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KIA Soul 1.6 CVVT – Lust auf Individualität?

Der Diesel ist für den Soul klar die spritzigere Motorisierung, aber der Benziner spart dem Käufer 1.775,- Euro und startet als Attract bereits bei 15.900,- Euro. Und dafür bekommt man richtig viel Auto, mit üppigen Platzverhältnissen bis in den Kofferraum, mit ausgewogenem Fahrwerk und gefühlvoller Lenkung, harmonischer Schaltung und nicht zu vergessen mit einer individuellen Optik. Und wer will, kann mit diversen Aufklebern seinem Soul die ganz eigene Optik verpassen, was die Kunden aber wohl doch weniger wollen, als wir Motorjournalisten das so vermutet haben, fahren doch die meisten Soul mit ganz normaler Lackierung spazieren, was aber z.B. im peppigen Orange unseres Testwagens auch ganz gut aussieht.

Seine Optik ist markant von vorne bis hinten, das beginnt bei der an einen Unterfahrschutz erinnernden Blende an der Frontschürze, die sich schwungvoll in die stark ausgestellten Radhäuser fortsetzt. Eine weitere Kante markiert den Anstieg der Seitenlinie, die vor allem durch die geradlinigen Fensterflächen aus dem Rahmen fällt.

Zusätzlich sorgt die deutliche Verjüngung von der Frontscheibe bis zum Heck wie auch die dunkle Tönung der Seitenscheiben für einen tollen Look, die zweifarbige Dachreling unterstützt den sportlichen Auftritt, den bereits die ungewöhnlich geformten und horizontal unterteilten Frontscheinwerfer einläuten.

Nicht minder eigenständig und extravagant gibt sich das steil abfallende Heck. Das beginnt bei den schwarz eingefassten Rückleuchten und endet mit einem angedeuteten Unterfahrschutz in der Heckschürze. Dazwischen sorgt eine geradlinige und glattflächige Heckklappe / Heckscheibe für die nötige Spannung.

So steht der Soul in Verbindung mit den kurzen Fahrzeugüberhängen und der breiten Spur richtig bullig da und ist in jedem Fall ein echterBlickfang, nicht nur mit der knallig orangen Lackierung.

Innen haben Sie die Wahl, alles in Schwarz, oder mit Beige bzw. Rot (leider nur in der Top-Version), dazu einige schicke Alu-Applikationen, die Form aus der fast schwebenden Mittelkonsole taucht – auf dem Kopf stehend – auch im Lenkrad wieder auf. In Rot präsentiert sich die Beleuchtung aller wichtigen Schalter und auch das Handschuhfach und das geschlossene Fach über dem Kardantunnel ist innen in Rot gehalten.

Und in Rot leuchtet auch die Ringe rund um die großen Lautsprecher in den Türen, zumindest wenn Sie das wollen, dann als nette Spielerei gibt es einen Mode-Schalter, an dem das rote Licht eingeschaltet oder auch passend zur Musik aufleuchtend gewechselt werden kann. Und beim Soul leuchten sogar die Sitze, zumindest in den Versionen Vision und Spirit, hier wurden lumineszierende „Soul“-Schriftzüge in die Lehnen eingearbeitet, zudem sorgen selbstleuchtende Kanten an den Fußmatten für ungewöhnliche Effekte.

Die Sitze sind ausreichend groß geraten und straff gepolstert, mit der Zeit setzt man sich aber etwas ein, was dann den nur bedingt ausreichenden Seitenhalt etwas verbessert. Was fehlt ist eine Lordosenstütze und die Höhenverstellung ist nicht in jeder Version verfügbar. Das man so was bemängelt liegt vor allem daran, dass man schnell vergessen hat, zu welchem Preis der Soul angeboten wird.

Dafür waren wir vom Platzangebot vollauf begeistert, und das nicht nur in Reihe eins. Auch auf den Rücksitzen findet man ein gutes Unterkommen, auch wenn man größer als 1,80 m ist und vorne ebenfalls große Passagiere Platz genommen haben. Vom üppigen Beinraum bis hin zur großen Kopffreiheit gibt es nichts zu meckern. Nur beim Ausstieg stößt man hinten leicht mit dem Fuß an die B-Säule wie auch die Türverkleidung.

Trotz viel Platz liegen alle Bedienelemente undAnzeigen gut im Blick sowie in optimaler Reichweite, die Handhabung ist kinderleicht, neben der soliden Materialauswahl kann auch das Design der Schalter und Instrumente gefallen. Dass man keine Reichweitenanzeige hat, ist aber nicht so toll.

Kommen wir noch mal zurück in die zweite Reihe, hier genügt ein Griff, und die Rücksitzlehne klappt nach vorne, hinterlässt dabei einen leicht ansteigenden Ladeboden und erweitert den Stauraum von 340 Litern auf bis zu 1.258 Liter. Unter dem soliden Boden stecken weitere Fächer, darunter das Reserverad sowie das schön verstaute Werkzeug. Erfreulich auch die Tatsache, dass die Heckklappe weit hochfährt und eine gut geschützte, allerdings fast 80 cm hohe Ladekante frei gibt, durch die der Kofferraum gut zu bestücken ist. Dafür, dass nichts an den schicken Lack der Stoßstange kommt, muss man selbst aufpassen.

Dass die Gepäckraumabdeckung bei unserem Testwagen nicht mit der Heckklappe nach oben schwenkt und so beim Beladen schnell mal im Weg steht , hat uns weniger gefallen, wie die Tatsache, dass der Sonnenschutz des Glasschiebedaches schon bei leichteren Bremsmanövern mit nach vorne flutscht. Für Getränke und andere Reiseutensilien sind zahlreiche Fächer und Ablagen vorgesehen.

Das Fahrwerk des KIA Soul findet einen feinen Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort, lässt den Koreaner in Verbindung mit der angenehm straffen und zielgenauen Lenkung sicher um die Kurven flitzen, auch in unserem Slalomtest gab sich der Soul richtig zackig und verkniff sich sogar übertriebene Karosserieneigungen.

Ob mit oder ohne ESP geht der KIA leicht untersteuernd sehr gutmütig um die Ecken und bügelt zugleich die meisten Fahrbahnunebenheiten sauber weg. Nur kurze Querrillen poltern etwas zu den Insassen rein. Weniger komfortabel gibt sich der Motor im mittleren Geschwindigkeitsbereich, so bei Tempo 130 dreht derVierzylinder Benziner schon über 4.000 Touren und wirkt damit recht gequält und auch etwas laut. Zudem macht der doch recht hohe Aufbau den Soul ziemlich seitenwindempfindlich, ansonsten ist auch mit den breiten Reifen der Geradeauslauf gut.

So eine Armlehne zwischen den Vordersitze ist auch schon eine komfortable Sache, für den Fahrer birgt sie aber im Falle des Soul so ihre Tücken. Ist sie heruntergeklappt, wird die Bedienung der Handbremse zum Hindernislauf, ist sie hingegen hochgeklappt, stößt der Fahrer gerne mal mit dem Ellenbogen an.

Ach ja, der Kupplung fehlte bei unserem Testwagen ein klein wenig Feingefühl, ruckfreies Anfahren war damit praktisch unmöglich.

Feinfühlig zu dosieren, schnell ansprechend und auch bei Dauerbelastung nicht so schnell an ihre Grenzen zu bringen zeigte sich die Bremsanlage mit vier Scheibenbremsen (vorn innenbelüftet), Bremsassistent (BAS) und ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung (EBD). Und selbst bei einer Vollbremsung bleibt der Soul abgesehen vom tiefen Eintauchen an der Front sehr ruhig, kaum ABS-Rubbeln, kaum Reifenquietschen und schon nach 38,5 Metern stand er aus Tempo 100.

Wir haben es im Vorspann schon angedeutet, der 1,6 Liter Benziner mit vier Zylindern und 93 kW / 126 PS ist nicht unbedingt die erste Wahl für den Soul, kann dem ebenfalls 1,6 Liter großen Diesel kaum Paroli bieten. Einzig bei der Beschleunigung von Null auf Hundert, für die der Benziner 11, 0 Sekunden benötigt, hat er die Nase vorn, aber sowohl in der Topspeed mit 177 km/h und vor allem im Durchzug hat er das Nachsehen.

Dabei springt der 16-Ventiler angenehm kultiviert an und läuft dann in der Stadt auch entsprechend. Aber schon auf der Landstraße beginnt er laut zu werden und schon hier vermisst man einen sechsten Gang. Auf der Autobahn dann dreht er bei Tempo 130 fast mit 4.000 Touren, wird dann richtig laut undwirkt recht gequält. Bleibt man am Gas und wird über 160 km/h schnell, relativiert sich das mit der zu hohen Drehzahl etwas.

Ansonsten verlangt der Reihenvierzylinder stets ordentlich Gas, wenn er flott sein soll, und dann wird er animierend kernig und man zahlt die Rechnung spätestens an der Zapfsäule. Überhaupt zeigte sich die Benzinanzeige stark vorauseilend, bereits nach kaum 300 km bei normaler Fahrweise ging die Tanknadel beängstigend in Richtung Reserve. So viel verbraucht der Benziner dann doch nicht, aber der Tank ist mit 48 Litern Fassungsvermögen auch nicht gerade riesig.

KIA gibt für den Soul 1,6 CVVT für die Stadt 7,9 Liter und außerorts 5,7 Liter an, wir haben auf unserer Normstrecke 6,7 Liter Superbenzin verbraucht. Der Motor, der ein maximales Drehmoment von 156 Nm bei 4.200 U/min entwickelt stößt im Mix 154g/km CO2 aus und erfüllt nur die Abgasnorm Euro 4. Der größte Vorteil des Benziner gegenüber dem Diesel liegt in der Ersparnis beim Kaufpreis, hier ist der Diesel 1.775,- Euro teurer.

Der Soul bringt seine Kraft über die Vorderräder auf den Boden, und in Verbindung mit ESP und TCS (Traktionskontrolle) gelingt ihm das auch bei nasser Fahrbahn sehr gut, durchdrehende Räder sind selten.

Wie schon erwähnt, der Benziner ist mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe bestückt, dessen Abstimmung vor allem im Bereich zwischen 100 und 150 km/h den sechsten Gang vermissen lässt, weil er hier recht laut und gequält läuft. Die Schaltung selbst arbeitet dagegen auf angenehm kurzen und exakten Wegen, findet den richtigen Mix aus Straffheit und Leichtgängigkeit. Eine Automatik wird für den Benziner nicht angeboten.

Neben Front- und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer sind auch Kopfairbags die bis in die zweite Reihe reichen serienmäßig an Bord, ebenso Dreipunkt-Sicherheitsgurte auf allen Plätzen, vorn inkl. Gurtstraffer,Gurtkraftbegrenzer und Höhenverstellung, dazu höhenverstellbare Kopfstützen, vorn auch neigungsverstellbar und aktiv, außerdem ISOFIX-Halterungen an den hinteren äußeren Sitzplätzen und Befestigungspunkte für Top-Tether-Gurte.

Mit tollen Werten beim Insassenschutz (Erwachsene 87%, Kinder 86%) hat der Soul fünf Sterne im NCAP-Crashtest erreicht.

Den KIA Soul 1.6 CVVT mit 126 PS ist als Attract schon ab 15.900,- Euro zu bekommen, unser Testwagen in der Ausstattungsvariante Vision steht mit 17.640,- Euro in der Preisliste und die Topversion Spirit kostet 18.950,- Euro.

Und neben der auffälligen Optik bringt der Vision auch eine sehr gute Grundausstattung mit, zu der u.a. Alufelgen im 16 Zoll Format mit 205/55er Reifen gehören. Aber auch getönte Scheiben, Lederlenkrad und –schaltknauf, Make-up-Spiegel in beiden Sonnenblenden, höhenverstellbarer Fahrersitz, MP3-kompatibles CD-Radio mit sechs Lautsprechern und Dachantenne, USB- und AUX-Eingang, Radiofernbedienung am Lenkrad, Nebelscheinwerfer, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Klimaanlage, elektrische Fensterheber vorn und hinten, Parksensoren hinten bis hin zur Zentralverriegelung sind serienmäßig mit an Bord.

Aus der recht kurzen Aufpreisliste wollen wir die Dachreling für 160,- Euro, 18 Zoll Alufelgen mit 225/45er Breitreifen für 360,- Euro, ein Soundsystem mit Subwoofer für 530,- Euro, das elektrische Glasschiebedach für 480,- Euro und die Metallic-Lackierung für 410,- Euro erwähnen. Das Fahrzeugdekor „Hahnentritt“ kostet 95,- Euro extra, Dekor Dragon in Schwarz, Silber, Rot oder Weiß ist für 295,- Euro zu haben.

Die Versicherungseinstufungen betragen für den Benziner 17 bei der Haftpflicht, 19 bei der Voll- und 16 bei der Teilkasko, auch hier kann der Benziner den Diesel schlagen, dafür muss er alle 15.000 km (Diesel 20.000 km) bzw. einmal im Jahr zurInspektion. Für beide Motorisierungen gelten die beispiellosen Garantien mit 7 Jahre Fahrzeuggarantie bis 150.000 km, drei Jahren Mobilitätsgarantie ohne Kilometerbegrenzung sowie 12 Jahre gegen Durchrostung.

Stand: Oktober 2010; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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