// Fahrbericht / Nissan Evalia 1.5 dCi 110

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Nissan Evalia 1.5 dCi 110

Der Nissan Evalia ist ein selten gesehener Gast auf unseren Straßen, dabei sieht er ganz schön praktisch und nützlich aus. Aber leider bietet er innen doch weniger nutzbaren Raum – vor allem fürs Gepäck – als es die Optik vermuten lassen würde, auch wenn er mit nur 4,40 m Länge eher kompakt ausfällt. Das liegt vor allem an der eingeschränkten Flexibilität, die Sitze der Reihen zwei und drei lassen sich zwar hochklappen, stehen dann aber immer noch sehr im Weg und der Ausbau ist eher mühsam. Schade, denn die Heckklappe öffnet weit mit niedriger Ladekante und auch das Fahrwerk würde schwere Ladung verkraften. Besser sieht es beim Personentransport aus, vorne und in Reihe zwei sitzt man prima, in Reihe drei wird es ab 1,80 am Knie eng, der Kopfraum ist stets mehr als üppig. Er fährt sich wie ein normaler Pkw, nur das Lenkrad steht zu flach, da findet nicht jeder eine optimale Sitzposition. Unser Testwagen startet mit dem 1,5 Liter dCi mit 110 PS bei 22.290,- Euro.
Er soll sich besonders um die Bedürfnisse junger Familien mit Kindern kümmern, soll deren Wunsch nach einem bezahlbaren Auto erfüllen. Das schafft er garantiert, etwas mehr Style hätte er aber schon haben dürfen. Im Falle des Evalia hat man sich auf das notwendigste beschränkt, ein ganz klein wenig Chrom, in Wagenfarbe lackierte Außenspiegel, im hinteren Bereich abgedunkelte Scheiben – das muss genügen.

In der Seitenlinie nimmt eine markante Sicke, die geschickt die Schiebetürführung kaschiert, die gerundeten Ecken der Seitenfenster wieder auf und am Heck sorgen einzig die in leuchtendem Rot hervorstechenden Rückleuchten für ein bisschen Auffälligkeit, neben den riesengroßen beiden Nissan-Logos hinten wie vorne. Seine Spaltmaße sind zwar am ganzen Auto unterschiedlich, aber in sich recht exakt.

Modischer Schnickschnack sucht man vergebens, außer der schrägen Front stehen die Seiten und Heckwände steil und glattflächig, auf den ersten Blick sind die praktischen hinteren Schiebetüren zu erkennen, wie auch die große Heckklappe die ganz weit nach unten reicht – ein besonders praktisches Auto also?

Ja und nein, denn Licht und Schatten liegen nah beieinander. Die Heckklappe reicht nicht nur weit nach unten bis zu einer niedrigen und auch gut geschützten Ladekante, sieöffnet auch schön weit, da kommt man auch mit 1,95 m noch bequem drunter. Die Stoßstange ist zwar ungeschützt, versteckt sich aber so, dass sie kaum Kratzer abbekommen sollte.

Blickt man dann in den Laderaum, ist man erst mal enttäuscht, denn mit sieben aufgeklappten Sitzen ist der Stauraum eher klein, na ja, bis unters Dach gehen dann zwar 900 Liter rein um genau zu sein, aber ohne Trennnetz will das kaum einer rein laden. Da fällt sofort die große Ausbuchtung hinten rechts auf, die nimmt auch noch mal Platz weg, links sind zwei Fächer in der Seitenwand. Um den positiven Eindruck abzurunden sei noch gesagt, dass ein leichter Zug an der offenen Heckklappe genügt und sie fällt praktisch von allein ins Schloss zurück.

Dass ein Auto bei sieben ausgeklappten Sitze wenig Kofferraum hat ist normal, wichtig ist, was draus wird, wenn man die Sitze drei bis sieben einfährt. Und genau hier leistet sich der Evalia seinen größten Schnitzer. Die Sitze ganz hinten in der dritten Reihe werden zur Seite hin hochgeklappt und stehen dann dort immer noch echt im Weg rum. Nicht viel besser werden die Sitze davor, also die Reihe zwei, nach vorne geklappt und auch hier bleiben sie ziemlich störend stehen. Das ist nicht ideal. Kompletter Ausbau? Nur mit Werkzeug und viel Aufwand.

Obwohl man nach dem Umlegen eine große Fläche hätte, ist der tatsächlich nutzbare Raum eingeschränkt. Für die zweite Reihe sind jeweils zwei Handgriffe nötig und eine Sitzstütze muss dann noch weggeklappt werden und die Sitze der dritten Reihe müssen mit einer Schlaufe am Dach fixiert werden. Nissan gibt den Stauraum bei weggeklappten Sitzen mit 3,1 m³ an, ist durchaus beeindruckend.

Also lassen wir die 7 Sitze mal Passagiere aufnehmen. Auch nur um auf die Sitze der Reihe drei zu kommen ist der Aufwand zum Vorklappen der Sitze in Reihe zwei schon ganz schön mühsam. Dadurch dass hier aber viel Freiraum geschaffen wird, ist der Weg nach ganz hinten sehr bequem, durch die leicht zu öffnenden Schiebetüren sowieso, und das auch in engen Parklücken.

Als 1,80 m Mensch sitzt man in Reihe drei nicht ganz so bequem. Die Knie stoßen dann in die festen und mit Eisen durchzogenen Rücksitzlehnen. Die Kopfstützen reichen bis 1,85 m locker aus, bei der Fahrzeugsilhouette braucht man wohl kaum betonen, das der zur Verfügung stehende Kopfraumriesig ist – auf allen Plätzen.

Richtig bequem sitzt man in der zweiten Reihe, und hier hat man auch in alle Richtungen richtig viel Platz. Fast unverständlich dass hier die Kopfstützen für große Mitfahrer nicht ausreichen. Dafür sind aber in den Sitzlehnen der Vordersitze Taschen und aufklappbare Tische eingearbeitet.

So ein Testfahrer sitzt natürlich am liebsten ganz vorne, also nichts wie rein. Der Ein- wie auch der Ausstieg gelingen einfach, die hohe Sitzposition und die weit öffnenden Türen helfen dabei. Die Frage nach dem Platz stellt sich hier vorne erst gar nicht, die Sitze sind groß dimensioniert und straff gepolstert, die Polster mit dem blauen Muster bringen wenigsten ein bisschen Farbe in den ansonsten eher grauen Innenraum. Die Lehnenverstellung geschieht mittels etwas grobrastrigem Hebel, um überhaupt ans sehr flach stehende und nur einfach verstellbare Lenkrad zu kommen sitzt man als großer Fahrer sehr steil.

Lassen wir den Blick schweifen, so fällt als erstes die große Aluapplikation in der Mittelkonsole auf, und auch die Verzierung im Lenkrad macht sich sehr gut, das war’s dann aber auch schon, der Rest gibt sich ziemlich Grau in Grau und zudem wurde reichlich Hartplastik verwendet. Über dem offenen Handschuhfach steckt noch ein kleines aufklappbares Fach, rechts und links sind zwei Getränkehalter eingebaut und hier und da gibt es auch noch ein paar kleine Ablagen. Wohl eher für den Lieferverkehr ist oben am Armaturenbrett eine Aufnahme für einen DIN A4-Block und ein Haken nimmt die Handtasche auf, die darf sogar drei Kilo wiegen.

In unserem Testwagen war – ganz oben im Armaturenbrett, ein Navi integriert, dessen Bildschirm war aber recht klein, vor allem weil er auch als Touchscreen fungieren soll, und da man während der Fahrt doch immer mal wieder von Bodenwellen bewegt wird, sollte hier nicht mal der Beifahrer versuchen Einstellungen während der Fahrt vorzunehmen, man tippt zu oft daneben. Ansonsten ist alles einfach zu handeln, rein intuitiv, und auch die Routenführung ist in Ordnung.

Leider lässt sich das Navi von Verkehrsdurchsagen beeinflussen, was im Prinzip ja ein gute Sache ist. Im diesem Falle wurden die ständigen, bisweilen im Minutenabstand heranrollenden Fahrsteckenabweichungsvorschläge ziemlich lästig. Noch mehr gestört hat mich die Tatsache, dass man dieZielführung nach einem Autobahnstopp extra wieder aktivieren musste.

Unter dem Bildschirm war gut erreichbar die Heizungsregelung montiert, ihre Bedienung wirft ebenfalls keine Fragen auf. Doch eine: warum wird eigentlich immer wenn man Fußraum und Frontscheibe bestrahlen möchte, zwangsläufig auch immer die Klimaanlage aktiviert – das haben aber viele.

Die Sitzheizungsschalter darunter muten ein wenig antiquiert an, die Schalter für die elektrischen Fensterheber sind vorne einfach dort aufgesetzt, wo sonst die Fensterkurbel sitzt, das ist bei einem solchen Fahrzeug ganz okay.

Unser Testwagen hatte sogar eine Schaltempfehlungsanzeige, die arbeitet aber nur rauf und der Pfeil ist recht klein, den kann man im Display neben dem Tacho schon mal übersehen. Dort ist auch der Drehzahlmesser digital dargestellt, aber eher ein bisschen mickrig.
Die Schalter für ESP und die Spiegelverstellung stehen weit unten, ESP ist zudem nicht beleuchtet, wenn man das zum ersten mal im Dunkeln sucht, greift man ins Leere. Der Scheibenwischer verfügt über einen Regensensor, da kann man auch unterschiedliche Intensitäten oder besser Empfindlichkeiten einstellen.

Der Fahrzeugschlüssel kann in der Tasche bleiben, auch wenn man sich wieder vom Auto entfernt, dann verriegelt sich das Fahrzeug auch wieder automatisch.

Er soll ein Fahrzeug für die Familie sein, also ist es wichtig, dass er einen guten Komfort bietet. Gleichzeitig soll er aber auch als Lastesel was taugen, da braucht es dann ein etwas strafferes Fahrwerk, damit er auch beladen nicht gleich in die Knie geht.

Soweit die Theorie, und in der Praxis kann der Evalia mit einem angenehm straffen Fahrwerk punkten und doch auch noch einen guten Komfort bieten, und das obwohl hinten eine Starrachse mit Blattfedern zum Einsatz kommt. Aufgrund der etwas erhöhten Sitzposition und des hohen Aufbaus kommen einem die Karosserieneigungen in Kurven noch etwas heftiger vor, aber der Wagen folgt insgesamt willig, wenn auch leicht verzögert, der recht straff arbeitenden Lenkung und ging sogar im Slalomtest gut um die Pylonen.

Dabei schiebt der Evalia fronttrieblertypisch über die Vorderräder, das ESP greift aber deutlich spürbar ein um ihn auf Kurs in die vorgegebene Richtung zu bringen. Beladen ändert sich daran nur wenig. Nur grobe Straßenschäden poltern etwas nachinnen.

Das Ende der Front ist nicht einsehbar, aber nach kurzer Eingewöhnung kann man den Evalia bis auf wenige Zentimeter genau rangieren. Denn auch nach hinten ist er durchaus übersichtlich, die D-Säule ist zwar etwas breit ausgefallen aber sonst sorgen große Fensterflächen für eine gute Rundum- und Übersicht. Und nicht zu vergessen, der Evalia hat auch eine Rückfahrkamera und nebenbei auch noch große Außensiegel an Bord, zudem sitzt man schön hoch.

Und wie seiht es beim Kapitel Bremsen aus? Mit ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent sowie Scheibenbremsen vorn und Trommelbremsen hinten ist man im Alltag gut bedient. Die Bremse lässt sich gut dosieren und spricht schnell an, aber bei einer Vollbremsung aus Tempo 100 steht er erst nach rund 42 Metern, nach dem zehnten Versuch waren es gut drei Meter mehr.

Beim Starten muss wie das aus Sicherheitsgründen heute fast überall üblich ist, die Kupplung getreten werden – somit ist unbeabsichtigtes Losfahren ausgeschlossen. Und dann muss natürlich noch ein Knopf gedrückt werden, so kann dann auch nicht so einfach das Kind auf dem Beifahrersitz ins Geschehen eingreifen. Das muss auch beim Ausmachen so sein, und das ist typisch bei Nissan, wenn man sich daran gewöhnt hat ist es kein Problem und flutscht nur so – der Schlüssel kann ja wie gesagt in der Tasche bleiben.

Also gestartet und mal die Ohren gespitzt was da unter der Haube werkelt. Der Diesel, das hört man sofort, springt nicht nur etwas kernig an, er läuft dann auch im normalen Fahrbetrieb eigentlich immer ziemlich laut und auch recht kernig.

Der 1,5 Liter dCi mit 81 kW / 110 PS bei 4.000 U/min entwickelt bei 1.750 Touren sein maximales Drehmoment von 240 Nm. Dazu gesellt sich eine Turboaufladung die man auch schon mal pfeifen hört.

Seine Kraft zerrt ganz ordentlich an den Vorderrädern, vor allem wenn man auf nasser Fahrbahn etwas forscher anfährt, dann hat das serienmäßige ESP mit Traktionskontrolle alle Hände voll zu tun. Und man fährt öfter mal flott, denn der Evalia 1.5 dCi gibt sich recht spritzig. So geht es dann wenn gewünscht in 12,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und weiter bis zur Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Oben rum ist natürlich nicht mehr viel zu erwarten und dann ist auch häufiger mal Zurückschalten angesagt.

Das macht abermit dem serienmäßigen Sechsgang-Schaltgetriebe echt Spaß. Nicht nur dass der Schalthebel in guter Reichweite liegt – schließlich ist er direkt am Armaturenbrett angeflanscht – der Knauf liegt auch gut in der Hand.

Und die Schaltung funktioniert auf kurzen Wegen ganz exakt, ein kleiner Holperer über die Leerlaufstellung stört nicht. Und für das Fahrzeug sind die Schaltwege sogar richtig schön kurz. Die Abstimmung ist gelungen, die Ganganschlüsse passen.

Der Evalia hat kein Start-Stopp-System, sicher mit ein Grund, warum die Verbräuche nicht noch niedriger sind. So haben wir im alltäglichen Hin und Her mit häufig auch mal kürzeren Strecken 7,3 Liter Diesel auf 100 km verbraucht, werden die Strecken länger und der Stadtanteil weniger, dann sind wir mit 6,9 Litern hingekommen. Nissan gibt 6,3 Liter innerorts, 5,0 Liter außerorts und 5,5 Liter im Mix an.

Allzu hohe Erwartungen sollte man hier nicht stellen, neben den obligatorischen Gurten und Kopfstützen auf allen Plätzen kommen nur die Front-Passagiere in den Genuss von Front- und Seitenairbags (auch für den Kopf). Alle weiteren Luftsäcke sind auch nicht gegen Aufpreis erhältlich.

ISOFIX ist auf den beiden Außensitzen der zweiten Reihe vorhanden, der Beifahrer-Airbag ist deaktivierbar, sodass auch hier ein Kindersitz montiert werden kann.

Der Nissan Evalia mit dem 1.5 dCi 110 Diesel startet bei 22.290,- Euro, mit Nissan Connect mit dem Navigationssystem, Radio-CD und u.a. Tempomat sind es 700,- Euro mehr. Die zusätzlichen zwei Einzelsitze in Reihe drei (mit separater Lüftungsregulierung) kosten nochmals 1.150,- Euro, die Metallic-Lackierung 450,- Euro zusätzlich.

Aber schon im Grundpreis ist eine ganze Menge drin, so auch die Alufelgen, Licht- und Regensensor, Klimaanlage, Servolenkung, Sechsgang-Schaltgetriebe und ESP. Die Wartungsintervalle sind mit jährlich oder 30.000 km angegeben, die Garantie beträgt drei Jahre bzw. 100.000 km.

Der Nissan Evalia mit dem 1.5 dCi 110 Diesel startet bei 22.290,- Euro, mit Nissan Connect mit dem Navigationssystem, Radio-CD und u.a. Tempomat sind es 700,- Euro mehr. Die zusätzlichen zwei Einzelsitze in Reihe drei (mit separater Lüftungsregulierung) kosten nochmals 1.150,- Euro, die Metallic-Lackierung 450,- Euro zusätzlich.

Aber schon im Grundpreis ist eine ganze Menge drin, so auch dieAlufelgen, Licht- und Regensensor, Klimaanlage, Servolenkung, Sechsgang-Schaltgetriebe und ESP. Die Wartungsintervalle sind mit jährlich oder 30.000 km angegeben, die Garantie beträgt drei Jahre bzw. 100.000 km.

Stand: März 2013; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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