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Peugeot RCZ – Vernünftige Unvernunft

Vor drei Jahren präsentierte Peugeot mit dem 308 RCZ Concept auf der IAA einen wahren Hingucker, die Vorfreude auf das Serienmodell war dementsprechend groß. Nur zu oft jedoch folgt darauf eine Enttäuschung, doch nicht so beim RCZ. Denn was wir bei der jüngsten Einführung zu sehen bekamen, ist nahezu das Concept-Car. Auf die gewohnte Nummer in der Modellbezeichnung – in diesem Fall 308 – haben die Franzosen jedoch erstmals verzichtet. Ein weiteres Indiz dafür, dass es sich hier nicht um einen gewöhnlichen Peugeot handelt, der außerdem als erstes Serienmodell das neu gestaltete Löwen-Emblem trägt.

Extravagant, anmutig, sportlich … nicht unbedingt Attribute die man zwingend mit einem Peugeot verbindet. So war es bisher zumindest. Mit dem neuen RCZ haben die Franzosen ein 2+2-sitziges Coupé geschaffen, das mit seiner dynamischen Optik und den außergewöhnlichen Designhighlights wie z. B. der doppelten Wölbung an Dach und Heckfenster aufregend und einzigartig wirkt wie kaum ein anders Fahrzeug seiner Klasse.

Das gewellte Dach wird perfekt umspielt von farbig abgesetzten Aluminiumbögen. Ebenfalls aus Alu bestehen die sportlich geschnittene Motorhaube, die im Verlauf der großen, scharf gezeichneten Scheinwerfer spitz nach vorne zusammenläuft. Darunter glänzen im Kühlergrill breite Chromstreben.

Die Silhouette ist sportlich flach, zum Sprung bereit, strahlt Kraft pur aus, die sehr markant ausgestellten Radhäuser umlaufen die serienmäßigen 235/45 R 18-Zoll-Räder, optional sind auch 235/40 R19 erhältlich.

Ebenfalls weit in die Karosserie gezogen sind die spitz verlaufenden LED-Heckleuchten, das breite Heck mit Diffusor und einem Doppelauspuff-Endrohr sowie dem ausfahrbaren Spoiler rundet den sportlichen Touch perfekt ab.

Wen jetzt die Frage nach einem RCZ Roadster kitzelt, müssen wir leider enttäuschen. Auch wir hätten uns über eine positive Antwort oder zumindest eine „Targa“-Lösung gefreut, doch in diese Richtung wird es (angeblich) nichts geben, da Peugeot mit dem 308 CC bereits auf dieser Basisein Cabrio anbietet und zudem die Umsetzung nicht möglich sein soll. Irgendwie verständlich, denn wie würde das Fahrzeug ohne Wellendach und farbig abgesetzte Aluholme aussehen? Die gewisse Attraktivität ginge mit Sicherheit verloren.

Das Interieur ist zwar vertraut Peugeot, aber hebt sich dennoch ab. Dank niedriger Sitzposition und schön umlaufender Armaturen/Mittelkonsole fühlen wir uns sportlich eingepackt und blicken auf hochwertige und solide verbaute Materialien, gerade die mit sehr weichem Material oder auf Wunsch mit Leder bezogene Armatureneinheit hat uns beeindruckt. Dennoch vermissen wir Applikationen, gerade am Armaturenbrett hätten sich Alu-Dekors sehr gut gemacht.

Fahrer des Topmodells kommen bereits serienmäßig in den Genuss des Sport-Paketes, allen anderen ist es zu empfehlen, denn der kürzere Schaltknauf sowie das schicke unten abgeflachte, teilweise perforierte und mit Leder bezogene Sportlenkrad, das zudem über einen Chromzierring verfügt, auf dem das RCZ-Logo eingraviert ist, passt perfekt zum RCZ-Charakter und ist ein gutes Stück kleiner als das – wenn auch ebenfalls abgeflachte – Basislenkrad. Eine schicke Alupedalerie ist aber auch hier an Bord.

Ebenso die super ausgeformten und optisch sehr knackigen Sitze mit integrierter Kopfstütze. Unser Blick schweift weiter und ist bei der dynamischen Instrumenteneinheit – die beim 200 THP schwarz hinterlegt ist – angelangt.

Von hier aus geht es weiter zur Mittelkonsole, hier blicken wir nicht nur auf eine schicke Uhr im Chronographen-Look und reichlich Chromeinfassungen, sondern auch auf eine in angenehmer Höhe platzierte Bedieneinheit die ebenfalls in sportlicher Optik gehalten ist. Das optionale Navigationssystem fährt seinen Bildschirm mittig auf dem Armaturenbrett aus.

Mit der Bezeichnung „2+2-Sitzer“ lässt Peugeot bereits erahnen, dass es sich hier um einen Zweisitzer plus zwei Notsitze handelt, und so bietet der Fond auch wirklich nur für Kinder oder zusätzliches Gepäck echten Platz, zudem ist der Ein- und Ausstieg dorthin sehr beengt.

Dennoch bietet das Coupé mit 321 Liter undweiteren 30 Litern unter dem Fahrzeugboden überraschend viel Stauraum, der sich zudem durch problemloses Umlegen der Rücksitzlehnen auf 639 Liter erweitern lässt, die entstehende Ladefläche ist dabei leicht ansteigend.

Wahrscheinlich haben Sie ihn bis hierhin schon vermisst, und in der Tat, an den stetigen Vergleich mit einem Audi TT müssen sich die Franzosen wohl gewöhnen oder es einfach als Kompliment ansehen. Das Mitbewerberfeld ist in diesem Segment nun mal rar. Doch wenn wir ehrlich sind, so gut uns auch der RCZ optisch gefällt und durchaus den TT in den Schatten stellen kann, so hat er in punkto Fahrwerk und vor allem bei den Motoren das Nachsehen. Dennoch bietet Peugeot mit dem RCZ ein extravagantes und sportliches Fahrzeug.

Mit einer McPherson-Konstruktion mit unteren Dreieckslenkern sind alle Motoren bestückt, der THP 200 verfügt an der Vorderachse zudem über eine spezifische Versteifungsstrebe und sorgt so für noch mehr Agilität.

Für optimalen Abtrieb sorgt ein in zwei Stufen ausfahrbarer Heckspoiler, wobei die erste Stufe ab 85 km/h (19 Grad) erreicht ist und ab 155 km/h die zweite (34 Grad). Unterschreiten wir danach wieder Tempo 145 fährt der Spoiler wieder zurück in Stufe 1 und bei geringerer Geschwindigkeit als 55 km/h versenkt er sich vollständig. Mittels Tastendruck kann der Heckspoiler auch manuell ausgefahren werden.

Des weiteren glänzt der RCZ mit Ausstattungsdetails wie der Antriebsschlupfregelung Snow Motion, die auch bei Schnee und Glätte für optimalen Vortrieb sorgt. Aber auch die dynamische Stabilitätskontrolle CDS, eine elektronische Bremskraftverteilung EBV und der Notbremsassistent AFU gewährleisten ein sicheres und gut kontrollierbares Handling. So untersteuert das Fahrzeug nur dezent und lässt sich durch engste Kehren mit hohem Tempo jagen.

Ein schönes, sportlich straffes Fahrwerk mit perfektem Alltagskomfort hat Peugeot dem RCZ da verpasst, nur die Lenkung war uns hierfür etwas zu schwergängig, gerade beim Rangieren, und das trotz elektrohydraulischer Zahnstangenlenkung.

Das Bremspaket sorgt für vorbildliche Verzögerungswerteund spricht schnell an, im Gegensatz zu den 302 mm dicken Bremsscheiben an der Vorderachse, werden bei der Topmotorisierung 340 mm große Scheiben eingesetzt. Die Berganfahrhilfe Hill Assist ist wiederum in allen Varianten Serie.

Während zu Verkaufsbeginn zunächst nur der 1.6 Liter 155 THP und der 2.0 Liter HDi FAP zum Einsatz kamen, ist mittlerweile auch die 200 PS Topvariante erhältlich. Das größte Stück vom Kuchen soll jedoch der 156 PS starke 1.6 Liter Benziner mit Turbolader (Twin-Scroll), Benzindirekteinspritzung und manuellem Sechsgang-Schaltgetriebe einnehmen.

Mit 240 Newtonmeter ab 1.400 U/min bietet das Aggregat an sich ausreichend spritzigen Vortrieb, in Anbetracht dessen jedoch, dass der RCZ in der Liga der Sportwagen einzuordnen ist, sind die Messwerte von 8,3 Sekunden von Null auf 100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 215 km/h doch eher zu gehemmt. Wiederum erfreulich zurückhaltend zeigen sich die Verbrauchswerte von 6,7 Liter auf 100 Kilometer im Durchschnitt und ein CO2-Ausstoß von 155 g/km.

Mit der seit diesen Tagen ebenfalls erhältlichen sequenziellen Sechsgang-Automatik steigt der Kraftstoffverbrauch auf 7,3 Liter und die Emissionen auf 168 g/km. Mittels adaptiven Automatikmodus und manueller Schaltmöglichkeit via Wippen am Lenkrad geht auch hier der sportliche Charakter zum Glück nicht völlig verloren.

Ausschließlich über das angenehm geführte und exakte Sechsgang-Schaltgetriebe lässt sich das Dieselaggregat schalten. Es leistet 120 kW / 163 PS bei 3.750 U/min und geht mit einem maximalen Drehmoment von 340 Nm zwischen 2.000 und 3.000 U/min eine deutliche Spur dynamischer ans Werk. Wenn er auch im Sprint mit 8,7 Sekunden etwas das Nachsehen hat, so holt der Diesel in der Topspeed immerhin zehn km/h mehr raus. Neben schönen Durchzugswerten und tollem Ansprechverhalten können aber vor allen Dingen der Mixverbrauch von 5,3 Liter und 139 g/km CO2-Ausstoss punkten. Beide Motoren helfen dank Schaltpunktanzeige (Gear Shift Indicator) effizient unterwegs zu sein.

Doch nun zur neuen Topmotorisierung, dem 1.6 Liter 200 THP, ebenfalls gekoppelt miteinem Sechsgang-Schaltgetriebe. Sein maximales Drehmoment von 255 Nm bzw. 275 Nm mit Overboost und eine maximale Leistung von 147 kW / 200 PS befeuern den RCZ in 7,5 Sekunden auf Hundert und erreichen Tempo 235 km/h. Bereits von unten heraus zieht der 200 THP schön los und beschleunigt auch in hohen Gängen bei niedrigen Touren noch wunderbar. Und wer bringt schon 6,9 Liter und 159 Gramm CO2 mit einem Sportwagen in Verbindung?!

Für das gewisse Feeling sorgt allerdings ein Soundgenerator, der optional auch für den kleinen Benziner zu haben ist. Diese Technologie sorgt dafür, dass jeder Gasstoß von einem kernigen Aufbrüllen des Motors untermalt wird. In diesen Genuss kommen allerdings nur die Insassen, draußen soll davon weniger zu hören sein.

Mit dem 200 THP hätte Peugeot jedoch derzeit nach oben hin alles ausgereizt, so ein Pressesprecher, eine Motorisierung mit 300 PS oder gar mehr, wie sie beim Audi TT gang und gäbe sind, sind nicht geplant.

Stattdessen möchten die Franzosen ihr Portfolio weiter nach unten abrunden und mit einer Hybridversion kombiniert mit einem Allradantrieb seine Mitbewerber verdrängen. Das klingt durchaus interessant und bereits die Studie RCZ HYbrid4 gibt einen interessanten Ausblick auf einen Verbrauchs- und CO2-emissionsarmen Sportwagen, der von einem 2.0 Liter HDi FAP mit 120 kW / 163 PS an der Vorderachse und einem Elektromotor mit 27 kW / 37 PS an der Hinterachse angetrieben wird. Diese 200 PS starke Hybrid-Diesel-Allrad-Kombination soll dabei lediglich 3,7 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen und mit einem CO2-Ausstoß von 95 g/km absolut überzeugen. Wir sind gespannt!

Mit zahlreichen aktiven und passiven Sicherheitselementen ist der RCZ auch für den Ernstfall sehr gut gewappnet. Da wären ABS, ein elektronisches Stabilitätsprogramm ESP inkl. intelligentem ASR, eine elektronische Bremskraftverteilung (EBV), ein Notbremsassistent mit Einschaltautomatik des Warnblinklichts, ein optisches und akustisches Gurtschloß-Warnsystem, zwei adaptive Frontairbags, Seitenairbags, vier Dreipunkt-Sicherheitsgurte mit Gurtkraftbegrenzer (und pyrotechnischenGurtstraffern vorne), Dreipunkt-Isofix-Verankerungen für Kindersitze auf den beiden Fondsitzen sowie eine aktive Motorhaube zu nennen.

Des weiteren bietet Peugeot mit WIP Com 3D und dem damit verbundenen Telematikdienst Connect SOS, einen kostenfreien Notruf-Service der bereits schnelle Hilfe an der Unfallstelle garantiert. Das System aktiviert sich bei Auslösen der pyrotechnischen Elemente oder ist mittels SOS-Taste manuell zu aktivieren.

Ab 26.450,- Euro können Sie mit dem RCZ 1.6 l 155 THP in die neue Peugeot-Welt eintauchen, das Topmodell sowie die Dieselmotorisierung sind für 28.950,- Euro erhältlich.

Zu den darin enthaltenen Ausstattungsdetails zählen elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel in Wagenfarbe, elektrische Fensterheber, eine Einparkhilfe hinten, Geschwindigkeitsregelanlage mit –begrenzer, eine Zweizonen-Klimaautomatik, 18-Zoll-Leichtmetallfelgen inkl. Diebstahlsicherung, die Radioanlage WIP Sound, MP3-fähig und mit AUX-Eingang sowie die Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung.

Anstatt einzelner Ausstattungslinien bietet Peugeot basierend auf diesem Inventar, diverse weitere Pakete mit denen Sie Ihren RCZ aufrüsten können. Hier nur einige kurz zusammengefasst:

Das Komfort-Paket „Easy Motion“ für runde 500,- Euro beinhaltet u.a. eine Einparkhilfe vorne, Regensensor und Begleitlicht-Funktion. Das 320,- Euro teure Sport-Paket (Serie bei 1.6 Liter 200 THP) sorgt mit einem kleineren Sportlenkrad, dem verkürzten Schalthebel und dem Motorsoundgenerator für noch mehr Dynamik. 2.800,- Euro werden für das Leder-Paket mit elektrisch verstell- und beheizbaren Ledersitzen fällig. Tausend Euro drauf und Sie erhalten das Vollleder-Paket, hier sind auch Armaturentafel und Teile der Türverkleidung in Leder gehüllt. Außerdem sorgt das Xenon-Paket mit Bi-Xenon-Scheinwerfern inklusive Kurvenlichtfunktion und Reifendrucksensoren für 950,- Euro für optimale Sicht.

Verschiedene Sitzbezüge sowie Lederarten in unterschiedlichen Farben die bis hin zu den Armaturen reichen, sind ebenso erhältlich wie diverse Felgenvarianten. Optisch lässt sich der RCZzudem mit einer echten Karbonauflage in schwarz seidenmatt oder glänzend am Dach, verschieden farbigen Dachbögen, schwarz glänzendem Stoßfängergrill und Bremssätteln sowie Designstreifen individualisieren.

Stand: Juli 2010; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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