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KIA pro_cee’d – Ganz schön schön!

Es ist zwar ein wenig unpraktischer als die fünftürige Limousine, aber dafür setzt das Coupé in Sachen Optik noch mal einen drauf. 40 mm flacher steht es satt auf dem Asphalt, kraftvoll und dynamisch von vorne bis hinten kann es aber auch mit einem guten Raumangebot und vor allem einer gefälligen und sehr soliden Verarbeitung aufwarten. Zudem ist die Ausstattung üppig und verlangt kaum Extras. Der Motor ist ein wenig laut, die Leistung ist aber angemessen, wie der Verbrauch. Standfest und sicher zeigt sich auch die Bremsanlage, lediglich auf schlechter Piste hat er ein wenig Mühe die Spur zuhalten. Spurtreu und leicht zu handeln zeigt sich der KIA mit einem gelungenen Fahrwerkskompromiss auch für sportliche Ausfahrten bestens gerüstet. Und nicht nur das reine Fahrgefühl suggeriert bei diesem Wagen ein tolles Gefühl von Solidität und Sicherheit.

Selten wurden wir so oft auf einen Testwagen angesprochen wie auf den aktuellen KIA pro_cee’d. Das wundert aber auch wenig, denn nicht nur dass die Karosserie in strahlendem Weiß schon weithin auffällt, die gesamte sportlich-dynamische Linienführung (das Coupé ist 4 cm niedriger als die Limousine) sticht wohltuend aus der Masse heraus. Und dabei bliebt der Dreitürer natürlich der cee’d-Familie treu.

Und das bedeutet an der Front nahezu identisches Auftreten mit den Geschwistern, hier dominieren die weit nach hinten reichenden, wie vom Fahrtwind verwehten Scheinwerfer und dem markanten, chromumrandeten Kühlergrill. Wer genauer hinsieht erkennt dann doch einige Unterschiede z.B. am Frontspoiler, mit dem sich der pro_cee’d ganz tief auf den Asphalt duckt wie auch an den integrierten Nebelscheinwerfern.

Die markante Sicke im unteren Teil der Türen hat das Coupé noch mit den anderen Modellen gemeinsa, durch die fehlenden hinteren Türen und das neue Heck erhält die Seitenansicht ein ganz eigenes, kraftstrotzendes Aussehen. Schwungvoll geht das Dach ins Heck über, die Schrägen an den hinteren Seitenfenstern nehmen die spitz in der Seite auslaufenden Scheinwerfer wieder auf.

Ein wenig an die Optik der Frontschürze angepasst nimmt auch die Heckschürze einen schwarzen Einsatz auf, in den auch noch zwei Leuchteneinheiten integriert sind. Ein dicker ovaler Auspuff demonstriert dann noch zusammen mit dem Dachkantenspoiler und der kleinen Stabantenne diesportlichen Gene.

Der Spoiler hält aber auch einen kleinen Nachteil bereit, das merken Sie spätestens wenn Sie mal in die Waschanlage fahren. Denn an ihm stören sich die Waschbürsten und so wird an der Heckscheibe eine große Stelle nicht gesäubert, am Rand können das leicht 15 cm sein. Und da ist dann gleich einiges an Handarbeit angesagt …

Ist genügend Platz vorhanden, können die großen Türen weit öffnen und man kommt richtig bequem rein und nimmt dann auf ausreichend großen Sitzen Platz, beim Fahrer auch manuell in der Höhe verstellbar. Die Sitzauflage ist lang genug, die Ausformung sehr schön und sieht nicht nur gut aus sondern gibt auch guten Seitenhalt, die Polsterung ist angenehm straff. Das gesamte Platzangebot in Reihe eins ist üppig, nur der Platz an der Handbremse ist sehr eng, man muss da mit dem Daumen schon richtig fest an den Sitz ran.

Damit man leichter an den Gurt kommt – durch die großen Türen ist die B-Säule recht weit hinten – hat er einen kleinen Gurtbringer oder besser gesagt Gurthalter, der den Gurt nach vorne reicht. Da er das aber ständig tut, sollte man ihn zum besseren Einstieg nach hinten wegklappen. Später das Wiedervorklappen aber nicht vergessen, sonst ist der Gurt ganz schön weit weg.

Wenn man nach hinten will und den Sitz wieder zurückfahren möchte, sollte man nicht erst die Lehne nach hinten klappen, sonst merkt er sich nicht die ursprüngliche Stellung. Die Sitzheizung könnte etwas stärker heizen. Gerade wenn es auf die kalte Jahreszeit zugeht ist die Lenkradheizung eine ganz feine Sache. Die möchte man nicht mehr missen und sie wurde in den nachfolgenden Testwagen dann auch schwer vermisst. Einziges Manko ist dass der Schalter dafür vom Lenkrad selbst verdeckt wird.

Durch die weit vorfahrenden Vordersitze kommt man ganz bequem nach hinten, und sitzt auch hier ganz ordentlich, auch wenn die Sitze hier deutlich weniger stark ausgeformt sind. Der Kopfraum ist bei 1,80 m Körpergröße ausreichend, der Beinraum hinter einem 1,80 m großen Fahrer auch, sogar die Kopfstützen lassen sich weit ausziehen.

Wer den Raum hinten zum Laden nutzen will, wird sich freuen, dass die Rücksitze einfach umzulegen sind. Einfach am Hebel ziehen und sie klappen 40 : 60 geteilt vor. Die Sitzfläche bleibt wo sie ist und dadurch steigt der Ladeboden ein wenig an.

Bis zu 380 Liter gehen dann rein in den Dreitürer, 1.225Liter sind es bei belegten Rücksitzen. Der Griff um den Kofferraum zu öffnen wird schnell schmutzig und damit auch die Finger. Die Stoßstage ist ungeschützt, die Ladekante gut aber auch recht hoch (ca. 75 cm), danach geht es noch mal gut 15 cm runter. Dann kommt aber ein glattflächiger Boden mit einem großen Fach darunter, dann folgt noch das Notrad mit Wagenheber und dem nötigsten Werkzeug.

Vier Verzurrösen hält der Kofferraum bereit, dazu links ein kleines Lämpchen. Die Heckklappe öffnet weit genug, dass man sich selbst mit 1,90 m Körpergröße nicht an ihr stößt. Kommen wir aber noch mal nach vorne und schauen wir uns das Cockpit mal genauer an.

Dabei werfen wir dann doch erst mal einen Blick über die Schulter und stellen fest, dass schon die B-Säule relativ breit ausfällt und das kleine Fenster hinten hilft nur wenig, weil es schon stark ansteigt, dann kommt eine sehr breite C-Säule und das eher kleine Heckfenster tut ein Übriges dazu, die Rundumsicht vor allem nach schräg hinten merklich einzuschränken. Geschenkt, wozu gibt es Außenspiegel, Einparkhilfen und ggf. die Rückfahrkamera?

Also die Augen wieder geradeaus und wir erkennen, dass das Coupé natürlich die Gestaltung seiner Geschwister aufweist, gewisse Unterschiede sind ausstattungsbedingt. Bei unserem Testwagen sorgten silbergraue Applikationen für eine gefällige Auflockerung.

Die ganzen Schalter und Knöpfe sind in Rot beleuchtet, auch die im Lenkrad und die für die elektrischen Fensterheber. Auch die Instrumente sind mit Rot und Weiß schön gezeichnet, das Fach unten in der Mittelkonsole ist mit einem roten Dimmerlicht angestrahlt. Schönes Licht zeigt sich auch in den Außenspiegeln, die den Einstiegsbereich beleuchten. Innen ist es trotzdem ein wenig dunkel, da könnte ein Dimmerlicht von der Decke nicht schaden.
In der Mittelkonsole hat er neben dem Zigarettenanzünder und den AUX-Steckdosen auch noch eine 12 Volt Steckdose. Außerdem verfügt er über ein an die Klimaanlage angeschlossenes kühlbares Handschuhfach.

Die Navibedienung geht schnell und einfach vonstatten, auch letzte Ziele sind nur wenige Klicks weg. Und auch die Zielführung ist sehr schön, meist hat man die Wahl zwischen mehreren Routen. Nur wenn es z.B. heißt: „Jetzt rechts abbiegen und der Landstraße L2000 folgen!“ dann spricht das Navi wie mit zwei Stimmen.

Auch beim Eingeben neuer Ziele werdenschnell die passenden Vorschläge gemacht. Was ein bisschen stört ist dass das Navi immer erst eine recht lange Zeitvorgabe macht und sich dann während der Fahrt ordentlich korrigiert, selbst bei nur einer halben Stunde Fahrzeit weicht es schnell mal 10 Minuten ab.

Und die insgesamt vier Ansagen, um z.B. den Kreisverkehr an der zweiten Ausfahrt zu verlassen, die man über sich ergehen lassen muss nerven schnell, da hätte man mindestens eine weglassen können. Das System blendet auch das Tempolimit ein, aber immer nur eingespeicherte Daten, neueste Limits kennt es dann nicht. Außerdem kann man interessante Ziele entlang der Route abrufen, oder KIA Werkstätten, Dinge für die Freizeit ebenso wie für den Notfall oder zum Einkaufen. Verkehrsstörungen werden natürlich auch berücksichtig und Ausweichrouten vorgeschlagen.

Dass man den Navi-Vorsichtshinwies immer erst wegklicken muss ist auf Dauer doch etwas nervig und auch dass der Reichweitenzähler nur runter rechnet. Aber sonst ist alles prima, wie auch die Rückfahrkamera, sie liefert ein sehr schönes Bild mit Hilfslinien die u.a. zeigen wo die Reise je nach Lenkradeinschlag hin geht und wie weit es noch bis zum Hindernis ist. Wenn es draußen aber ziemlich dreckelt, dann verschmutzt auch die Kameralinse ziemlich stark.

Die Fahrwerksauslegung ist den Entwicklern wirklich gut gelungen. Komfort auf der einen und Sportlichkeit auf der anderen Seite gehen eine tolle Verbindung ein. Dabei gibt sich das Fahrwerk wirklich sehr schön straff und so geht der KIA mit wenig Seitenneigung richtig flott um die Ecken und trotzdem bügelt er Schlaglöcher, Kanaldeckel etc. sehr sauber weg.
Vor allem sportlich ambitionierte Fahrer werden ihre Freude an der tollen Straßenlage haben und auch von weniger geübten lässt sich der pro_cee’d mit hohem Tempo um die Kurven zirkeln, und auch wenn man dann vom Gas oder gar Bremsen muss bleibt er sehr gutmütig, schiebt nur leicht über die Vorderräder und selbst bei Nässe macht er sich super – Elektronik sie Dank.

Er folgt willig der angenehm straff agierenden Lenkung, die mit elektrischen Servounterstützung arbeitet. Ergeht auch im Slalom zügig und mit wenig Karosserieneigung um die Pylonen, dafür werden aber die Insassen ganz schön hin und her geschleudert. Bei diesen extremen Fahrsituationen reicht dann der ansonsten gute Seitenhalt der Sitze doch nicht ganz aus.

Insgesamtkann man feststellen, dass man, so wie der Wagen fährt, ein tolles Gefühl von Solidität und Sicherheit hat – eine richtig handfeste, gutgemachte Sache. Daran hat auch die solide Bremsanlage mit Scheibenbremsen vorn (innenbelüftet) und hinten, ABS, elektronischer Bremskraftverteilung und Notbremsassistent eine großen Anteil, auch wenn sie sich eine kleine Blöße gibt.

Denn zwar wirft er sich aus Tempo 100 vehement in die Vollbremsung, geschieht dies jedoch auf wechselndem Straßenbelag mit vielleicht feuchten, glatteren Stellen, hat er etwas zu kämpfen um in der Spur zu bleiben, oder besser gesagt, er zieht sich nach kurzen Ausbrüchen selbst wieder gerade, und das ist dann für einen Moment doch ein wenig beunruhigend und auch etwas unkomfortabel. Gute Straße unter den Rädern und alles ist paletti. Je trockener der Asphalt wird, je stärker ist das ABS-Rubbeln zu spüren.

Und so steht er – auf guter Piste – bei einer Vollbremsung aus Tempo 100 heraus nach guten 36,5 Metern. Ein Nachlassen der Bremsleistung war dabei auch nach dem 10. Versuch nicht festzustellen.

Unser Testwagen war mit dem 1,6 Liter Benziner mit 99 kW / 135 PS ausgestattet. Damit ist der KIA ausreichend stark motorisiert, wird 195 km/h schnell und erreicht die Tempo 100 aus dem Stand nach 9,9 Sekunden. Damit ist der Motor, der im Stand und auch in der Stadt angenehm kultiviert läuft, so ganz okay, aber er ist schon bei Landstraßentempo etwas laut, macht bei Tempo 100 im 6. Gang schon relativ viel Krach, obwohl die Drehzahl noch ganz niedrig ist. Hinzu kommt, dass auch die Abrollgeräusche recht laut an die Ohren der Insassen dringen.

Bei leicht flotter Fahrweise sind wir mit 5,8 Litern hingekommen, etwas verhaltener unterwegs, also auch schon mal nur Tempo 80/90 auf der Landstraße und es geht mit 5,6 Litern dahin, ganz bummelig und mit wenig Stadtanteil können es auch mal 5,4 Liter sein, allerdings wird man dann schnell zum Verkehrshindernis. Im ganz normalen Fahralltag sind wir mit 6 Litern ausgekommen.

Damit lagen wir ziemlich exakt an den Werten des Herstellers, der CO2-Ausstoß beträgt im Mix 140 g/km. Die Schaltempfehlung ist so nicht verkehrt, sie zeigt aber nur rauf, nicht runter. Für die von uns gefahren Variante Vision mit dem 1.6 GDI Motor ist keine Start-Stop-Funktion verfügbar.

Der erste Eindruck der Schaltung ist schön knackig, genau wie das Fahrwerk. Die Gängeliegen nah beieinander, der Schalthebel flutscht nur so durch die Kulisse der serienmäßigen Sechsgangschaltung, die Wege sind kurz und exakt. Auch die Abstufung der Gänge passt und so zieht der Motor mit dem maximalen Drehmoment von 165 Nm bei 4.850 U/min ordentlich durch, erst oben rum geht ihm ein wenig die Puste aus, zudem sind die oberen Gänge lang übersetzt.

Unten rum geht er so gut ans Werk, dass wenn man bei Nässe Vollgas gibt, das ESP alle Hände voll zu tun hat, die Vorderräder am Durchdrehen zu hindern, was ihm aber nicht immer ganz gelingt.

Front-, Seiten- und Vorhangairbags sind ebenso serienmäßig wie das aktive Bremslicht, die Berganfahrhilfe, ESP mit Traktionskontrolle und die Gegenlenkunterstützung.

Auf allen Sitzplätzen sind Dreipunkt-Sicherheitsgurte mit Gurtkraftbegrenzern und -straffern vorne sowie einem Gurtwarnsystem vorne und hinten montiert, wie auch höhenverstellbare Kopfstüten. Die Rücksitze verfügen außen über ISOFIX-Halterungen.

Der KIA pro_cee’d 1.6 GDI mit 135 PS kostet in der Ausstattung Vision 20.090,- Euro, der Einstieg gelingt mit der Edition 7 bereits ab 18.490,- Euro, die Top-Variante Spirit kostet 21.590,- Euro.

Die Ausstattung unseres Vision ist dabei schon sehr reichhaltig, u.a. gehören 16 Zoll Alufelgen, der Dachkantenspoiler, die Wärmeschutzverglasung, eine Ambientebeleuchtung, Gepäckraumabdeckung und Gepäcknetz, das zweifach verstell- und beheizbare Multifunktions-Lederlenkrad, Sonnenblenden mit beleuchteten Make-up-Spiegeln, höhenverstellbarer Fahrersitz, Bluetooth, CD-Radio, Abbiegelicht, elektrische Außenspiegel, Lichtsensor, elektrische Fensterheber vorn, Tempomat, Bordcomputer, Klimaanlage, Nebelscheinwerfer, LED-Rückleuchten und -Tagfahrlicht, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung sowie die Parksensoren hinten dazu.

Als Extra war nur das 1.000,- Euro teure Navigations-Paket inkl. 7 Jahre Karten-Update und Rückfahrkamera an Bord. Viel mehr gibt die Aufpreisliste für den Vision auch nicht her, nur die Metallic-Lackierung für 530,- und das 6-Stufen-Direktschaltgetriebe für 1.500,- Euro. Wer mit dem Panorama-Schiebedach, dem Spurhalteassistent, der elektronischen Parkbremse, Xenon-Scheinwerfern etc. liebäugelt, muss gleich auf den Spirit aufsteigen, für ihn gibt es weitere Pakete im Angebot.

Wie sehr KIA von der Qualität seiner Fahrzeuge überzeugt ist bewiest nicht zuletzt dieserienmäßige 7 Jahres-Garantie bis 150.000 km inkl. 7 Jahre Mobilitätsgarantie, 5 Jahre Lackgarantie und 12 Jahre gegen Durchrostung. Alle 24 Monate bzw. 30.000 km muss eine Wartung durchgeführt werden.

Stand: Januar 2014; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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