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Kia Rio – Seine dynamische Optik macht an.

Wenn er so vor einem steht, mit dem echt gelungenen Design und den großen Rädern, dann vergisst man schnell, dass es nur ein Kleinwagen ist, der mit seinen 85 PS sicher ausreichend motorisiert ist, dem man aber auch locker 150 und mehr Pferdestärken zutrauen würde. Entsprechend ist man nach der ersten Ausfahrt etwas ernüchtert, flottes Beschleunigen ist noch so ganz sein Ding, aber sonst passt eigentlich alles. Ansprechendes Interieur mit feinen Sitzen, gute Platzverhältnisse, ein ausgewogenes Fahrwerk, na ja, die Lenkung spricht erst etwas träge und dann sehr spontan an, die Schaltung arbeitet knackig und auf kurzen Wegen, nur der Rückwärtsgang hakt schon mal, der Kofferraum ist gut nutzbar, die Ausstattung ist üppig, der Preis prima und die 7 Jahre Garantie sind beispiellos. Was will man mehr?

Sie wollen einen Kleinwagen der aber auch richtig schick aussieht? Der schon im Stand dynamisch wirkt? Einen, nach dem sich die Leute umdrehen? Dann ist der neue Kia Rio genau richtig, denn anders als sein Vorgänger ist der Neue ein echter Hingucker geworden, fast egal in welcher Farbe er daherkommt.

Vom markentypischen Kühlergrill aus entwickeln sich die großen Scheinwerfer und ziehen sich bis weit in die Seite, sie nehmen den Schwung der dynamischen Frontschürze mit, die sich tief auf den Asphalt duckt und in den seitlichen Einsätzen die Nebellampen beherbergt.
Dynamisch und schnörkellos steigt die Gürtellinie in der Seitenansicht nach hinten an, die markant ausgestellten Radläufe entwickeln sich hinten schon in der Sicke in der Fahrertür. Keine Rammschutzleiste stört das schöne Bild, allerdings bleibt das schicke Blech durch dieses Weglassen auch rundum gegen Parkrempler völlig ungeschützt.

Herrlich schwungvoll wölbt sich das Dach über die Türen um dann in einem nicht minder sportiven Heck zu enden. Durch dessen Höhe und dem kleinen Heckfenster kommt natürlich in Verbindung mit der sehr breiten C-Säule die Rundumsicht etwas zu kurz, dafür hat Kia dem Rio aber eine, wennauch aufpreispflichtige, Rückfahrkamera spendiert, die zusammen mit der Einparkhilfe das Rangieren dann doch wieder zum Kinderspiel macht.

Große Felgen mit Niederquerschnittreifen und die schnittig gezeichneten Außenspiegel vervollständigen den sportlichen Auftritt des Koreaners, der in einer schicken Heckschürze mit angedeutetem Diffusor endet, der zudem aber auch mit inneren Werten glänzen kann.

Auch wenn der Glanz von Applikationen, Farbe oder Klavierlack zumindest derzeit noch auf sich warten lässt. Hierzulande müssen die Kunden mit einem vorwiegend schwarzen Armaturenbrett vorlieb nehmen, das zwar modern gezeichnet und mit übersichtlichen Schaltern und Anzeigen versehen ist, das aber nur wenige silbergraue Applikationen zu bieten hat. Dabei machen sich die bescheidenen Anfänge z.B. im Lenkrad schon ganz gut.

Eingestreut in die moderne Aufmachung haben sich die Koreaner auch an einige Retro-Teile gewagt, so erinnern die Schalter an der Klimaeinheit an die Tasten alter Kassettenrekorder. Für alle jungen Leser: das sind die Geräte in denen Musik von schmalen und hauchdünnen Bändern abgespielt wurde, die sich vor allem im Auto gerne beim schnellen Vorspulen im Gerät verhedderten.

Die Audioeinheit darüber ist alles andere als Retro, ein großer Monitor und moderne Bedienelemente geben sich hier ein Stelldichein, allerdings ist der Lautstärke-Regler etwas knapp zu greifen. Früher war es ganz normal, wo einem nichts mehr einfällt, da kommt ein Fach hin. Im neuen Rio sieht das viereckige Loch neben der Audioeinheit nicht nur unmotiviert aus, eine wirkliche Anwendung dafür will einem auch nur schwer einfallen.

Schick, prima zu bedienen, in Höhe und Weite zu verstellen und auch beleuchtet zeigt sich das griffige, gut ausgeformte und mit Leder bezogene Lenkrad, leider verdeckt es die Schalter für ESP und die Lenkradheizung etwas. Aber wo gibt es in einem Kleinwagen schon eine Lenkradheizung. Der Kia verwöhnt hier vorbildlich und schnell.

Wie auch mit den großen und straff gepolsterten Sitzen, die ebenfalls bei unseremTestwagen über eine Heizung verfügten. Auch der Seitenhalt kann dank der gut ausgeformten Sitzwangen überzeugen, und auf grund der sportlichen Optik ist man auch jederzeit davon überzeugt, dass der Rio das auch braucht. Die manuelle Sitzverstellung gelingt problemlos.

Die groß dimensionierte Instrumenteneinheit mit drei ineinander verschachtelten Rundinstrumenten lässt sich prima ablesen, im Tacho in der Mitte werden zusätzlich weitere Informationen angezeigt. Zum Beispiel auch wenn man den Wagen startet und die Räder eingeschlagen sind, dass man die Lenkung ausrichten soll. So wird verhindert, dass man unbeabsichtigt los und gleich ins Nachbarauto oder die Wand fährt.

Und der Kia Rio hat, je nach Ausstattung, noch so einiges mehr an Bord, z.B. eine Geschwindigkeitsregelanlage, ein angenehm helles Innenlicht, ein Startknopf mit Smart Key für den schlüssellosen Zugang, ein Navigationssystem mit 7 Zoll Touchscreen, das sich einfach und rein intuitiv bedienen lässt oder das schicke LED-Tagfahrlicht. Da kommt kaum ein Gedanke an einen Kleinwagen auf, auch nicht, wenn es um das Platzangebot geht.

Auch dann nicht, wenn man auf der Rückbank Platz nimmt. Der gewachsene Radstand kommt u.a. auch den Fondpassagieren zu gute, selbst als 1,80 m Mensch sitzt man hinter einem ebenso großen Fahrer noch ganz bequem, einzig die Kopffreiheit geht dann langsam zur Neige, die Kopfstützen lassen sich bis hierhin auch weit genug ausziehen. Sowohl beim Ein- wie beim Aussteigen stört die B-Säule etwas.

Brauchen Sie die Rückbank für Ihre Ladung, dann lässt sich die Lehne einfach geteilt im Verhältnis 60:40 umlegen und bis zu 923 Liter Laderaum schaffen, allerdings ist der Boden dann leicht nach vorne ansteigend. Statt eines Reserverades (leider haben wir auch keinen Wagenheber gefunden) steckt ein Fach unter dem Kofferraumboden und die im Normalzustand 288 Liter Stauraum sind über eine ziemlich hohe aber gut geschützte Ladekante zu bestücken, die Stoßstange kann dabei aber leicht mal einen Kratzer abbekommen. Bei schweren Gegenständen stört dieanschließende gut 15 cm hohe Stufe nach unten. Gut dagegen ist wieder die weit öffnende Heckklappe und der glattflächige Kofferraum.

Und auch im Innenraum sind zahlreiche Ablagen und Fächer vorhanden, z.B. auch Getränkehalter in allen vier Türen, und die fassen zudem noch Flaschen bis zu 1,5 Liter vorne, hinten sind es immerhin noch 0,5-Liter-Flaschen.

Kleinwagen werden bevorzugterweise in der Stadt eingesetzt und sind auch dafür konzipiert. Und hier gibt sich der Rio wendig, handlich und auch von der Fahrwerksauslegung her angenehm komfortabel.

Aber schon die breiten Räder lassen vermuten, dass Kia auch an flotte Kurvenfahrten gedacht hat. Und entsprechend straff ist dann auch das Fahrwerk ausgelegt, zusammen mit den Niederquerschnittreifen bleibt kein Schlagloch unbemerkt. Dafür lässt der Rio auch flotte Kurvenfahrten mit nur einem leichten Untersteuern spielend zu. Und doch ist da so ein tänzeln festzustellen, dass den flotten Fahrspaß ein wenig trübt, immer wieder sind Lenkkorrekturen notwendig – dabei gibt sich die Lenkung angenehm straff und exakt. Aber erst reagiert sie eher träge und dann, fast unvermittelt, spontan und exakt. In Haarnadelkurven steigt die Neigung zum Untersteuern stark an und bei einem plötzlichen Gaswegnehmen beginnt er überraschend mit Übersteuern, dann hat das ESP alle Hände voll zu tun.

Die elektronische Stabilitätskontrolle ist serienmäßig an Bord, sie hält den Wagen sicher auf Kurs, ohne den Fahrer zu sehr einzubremsen, ungeübten Fahrer greift sie sogar etwas spät ein. Hinzu kommt eine Traktionskontrolle mit der die Kraft problemlos über die Vorderräder auf die Straße gebracht werden kann, und eine Berganfahrhilfe ist ebenso an Bord wie eine Gegenlenkunterstützung. So gerüstet bleibt der Rio stets gutmütig und folgt mit wenig Karosserieneigung der Lenkung.

Als Benziner ist der Kia Rio rundum mit Scheibenbremsen ausgestattet, die an der Vorderachse zudem innenbelüftet sind. Sie reagieren schnell und gut dosierbar auf den Tritt auf die Bremse und dank ABS inklusive elektronischerBremskraftverteilung und Bremsassistent verzögert er auch auf wechselndem Untergrund zuverlässig und spurtreu.

Die Dauerbelastung überstand der Testwagen tadellos, ein Nachlassen der Bremsleistung war nicht festzustellen, aus Tempo 100 braucht der Rio keine 38 Meter bis zum Stillstand.
Aus dem Motorenangebot für den Rio haben wir uns für den 1,2 Liter Benzinmotor entschieden. Der Vierzylinder leistet 63 kW/85 PS und stellt ein maximales Drehmoment von 121 Nm bereit. Damit ist der Wagen für die Stadt und angepasste Überlandfahrten gut gerüstet. Er bringt die Kraft gut auf den Boden und zieht aus dem Stand heraus auch erst mal ganz gut los, doch dann ist der Spaß schnell vorbei, die Kraft reicht nicht für wirklich flottes Vorwärtskommen.

Immerhin kann man den 1.2 CVVT in 12,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 bringen und wenn es sein muss wird der Rio 166 km/h schnell, dann allerdings auch etwas lauter.
Lässt man den Rio niedertourig rollen, darf man keine Wunder erwarten, der Durchzug ist dann eher mäßig, will man flotter vorwärts kommen, ist hohes Ausdrehen des Motors Pflicht, und dann wird das ansonsten laufruhige Aggregat laut. In den beiden oberen Gängen vier und fünf ist wegen der langen Übersetzung immer mit wenig Durchzug zu rechnen.

Der 1,2 CVVT verbraucht laut Kia 6,3 Liter in der Stadt, 4,4 Liter außerorts und 5,1 Liter im Mix, in der ISG-Variante mit Start-Stop-Automatik verbraucht er jeweils 0,1 Liter weniger. Die Schaltempfehlung arbeitet dabei sehr optimistisch, fordert sehr früh zum Hochschalten auf, was den Wagen dann oftmals am Berg förmlich absterben lässt.

Wir haben im gemischten Verkehr Stadt/Land bei zurückhaltender Fahrweise 5,7 Liter verbraucht, gaben wir dem Rio die Sporen, dann flossen auch schnell mal 8,5 Liter pro 100 km aus dem Tank. Dann sind auch die 119 g/km an CO2-Ausstoß nicht zu erreichen, die ISG-Variante begnügt sich bei langsamer Fahr sogar mit 114 g/km.

Wenn man sich mit der höheren Geräuschkulisse bei flotter Fahrt abgefunden hat, kann man sich an der gelungenenFünfgang-Schaltung erfreuen. Der Schalthebel flutscht nur so durch die Kulisse, die Wege sind kurz, die Führung ist exakt und angenehm straff, nur ein minimaler Holperer über die Leerlaufstellung ist zu spüren.

Einzig mit dem Rückwärtsgang hatten wir so unsere Probleme, der war nämlich nicht immer gleich drin, und dabei zeigte die Rückfahrkamera aber immer schon ein Bild. Die Abstimmung geht in Ordnung, einen sechsten Gang haben wir nicht wirklich vermisst.

Der neue Rio schafft im EURO NCAP-Crashtest volle fünf Punkte was die Insassensicherheit angeht, Front- und Seitenairbags vorn sowie durchgehende Vorhangairbags sind ebenso serienmäßig wie Straffer und Höhenverstellung der Gurte auf den vorderen Sitzplätzen und ein Gurtwarnsystem.

Für die Kleinen sind Isofix-Halterungen und Ankerhaken auf den hinteren Außensitzen an Bord und der Beifahrer-Airbag kann deaktiviert werden. Leider besitzen die hinteren Fenster keinen Einklemmschutz.

Dass sich ein Kia mal problemlos mit einem VW messen kann, hätte man noch vor wenigen Jahren für unmöglich gehalten, doch mittlerweile haben die Koreaner so zugelegt, dass sie einen Vergleich nicht mehr zu scheuen brauchen. Vor allem dann nicht, wenn man die sieben Jahre Garantie und das Preis-Leistungsverhältnis betrachtet.

Denn der Rio ist praktisch in jeder Version gut ausgestattet und trotzdem startet der 1.2 CVVT mit fünf Türen als Attract bei 11.690,- Euro, geht weiter mit der Business Line bei 12.595,- Euro, der Edition7 bei 13.760,- Euro und endet beim Spirit bei 15.190,- Euro. Und dann ist wirklich alles an Bord, was man sich so vorstellen kann, von großen Alufelgen über Lenkradheizung, Klimaautomatik, Licht- und Regensensor, Tagfahrlicht, Lederlenkrad, elektrischen Fensterhebern bis elektrisch verstell-, beheiz- und anklappbaren Außenspiegeln und, und, und.

Das Technikpaket mit einer Geschwindigkeitsregelanlage, dem schlüssellosen Zugangssystem und Sitzheizung oder das Navigationssystem mit 7-Zoll-Bildschirm inklusive der Rückfahrkamera sind für die Topausstattung optionalerhältlich, wie die Metallic-Lackierung.
Die Versicherungseinstufungen lauten 15/16/18 für HPF/VK/TK, an Kfz-Steuer sind nur 26,- Euro pro Jahr fällig. Und neben der 7-jährigen Fahrzeuggarantie gibt es z.B. 12 Jahre gegen Durchrostung.

Stand: Juni 2012; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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