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Neuer Seat Alhambra TDI Ecomotive

Dass der Alhambra eine Gemeinschaftsproduktion war, und seine Geschwister VW Sharan und Ford Galaxy heißen, das sieht man dem jüngsten Spross aus Spanien besonders im Vergleich mit dem VW immer noch an. Macht aber nichts, viel wichtiger ist, dass der neue nicht nur in Sachen Platz und Flexibilität zulegen konnte – die dritte Sitzreihe braucht jetzt nicht mehr ausgebaut werden – sondern seien Motoren nicht nur leistungsstärker sondern auch sparsamer und umweltfreundlicher machen konnte. Und so kann unser Ecomotive nicht nur ganz sparsam, laut Bordcomputer ging es bei sparsamster Gangart sogar mit 3,5 Litern dahin, sondern auch richtig flott. Fahrwerk, Lenkung, Schaltung, Sitze – alles so, wie man es von einem Seat erwartet, sportlich straff, mit Gefühl und gepaart mit einer umfangreichen Grundausstattung.

So ein bisschen kann man die Linie des Vorgängers noch erahnen, an den vorderen Seitenscheiben zum Beispiel, aber das war’s dann auch schon. Der gesamte Auftritt wurde deutlich sportlicher, wobei es natürlich nicht einfach ist, die Linien eines Ibiza auf einen Van zu übertragen, zumal der Alhambra ja auch noch als VW Sharan durchgehen muss.

So zeigt der Neue jetzt mehr Motorhaube, seine Scheinwerfer ziehen sich weit nach hinten und vor allem die Frontschürze mit den seitlichen Einsätzen, die die Nebelscheinwerfer aufnehmen, sorgen für einen dynamischen Auftritt. Die neue Haube ist ein wenig besser abzuschätzen, die breiten Dachsäulen machen den Wagen noch immer etwas unübersichtlich, nicht nur nach schräg hinten.

In der Seitenansicht sind es dann die markanter ausgearbeiteten Radläufe und vor allem die stärker abfallende Dachlinie, die dem Neuen zusammen mit den windschnittigeren Außenspiegeln mehr Sportlichkeit verleihen. Insgesamt kommt er jetzt flacher rüber, obwohl er nur um einen Zentimeter in der Höhe geschrumpft ist. Aber ganze 9 cm mehr Breite und stolze 22 cm mehr Längeverfehlen nicht ihre Wirkung

Auf den ersten Blick verrät es nur die Position der hinteren Türgriffe: der neue Alhambra hat seitlich hinten jetzt praktische Schiebetüren, die vor allem in engen Parklücken das Einsteigen aber auch das Beladen wesentlich erleichtern. Ist der Tankdeckel geöffnet, kann die Schiebetür nicht aufgemacht werden, das erspart unnötige Blessuren.

Und natürlich blieb auch das Heck nicht unverändert. Alles in allem rundlicher, schwungvoller und mit dynamischer Schürze und Dachkantespoiler fügt es sich harmonisch in des sportliche Gesamtbild ein, auch wenn die neue Form mit den breiten D-Säulen der Rundumsicht nicht gerade zuträglich ist und auch die Ladeöffnung ein wenig gelitten hat. Die ohnehin schon wenigen Rammschutzleisten sind komplett verschwunden.

Das hat er vom Vorgänger übernommen: wer will, kann sieben Personen im Alhambra transportieren, und das gar nicht mal schlecht. Doch fangen wir mal beim Kofferraum an. Über eine gut geschützte niedrige Ladekante (Stoßstange leider ungeschützt) bietet sich ein großer, glattflächiger und somit gut nutzbarer Stauraum an, der bei Bestuhlung mit fünf Sitzen 658 Liter umfasst, sogar 1.167 Liter bei dachhoher Beladung. Jeweils zwei seitliche Schienen helfen mit Spanngurten das Ladegut an seinem Platz zu halten. Der solide Ladeboden ist in einer Höhe mit der angenehm niedrigen Ladekante.

Holt man jetzt die dritte Sitzreihe in Form von zwei Einzelsitzen aus dem Boden (dazu die Lehne hochziehen und den Sitz herausklappen), bleibt noch immer ordentlich Stauraum übrig, da jetzt dort wo noch eben die Lehnen verstaut lagen, Ladung untergebracht werden kann, dass es dadurch nach der Ladekante ziemlich nach unten geht lässt sich aber nicht vermeiden. 267 Liter passen so aber immerhin noch rein.

Verzurrösen, eine 12 Volt Steckdose und zwei Lampen helfen beim Ladealltag. Obwohl halt, jetzt geht es ja erst richtig los, denn erst wenn die zweite Sitzreihe ebenfalls verschwunden istpassen die vollen 2.297 Liter Gepäck in den Alhambra. Dazu werden mit jeweils einem Handgriff an den Lehnen die Sitze zusammengeklappt. Oder man fährt nur die Sitze vor, um auf die Sitzplätze 6 und 7 zu kommen.

Und hier sitzen auch Erwachsene gar nicht so schlecht, zumindest dann nicht, wenn die Sitze der Reihe zwei nicht ganz nach hinten gefahren sind, dann wird es im Beinraum eng, und ein Aufliegen der Oberschenkel sucht man in Reihe drei fast immer vergebens. Sind die Sitze der zweiten Reihe ganz vorgeschoben und vorne sitzen große Menschen, dann, aber auch nur dann, wird es auch in Reihe zwei mal eng im Beinraum, verläuft hier alles in normalen Bahnen, dann ist der Platz auch hier bestens, die zum Vordersitz leicht erhöhte Sitzposition erhöht die Aussicht und den Sitzkomfort der um 160 mm längsverschiebbaren Sitze. Drei Erwachsene nebeneinander sollten aber keine Scheu vor Körperkontakt haben und die Dachholme sind schon recht nah am Kopf.

Die vorderen Türen wie auch die hinteren Schiebetüren verlagen beim Schließen einen festen Schlag, um satt ins Schloss zu fallen, und schon sind wir in Reihe eins angekommen. Hier empfangen uns große und gut ausgeformte Sitze – und die braucht es auch, denn obwohl ein Van, also ein Familienauto, kann der Alhambra ganz schön flott um die Kurven. Doch dazu später …

Die manuelle Sitzverstellung gelingt tadellos, der Fahrersitz unseres Testwagens konnte sogar mit einer elektrischen Verstellung der Lehen und der Lordosenstütze glänzen. Das Platzangebot hier vorne ist auch für Großgewachsene prima. Also ist es an der Zeit, sich einmal im neuen Spanier umzusehen, denn die optimale Sitzposition ist dank zweifach verstellbarem Lenkrad schnell gefunden.

War beim Vorgänger noch eine gerade Linie in Form einer tiefen Falz bestimmend, so kann der neue mit schwungvoller Optik punkten. Das beginnt schon beim neuen, für Seat typischen Lenkrad mit der V-förmigen Aluapplikation und geht mit der geschwungenen Aluleisteam Armaturenbrett weiter. Die meisten Bedienelemente sind gut erreichbar und optimal im Blick recht weit oben platziert, und auch die beiden Rundinstrumente zeichnen sich durch klares Design und gute Ablesbarkeit aus.

Chromringe rund um die Luftaustrittsöffnungen, die Rundinstrumente und den Schalthebel sorgen für ein wenig Abwechslung im ansonsten in Schwarz-Grau gehaltenen Cockpit, zusammen mit den grauen Sitzen wird der ein oder andere aber etwas Farbe vermissen. Dafür darf man sich ringsum über hochwertigere Materialien freuen. Das dicke und griffgünstig ausgeformte Lederlenkrad liegt gut in der Hand und damit hat man den Van auch super im Griff, womit wir jetzt aber wirklich beim Fahrwerk angekommen wären.

Und die Erwartungen, die die meisten an einen Seat haben, werden auch hier nicht enttäuscht. Mit einer sportlich straffen Grundabstimmung geht der Van prima auch um enge Kehren, sogar die Neigung des doch eher hohen Aufbaus hält sich in Grenzen. Der Geradeauslauf ist tadellos und solange die Straßenbeschaffenheit okay ist, kann man über den Fahrkomfort nicht meckern.

Das ändert sich aber auf schlechter Wegstrecke. Schlaglöcher und Querrillen dringen deutlich nach innen und auf Kopfsteinpflaster dröhnt der Alhambra ganz ordentlich. Und er schiebt in schnellen Kurven ganz schön über die Vorderräder. Der Fronttriebler lässt sich aber auch ebenso gut mit etwas Gas wieder aus der Kurve ziehen, außerdem wacht ESP serienmäßig und greift im Ernstfall helfend ein.

Die Lenkung ist angenehm straff, exakt und gefühlvoll, so hat man den Van stets gut im Griff, kann ihn zielgenau und mit guter Rückmeldung dirigieren, allerdings ist der Wendekreis mit 11,90 Metern recht groß. Mit dem sparsamen Diesel, der im normalen Fahrbetrieb auch akustisch gefallen kann, schafft man große Reichweiten und auch die Windgeräusche bleiben bis Tempo 130 sehr gering, so empfiehlt sich der Van auch als idealer Reisebegleiter auf langen Strecken.

Mit fast 39 Meternist der Bremsweg aus Tempo 100 zum Stillstand noch kein Rekordwert, zum Teil liegt das auch an der Winterbereifung unseres Testwagens. ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung, Bremsassistent und Scheibenbremsen vorne (innenbelüftet) und hinten sorgen für gut dosierbare und schnell ansprechende Bremsen, die auch nach der zehnten Vollbremsung noch kein Nachlassen zeigen.

Das Adaptive Scheinwerfersystem (AFS) und der Fernlichtassistent sorgen für Komfort und Sicherheit zugleich. Ein Sensor im Sockel des Innenspiegels erkennt sowohl andere Fahrzeuge als auch Ortschaften an ihrer Beleuchtung und wechselt automatisch zwischen Fern- und Abblendlicht.

Unser letzter Alhambra hatte auch einen TDI mit 103 kW/140 PS an Bord, heute steht aber der Begriff Ecomotive hinter dem TDI und das bedeutet, dass der Wagen mehr als nur einen Partikelfilter an Bord hat. Er ist z.B. auch mit einem SCR-Katalysator (Selective Catalytic Reduction) ausgestattet, mit dieser aufwändigen Technologie zählt er zu den saubersten Dieseln der Welt.

Und damit geht es zudem auch noch richtig ab, und das schon aus dem Stand. Nach nur 10,9 Sekunden sind 100 km/h erreicht, seine Topspeed liegt bei 194 km/h. Dabei hängt auch der umweltbewusste TDI gut am Gas, lässt den Alhambra aus dem Stand heraus sauber hochziehen, zeigt sich in praktisch jeder Lage sehr druckvoll und bringt sein maximales Drehmoment von 320 Nm stets voll zur Geltung. Dabei kommt, wenn es sein muss, eigentlich kein Gedanke an Öko auf, doch auch wenn er flott bewegt wird flossen in unserem Test nur 5,1 Liter im Mix auf 100 km aus dem Tank, 6,5 Liter waren es, wenn er sehr flott bewegt wurde, und selbst dabei wurde der Motor nie aufdringlich.

Auf der Autobahn begnügt sich der Ecomotive bei Tempo 130 mit 5,5 Litern. Und wenn man es locker angehen lässt, der Schaltempfehlung folgt und den Gasfuß in Urlaub schickt, dann ließ sich der Van auch mit 3,5 Litern bewegen und der Motor zeigt dabei, wie niedertourig er kann. Seat gibtbeim Verbrauch 6,8 Liter in der Stadt, 4,8 außerorts und 5,5 Liter im Mix an, dabei stößt der TDI dann 143 g/km CO2 aus. Wenn nicht gerade tiefste Temperaturen einen Strich durch die Rechnung machen, hilft das serienmäßige Start-Stopp-System sowie die Bremsenergie-Rückgewinnung die Umwelt zu schonen und Sprit zu sparen.

Kombiniert ist der 2-Liter Vierzylinder TDI mit einer feinfühligen Sechsgang-Schaltung, die in Sachen Abstimmung prima mit dem Motor harmoniert. Der Schalthebel ist auf kurzen und exakten Wegen sauber geführt und lässt sich butterweich betätigen. Sind die unteren Gänge noch in Richtung Dynamik eher kürzer übersetzt, lassen die oberen Gänge mit ihrer langen Übersetzung auch höheres Autobahntempo mit niedrigem Verbrauch zu.

In Sachen Sicherheit hat sich seit unserem letzten Alhambra-Test doch was getan. Zu den Front- und Seitenairbags gesellt sich jetzt auch noch ein Kopfairbag-System sowie ein Knieairbag für den Fahrer.

Auf allen Plätzen sind Dreipunkt-Automatikgurte verbaut, vorne höhenverstellbar und mit Gurtstraffern, in Reihe zwei sind für die optimale Montage der Kindersitze ISOFIX-Verankerungspunkte montiert und auf Wunsch können in Reihe zwei auch Kindersitze integriert werden.

Den von uns getesteten Seat Alhambra 2.0 TDi Ecomotive mit 140 PS gibt es als Refernece für 32.100,- und als Style für 34.450,- Euro. Dabei ist schon die Basis gut ausgestattet, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel gehören ebenso dazu, wie die elektronische Parkbremse, eine Klimaanlage, des SEAT Sound System 1.0, ESP, ABS, ASR sowie eine Differenzialsperre EDS und eine Gespannstabilisierung.

Der Style hat dann auch schon den Regensensor, die Lichtautomatik, Alufelgen, zusätzliche Ablagen, einen Tempomat und die Dachreling – um nur einige zu nennen – serienmäßig an Bord. Neben der Metallic-Lackierung für 588,- Euro und der 3-Zonen-Climatronic für 825,- Euro, die für beide Verisonen zusätzlich geordert werden können, kannder Style auch noch mit einem Lederpaket für 2.200,- Euro, einer Standheizung für 1.140,- oder mit der Multifunktionskamera mit Verkehrszeichenerkennung und Spurhalteassistent für 550,- Euro aufgerüstet werden.

Stand: Juni 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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