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Renault Espace Initiale

Der Espace (auf Deutsch Raum) macht seinem Namen alle Ehre und sieht dabei so ganz anders aus als nur praktisch, geht auch weg vom reinen Van, mehr Crossover, sportlich und edel, komfortabel und bequem. Dazu ein sportlich kräftiger Diesel mit 160 PS, der locker die 200 schafft und trotzdem sehr kultiviert läuft. Und auch das Fahrwerk kann da mithalten, ist deutlich sportlicher als gedacht, da geht eher mal der Komfort verloren als dass das Fahrwerk dem sportlichen Kurvenritt ein Ende setzt und mit der Allrad-Lenkung legt er sogar noch einen drauf. Ein großes Glasdach, dass sich sogar zur Hälfte öffnen lässt und jede Menge Platz fürs Gepäck runden das Paket gelungen ab – so ganz billig ist der Spaß dann aber auch nicht, unser Testwagen erreichte einen Preis von 51.190,- Euro.

Besonders von vorne zeigt der Espace eindrucksvoll, dass ein Familien-Van alles andere als langweilig oder zweckmäßig aussehen muss. Ein imposanter Kühler entwickelt sich rund um das große Firmenlogo und läuft harmonisch in den Scheinwerfern aus. Darunter sorgt die Frontschürze für weiteren sportlichen Touch, der angedeutete Unterfahrschutz vorne und hinten lässt auch die Abenteuerlust nicht zu kurz kommen, schließlich wird ein solcher Van längst nicht mehr nur für die Fahrt zum Kindergarten oder Einkaufszentrum genutzt.

So sorgt dann die Front auch auf der Autobahn für ein gutes Überholimage. Flach steigt dann die Motorhaube an und geht in die dünnen A-Säulen über, die die Windschutzscheibe flankieren, die nahtlos ins dunkel getönte Glasdach übergeht. Flach gestellt und mit sanftem Schwung legt die Dachlinie den Grundstein für den flach geduckten und langgestreckten Auftritt des Espace, unterstützt von den schwarzen Dachsäulen und dunkel getönten Seitenscheiben.

Eigenwillig laufen die Seitenfenster fast bis in die Heckscheibe und ergeben so eine Art Leitwerk, wie man es am Flugzeug kennt und das auch der Seitenansicht eine gelungen Dynamik verleiht. Mehr der Optik denn einem Rammschutz dient die verchromte Leiste am unteren Ende der Türen und legt den optischen Schwerpunkt weiter nach unten. So steht der Renault satt auf der Straße, die großen Räder füllen die Radhäuser prima aus. Die Außenspiegel sind im oberen Teil Schwarz lackiert und unten wie die Zierleiste an den Fenstern in Chrom gefasst und fallen so kaum auf.

Mit viel Schwung leiten die markanten Rückleuchten in LED-Technik ins Heck über, das natürlich den praktischen Nutzen vollausleben muss und steil abfällt. Dem flachen Dachkantenspoiler, der breit auslaufenden Einheit aus Heckscheibe und Rückleuchten sowie der Heckschürze gelingt es auch hier wieder die Breite zu betonen und den Espace richtig flach dastehen zu lassen. Dass er trotz aller sportlichen Optik auch ganz praktisch kann, zeigt er, wenn es ums Laden geht.

Elektrisch öffnet die Heckklappe auf Knopfdruck oder Fußbewegung, und schließt so auch wieder. Sie schwingt dabei weit genug auf, dass man sich bis 1,90 m Körpergröße nicht an ihr stoßen kann. Die Ladekante ist angenehm niedrig und inkl. Stoßstange gut gegen Ladekratzer geschützt. Der Kofferraum dahinter ist schön glattflächig, lediglich die Radhäuser ragen etwas rein, unter dem soliden Boden ist eine BOSE Soundanlage verbaut und der restliche Platz ist dann noch frei für allerlei Kleinkram.

680 Liter fasst das Gepäckabteil und jetzt ein Zug an einem kleinen Griff und – vorausgesetzt die Kopfstütze ist eingefahren – schon klappt der Sitz nach vorne zusammen. Das geht auch vom Kofferraum aus ganz einfach per Tastendruck, entweder für jeden der dreigeteilten Sitze einzeln oder mit einer Taste für alle drei Sitze gleichzeitig. Oder über den Multifunktions-Touchscreen. Nur beim Zurück muss man aufpassen, dass man den Gurt nicht einklemmt. Und wenn alle Sitze umgelegt sind, dann gehen bis zu 2.101 Liter rein, wenn Sie dachhoch beladen, da kommt die maximale Zuladung von 656 kg gerade recht.

Also bitte alles einsteigen. Die Türen werden mit echten Türgriffen geöffnet, und das so weit, dass man vorne ganz bequem rein und raus kommt, Großen erleichtert es der zum besseren Ein- und Ausstieg zurückfahrende Fahrersitz.

Steigt man zum ersten mal im Dunkeln ein, denkt man „alles wie gewohnt“, ein schwarzes Interieur. Doch bei Tageslicht erkennt man dann, dass Sitze, Armaturenbrett, Seiten- und Türverkleidungen etc. bis hin zum Lederlenkrad alles in einem dezenten Braunton gehalten sind. Sieht schick aus zusammen mit den hellen Ziernähten, greift sich gut an und ist im oberen Bereich des Armaturenbrettes ganz weich gepolstert, dort wo ggf. die Knie anschlagen könnten, ist der Kunststoff leider bretthart.

Im Dunkeln kommt dafür die Lichtleiste rund um die wie schwebend aufgesetzte Mittelkonsole voll zur Geltung, die je nach gewähltem Fahrmodi in Blau bei Komfort, Rot bei Sport und Grün bei Eco leuchtet. Mit einer schönen Holzapplikation und im oberen Teil von einem großen hochkant montierten Monitor dominiert, ist die Mittelkonsole von einer Alublendeeingefasst.

Über diesen Monitor werden die meisten Dinge im Fahrzeug gesteuert, Sie verfügen Mit R-LINK 2 über Apple CarPlay und Android Auto und all den vielen Möglichkeiten, lassen sich SMS vorlesen etc. Dazu sollte man sich aber eine gewisse Zeit der Eingewöhnung gönnen, dann klappt die Bedienung ohne große Ablenkung.

Die Sitze sind schön mit gelochtem Leder in der Mitte, dazu Glattleder außen und alles mit hellen Nähten verarbeitet. Schade, dass am Lenkrad die Nähte leider braun ausgefallen sind, denn ansonsten sind auch in den Türverkleidungen die hellen Nähte verarbeitet. Ausreichend groß, angenehm straff gepolstert, elektrisch verstellbar, mit Sitzheizung und Massagefunktion, ausziehbarer Beinauflage und guter Ausformung sind die Sitze auch langstreckentauglich.

Dazu schöne Holz- und Alu-Applikationen vom Lenkrad bis zum futuristisch gestalteten Schalthebel in Schwingenoptik – allein schon von der optischen und haptischen Aufmachung kann man sich im Renault Espace Initiale Paris einfach nur wohlfühlen. Und die Frage nach dem Platz stellt sich gar nicht erst. Er ist üppig ohne ungemütlich zu wirken – dank dem eher flachen Dach.

Und viel Platz gibt es auch in der zweiten Reihe, je nach dem ob die Rücksitze vor oder zurück geschoben sind ist der Platz für die Beine der Fondpassagiere ausreichend bis üppig. Wenig Platz ist dagegen bei einem 1,80 m großen Mitfahrer im Kopfraum, wobei weniger das Schiebedach sondern der recht tief sitzende Dachholm hier als Ursache auszumachen ist. Die Kopfstützen hinten müssen unbedingt ausgefahren werden, sonst stören sie im Rücken, ansonsten empfangen einen drei bequeme Einzelsitze und eine eigene Regelung für die Heizung/Lüftung sowie ein USB-Anschluss und eine 12-Volt-Steckdose. Außerdem sind an den Seitenfenster hinten Jalousien angebracht. Sowohl der Ein- wie auch der Ausstieg hinten gelingen bequem.

Viel Komfort also, den der Innenraum da bietet, wie verhält es sich mit dem Fahrkomfort?
In Verbindung mit dem 160 PS starken Diesel-Vierzylinder fährt der Espace sehr ruhig, das adaptive Fahrwerk bietet verschiedene Einstellungen kann aber nicht immer voll überzeugen. Gerade in der Komforteinstellung sorgen eine Reihe von Fahrbahnschäden – vor allem wenn sie in einer Kurve auftreten – dafür, dass das Fahrzeug recht unruhig wird und grobe Schlaglöcher knallen nicht nur akustisch sondern auch deutlich spürbar nach innen, auch die Karosserieneigung ist deutlich.

Im Sportmodus wird die Federung spürbar straffer, da geht auf schlechtenStraßen der Komfort richtiggehend verloren. Dafür macht der Familienvan durchaus an, ihn auch mal flott um die Kurven zu jagen. Im Slalomtest legt er sich nur in der Komforteinstellung deutlich zur Seite – fast schon gewöhnungsbedürftig ist die Art, wie er dank der Allradlenkung 4CONTROL richtig zackig um die Pylonen geht, und das vor allem in der Sportstellung, fast ruckartig wie er da einlenkt. So hat man das Gefühl eher in einem Sportwagen zu sitzen. Mir persönlich hat diese sportliche Ausrichtung sehr gut gefallen. Mit leichtem Schieben über die Vorderräder geht er flott um die Kurven, ESP und Traktionskontrolle bremsen ihn im Ernstfall rechtzeitig ein.

Gut liegt er auch auf der Autobahn, wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße, denn vor allem wenn zahlreiche Kurven schnell durcheilt werden sollen wechselt man gerne von der Komfort- in die Sport-Einstellung, sonst wirkt er doch etwas schwammig. Bei Tempo 130 kommen von seitlich vorne deutliche Windgeräusche, zusammen mit den Abrollgeräuschen werden der leise Sound des Motors praktisch übertönt.

Damit man sich nach der flotten Kurvenhatz wieder schnell entspannen kann, bietet der Espace Initiale eine feine Massagesitzfunktion für Fahrer und Beifahrer an. Dass man dazu aber immer ins Menü muss ist etwas störend, dafür kann man hier aber für beide getrennt nicht nur die Schnelligkeit und Intensität sondern auch die Art der Massage (kräftigend, entspannend und Lende) einstellen.

Einfach per Drehknopf lässt sich die große Jalousie vor das Glasdach und wieder zurück fahren, ein weiterer Dreh und das große Glasdach lässt sich bis zur Hälfte öffnen, die Windverwirbelungen sind dabei sehr minimal, man kann also auch bei kühlerem Sonnenwetter prima offen fahren, jedoch werden die Windgeräusche schnell sehr laut, da verliert man dann doch wieder die Lust an „oben ohne“.

Klar, Sie sind sicher in der Lage, Ihr Fernlicht selbst ein- oder auszuschalten. Wenn man sich aber mal an so eine Fernlichtautomatik gewöhnt hat, dann ist das schon eine feine Sache. Vor allem, wenn Sie hervorragend arbeitet. Leider ist die im Renault Espace davon noch zwei kleine Schritte entfernt. Sie macht oft das Fernlicht bei entgegenkommenden Fahrzeugen nicht oder zu spät aus, was aber noch ärgerlicher ist, sie macht es danach viel zu spät wieder an, oft erst nach vier bis fünf Sekunden. Wie praktisch alle Automatiken erkennt sie Fahrzeuge nicht, wenn sie sich von der Seite nähern.

Nicht alles erkennt auch die Schildererkennung. Zusätze an Tempolimitschildernignoriert sie wie sie es gerade will, mal zeigt sie es als normales Tempolimit an, mal gar nicht. Auch wurde im Test ein mit einem roten Kreuz ungültig gemachtes Schild als normal gültig angezeigt. Auch hier sollte man meinen, dass ein „normaler“ Autofahrer durchaus in der Lage sein sollte, die Verkehrsschilder selbst zu erkennen, aber auch hier gilt: hat man sich erst mal an die Anzeige gewöhnt, wird man schnell nachlässig und verlässt sich aufs Auto. Und das gilt dann auch gleich für den Toter-Winkel-Warner, die Einparkhilfe mit 360-Grad-Blick und die Rückfahrkamera. Wenn der Sicherheitsabstandswarner oder der Spurhaltewarner sich melden, war man wohl doch zu unaufmerksam.

Voll verlassen kann man sich auf die Bremsen im Espace. Mit Scheibenbremsen vorn (innenbelüftet) und hinten, angesteuert über ABS mit Notbremsassistent und Elektronischer Bremskraftverteilung legt sich der Espace bei einer Vollbremsung gut ins Zeug und steht aus Tempo 100 heraus nach 35 Metern. Dabei spricht die Bremse spontan an und zeigt sich gut zu dosieren, bleibt auch bei Nässe oder wechselndem Fahrbahnbelag sehr spurstabil und der Wagen taucht vorne nur wenig ein.

Unser Testwagen war mit dem 118 kW / 160 PS starken Commonrail-Diesel mit Direkteinspritzung und zwei Turboladern bestückt, und allen Verteufelungen der Diesel zum Trotz waren wir vom 4-Zylinder doch begeistert. Er läuft sehr ruhig, wird nur voll gefordert ein klein wenig kernig und lauter, glänzt ansonsten mit ruhigem und vibrationsarmen Lauf und kann zusammen mit den 380 Nm Drehmoment, die schon bei 1.750 U/min anliegen mit sehr guten Leistungen überzeugen und dabei auch noch eine gewisse Sparsamkeit an den Tag legen.

Auch wenn wir von den Werksangaben meilenweit weg waren. So haben wir statt der angegebenen 4,7 Liter Diesel im Mix laut Bordcomputer 6,1 Liter verbraucht und das reale Tanken hat dabei sogar 6,7 Liter ergeben. Unter der Sporteinstellung haben wir aber auch nicht mehr verbraucht, mit ECO und einer etwas zurückhaltender Fahrweise haben wir 5,9 Liter laut BC verbraucht. Das gab die Anzeige auch bei Tempo 120 auf der Autobahn an, so zwischen 130 und 140 sind es dann 6,4 Liter.

Die angegebenen 202 km/h Spitze erreicht der Espace dCi 160 mühelos, den Sprint von Null auf Hundert erledigt er in 9,9 Sekunden – trotz kleiner Anfahrschwäche, begeisternder ist aber der allzeit gute Durchzug. Und der hängt auch stark mit dem serienmäßigen Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe zusammen.

Die Bedienung des Automatik-Wählhebels ist erst mal ein wenigungewohnt. Die Normalstellung ist auf N in der Mitte, dann in die Gasse nach links wechseln und nach vorne geht es auf R und zurück kommt man auf D – irgendwie will man aber intuitiv nach hinten ziehen um zurück zu fahren – daran gewähnt man sich dann aber. Ein Vorteil: man braucht nicht mehr durch die gesamte Gasse über R um vorwärts losfahren zu können. Die Feststellbremse wird automatisch aktiviert und löst sich auch selbsttätig wieder und auch mit einem einfach Tastendruck seitlich am Hebel kann die Parkstellung aktiviert werden.

Rechts in der Normalstellung kann man durch Drücken oder Ziehen manuell rauf und runter schalten. Das geschieht ebenso schnell und sanft wie die ganze Automatik agiert, aber sie wechselt auch schnell wieder in den Automatikmodus. Der ist aber auch in Verbindung mit dem kräftigen und drehmomentstarken Motor auch immer bestens gewappnet, man braucht eigentlich nie manuell eingreifen.

Im Sportmodus wird es innen nicht nur Rot, er hängt deutlich gieriger am Gas, zieht flott hoch und dreht höher aus, hält auch bergab besser das gefahrene Tempo, während er in der Komfortstellung bergab deutlich schneller wird. Und er hält auf Sport die Drehzahl oben, wenn man kurz den Fuß vom Gas nimmt um danach sofort wieder volle Power zu haben. Der Motorsound mutet hier auch ein wenig kerniger an – zu wenig für meinen Geschmack.

Hat man den Renault Espace in der von uns gefahrenen Top-Ausstattung Initiale Paris geordert, gehören neben den obligatorischen Airbags, Relax-Kopfstützen vorne und hinten auch zahlreiche Fahrerassistenzsysteme zur Serienausstattung.

Das sind dann der Sicherheitsabstandswarner, Spurhaltewarner, Toter-Winkel-Warner, Verkehrszeichenerkennung und Geschwindigkeitswarner, Einparkhilfe vorne, hinten und an den Seiten, Rückfahrkamera, Allradlenkung 4CONTROL, Voll LED-Scheinwerfer sowie eine beheizbare Frontscheibe. Als Extra gibt es dann noch den Easy Park-Assistent für teilautomatisiertes Einparken und das Cruising-Paket mit Head-up-Display und Adaptivem Tempopiloten.

Und wo wir schon bei der Ausstattung sind, im Fahrzeugpreis von 47.500,- Euro sind im Renault Espace Initiale Paris auch die 3-Zonen-Klimaautomatik, BOSE Surround-Sound-System mit 12 Lautsprechern, Nappalederpolsterung, Multisence für die individuelle Fahrzeugcharakteristik-Einstellung, Renault R-Link 2 Online Multimediasystem, 19 Zoll Alu-Felgen und vieles mehr enthalten.

Außerdem waren in unserem Testwagen noch das Cruising-Paket, der Easy Park-Assistent, die elektrische Heckklappe, dasPanorama-Glas-Schiebedach und die Metallic-Lackierung an Bord, so kommt dieser Espace auf einen Endpreis von 51.190,- Euro. Zu viel? Ein Blick in die Preislisten zeigt Ihnen, dass es auch deutlich günstiger geht …

Stand: Oktober 2017, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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