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Nissan Micra – Gefällt, fällt aber nicht mehr so auf.

Design ist Geschmacksache, aber eins steht fest: der neue Micra – die mittlerweile vierte Generation und ausschließlich als Fünftürer zu haben – fällt jetzt zwar nicht mehr so auf wie sein Vorgänger, aber dafür kann er einer wesentlich breiteren Masse gefallen. Etwas besser gefallen kann auch die stufenlose Automatik, die zumindest halbwegs die Beschleunigung und den entsprechenden Motorsound mit der ansteigenden Drehzahl unter einen Hut bringt. Nur nicht, wenn man es eilig hat, dann ist auch der 59 kW Motor zäh und schon beim kleinsten Gaspedal-Zurücknehmen fällt die Drehzahl in den Keller um dann bei erneutem Gas mächtig loszuheulen. Das Platzangebot ist okay, der Komfort auch, gleichzeitig kann er flott um die Kurven, nur bei Lenkeingriffen innerhalb einer Kurve schaukelte sich die Karosserie bisweilen auf.

Mit dem Vorgänger hatte sich Nissan weit aus dem Fenster gelehnt, ein ausgefallenes, auffälliges Design geschaffen. Klar, dass dann die Reaktionen weit auseinander gingen, von super bis hässlich reichten. Mit dem nun aktuellen Micra reihen sich die Japaner nahtlos ins Straßenbild ein, und klar könnte man auch jetzt wieder meckern: „Der fällt ja gar nicht auf!“

Wichtig ist aber nur, ob er Ihnen gefällt, ob Sie was mit der rundlichen Form, den übereinander liegenden Kühlluftöffnungen, den beiden kleinen Nebellampen anfangen können. Schön gelöst ist, wie sich der Schwung über die Frontscheibe in den seitlichen Fenstern fortsetzt, gut macht sich dazu der Kontrast des fast ein wenig aufschwingenden Dachverlaufs, der in einem kleinen Dachkantenspoiler endet. Einziger Nachteil dabei: die C-Säule fällt sehr breit aus und nimmt damit etwas von der Rundumsicht weg.

AmHeck zeigt der neue Micra die meiste Eigenständigkeit, steht richtig gut auf dem Asphalt (er wurde etwas länger, minimal breiter und niedriger) und kann besonders mit dem Heckleuchtendesign gefallen. Vor allem die schwarze Lackierung steht dem Kleinen gut zu Gesicht, jetzt nur noch ein dickes Auspuffrohr … Okay, okay, so ein Autotester hat immer was. Zum Beispiel auch, dass die Spaltmasse sehr eng ausgefallen sind, leider aber nicht immer gleichmäßig.

Bleiben wir sachlich und auch gleich am Heck und schauen uns mal den Kofferraum genauer an. Da wäre als erstes mal die Heckklappe, die weit nach unten reicht und somit eine angenehm niedrige Ladekante freigibt und zum anderen schön weit aufschwingt, so dass man sich erst jenseits der 1,85 m Körpergröße mal anstoßen kann, nur bei seitlicher Annäherung können spitze Kanten gefährlich werden. Und die Ladekante ist zumindest zum Teil sehr schön mit einer Aluleiste geschützt, die lackierte Stoßstange dagegen völlig ungeschützt.

Und gleich geht das Meckern weiter, denn nach der Ladekante geht es gut 20 cm tief nach unten, da müssen schwere Kisten ganz schön gewuchtet werden. Dafür erfreut der Micra mit einem gut nutzbaren, glattflächigen Kofferraum, der im Normalzustand 265 Liter fasst. Und es reicht ein Zug, und die Lehne (geteilt 60 zu 40) klappt vor, noch mal ziehen, und der ganze Sitz klappt hoch, schafft so eine recht ebene Ladefläche und bis zu 1.132 Liter Stauvolumen. Nur die Verriegelungen und Halteösen der Sitze können da schon mal stören.

Steigen wir also mal ein, und weil wir schon hinten stehen, auch gleich in die zweite Reihe. Das gelingt bei dem Kleinen ganz prima, erst beim Raus wird es im Fußbereich eng, große Füße bleiben an der B-Säule und der Türverkleidunghängen. Dafür nehmen wir auch als 1,80 m Mensch hinter einem ebenso großen Fahrer noch ganz bequem Platz, haben sogar noch 5 cm Freiraum am Kopf, die Kopfstützen selbst sind dann aber schon zu kurz.

Noch bequemer rein und auch wieder raus geht es in Reihe eins, echte Türgriffe sorgen nicht nur im Notfall für sicheren Griff. Hier empfangen uns dann auch sehr gute Platzverhältnisse, die Sitze sind ausreichend groß und geben sogar ordentlichen Seitenhalt und sind ausreichend straff gepolstert. Die manuelle Sitzverstellung funktioniert problemlos, Komfort verspricht die Armlehne am Fahrersitz.

Lassen wir den Blick schweifen, entdecken wir eine für Kleinwagen oft typische Plastiklandschaft, die aber ganz ansprechend gestaltet ist. Besonders schick macht sich die runde, silbergraue Bedieneinheit für Heizung/Lüftung, auch wenn sie weit unten sitzt und bei Licht am Tag nicht immer optimal erkennbare Symbole aufweist. Gefallen kann auch das schicke Lederlenkrad mit seinen Alu-Applikationen, bis auf den mächtigen Pralltopf vielleicht, und dass die Bedienelemente im Lenkrad nicht beleuchtet sind kommt auch nicht so gut an.

Hinterm Lenkrad blickt man auf modern gestaltete und gut ablesbare Rundinstrumente die gut mit den runden Lüftungsdüsen harmonieren. Eine feine Sache ist das schöne kleine Navi mit Touchscreen, praktisch das Fach im Beifahrersitz. Etwas unpraktisch, weil weit unten im Beifahrerfußraum, ist der USB-Anschluß versteckt und die sehr grobe Blockeinteilung der Tankanzeige ist im Alltag auch nicht gerade praktisch. Richtig begeistert waren wir hingegen von der Tatsache, dass Nissan nicht an der Hupe gespart hat und eine richtig schön-klangvolle spendiert hat, kein sonst übliches Kleinwagengepiepse.

Eigentlich ist derFederungskomfort richtig gut, der Micra bügelt auch Schlaglöcher oder kurze Querrillen sauber weg, aber er kann nicht verhindern, dass diese akustisch laut nach innen poltern. Und auch wenn es auf Kopfsteinpflaster geht sorgen laute Abrollgeräusche für Komforteinbußen, ein Dröhnen war jedoch nicht zu vernehmen.

Ein guter Komfort hat meist den Nachteil, dass sich die Karosserie in schnellen Kurven stark neigt, das trifft auch beim Micra zu. Und es kommt leider noch schlimmer: Muss man z.B. im Kurvenverlauf die Lenkung öffnen und dann den Lenkeinschlag wieder verstärken, dann schaukelt sich die Karosserie ziemlich auf – also nur wenn man recht flott unterwegs ist. Und eigentlich ist der Micra ja vor allem für die Stadt und Ballungsräume entwickelt worden.

Wenn es in enge schnelle Kurven geht, schiebt der Kleine auch ziemlich stark über die Vorderräder, das ESP hält sich aber wacker und hilft dem Fahrer die Spur zu halten. Ansonsten läuft der Nissan gut geradeaus und folgt willig der Lenkung, lässt sich im Alltag problemlos handeln und zeigt sich in der Stadt sehr wendig, mit ein Verdienst seines kleinen Wendekreises von 9,30 Metern und der leichtgängigen Lenkung mit elektrischer Servounterstützung, die noch dazu geschwindigkeitsabhängig arbeitet.

Gut geradeaus oder sagen wir besser der gewählten Spur nach, denn es funktioniert auch in Kurven, geht es mit dem Micra beim Bremsen. Selbst auf wechselndem Untergrund bringt ihn eine Vollbremsung nicht aus der Ruhe. Aus Tempo 100 springt er förmlich in diese, steht aber aus Tempo 100 erst nach rund 40 Metern, mit nur leichtem Reifenquietschen.

Die Bremsanlage besteht neben dem ABS mit elektronischem Bremskraftverstärker und Notbremsassistenten aus innenbelüfteten Scheibenbremsen vornund Trommelbremsen hinten, sie lässt sich gut dosieren und spricht spontan an.

Unser Testwagen war mit dem 1,2 Liter Dreizylinder-Benziner ausgerüstet, der 59 kW/80 PS entwickelt und ein maximales Drehmoment von 110 Nm bei 4.000 U/min bereit stellt. Anders als der kürzlich vorgestellte DIG-S gibt sich dieser Motor – vor allem wegen der stufenlosen Automatik – nicht sonderlich spritzig. Ganze 14,5 Sekunden vergehen, bis aus dem Stand Tempo 100 erreicht sind und die Höchstgeschwindigkeit ist schon bei 161 km/h erreicht.

Ließe sich das alles noch leicht verschmerzen, zeigt das stufenlose CVT-Getriebe vor allem bei flotter Fahrweise seine schlechten Seiten. Dabei kann – im normalen Fahrbetrieb – das fast zeitgleiche Erhöhen der Drehzahl, des Sounds und der Geschwindigkeit ein fast gewohntes Ambiente, der Motor heult nicht wie so oft unmotiviert auf. Doch fährt man eher flott, fällt nicht nur der sehr zähe Durchzug auf, dann wird der Motor auch schnell laut weil sofort die volle Drehzahl erzeugt wird und erst dann und nur langsam die Beschleunigung einsetzt.

Muss man mal kurz vom Gas – und sei es auch nur ganz wenig – fällt die Drehzahl sofort in den Keller, nur um dann, nach dem erneuten Gasgeben – wieder gewaltig hochzuschnellen – sehr unharmonisch das Ganze. Und besonders spritsparend ist das CVT auch nicht, im Vergleich zum normalen Fünfgang-Handschalter genehmigt es sich rund einen halben Liter mehr, wir haben bei normalem Tempo im Schnitt 5,4 Liter Super verbraucht, bei flotter Gangart können das aber auch locker mal acht Liter werden.

Also am besten gleich langsam Cruisen, denn beim Bummeln haben wir es auf 4,3 Liter im Schnitt gebracht. Aber auch beim Langsamfahren zeigt der Micra so seine Macken, mit ganz wenig Gas, so bei 30-40 km/htreten deutliche Vibrationen auf und der Motor wirkt so, als würde er jeden Moment absterben.

Euro 5 schafft der 1.2 CVT auch, die CO2-Emissionen liegen mit 125 g/km aber um 10 g höher als beim Handschalter. Nachdem der auch noch 1.200,- Euro preiswerter ist, muss einem das „schaltfaule“ Fahren schon ganz schön was wert sein.

Neben den sechs Airbags sind natürlich für alle Sitzplätze Dreipunktgurte und Kopfstützen an Bord, dazu gesellt sich eine höhenverstellbare Lenksäule, automatisch verriegelnde Türen nach dem Losfahren, ESP sowie ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und dem Nissan Bremsassistent.

Haben Sie sich für den Nissan Micra 1.2 CVT entschieden, haben Sie in Sachen Ausstattungsversionen keine Wahl mehr, das Fahrzeug ist nur als ACENTA für 14.440,- Euro zu haben. Die serienmäßige Ausstattung ist dann aber echt nicht schlecht, u.a. sind der höhenverstellbare Fahrersitz inklusive Armlehne, ein Lederlenkrad sowie -schaltknauf, eine Klimaautomatik, Tempomat, elektrische Fensterheber vorn, elektrisch einstellbare Außenspiegel, Zentralverriegelung, das Entertainment-System inklusive Radio/CD-Kombination, AUX-Eingang, vier Lautsprecher und eine Bluetooth-Schnittstelle an Bord.

Und auch die Aufpreisliste bleibt recht übersichtlich, neben der Metallic-Lackierung für 450,- Euro können Sie noch für 500,- Euro das Style-Paket mit Nebellampen und Alufelgen oder für ebenfalls 500,- Euro Nissan Connect ordern, mit dem Sie einen Farbmonitor als Touchscreen, eine Radio-CD-Kombination mit sechs Lautsprechern und das Navigationssystem mit Katenmaterial für Westeuropa in acht Sprachen bekommen.

Kleines Highlight in der Aufpreisliste ist das Parkguide PSM, das Ihnen hilft, die passende Parklücke zu finden. Durch setzen desBlinkers geben Sie die gewünschte Parkseite an und sobald Sie unter 25 km/h fahren, sucht das System die passende Lücke. Es unterscheidet dabei sogar nach Größe und gibt an „okay“, „schwierig“ oder „nicht ratsam“.

Stand: Dezember 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

Werbung: Automarkt auto24.de

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