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Opel Vivaro Kasten 2.0 CDTI

L1H1 oder L2H1 oder doch besser L2H2? Das Kürzel-Rätsel ist schnell gelöst, L steht für die Länge und H für die Höhe, 1 für kurz und 2 für lang oder hoch. Und damit sind längst noch nicht alle Varianten des gelungenen Transporters genannt. Wir haben den ganz normalen Kastenwagen unter die Lupe genommen und mit dem mittleren Dieselmotor mit 114 PS eine gelungene Kombination vorgefunden. Mit 5 m³ Laderaum mit guter Belademöglichkeit durch weit öffnende Flügeltüren am Heck und Schiebetüren an der Seite mit niedrigen Ladekanten, bis zu 1.171 kg Zuladung, 210 kg Dachlast und einer maximalen Anhängelast von 2 Tonnen schleppt der Opel einiges weg, Für 22.535,- Euro plus MwSt. eine recht günstige Transportmöglichkeit mit sehr guten Fahreigenschaften und Platz für drei Personen.

Der Vivaro, eine Gemeinschaftsproduktion von Opel und Renault, hat mit seiner heutigen Form bereits einige Jährchen auf dem Buckel, ist mit seinem ungewöhnlichen Dachschwung über der Fahrerkabine aber noch immer unverwechselbar und auch wenn nur ganz dezente Retuschen vorgenommen wurden, ist er noch immer zeitgemäß in seinem Auftritt.

Markant fällt die breite Chromleiste am Kühlergrill auf, die das große Opel-Logo trägt, die Scheinwerfer zeigen sich in Klarglasoptik und darunter wurde die Frontschürze sportlicher ausgeformt, der Kunststoff reicht nicht mehr so weit hoch.

Das muss reichen, denn außer den modifizierten Rückleuchten blieb alles beim Altem. Und da ein Kastenwagen wahrlich andere Prioritäten setzt als ein Pkw macht das auch gar nichts. Sorgen doch die fast senkrechten und geradlinigen Seitenwände und Rückwand für optimalen Ladenutzen.

Und das gilt selbstverständlich auch für den „kleinsten“ derVivaro-Modelle, den L1H1, also den mit dem kurzen Radstand und der kleineren Höhe, Sie können auch den mit 3.498 mm längeren Radstand und das hohe Dach ordern, alternativ lässt sich das flachere Dach auch mit einer Doppelkabine kombinieren.

So bringt unser Testwagen als L1H1 eine Gesamtlänge von 4.782 mm, eine Höhe von 1.978 mm und eine Breite von 1.904 mm an die Messlatte, der Radstand beträgt 3.098 mm. Damit schafft der Vivaro L1H1 innen eine Laderaumlänge von 2,40 Metern, ist zwischen den Radkästen immerhin noch 1.268 mm breit, ansonsten sogar 1.690 mm und weist eine Laderaumhöhe von 1.387 mm auf.

Nachdem das Ganze mit einer nur 541 mm hohen oder besser gesagt niedrigen Ladekante kombiniert ist – fast müßig zu erwähnen, dass sie gut gegen Ladekratzer geschützt ist – lassen sich die 5 m³ Ladevolumen (beim L2H2 sind es sogar 8,4 m³) prima beladen, entweder durch die auf Wunsch bis 250° weit öffnenden Hecktüren oder durch die seitliche Schiebetür. Die maximale Zuladung von bis zu 1.171 kg beim 2,9-Tonner macht den Vivaro zum echten Lastesel.

Der Boden ist mit Gummi belegt, der schon mal zusammen mit den acht Verzurrösen hilft, die Ladung am Rutschen zu hindern, dazu gibt es natürlich auf Wunsch auch das Flex-Fix-Sytem, mit dem an den Seiten Verzurrösen variabel eingesetzt werden können. Als Extra bietet Opel auch einen speziell konstruierten Holzboden an. Wenn man möglichst viel Stauraum haben will, muss das Reserverad zwangsläufig unter dem Wagenboden verschwinden, mit allen Nachteilen der starken Verschmutzung und umständlichen Entnahme, die es hier haben kann.

Wem der reine Laderaum nicht genügt, der kann verschiedene Dachträger montieren und bis zu 210 kg aufschultern – auf Wunsch sogar mit einer an der rechten Hecktür montierten Leiter, umden Lagerplatz in luftiger Höhe auch zu erreichen oder eine Anhängevorrichtung montieren lassen, dann schleppt der Vivaro ungebremst 750 kg weg, gebremst sind es bei 12% Steigung 2Tonnen.

An allen Türen sorgen echte Griffe für ein bequemes Öffnen und Schließen und auch für die nötige Angreiffläche im Notfall – da rutscht einem nichts aus den Fingern.

Wir rutschen jetzt aber mal eins nach vorne und entern die Fahrerkabine. Der Ein- wie Ausstieg gelingt ohne Probleme, auch wenn es doch schon ganz schön weit rauf geht. Drei Sitze empfangen uns hier, aber zwei Erwachsene auf den Beifahrersitzen müssen doch ganz schön eng sitzen. Der Fahrer hat auf jeden Fall keine Platzprobleme und sitzt recht bequem.

Sein Blick fällt auf eine vorwiegend graue Plastiklandschaft, die sich ebenfalls kaum verändert hat. Die Instrumenteneinheit wurde leicht überarbeitet und dominiert jetzt mit zwei silbergrau umrandeten Rundinstrumenten. Am oberen Ende der Mittelkonsole war bei unserem Testwagen ein großer Monitor für das Navigationssystem eingebaut, das neben den Routen ggf. auch in 3D-Optik zahlreiche Zusatzinformationen wie aktuellen Verzögerungen anhand von RDS-EON Verkehrsfunkdaten bereithält.

Dass es sich beim Vivaro nicht mehr um einen kleinen Lieferwagen handelt, erkennt man schon beim Blick in die Außenspiegel. Auf beiden Seiten sind die nicht nur groß ausgeführt, sondern auch mit einem abgetrennten unteren Übersichtsspiegel versehen, der auch den toten Winkel abdeckt und ein Übersehen seitlich am Fahrzeug befindlicher Personen oder Fahrzeuge unmöglich macht. Auch beim Rangieren eine feine Hilfe.

Eine kleine Hilfe haben wir vermisst: die zweifache Lenkradverstellung. So ist das Volant nur längsverstellbar und nicht jeder findet die optimale Sitzposition. GegenAufpreis kann das Kunststofflenkrad gegen eins mit Lederbezug ausgetauscht werden.

Die Handhabung der Bedienelemente ist problemlos, nur die Drehregler für Heizung und Lüftung liegen ziemlich weit rechts in der Mittelkonsole. Links davor sitzt wie gehabt der Schalthebel in bester Reichweite, um an die Handbremse zu kommen ist jedoch ein ordentliches Herabbeugen notwendig. Über dem Handschuhfach ist ein weiteres offenes Fach, das entfällt, wenn Sie einen Beifahrerairbag ordern. Unter dem Beifahrersitz steckt ein Schubfach, das die zahlreichen Ablagen und Getränkehalter ergänzt.

Man klettert nicht nur weit nach oben, man sitzt natürlich auch entsprechend hoch, was einen guten Überblick über das gesamte Geschehen voraus ergibt. Nachdem ab der B-Säule die Fenster fehlen, ist die Rundumsicht natürlich stark eingeschränkt. Und fast hätten wir es vergessen: die seitliche Schiebetür auch auf der Fahrerseite gibt es nur gegen Aufpreis.

Zwischen 896 und 1.171 kg darf der Vivaro L1H1 zuladen, da ist natürlich klar, dass die Grundabstimmung der Federung etwas straffer ausfällt. Abgesehen von groben Straßenschäden, die recht ungehindert nach innen dringen, reist man im Opel ganz ordentlich und kann auch mal etwas schneller um die Kurven gehen. Dabei schiebt der Kastenwagen nur mäßig über die Vorderräder und auch die Karosserieneigung hält sich in Grenzen. Eine schwere Beladung, erst recht mit hohem Schwerpunkt, kann hier natürlich schnell deutliche Änderungen bewirken.

Aber dank entsprechender Feder- und Dämpferabstimmung bleibt der Vivaro auch schwer beladen gut kontrollierbar. Und schließlich kann gegen Aufpreis von 595,- Euro auch ein Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP) geordert werden, das aber nur in Kombination mit elektrischen Fensterhebern und einem3-Tasten-Schlüssel für die selektive Türöffnung zu haben ist.

Mit Blick auf das mögliche Gesamtgewicht von 2.935 kg verfügt der Vivaro Kastenwagen über eine ordentliche Bremsanlage mit ABS, Bremsassistent und Scheibenbremsen vorn (innenbelüftet) und hinten. Eine Servolenkung ist serienmäßig und so lässt sich der Vivaro in Kombination mit dem recht kleinen Wendekreis von 12,40 m gut rangieren, eine Einparkhilfe hinten kann aber sehr gute Dienste leisten und hilft enorm, den Kastenwagen nach hinten abzuschätzen.

Die angebotene Motorenpalette für den Vivaro Kastenwagen ist groß, neben einem 2-Liter Benziner sind drei Dieselmotoren im Angebot, davon zwei auch in ecoFLEX-Ausführung. Unser Testwagen war mit dem 2-Liter CDTI mit 84 kW / 114 PS bei 3.500 U/min und einem maximalen Drehmoment von 290 Nm zwischen 1.600 und 2.250 U/min ausgestattet. Und damit ist der Transporter richtig gut motorisiert.

Vom Start weg geht er gut los und wird bei Bedarf 160 km/h schnell. Um ihn stets flott zu bewegen ist häufigeres Schalten angesagt, vor allem bei voller Beladung, was aber mit dem serienmäßigen Sechsgang-Schaltgetriebe keine Problem bereitet. Allerdings konnte man sich bei Opel scheinbar noch immer nicht dazu durchringen, dem Drehzahlmesser einen roten Bereich zu spendieren. So läuft man dann schon mal Gefahr, ohne Vorwarnung in den Drehzahlbegrenzer zu laufen.

Wer es etwas lockerer angehen lässt, der kann den Vivaro im Schnitt mit 7,7 Litern Diesel im Mix bewegen und so in Verbindung mit dem 90 Liter Tank 1.160 ohne Tankstopp zurücklegen. Stadtverkehr verlangt dem Kastenwagen 8,6 bis 9,2 Liter Diesel ab, außerorts gibt Opel 6,8 bis 7,2 Liter auf 100 km an. Der CO2-Ausstoß beträgt im Mix 199 bis 205 g/km. Ein wenig reduzieren lassen sich diese Werte durch denEinsatz der Easytronic statt der Sechsgang-Schaltung oder dem Einsatz des Diesel-Partikelfilters.

Neben dem elektronisch geregelten ABS hat der Opel Vivaro Kastenwagen einen Full-Size Airbag für den Fahrer an Bord und natürlich die entsprechenden Kopfstützen und Sicherheitsgurte auf allen Plätzen.

Gegen Aufpreis lassen sich dann auch noch ein Beifahrer-Airbag sowie Seiten- und Kopfairbags nachrüsten (215,- bis 745,- Euro, zzgl. MwSt.).

Unser Testwagen mit 2,9 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht kostet als Kastenwagen L1H1 22.535,- Euro ohne und 26.816,65 Euro mit MwSt. Mit Easytronic sind es 23.540,- / 28.012,60 Euro und mit DPF 23.415,- / 27.863,85 Euro, jeweils in Kombination mit dem 2.0 DCTI mit 114 PS. Die serienmäßige Ausstattung umfasst das Nötigste, von der Wegfahrsperre über das ABS, den Fahrerairbag, Außenspiegel mit Doppelsichtfeld, einem Drehzahlmesser, 16 Zoll Stahlfelgen, Servolenkung, 2 Flügeltüren hinten und eine Schiebetür auf der Beifahrerseite.

Für alle anderen, schier unzähligen Modell- und Motor-Varianten schauen Sie doch bitte mal beim Opel-Händler vorbei oder werfen einen Blick in die Preis- und Ausstattungslisten. Die Möglichkeiten der individuellen Aufrüstung reichen von der Anhängerkupplung bis zum Zusatzheizer, interessant sind sicher so Dinge wie Einparkhilfe, Regensensor oder Automatisches Abblendlicht. Oder ein digitaler Fahrtenschreiber für die zuverlässige Erfassung von Lenk- und Ruhezeiten.

Die Inspektionsintervalle sind erfreulich lang, nur alle 30 000 km oder nach jeweils 2 Jahren muss der Vivaro in die Werkstatt, haben Sie den Diesel mit DPF sind es sogar 40.000 km. Diverse Serviceangebote können Ihnen sogar ein kostenloses Ersatzfahrzeug sichern, während Ihr Opel Vivaro in der Werkstatt ist. Die Farbpalette reicht vonWeiß bis Schwarz und beinhaltet neben einigen knalligen Tönen auch diverse Metallic- und Perleffekt-Lackierungen, die mit 530,- Euro plus MwSt. für ein Fahrzeug dieser Größe gar nicht mal zu teuer ausfallen.

Stand: April 2011; Test: Redaktionsbüro Lind; Fotos: Opel

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