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Lancia Thema – Mehr als nur ein zweiter Aufguss?!

Die Symbiose zwischen Lancia und Chrysler holt nicht nur den Voyager zurück auf die Straße, sondern bringt auch den Lancia Thema hervor, zugleich das neue Flaggschiff der Marke. Bereits von 1984 bis 1994 zählte ein Fahrzeug namens „Thema“ zur Lancia-Familie und rangierte im Segment der oberen Mittelklasse, entstand aber auch hier in einer Kooperation und zwar mit Saab. Doch handelt es sich beim neuesten Spross, basierend auf dem Chrysler 300 bzw. 300C nur um einen warmen Aufguss der Ami-Limousine? Wir haben den Neuen für Sie gefahren und waren mehr als überrascht – und begeistert.

Zweifelsohne ist zu klar zu erkennen, dass der Thema auf dem Chrysler 300C aufbaut. Dennoch haben die Italiener dem Fahrzeug weit mehr als nur ihr eigenes Markenlogo aufgedrückt.

Wenn wir auch nach Veröffentlichung der ersten Werksfotos dem Thema etwas skeptisch entgegengesehen haben, so müssen wir jetzt sagen: Bereits ein erstes „persönliches“ Aufeinandertreffen hat uns überzeugt.

Extravagant und polarisierend bis hin zu den spezifisch designten 20 Zöllern, die nicht nur für einen satten Stand sorgen sondern sich perfekt in das Gesamtbild einfügen. Ebenso die schicken ovalen Endrohre, die, wie auch zahlreiche Details, in Chrom glänzen. Insgesamt eine stattliche Erscheinung, mit der nicht nur italienische Polit-Größen künftig einen repräsentativen Auftritt hinlegen können.

Im Inneren erinnert dann noch wesentlich weniger an den Chrysler. Aber auch wenn es den Italienern zweifelsohne gelungen ist eine tolle Wohlfühlatmosphäre zu schaffen, so ziehen Sie im direkten Vergleich mit den deutschenPremium-Herstellern, betreffend Materialanmutung und Verarbeitung, leider etwas den Kürzeren.

Doch sehen wir davon einmal ab, hat das Cockpit unglaublich gewonnen. Die Detailliebe der Italiener ist auch hier nicht zu übersehen. Sei es an den elegant in Chrom gefassten Rundinstrumenten, die wie die gesamten Bedienelemente in ein Sapphire Blue getaucht sind, die in der Mittelkonsole eingearbeitete Analoguhr oder die schicken Doppelnähte an der gesamten Armatur, der Mittelkonsole bis hin zur Tür. Doch damit nicht genug …

Das Multifunktionslenkrad ist zudem in einer zweifarbigen Ausführung erhältlich – wenn auch leider nicht in unserem Fahrzeug verbaut – und vermittelt italienischen Flair durch und durch. Wiederum in unserem Testwagen vorgefunden, haben wir das Infotainment-System Uconnect, das mittels eines serienmäßigen und derzeit größten Touchscreen-Monitors bedient wird. Darüber hinaus lassen sich hiermit diverse Positionen steuern, bis hin zur Sitzheizung. Was natürlich eine Einsparung an herkömmlichen Bedienelementen zur Folge hat. Eine kurze Eingewöhnungsphase ist allerdings von Nöten.

Zu einem weiteren Komfortdetail zählen abgesehen von dem Ausstattungsniveau Gold die Getränkehalter mit Kühl- sowie Heizfunktion, in den Türen finden wir zudem weitere Ablagemöglichkeiten unter anderem auch für Getränkeflaschen.

Auf eine aktive Sitzkühlung muss die Basis verzichten, vollelektrisch verstell- und beheizbar ist das Gestühl aber auch hier. Wenn auf den ersten Sitz auch etwas hart gepolstert, so fühlten wir uns auf Langstrecke wie aber auch in schnellen Kurven dank gutem Seitenhalt gut aufgehoben.

Gleiches gilt für diezweite Sitzreihe, die in der Ausstattung Platinum und Executive die Fondpassagiere bei kalten Temperaturen mit einer Sitzheizung verwöhnt. An nötiger Beinfreiheit fehlt es dem Thema auch nicht, sehr Großgewachsene nähern sich einzig in der Höhe – gerade in Verbindung mit dem sehr großen Panorama-Glasschiebedach – der Anstoßgrenze.

Einzig das Kofferraumvolumen will nicht der Fahrzeuggröße entsprechen und muss sich mit 462 Liter den Mitbewerbern deutlich geschlagen geben. Hinzu kommt eine hohe Ladekante und eine darauf folgende Schwelle, die sich ebenso negativ auswirken.

Durchaus positiv fiel uns dagegen die Fahrwerksabstimmung auf, die nicht nur im direkten Vergleich mit dem Vorgänger 300C überzeugen kann.

Amerikanisches Fahrfeeling ist europäischer Ausgewogenheit gewichen, zudem stehen zwei unterschiedliche Konfigurationen des Fahrwerks zur Wahl. Während die Varianten Gold und Platinum serienmäßig mit 18-Zoll-Rädern versehen und auf „Comfort“ ausgelegt sind, rollt der von uns gefahrene Executive nicht nur auf richtig schicken 20-Zöllern daher, sondern auch mit der Fahrwerksabstimmung „Touring“. Diese straffere Auslegung steht auch dem mittleren Ausstattungsniveau optional zur Verfügung.

Die etwas dynamischere Feder-Dämpfer-Abstimmung hat uns sehr zugesagt, da die Ingenieure trotz dessen nicht den Komfort außer Acht gelassen haben. Allein durch die zahlreichen Maßnahmen bezüglich Geräuschdämpfung steigert Lancia das Komfortniveau. Der Motor ist stets kultiviert und nur sehr sanft im Hintergrund wahrzunehmen und das selbst unter Volllast. Aber auch Wind- und Abrollgeräusche dringen nicht störend in den Innenraum.

Dieelektrohydraulische Servolenkung agiert sowohl beim Cruisen wie auch beim flotteren Ritt angenehm präzise und stets ohne großen Kraftaufwand. Und auch hier macht sich die „Touring“-Abstimmung bemerkbar.

Rundum innenbelüftete Bremsscheiben arbeiten in Verbindung mit zahlreichen Assistenten, darunter dem Antiblockier-Bremssystem mit Schlechtwege-Erkennung, der Bremstraktionskontrolle, einem Bremsassistent, Brems-Vorrangsteuerung sowie Ready Alert Braking. Hier wird sobald eine Bremsung unmittelbar bevorsteht automatisch der Bremsdruck leicht erhöht. Bei Regen kommt der Rain Brake Support zum Einsatz, der den Wasserfilm zwischen den Bremsbelägen und der Bremsscheibe entfernt/reduziert.

Vorerst stehen dem Kunden drei Sechszylindermotoren zur Auswahl. Zum Einen ein 3,6-Liter-Benziner mit 286 PS, der noch aus der Pentastar-Motorenfamilie der Chrysler Group stammt und zum Anderen ein Diesel, der in zwei Leistungsstufen verfügbar ist und von Fiat Powertrain Technologies gemeinsam mit VM Motori entwickelt wurde.

Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass sich der Grossteil der Verkäufe auf den 239 PS starken Diesel konzentrieren werden. Die schwächere Stufe „140 kW“ hat mit 49 PS weniger und vor allen Dingen „nur“ 440 Newtonmetern gegenüber den gewaltigen 550 Nm die sich bereits von unten heraus vollständig entfalten, im Durchzug sowie im Sprint das Nachsehen (9,7 Sek. / 7,8 Sek.). In der Höchstgeschwindigkeit ziehen beide Motoren bis 232 Stundenkilometer hoch.

Den Vorteil absolut ausbauen kann der große MultiJet-Motor dann in Sachen Verbrauch und Effizienz. Denn hier liegt dieser mit 185 g/km und einem Mixverbrauch von 7,1 Liter absolut gleichauf. Dass die großen 20-Zoll-Räder diese Werte geringfügig nach oben treiben, sollte allerdings bedacht werden.

Auf die im Benziner verbaute Achtgang-Automatik des Herstellers ZF müssen wir im Turbodiesel verzichten. Vorerst zumindest, denn im Zuge einer Modellpflege – bereits im kommenden Jahr! – wird die wenn auch sehr sanft arbeitende Fünfgang-Automatik durch das neue Achtgang-Getriebe ersetzt. Zudem wird das Fahrzeug dann mit einer Start-Stopp-Automatik versehen sein.

Wenn auch nicht alle Features stets serienmäßig an Bord sind, so stellt Lancia der Limousine neben den bereits erwähnten Sicherheitsattributen mehrstufig auslösende Frontairbags, Windowbags, einen Knieairbag für den Fahrer, aktive Kopfstützen, Gurtstraffer und -kraftbegrenzer und eine energieabsorbierende Lenksäule ebenso zur Seite, wie die Berg-Anfahrhilfe, Totwinkel-Überwachung, das Auffahrwarnsystem, adaptive Hauptscheinwerfer mit Kurvenlicht-Funktion, das automatische Antibeschlagsystem, ein Regensensor wie auch die SmartBeam-Scheinwerfer, die sich automatisch auf Umgebungs- und Gegenlicht einstellen.

Die hintere Querbewegungserkennung warnt den Fahrer beim Rückwärtsausparken vor Verkehr, Fußgängern bzw. Gegenständen. Nicht unerwähnt lassen wollen wir außerdem den Fußgängerschutz, das Unfall-Reaktionssystem, das ISOFIX-Befestigungssystem und die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit Abstandskontrolle und Auffahrwarnsystem.

Mit einem Einstiegspreis von 41.400,- Euro für den Diesel in der Leistungsstufe „190 PS“ scheint der Lancia Thema sich zunächst ganz auf dem Niveau seiner deutschen Mitbewerber zu halten. Doch der Schein trügt!

Schon bei derNamensgebung der Ausstattungslinien haben sich die Italiener wahrlich etwas gedacht und so verrät bereits der Name „Gold“ das es sich hier um keine reine Basisausstattung handelt, wenn diese auch ausschließlich in Verbindung mit dem kleinen Diesel verfügbar ist.

Doch selbst eine Klimaautomatik, Bi-Xenon-Licht, elektrisch einstellbare Sitze, ein schlüsselloses Zugangssystem, das uconnect-Infotainment-System mit 8,4″-Touchscreen sowie eine Rückfahrkamera sind allesamt serienmäßige Position, die sich andere Hersteller in der Regel teuer bezahlen lassen.

Die Platinum-Version, die sich je nach Motorisierung zwischen 43.900,- und 46.900,- Euro bewegt, legt mit dem Navigationssystem, belüfteten Vordersitzen, elektrisch einstellbarer Lenksäule und Pedalerie, kühl- und beheizbaren Getränkehaltern wie auch der Sitzheizung im Fond noch eine ordentliche Schippe drauf.

In der Liste der Executive-Version finden wir außerdem die serienmäßigen 20 Zoll Leichtmetallfelgen, das Alpine HiFi Audio Sound-System und das Fahrassistenz-Safety-Tech-Paket (verlangt der Platinum-Ausstattung 1.390,- Euro Aufpreis ab), dieses wartet mit der Tot-Winkel-Überwachung, der adaptiven Geschwindigkeitsregelanlage inklusive Abstandskontrolle und Auffahrwarnsystem sowie der hinteren Bewegungserkennung auf.

So bleibt uns für die von uns gefahrene Topversion, die sowohl für den Benziner wie auch den Diesel 50.900,- Euro fordert, nur noch die Metalliclackierung für 950,- Euro und das Panorama-Schiebedach für 1.350 Euro in punkto Sonderausstattung zu erwähnen. Dass sich Lancia allerdings in jeder Ausstattungslinie ein Notrad mit 90,- Euro bezahlen lässt, ist uns etwasunverständlich.

Bleibt abschließend nur noch zu hoffen, dass die Kunden die Symbiose zwischen Chrysler und Lancia und den daraus resultierenden Thema auch entsprechend annehmen. Das Fahrzeug ist es in jedem Fall wert.

Stand: November 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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