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Porsche Cayenne V6

Sie glauben, so ein Cayenne ist auch nur ein gewöhnliches SUV? Dann werfen Sie nur mal einen Blick in die Aufpreisliste, die Ihnen sogar einen Lederbezug für die Lüftungsdüsen für schlappe 1.487,50 Euro offeriert. Na wenn das nicht nur was für ein außergewöhnliches Fahrzeug sein kann … Und in der Tat ist er ein Sportwagen mit viel Platz für fünf Personen bei hoher Sitzposition und reichlich Kofferraum, mit dem man auch ins Gelände kann. Der dort eine ebenso gute Figur macht wie auf Asphalt mit seiner hervorragenden Straßelage, seiner Agilität und der guten Bremsanlage. Es gibt aber auch hier und da was zu meckern …

Dass der Porsche Cayenne bereits in der zweiten Generation antritt, bemerkt man oft erst auf den zweiten Blick, weil er sich in seinen Grundzügen nicht verändert hat. Dabei sind die neu gezeichneten Frontscheinwerfer und die neue Kühlerfront mit den senkrechten Zusatzleuchten nicht zu übersehen. Mit der aus dunklem Kunststoff angesetzten unteren Spoilerlippe und dem ebenso aufgesetzten Unterfahrschutz ergibt sich eine spürbar dynamischere Front.

Die Seitenansicht ist nahezu identisch, besonders auffallend waren bei unserem dunkelblauen Testwagen die alufarbenen Accessoires von den Türgriffen über die Zierleiste am Schweller und den Fenstereinfassungen bis zur Dachreling.

Markantere Rückleuchten, ein größerer Dachkantenspoiler, eine sportlichere Heckschürze und weiter nach unten reichendes Glas der separat zu öffnenden Heckscheibe geben dem neuen Cayenne einen eigenständigen Abschluss.

Im Innenraum hat sich nicht viel geändert, Platz gibt es nach wie vor in Hülle und Fülle, die meisten Veränderungen zum letzten Cayenne-Testwagen waren rein ausstattungsbedingt. Dabei fallen aber sofort die positiven Auswirkungen der geriffelten silbernen Zierleisten und die zweifarbige Ausführung der Innenausstattung auf.

Der obere Bereich desArmaturenbrettes hüllt sich noch in traditionelles Schwarz, darunter macht sich frisches Terrakotta breit, das den Aufenthalt deutlich angenehmer macht. Die Verarbeitung ist tadellos, aber die silbernen Schalter und Regler, besonders an den Luftaustrittsöffnungen wirken noch immer irgendwie billig.

Die Instrumente sind gut ablesbar, die meisten Hebel und Schalter einfach zu bedienen. Lediglich um den großen Monitor in der Mittelkonsole versammeln sich eine ganze Armada von teils recht kleinen Knöpfen, die eine gewisse Eingewöhnung erfordern. Das Lederlenkrad kann in Höhe und Weite verstellt werden, liegt gut in der Hand, dürfte aber für einen Porsche gerne noch etwas dicker ausfallen.

Wie gehabt gelingt der Ein- und Ausstieg vor allem vorne bestens, hinten stört beim Raus die B-Säule etwas am Fuß. Über die echten Türgriffe lassen sich die schweren Türen ganz bequem bedienen, wer einmal genauer hinsieht, bemerkt nicht nur die engen und exakten Spaltmaße sondern die perfekte Abdichtung, deren Gummis außen fast bündig mit dem Blech abschließen.

Platz ist vorne wie hinten mehr als ausreichend vorhanden, die Sitze sind serienmäßig in Teillederausführung straff gepolstert, besonders vorne gut ausgeformt und hier auch elektrisch zu verstellen. Hinten fallen die etwas weit unten und schlecht zu erreichenden Aschenbecher negativ auf. Dafür erfreut das feine Innenlicht bis in die Fußräume, und auch die Einparkhilfe vorne und hinten kann sich mit der akustischen und vor allem gelungenen optischen Anzeige in Form von LEDs bestens sehen lassen. Allerdings spricht sie recht früh an und kann so, z.B. in kleineren Gassen schon mal etwas nerven.

Genervt hat uns auch die Fernbedienung der Heckklappe, die von innen aus nur mit eingeschalteter Zündung funktionierte und vor allem weil der Knopf bis zur kompletten Öffnung gedrückt bleiben musste!?! Blickt man dann in den wunderschön verkleideten Laderaum (besonders im frischen Terrakotta)mit der angenehm niedrigen und mit silberner Blende verkleideten Ladekante, ist der Ärger schnell wieder verflogen.

540 Liter optimal nutzbares Stauvolumen können ggf. auch über die separat zu öffnende Heckscheibe beladen werden, klappt man die Rücksitze (60 :40) um, wozu erst die Sitzfläche hoch, dann die Lehnen vorgeklappt und dazwischen die Kopfstützen herausgenommen werden müssen, erhält man bis zu 1.770 Liter Raum mit ebenem und bis in die Rücksitzlehnen schön mit Teppich verkleidetem Boden.

Nicht nur weil man zwischen Komfort und Sport wählen kann hat das feine Fahrwerk des Porsche Cayenne für jeden die richtige Dosierung parat. So sammelt es sowohl auf langen Autobahnpassagen, beim schnellen Kurvenritt über Land- und Passstraßen, im Großstadtdschungel wie im unwegsamen Gelände nur Pluspunkte.

Da werden einerseits Schlaglöcher und Co. sauber weggefiltert und andererseits genügend Straffheit aufgebaut, um den gut 2.2 Tonnen schweren Cayenne geradezu spielerisch auch um engste Kurven fliegen zu lassen. Ausgesprochen zackig ging es in unserem Slalomtest um die Pylonen, wobei er mit der angenehm straffen und herrlich direkten Lenkung super zu dirigieren ist.

Auch die Karosserieneigungen halten sich dabei in Grenzen, ein Verdienst von PSM, dem Fahrzeugstabilisierungssystem, dass mit Motorschleppmomentregelung und Gespannstabilisierung den Cayenne stabilisiert. Wem das noch nicht genügt, der kann für 3.213,- Euro die Porsche Dynamic Chassis Control ordern, die Wanken und Seitenneigungen noch weiter reduziert und nicht nur die Agilität auf Asphalt steigert, sondern auch die Traktion im Gelände verbessert.

Wenn man das gute Stück so sieht, mag man gar nicht daran denken, mit ihm ins Gelände zu gehen, aber mit PTM – dem Porsche Traction Management ist man nicht nur auf festem Untergrund bestens gerüstet. Der Permanente Allradantrieb verteil die Kraft normalerweise 38% nach vorne und 62% nach hinten, kann aber stufenlosin alle Richtungen variieren. Hinzu kommt eine Längssperre, ein Reduktionsgetriebe und ein automatisches Bremsendifferenzial (ASR), mit dem man auch in schwerem Gelände gut vorankommt.

Und auch hier geht es auch immer noch etwas besser. Mit dem 2.272,90 Euro teuren Offroad-Technik-Paket bekommen Sie eine elektronisch geregelte Hinterachsdifferenzialsperre. Und weil man sich damit noch mehr zutraut, sind ein Schwellerschutz, ein verstärkter Triebwerksschutz und Schutz für Tank und Hinterachse gleich im Paket mit drin.

Dann empfiehlt sich auch die optionale Luftfederung mit Niveauregulierung für 2.963,10 Euro, mit der sich nicht nur der Fahrkomfort noch einmal merklich erhöhen lässt, sondern die auch die Bodenfreiheit per Knopfdruck variieren kann.

Die ABS-Bremsanlage mit Bremsassistent wirkt auf innenbelüftete Scheibenbremsen vorn und hinten, wobei hinten 4-Kolben-, vorne sogar 6-Kolben-Aluminium-Monobloc-Festsattelbremsen zum Einsatz kommen. Sie spricht schnell an, lässt sich gut dosieren und zeigte wie zu erwarten auch nach der zehnten Vollbremsung aus Tempo 100 heraus zum Stillstand keine Ermüdungserscheinungen. Je nach Fahrbahnbeschaffenheit schwankt dabei das Fahrzeug aber leicht.

Damit man nicht von verschlissenen Bremsen überrascht wird, werden alle Bremsbeläge überwacht. Ein wenig störend empfanden wir in Verbindung mit dem Schaltgetriebe die Fußfeststellbremse. Bevor man die nach dem Anhalten treten kann, muss man erst mal auskuppeln, damit man den linken Fuß von der Kupplung nehmen kann.

Von einem Porsche erwartet man einfach dass er schnell ist, nicht umsonst hat man in Zuffenhausen auch einen Turbo für den Cayenne im Angebot. Es geht aber auch locker ein paar Nummern kleiner. Und so haben wir uns den „kleinen“ V6 als Motorisierung für unseren Testwagen ausgesucht.

Der holt aus 3,6 Litern Hubraum 213 kW/290 PS bei 6.200 U/min. Dazu gesellt sich ein maximales Drehmoment von 385 Nm schon bei 3.000 Touren. Mit einemkernigen Brummen erwacht der Sechszylinder zum Leben und untermalt dann auch seinen Vortrieb stets mit einem animierenden Sound.

Und er geht aus dem Stand heraus schon richtig gut los, dank der bereits beschriebenen Systeme rund um den Allradantrieb bringt er seine Power optimal auf den Boden und kann durchdrehende Räder weitgehend vermeiden. So stürmt er in 8,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erst bei 227 km/h hat der Vorwärtsdrang ein Ende.

Und das erreicht er nicht nur flott sondern auch ohne Einbruch, die exakt und auf kurzen Wegen geführte Sechsgang-Schaltung ist harmonisch auf den Cayenne abgestimmt, zeigte sich aber ein wenig knochig. Am meisten gestört hat uns jedoch die recht ruppige Kupplung, die ein ruckfreies Schalten innerhalb der ersten drei Gänge praktisch unmöglich machte.

Wie auch immer man den Porsche Cayenne V6 bewegt, unter 10 Liter auf 100 km geht gar nichts und auf unserer Verbrauchsmessstrecke flossen 11,97 Liter Super auf 100 km aus dem Tank. Ist das für ein Fahrzeug dieser Klasse durchaus noch ganz in Ordnung, offenbart er bei flotter Fahrweise mit locker auch mal über 20 Litern seinen wahren Durst, der auch in der Stadt bei 18,5 Litern liegt.

Und mit einem CO2-Ausstoß von 310 g/km ist er leider auch noch meilenweit von den angepeilten EU-Grenzwerten entfernt. Ein Umstand, den wir zugegebenermaßen während der Testfahrten wegen der hervorragenden Straßenlage und der ansprechenden Spritzigkeit immer wieder schnell verdrängt haben.

Sicherheit
Allradantrieb, eine gute Bremsanlage, die hohe Sitzposition und die solide Verarbeitung des Cayenne suggerieren schon ein enormes Sicherheitspotential. Und auch in Sachen Airbags ist der Schwabe gut bestückt.

Front- und Seitenairbags vorne sowie Vorhangairbags bis zur C-Säule tragen ebenso zu Ihrer Sicherheit bei wie die Dreipunktgurte auf allen Platzen, die vorne und an den hinteren Außenplätzen Gurtstraffer besitzen, vorne zudem Gurtkraftbegrenzer undeine Höhenverstellung aufweisen.

Für die Kleinsten sind ISOFIX Kindersitz-Verankerungspunkte am Beifahrersitz und den Außensitzen hinten serienmäßig montiert.

Im Listenpreis von 51.735,- Euro für den Porsche Cayenne V6 ist eine durchaus umfangreiche Grundausstattung enthalten. Dazu gehören eine Klimaanlage, el. verstellbare Teilledersitze, elektrische Fensterheber vorn und hinten, Nebelscheinwerfer, ein CD-Radio mit 12 Lautsprechern, eine elektrische Zuziehhilfe für die Heckklappe, fünf 12-Volt-Steckdosen, ein Regensensor, elektrisch verstell- und anklappbare Außenspiegel, Zentralverriegelung mit Fernbedienung usw. bis hin zur vollverzinkten Karosserie, dem Allradantrieb und dem ABS-System.

Erschrecken könnte man dann aber vor der schier endlos langen Aufpreisliste, die dann auch den letzten Zweifel darüber beseitigt, dass der Cayenne vielleicht doch nur ein ganz normales SUV sei. Spätestens hier zeigt sich, dass auch er absolut in der Oberklasse mitspielt und für eine Klientel gedacht ist, die locker auch mehrere 10.000,- Euro für Zubehör ausgeben kann.

Aus der riesigen Auswahl wollen wir nur mal ein paar Dinge zusätzlich zu den bereits im Text erwähnten nennen: Metalliclack 856,80 €, Schwellerverkleidung 969,85 €, Trittbretter 1.178,10 € , Bi Xenonlicht 1.511,30 €, Parkassistent vorne und hinten 809,20 €, el. Schiebe-Hubdach 1.297,10 €, Panorama-Dachsystem mit 4 Segmenten 3.272,50 €, Dachreling aus Alu 844,90 €, automatische Heckklappe 642,60 €, Haltegriffe in den Türen und der Mittelkonsole aus Holz 1.035,30 €, Rückfahrkamera inkl. Parkassistent 2.463,30 € oder gar eine Lederverkleidung der Lüftungsdüsen mit sichtbaren Ziernähten für 1.487,50 €.

Und wo bei anderen „gewöhnlichen“ Herstellern das Abholen des Fahrzeugs im Werk die Einsparung der Überführungskosten mit sich bringt, kostet das beim Cayenne 714,- Euro. Allerdings ist das dann auch mit einem Erlebnisprogramm mit Werksbesichtigung,3-Gänge-Menü und mit einer Fahrt zusammen mit einem Instruktor über den firmeneigenen Onroad- wie auch Offroadkurs verbunden. Und dann übergibt Porsche Ihnen Ihren neuen und vollgetankten Cayenne.

Stand: Oktober 2007, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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