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Nissan Cube – Ein früher Nachruf

Während der Nissan Cube in seinem Heimatland Japan bereits in seiner dritten Generation wahren Kultcharakter genießt und sich nach wie vor größter Beliebtheit erfreut, ist das Fahrzeug in Deutschland bzw. Europa dieser Tage leider eingestellt worden. Wenn auch von Anfang an klar war, dass das extravagante Crossover-Modell nur eine kleine Nische bedienen und keine großen Verkaufszahlen einfahren würde, war es letzten Endes doch zu wenig. Denn dass die Einstellung nur auf den starken Yen und den somit teuren Export zurück zu führen ist, können wir nicht so ganz glauben. Dabei war der Cube endlich mal was anderes, hob sich aus der Masse ab …

Doch vielleicht war es gerade diese Mischung aus extrovertiertem Design und flexiblem Familienfahrzeug, die beim Kunden nicht ankam? Denn schließlich ist Nissans „Würfel“ (Cube übersetzt) nicht der Einzigste der diesem Schicksal zum Opfer fällt. Ob es der Daihatsu Materia, der PT Cruiser oder Honda FR-V ist… einzig der Kia Soul konnte sich bisher als urbanes Crossover-Modell in dieser Klasse durchsetzen.

Gefällt oder gefällt nicht, diese Frage klärt sich meist schnell. Im Falle des Cubemüssen wir zugeben, dass uns das Designkonzept mit der Zeit immer mehr zugesagt hat. Im Kern ein Würfel aber dennoch ohne Ecken und Kanten, aber dafür mit vielen Rundungen.

Doch der Nissan bietet weit mehr als das und so präsentiert sich gerade die asymmetrische Heckpartie als absoluter Hingucker. Es hat den Anschein, dass Seiten- und Rückfenster auf der Beifahrerseite verschmelzen und auf eine D-Säule verzichtet wurde.

Doch konnten die Designer diesen Ideenreichtum auch im Innenraum entfalten? Wellenformen und konzentrische Kreise sowohl an den Bedienelementen, der Instrumenteneinheit, den Getränkehaltern und Lautsprechern sowie am Dachhimmel in Form des großen Panorama-Glasdaches u.a. mit einer Shoji-Jalousie, die an japanisches Reis-Papier erinnert – vermitteln japanischen Flair und zeigen einen guten Ansatz. Nichts desto trotz fehlte uns im Gesamten die gewisse Harmonie und Zusammengehörigkeit.

Des weiteren lies die vollständig in Hartplastik gehüllte Landschaft Farbe und die nötige Wertigkeit vermissen. An dieser mangelte es auch bei der Verarbeitung, blickten wir z.B. unter die Ablagematte „Fluffy“ aus langflorigem Teppichstoff mittig auf dem Armaturenbrett, entdeckten wir doppelseitigesKlebeband dass zur Befestigung des Teppichs diente, was nicht nur eine sehr einfache sondern vor allen Dingen eine sehr billige Lösung darstellte.

Um dem gewünschten Loungecharakter zu entsprechen, hat sich Nissan bewusst für ein weiches und sofaähnliches Gestühl entschieden. Was sich nicht nur für Rückengeschädigte auf Langstrecken als keine all zu gute Wahl erweist. Und auch in den Kurven sah es nicht viel besser aus und der fehlende Seitenhalt verlangte hier einen festen Griff am Lenkrad.

So spaltet nicht nur die äußere Optik die Geschmäcker, auch das Innenraumkonzept sagte nicht jedem zu. Über jeden Zweifel erhaben ist jedoch das großzügige Raumgefühl sowie das enorme Platzangebot. Dank einer um bis zu 240 mm längsverschiebbaren Rückbank bietet das Crossover-Modell eine überwältigende Beinfreiheit sowie einen variablen Stauraum von 260 über 410 Liter bis hin zu maximal 1.563 Liter. Die beim Umlegen der individuell verstellbaren Lehnen entstehende störende Stufe müssen wir dann jedoch ebenso in Kauf nehmen, wie die recht hohe Ladekante und die darauf folgende tiefe Stufe. Die seitlich auf der Fahrerseite angeschlagene Hecktür ermöglicht erfreulicherweise ein optimales Be- undEntladen auch vom Gehweg aus.

Was die Sitze bereits andeuteten, bestätigte das Fahrwerk. Hundert Prozent auf Komfort ausgelegt, sollte man es in jedem Fall ruhig angehen lassen, denn nur dann trat dieses nicht negativ in Erscheinung. Sobald wir auch nur ansatzweise eine flottere Gangart an den Tag legen, bereuten wir es sogleich wieder. Nicht nur, dass wir uns auf den Sitzen kaum halten konnten, schaukelte sich das Fahrzeug unangenehm auf, schob stark über die Vorderräder und die recht indirekte Lenkung vermittelte zudem kein richtiges Gefühl für die Fahrbahn. Im Grenzbereich hielt das serienmäßige elektronische ESP den Wagen jedoch gut im Zaum.

Ohnehin sorgten die beiden zur Wahl stehenden Motoren, ob nun der 1,6 Liter Benziner mit 81 kW / 110 PS oder der gleich starke 1,5- Liter-Turbodiesel nicht gerade für Himmelsstürme. Kombiniert man dann diese auch noch mit dem stufenlosen X-tronic-CVT-Getriebe, geht dem Fahrzeug jeglicher sportlicher Touch verloren. An Stelle des gut geführten manuellen Fünfgang- oder Sechsganggetriebes (letzteres beim Diesel verbaut), wirkte die Automatik unharmonisch und gerade wenn gefordert recht nervig.

Denn gaben wir dem Fahrzeug die Sporen, drehte die Drehzahlnadelzunächst bis 6.000 Touren hoch und erst dann zog langsam die Beschleunigung nach. Der dabei ertönende Motorensound war eher gequält und laut – leider ganz so, wie man es von den meisten stufenlosen Getrieben gewohnt ist. Im gemächlichen Alltag und bei zurückhaltendem Gasfuß präsentierte sich hier die Motor-Getriebe-Kombination wesentlich angenehmer, entsprach aber weniger unserem Geschmack. Daran konnte auch die Sport-Taste nichts ändern, die den Motor hat höher drehen lassen.

Eine ruhigere Fahrweise unterstützte wiederum einen effizienten Verbrauch, der beim Diesel um die 5,2 Liter sowie beim Ottomotor um die 6,6 Liter lag. Während jedoch der Benziner die Euro-5-Abgasnorm erreichte, begnügte sich das Dieselaggregat mit Euro 4.

An mangelnder Sicherheitsausstattung ist der Cube basierend auf dem Nissan „Zone Body Concept“ wohl nicht gescheitert, vielleicht doch eher an seinem Preis? Dieser begann bei rund 18.000,- Euro und stieg je nach gewählten Optionspaketen, Motor und Getriebe auf bis zu 23.000,- Euro an. Womit die Extravaganz in diesem Fall wahrlich ihren Preis hatte.

Wenn Nissan auch auf unterschiedliche Ausstattungsvarianten verzichtete, so sparte man erfreulicherweise nicht an einer gutbestückten Serienausstattung. Beim großen Panoramadach mit Shoji Shade angefangen, über eine manuelle Klimaanlage, einer Doppel-DIN-Radio-CD-Kombination mit vier Lautsprechern und AUX-Eingang zum Anschluss von MP3-Playern, einer Bluetooth-Schnittstelle und einem Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzer bis hin zur Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, Nebelscheinwerfer, elektrischen Fensterhebern an allen vier Türen und elektrisch verstellbaren Rückspiegeln war alles im Preis enthalten.

Wer noch mehr wollte, fand dies in den drei aufeinander aufbauenden Optionspaketen, beginnend bei ZEN mit einer Klimaautomatik, Fahrlichtautomatik, einem Regensensor, Intelligent Key sowie einem Start/Stop-Knopf für faire 650,- Euro. Für den gleichen Preis erhielten die Kunden auch das IKI-Paket das optisch mit 16″-LM-Felgen sowie getönten Scheiben an Seite und Heck aufwartete.

Mit 850,- Euro war das KAADO-Paket zu verbuchen, das neben dem Navi, eine Radio-CD-Kombi mit MP3-Wiedergabe, USB-Schnittstelle, iPod-Gateway, Bluetooth, eine Rückfahrkamera sowie eine flexible Kofferraumabdeckung enthielt.

Darüber hinaus fand der Kunde in einer Zubehörliste weitere zahlreiche Möglichkeiten zur Personalisierung. DieseIndividualität und den Mut zum anders sein, fordern wir nur zu oft von den Autoherstellern. Letzen Endes ist es aber dann wohl doch das kommerzielle Fahrzeug, dass den Käufer überzeugt. Wirklich schade!

Stand: April 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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