie man in der zweiten Reihe sitzt. Der Einstieg hinten ist in jedem Fall schon mal ebenso einfach wie vorne, und zumindest auf den beiden Außensitzen kommt man hinten sehr bequem unter, der Mittelsitz ist aber recht schmal, bei drei Erwachsenen wird es eng. Beinraum und Kopffreiheit ist auch im Fond sehr üppig, trotz der Jalousie des großen Glasdaches.

Die Kopfstützen sind auch für Große ausreichend, eingefahren verschwinden sie – sich um die Lehne legend – ganz weit nach unten und nehmen keine zusätzliche Sicht weg.
Sicht weg – aber nur für Außenstehende – nehmen die Jalousien, die bei unserem Testwagen in den hinteren Türen an den Seitenfenstern verbaut waren, weiteren Komfort bieten die kleinen Klapptische mit Getränkehalter in den Lehnen der Vordersitze. Und auch hier gibt es Zusatzfächer und sogar einen Haken für die Handtasche. Und man steigt auch sehr bequem wieder aus der zweiten Reihe aus.

Also noch eins weiter nach vornegerutscht und schon nehmen wir auf angenehm straff gepolsterten Sitzen Platz, die auch soweit ganz gut ausgeformt sind und für die Fahrzeugkategorie ausreichend Seitenhalt bieten, wer allerdings ohnehin schon mit Rückenproblemen behaftet ist, der ist vor allem auf Langstrecken hier nicht so gut aufgehoben. Der Fahrersitz in unserem Testwagen ließ sich bequem elektrisch verstellen, der Beifahrer muss mit einer manuellen Sitzverstellung vorlieb nehmen. Gelungen sind in jedem Fall die Kopfstützen, die auch seitlich an den Kopf angepasst werden können.

Und das Platzangebot vorne ist mehr als üppig und es sind auch genügend Ablagen vorhanden. Die Armlehne auf der Mittelkonsole lässt sich vor und zurück schieben und außerdem verwöhnt uns eine Sitzheizung. Schade ist nur, dass der Schalter dafür dort platziert ist, wo man nicht so genau hingucken kann. Gut hingegen, wenn der Beifahrer seine Sitzheizung aktiviert, wird er Fahrer über eine Anzeige darüber informiert. Zwar ist die Sitzheizung nicht unbedingt die schnellste aber doch noch ganz okay.

Unser Testwagen war mit zwei schönen Glasdächern bestückt, von denen man das vordere auch noch komplett öffnen konnte, elektrisch natürlich, und das ergab dann fast schon ein wenig Cabrio-Feeling.

Dank erhöhter Sitzposition und weit öffnender Türen gelingt der Ein- und Ausstieg problemlos. Echte Türgriffe außen lassen die Türen auf sanften Zug hin aufgehen, sie fallen leicht wieder zurück ins Schloss. Und das obwohl die Türen schön mit Gummidichtungen geschützt sind und so auch der Einstieg schmutzfrei bliebt.

Ein wenig nervig war die Tatsache, dass das Fahrzeug bei jeder Gelegenheit in unterschiedlichen Tönen zu piepen anfängt, sei es dass die Keycard noch im Auto liegt, ob man nicht angeschnallt ist und vieles mehr. Bei nicht angelegtem Gurt wird der Ton von dezent schließlich so laut, dass sich wohl nur ein tauber Mensch weigert, sich anzuschnallen.
Die Instrumentierung oben auf der Mitte des Armaturenbrettes ist wie immer reine Geschmacksache, ich persönlich hab das alles lieber klassisch hinter dem Lenkrad. Die Art der digitalen Aufmachung ist okay und das Navi ist ganz weit oben neben dem Tacho platziert.

Es ist rein intuitiv zu bedienen, man muss sich aber wie auch bei manchen Bordcomputer-Einstellungen bisweilen über mehrere Menüseiten klicken. Aber man findet alles auch ohne einen Blick in die Bedienungsanleitung werfen zu müssen. Wasein klein wenig gestört hat war die Art der Sprachführung, z.B. bei der Ansage: „nach 500 m biegen Sie rechts ab“ macht er nach dem Wort „nach“, nach „500“ und nach „Metern“ ziemlich lange Pausen und dann kommt der Rest ganz flüssig raus. Das Bedienelement für das Navi in der Mittelkonsole ist gut erreichbar.

Der Tempomat ist einfach zu bedienen hält aber nicht immer konstant das gewünschte Tempo. Geht es bergauf, fällt er oft ab – klar, mit Schaltgetriebe geht ihm hier vielleicht auch mal die Puste aus – geht es runter, wird er schneller. Auch sonst sind alle Hebel und Schalter einfach zu bedienen und gut erreichbar.

Die Verarbeitung des Innenraums macht einen hochwertigen Eindruck, die Kunststoffe greifen sich gut an und sind teils weich hinterfüttert. Die BOSE Soundanlage hinterließ einen sehr guten Eindruck, auch hinten waren zahlreiche Lautsprecher verbaut und so durchströmte eine schöner Klang das gesamte Fahrzeug.

Der Rundumblick ist gut, man sieht zwar nicht wo die Haube vorne aufhört, kann aber doch ganz gut das Ende abschätzen. Nach hinten heraus über den Rückspiegel ist die Sicht gut, wenn man den Kopf zur Seite dreht findet man hinten eine riesige D-Säule, davor ein kleines Fenster und die C-Säule, das nimmt sehr viel Sicht weg.

Praktisch ist das Keyless Go. Nähert man sich dem Fahrzeug – und hat es vorher nicht mit dem Schlüssel – pardon, mit einem Tastendruck verschlossen – öffnet es sich automatisch sobald man die Türgriffe berührt. Umgekehrt schließt es sich beim Verlassen des Wagens selbsttätig wieder ab und klappt die Außenspiegel an. Ein Piepsen macht diese Aktion kenntlich, so dass man sich nicht extra noch mal umdrehen muss um zu kontrollieren, ob er es auch tatsächlich gemacht hat.

Der Renault Scénic bietet einen guten Fahrkomfort, die meisten Straßenschäden werden sauber weggefiltert. Zusammen mit der erhöhten Sitzposition lässt er in schnellen Kurven und im Slalomtest die auftretenden Karosserieneigungen etwas deutlicher spüren und er schmeißt die Insassen ganz schön hin und her, da reicht dann der gebotene Seitenhalt der Sitze nicht mehr aus.

Insgesamt geht das Fahrzeug aber willig um die Pylonen, nur das wirklich exakte Gefühl fehlt, auch in schnell gefahrenen Kurven. Hier neigt man dazu, das Untersteuern über zu bewerten und legt zumeist eine eigentlich unnötige Angstbremsung hin oder nimmt zumindest kleine Lenkkorrekturen vor. Also den Familienvannicht als Rennsemmel missbrauchen und schon wird der Fahralltag völlig problemlos.

Denn die Lenkung ist angenehm leichtgängig wenn man langsam fährt und ausreichend straff, sobald man schneller unterwegs ist, aber sie hat immer ein bisschen Spiel und das Gefühl für die Straße könnte einen Tick besser sein.

Das Lenkrad selbst ist schön klein und griffig, es ist in Höhe und Weite verstellbar, schade nur, dass die Fernbedienungsknöpfe für den Tempomat nicht auch beleuchtet sind.

Die Handbremse arbeitet automatisch, zieht sich von alleine an und löst sich auch wieder automatisch, den kleinen Schalter braucht man in der Regel nicht zu bemühen. Auch das Licht schaltet sich automatisch aus, wenn man das Fahrzeug ausschaltet.

Ohne nennenswertes ABS-Rubbeln und Reifenquietschen kommt er Scénic gut und sicher zum Stehen, aus Tempo 100 bei einer Vollbremsung nach weniger als 38 Metern. Und nur wenn die Straße sehr uneben ist macht das Fahrzeug dabei kleine Schlenker.

Die Bremsanlage mit Scheibenbremsen vorn (innenbelüftet) und hinten, elektronsicher Bremskraftverteilung und Bremsassistent mit automatischer Aktivierung der Warnblinkanlage bei einer Notbremsung ist angenehm zu dosieren und spricht schnell an.

In unserem Testwagen ging ein 115 PS / 85 kW starker TCE Benzinmotor mit nur 1.2 Liter Hubraum ans Werk. Und das ausgesprochen kultiviert. So läuft der Motor im Alltag angenehm ruhig, erst wenn er voll gefordert wird, wird er kerniger und auch lauter. Auf der Autobahn wird es so ab 150 km/h dann ganz schön laut und auch die Windgeräusche nehmen kräftig zu. Ansonsten liegt er recht ruhig auf der Straße und auch der Geradeauslauf ist okay.

Zusammen mit den 190 Nm Drehmoment, das bei 2.000 U/min anliegt, schaffen die 115 PS des 1.2 Liter Multipoint-Einspritzers den Sprint von Null auf Hundert in 11,7 Sekunden und machen den Scénic maximal 185 km/h schnell.

Vom Verbrauch her auf Mittelstrecken im gemischten Verkehr sind wir nicht unter acht Liter gekommen, wurden die Distanzen kürzer waren es sogar 8,2 bis 8,3 Liter, das sind über 2 Liter mehr als der Hersteller angibt und kann sicher nicht ausschließlich der etwas flotteren Fahrweise angelastet werden. Die Start-Stopp-Automatik funktionierte im Test tadellos.

Ganz angetan waren wir von der serienmäßigen Sechsgang-Handschaltung. Die Gänge sind gut auf die Motorleistung abgestimmt und der Schalthebel gleitet sauber geführt und auf kurzenWegen durch die Kulisse, ist zudem angenehm straff geführt, wirkt aber zumindest zu Beginn ein wenig hölzern. Der kleine Holperer über die Leerlaufstellung stört kaum.

Neben den Adaptiv-Airbags für Fahrer und Beifahrer (Beifahrerairbag abschaltbar) und den Doppelkammer-Seitenairbags vorne waren in unserem Testwagen auch Windowbags (seitliche Vorhangairbags) durchgehend für Front- und außensitzende Fondpassagiere verbaut.

Dazu gesellt sich ein Drei-Punkt-Gurtsystem auf allen Plätzen, vorne höhenverstellbar und zudem mit doppelten Gurtstraffern für Fahrer und Beifahrer sowie Gurtkraftbegrenzern in der 1. und 2. Sitzreihe. Außerdem akustische Gurtwarner bei nicht angelegten Sicherheitsgurten vorne und optischen Anzeigen für nicht angelegte Sicherheitsgurte hinten. Für die Kleinen ist eine Isofix-Kindersitzbefestigung auf den drei Plätzen der 2. Sitzreihe montiert.

Darüber hinaus hält der Scénic noch höhenverstellbare Kopfstützen auf allen Plätzen und eine Anti-Submarining Sitzfunktion vorne und hinten sowie eine automatische Türverriegelung nach dem Anfahren und -entriegelung im Falle eines Unfalls bereit. Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP) mit Antriebsschlupfregelung (ASR) und Untersteuerungskontrolle (USC) sind ebenso Serie wie ABS.

Der von uns gefahrene Renault Scénic mit dem TCe 115 Motor mit Start-Stopp startet bei 21.150,- Euro in der Ausstattungsvariante Expression, unser Testwagen in der Bose Edition ist für 24.150,- Euro zu haben und bietet dann neben Klima, elektrischen Außenspiegeln, 3 Einzelsitzen hinten, der Berganfahrhilfe, dem Tippblinker, der automatischen Parkbremse, den Nebelscheinwerfern und den elektrischen Fensterhebern, was alles auch bereits dem Expression zuteil wird, auch noch so angenehme und schicke Dinge wie z.B. 17 Zoll Alufelgen, ein Sport-Leder-Lenkrad, Gurte in Silbergrau, Alu-Einstiegsleisten mit Bose-Schriftzug, die Keycard Handsfree, Sitzheizung vorne, höhenverstellbarer Beifahrersitz, Tempomat und natürlich das Bose-Soundsystem mit Navigation. Das alles bringt zudem einen Preisvorteil von 1.070,- Euro mit sich.

Wer will kann dann noch für 1.350,- Euro ein Luxus-Paket (u.a. mit Leder-/Alcantara-Ausstattung), eine Metallic-Lackierung für 550,- Euro oder eine Metallic-Sonderlackierung für 650,- Euro, eine Dachreling in Matt-Chrom für 200,- Euro, die Rückfahrkamera für 640,- Euro oder z.B. das Panorama-Glas-Schiebe-Dach für 900,- Euro ordern, umnur einige der Optionen zu nennen.

Eine Wartungsdiagnose ist jährlich bzw. alle 30.000 km vorgeschrieben, ein Ölwechsel erfolgt nutzungsabhängig entweder spätestens nach 30.000 km oder alle zwei Jahre.

Stand: März 2013; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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