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Nissan Juke – Mut zum Anderssein.

Ja wie sieht denn der aus? Cool! Frech! Frisch! Auffällig! Eigenständig! Genau so was wollen die Leute doch immer. Nur meist entscheiden sie sich beim Kauf dann doch wieder für ein 08/15-Modell. Doch Nissan verdient unsere Anerkennung für den Mut zum Juke, und das kleine SUV hat noch weit mehr zu bieten als nur eine pfiffige Optik. Im Falle unseres Testwagens zum Beispiel stramme 190 PS, die den Kleinen in 8,4 Sekunden auf Hundert sprinten und 200 km/h schnell werden lassen. Ohne Allrad und CVT-Automatik noch schneller. Aber auch meist mit hohem Verbrauch. Dazu eine tolle Traktion mit Allradantrieb, ein sportliches Fahrwerk und standfeste Bremsen. Und innen? Ein bunter Materialmix, frische Optik, Ledersitze und rundum eine feine Ausstattung, allerdings auch recht wenig Kofferraum.

Sag mir was ich bin – und ich fahre Dich wohin Du willst. Es ist mittlerweile in Mode gekommen, ein Fahrzeug nicht in eine bestimmte Kategorie zu entwickeln, sondern aus einem Mix von vielen eine eigene Nische zu schaffen. Schon damit liegt der Nissan Juke voll im Trend. Er mixt die Linien eines Coupés mit denen eines SUV und sorgt für einen absoluten Hingucker.

Dass dabei der Betrachter bisweilen ins Grübeln kommt, ist gewollt. So verrät erst der zweite Blick, dass die großen runden Nebelscheinwerfer gar keine sind, sondern das eigentliche Fahrlicht, das der Betrachter eher in den schmalen Schlitzen darüber vermutet hätte. Die echten Nebellampen stecken tief unten in der als Unterfahrschutz getarnten Schürze, die mit ihren runden Öffnungen die Scheinwerferform wieder aufnimmt. Da hatten auch wir uns bei der Pressevorstellung seinerzeit täuschen lassen.

Dazwischen ein mächtiger Grill, der sofort die Zugehörigkeit zu den SUVs der Nissan-Familiesignalisiert. Die Gesamtheit ergibt auf jeden Fall ein unverwechselbares Gesicht, das sich wohltuend aus der Masse abhebt. Wie die „dicken Backen“, die der Juke über seine Räder stülpt. Damit so viel feines Blech geschützt ist, läuft ein Kunststoffband um die Radläufe und unterstreicht zugleich den Crossover-Charakter.

Und gleichzeitig lassen die mächtigen Kotflügel den Juke bullig auf der Straße kauern, die „versteckten“ hinteren Türgriffe heben die Coupé-Optik des stark abfallenden Daches noch mal hervor, unterstützt von der ansteigenden Gürtellinie ist der Juke schon im Stand richtig schnell.

Der sportliche Schwung der C-Säule setzt sich in den bumerangähnlichen Rückleuchten fort, die das bullig-kompakte Heck einläuten, an dem auch wieder ein angedeuteter Unterfahrschutz zumindest mal den Eindruck vermittelt, der Juke könne auch ins Gelände, wenn man nur wollte.

Schicke Farben, Dachaufkleber und Dekor-Sets, dicke Auspuffblenden du noch so einiges mehr lassen zudem Spielraum für die noch individuellere Aufrüstung. Und da der Juke auch innen und sogar unterm Blech so einiges zu bieten hat, sollten ihm eigentlich gute Verkaufszahlen beschieden sein, schreien doch die Käufer immer nach Autos, die dem Einheitsbrei entfleuchen – nur leider kaufen sie dann doch meist „konventionell“.

Also steigen wir mal ein, zumindest vorne gelingt das wie auch der Ausstieg sehr bequem. Dann nehmen wir auf großen, straff gepolsterten und gut ausgeformten Ledersitzen Platz, die ein sehr feines Unterkommen garantieren, allerdings durch das Leder auch ein wenig rutschig sind und sobald die Tür geschlossen ist, erreicht man die Bedienelemente auch nicht mehr so gut, und statt der Hebel für die Lehne würden wir uns ein Drehrad wünschen. Auch eine Lordosenstütze wäre nicht schlecht. Die gebotenenPlatzverhältnisse in Reihe sind sehr gut, die Kopffreiheit ist bei einem 1,80 Meter Mensch richtig üppig.

Das sieht in der zweiten Reihe anders aus, zwar kann man auch mit 1,80 Metern noch hinter einem ebenso großen Fahrer sitzen, aber der Kopf ist nur noch ganz wenig vom Dach entfernt. Und auch die Kopfstützen reichen dann nicht mehr aus und überhaupt sitzen auch hinten nur zwei Erwachsene wirklich bequem. Und hier ist nicht nur der Einstieg durch die schmalen Türen schon recht beengt, auch beim Raus wird es im Fußbereich schnell eng. In Anbetracht der sportlichen Gene des Juke lässt sch das aber durchaus verschmerzen.

Klappt man die Lehnen der Rücksitze vor, entsteht eine fast ebene Ladefläche und der gebotene Stauraum wächst von mageren 251 auf bis zu 830 Liter an. Die Allradversion nimmt dem Kofferraum allerdings weitere 44 Liter. Beim wieder Hochklappen der Rückenlehnen verklemmt sich gern mal der Gurt. Der Laderaum ist durch eine weit öffnende Heckklappe über eine recht hohe Ladekante zu erreichen, hier lassen die SUV-Gene grüßen. Die Stoßstange ist gegen Ladekratzer ziemlich ungeschützt, unter dem Boden steckt nur ein Notrad und weitere Fächer für allerlei Kleinkram.

Kommen wir also wieder nach vorne und lassen den Blick schweifen. Dabei fällt erst mal die ultra breite C-Säule und die insgesamt hohe Seitenlinie auf, die zusammen den Wagen doch ein wenig unübersichtlich machen, nur gut dass sich der Juke auch über die Außenspiegel problemlos einparken lässt, wenn man es denn kann. Ansonsten weiß man schnell die Rückfahrkamera zu schätzen.

Aber eigentlich wollten wir uns ja im Inneren umsehen. Hier fällt sofort der bunte Materialmix auf, die zahlreichen Aluapplikationen, die Mittelkonsole in glänzendem Schwarz, das schicke kleine und angenehm griffige Lederlenkrad,das aber leider nur in der Höhe verstellbar ist, die modern und gut ablesbar gezeichneten Rundinstrumente, die frische Bedieneinheit für Heizung, Lüftung und Klima, der angenehm weit oben platzierte Monitor … und vor allem die schicke orange-rote Beleuchtung, die kaum etwas auslässt. Einzig die Schalter für die Sitzheizung wirken da ein wenig altbacken.

Die sportliche Optik des Juke gibt eigentlich die Richtung für die Federung schon zwingend vor, also verwundert die sportlich straffe Fahrwerksauslegung keineswegs, zumal der Japaner noch ausreichend Komfort bereit hält, um wenn es mal nur zum Cruisen raus geht, keinen Grund zum Klagen zu geben. Je schlechter die Straße wird, umso mehr fällt aber mangelnder Komfort auf.

Vor allem durch die Kombination mit der angenehm direkten und sehr gefühlvollen Lenkung fühlt man sich im Juke richtig wohl. Ob man im Stadtgewimmel leichtgängig das Volant bedient oder bei flotter Fahrt das schön Straffe der Lenkung genießt und vor allem die direkten Reaktionen des Fahrzeugs zu schätzen weiß – stets vermittelt die Servolenkung ein gutes Gefühl für Fahrzeug und Straße. Hinzu kommt ein guter Geradeauslauf. Fährt man nur mit Frontantrieb, kann vor allem beim starken Beschleunigen aus Kurven heraus die Power stark an den Antriebsrädern zerren.

Verschiedene Modi des Dynamic Control System sorgen dafür, dass sich die Lenkung perfekt anpasst, zusätzlich wird damit auch die Gasannahme verändert. Der All-Mode-Allradantrieb sorgt stets dafür, dass der Juke mit einer sehr feinen Traktion begeistert und fast neutral auch schnelle Kurven durcheilt. Starke Seitenneigungen sind dem Nissan dabei ebenso fremd wie durchdrehende Räder. Blitzschnell wird die Kraft nicht nur zwischen Vorder- und Hinterachse sonder auch zwischen den Hinterrädern verteilt.

ABS,elektronische Bremskraftverteilung, Bremsassistent, Scheibenbremsen vorn (innenbelüftet) und hinten sorgen für gute Verzögerungen, aus Tempo 100 steht der Crossover nach 38 Metern. Dabei arbeitet die Bremse zwar laut, hält den Wagen aber sehr stabil, auch bei wechselndem Untergrund und schlechten Straßen. Ansprechverhalten und Dosierbarkeit sind prima.

Wer erst mal losfährt, bevor er einen Blick ins technische Datenblatt wirft, stellt fest, dass der Juke nur schwer loskommt, dafür ist unter anderem die stufenlose Automatik verantwortlich, auf die wir gerne verzichtet hätten. Sie nimmt dem Fahrzeug jede Menge Schwung. Und immerhin hatte unser Testwagen satte 190 PS / 140 kW unter der Haube. Die Topmotorisierung holt aus seinen 1,6 Litern Hubraum, verteilt auf vier Zylinder, zusätzlich 240 Nm Drehmoment, arbeitet mit einer Benzindirekteinspritzung und Turboaufladung. Doch die Stufenlose macht ihn ziemlich müde und vor allem laut. Drei Modi (Normal, Sport und Eco) können gewählt werden.

Da kommt man schnell dazu, lieber selbst zu schalten und die Elektronik lässt dem Fahrer hier freie Hand, schaltet nur dann selbsttätig zurück, wenn man anhält. Dazu wurden sechs Vorwärtsgänge definiert, die sich ausgesprochen schnell und doch sanft ansteuern lassen, und damit geht es dann richtig ab. Jetzt hat der Juke genau den Biss, den man sich von 190 PS erwartet, es geht in 8,4 Sekunden auf Tempo 100 und weiter bis 200 Spitze, können Sie auf den Allrad-Antrieb verzichten, sind Sie 0,4 Sekunden früher auf Hundert und können bis zu 215 km/h schnell fahren. Bei Vollgas wird der Juke bis hin zu den starken Windgeräuschen aber laut.

Unser Allradler stößt 175 g/km CO2 im Mix aus, und er soll laut Nissan mit 7,6 Litern im Mix auskommen. Wir haben unseren Testwagen in unterschiedlichen Modi bewegt, sozwischen 80 und 90 km/h fließen nur 5,6 Liter aus dem Tank, bei 100 bis 120 km/h sind es 8,5 Liter und bei 130 bis 140 sind es schon 10,6 Liter auf 100 km. Und wenn man dem Juke so richtig die Sporen gibt, dann … hier genießt der Kavalier und schwiegt. Aber wie man weiß kommt Kavalier von Kawallo, dem Ross und in unserem Juke gingen schließlich 190 Pferdchen ans Werk. Vielleicht ist aber auch der offene Motorraum und der zerklüftete Unterboden mit dafür verantwortlich.

Fahrer- und Beifahrer-Airbag, Seiten- und Windowbags, dazu Dreipunktgurte auf allen Plätzen, vorne höhenverstellbar und mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern sind ebenso Serie wie höhenverstellbare Kopfstützen, vorne sogar aktiv.

Dazu gibt es dann noch ISOFIX und das serienmäßige ESP, dass sich im Alltag nicht immer fein zurückhält und bisweilen recht früh einsetzt. In Sachen Licht gäbe es aber sicher noch Verbesserungsmöglichkeiten, Xenonlicht ist ebenso wenig im Angebot wie Kurven- oder gar Tagfahrlicht.

Unser Testwagen war der Höhepunkt des Nissan Juke-Angebotes, und so kostet der Juke Tekna Benziner 1.6 DIG-T All-Mode 4x4i 25.140,- Euro inkl. dem M-CVT Getriebe. Wer selber schaltet spart 3.000 Euro und nur mit Frontantrieb kostet der Juke sogar nur 20.990,- Euro.

Und die Serienausstattung im Tekna kann sich echt sehen lassen. Hier sind eine Rückfahrkamera, das schlüssellose Zugangs- und Startsystem Intelligent Key samt Start/Stopp-Knopf, elektrisch einklappbare Außenspiegel, getöntes Glas, eine Fahrtlicht-Automatik, ein Regensensor, eine Lederausstattung sowie 17 Zoll große Leichtmetallräder im Preis enthalten.

Elektrisch einstellbare Außenspiegel, Bordcomputer, elektrische Fensterheber, Klimaautomatik, CD-Radio mit Bluetooth Schnittstelle, iPod/MP3-Anschluss und USB-Port, Lederlenkrad,Geschwindigkeitsregelanlage mit Speed-Limiter-Funktion, Nebelscheinwerfer und noch so einiges mehr gehören ebenfalls serienmäßig mit dazu. Da bleibt kaum noch was für die Aufpreisliste übrig. Aber schauen Sie ruhig mal rein.

Stand: März 2012; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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