// Fahrbericht / Jeep Grand Cherokee 3.0 V6 CRD

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Jeep Grand Cherokee 3.0 V6 CRD

Zur Markteinführung Anfang vergangenen Jahres bot Jeep den absolut gelungenen Grand Cherokee zunächst mit zwei bekannten Benzinern, dem 3.6 V6 und den gewaltigen 5.7 V8 an. Um auf dem deutschen Markt mit dem Grand Cherokee durchzustarten, war es jedoch nötig, mit einem Diesel nachzuziehen. Denn während der Amerikaner einfach nicht abrücken möchte von seinen starken aber auch benzinschluckenden Ottomotoren, sind hierzulande um die 90 Prozent der SUVs mit Dieselantrieb unterwegs. So wartete die italienische Konzernmutter Fiat nicht lange ab und legte rasch in Zusammenarbeit mit dem Spezialisten VM Motori einen neuen Turbodiesel 3.0 CRD nach. Angeboten wird dieses Aggregat in zwei Leistungsstufen, wobei wir im Rahmen unseres Tests die stärkere Variante mit 241 PS erleben durften.

Neu konzipiert, modern, aber dennoch traditionell. Die Designer schafften eine harmonische Verbindung zwischen neuen Designmerkmalen und klassischen Stilelementen wie dem Kühlergrill mit den sieben Streben und den trapezförmigen Radhäusern.

Das muskulöse Äußere wirkt trotz seiner großen Abmessungen alles andere als protzig. Dafür zieht sich die klar gezeichnete Linienführung dynamisch und zugleich elegant über das gesamte Fahrzeug. Die Seitenpartie mit flach geduckter Fenstereinheit sorgt für einen der sportivsten Auftritte im SUV-Segment. Die im Overland serienmäßigen 20 Zoll großen Räder tun ihr übrigens dazu.

Während die Front ganz klar einem Jeep entspringt, gingen die Verantwortlichen am Heck neue Wege. Der robuste Abschluss setzt mit seinen großen Rückleuchten und Chromelementen starke neue Akzente. Ohnehin geizen die höheren Ausstattungen nicht mit schickem Chrom, sei es am Grill, der Frontschürze, den Fensterflächen, Außenspiegeln, Türgriffen …

Und auch im Interieur blitzen diverse Details in Chrom hervor. Gepaart mit silberfarbenen Applikationen und im Falle unseres Testwagens mit feinstem cognacfarbenen Nappa-Leder. Ein fest für die Augen.

Aber wenn die Materialiensich auch allesamt fein anfassen und einer vorbildlichen Wertigkeit entsprechen, so kommen Sie leider noch nicht ganz an die deutschen Premium-Anbieter heran. Gleiches gilt auch für die Innenraumgestaltung, diese wirkt zwar bemüht, aber teils noch etwas rustikal.

Doch sollte man stets auch den Preis und die unglaubliche Ausstattung im Auge behalten, denn der Jeep Grand Cherokee Overland umfasst derart viele Annehmlichkeiten, die sich Audi, BMW und Co sehr teuer entlohnen lassen.

So ist nicht nur das zweiteilige Panorama-Sonnendach CommandView, dessen vorderer Teil sich elektrisch öffnen lässt oder die Sitzheizung vorn sowie im Fond bis hin zur Sitzkühlung auf den elektrisch verstellbaren Vordersitzen im Preis inbegriffen. Weiches Nappa-Leder umschmeichelt die Sitze und somit die Insassen, Echtholz-Dekors sind sowohl an den Türen, den Armaturen bis hin zum schicken Jeep-Dreispeichen-Lenkrad mit elektrischer Höhen- und Neigungsverstellung verbaut.

Die neu gezeichnete Instrumententafel liegt ebenso gut im Blick, wie die intuitiv zu bedienenden großen Schalterelemente bis hin zu Selec-Terrain, auf dessen Funktionsweise wir im nächsten Kapitel näher eingehen werden.

Die schwäbischen Wurzeln sind auch nach Übernahme durch den italienischen Konzern noch etwas zu sehen, so ist die Blinker- wie auch die Scheibenwischfunktion in alter Mercedes-Manier in einem Hebel links vom Lenkrad vereint.

In diesem Segment nicht selbstverständlich, aber im Jeep Grand Cherokee stets serienmäßig an Bord, sind toll ausgeformte Sitze, die optimalen Halt, perfekten Komfort und je nach Ausstattung zahlreiche elektrische Verstellmöglichkeiten bis hin zur Lordosenstütze bieten.
An Platz mangelt es dem Offroader erwartungsgemäß auch nicht, sei es auf den vorderen Plätzen oder aber im Fond. Auch Großgewachsene fühlen sich im Jeep stets gut aufgehoben und haben auch auf den hinteren Plätzen die Möglichkeit die Lehne individuell in der Neigung zu verstellen.

Des weiteren lassen sich die Rücksitze im Verhältnis 60/40 asymmetrisch geteilt umklappen und somitder Gepäckraum von üppigen 782 Liter auf 1.554 Liter vergrößern. Dabei haben die Verantwortlichen auch hier die Optik nicht außer Acht gelassen und so ziert selbst das Gepäckabteil reichlich Chrom.

Zwei herausnehmbare Stauboxen unter dem Gepäckraumboden erweisen sich dagegen als ebenso praktisch, wie der rutschfeste Teppich, die Haken zur Fixierung oder die herausnehmbare Taschenlampe.

Die weit öffnende Heckklappe schwenkt elektrisch auf, allerdings ist um diese wieder zu schließen ein Tastendruck an der Fernbedienung nötig. Schade eigentlich und für uns nicht ganz ersichtlich, da dank Keyless Enter-N-Go eigentlich ein Benutzen/herausnehmen des Schlüssels nicht mehr von Nöten ist.

Ein separat zu öffnendes Fenster in der Heckklappe ermöglicht einen weiteren Zugriff auf das Ladegut. Dieses lässt sich sowohl mittels Schalter am Kofferraumdeckel als auch mit Hilfe der Funkfernbedienung öffnen.

Überraschend agil und ohne große Mühe lässt sich das schwere Gefährt sowohl in der Stadt, auf kurvigen Landstraßen oder mit hohem Tempo auf der Autobahn manövrieren, von amerikanischer Schwammigkeit ist hier überhaupt keine Spur. Wenn auch die schicken 20-Zöller etwas den Komfort mindern, so lässt der Jeep diesen trotz des sportlichen Charakters nicht vermissen.

Selbstverständlich ist diese Bereifung nicht die ideale Wahl für den wirklich harten Einsatz im Gelände, da wir uns jedoch bereits im Rahmen der Präsentation im vergangenen Jahr von dem unglaublichen Offroadeigenschaften überzeugen konnten, können wir diese Tatsache jetzt im Test leicht verschmerzen.

Ohnehin ist die Prozentzahl der Kunden, die den Jeep Grand Cherokee abseits des Asphalts bewegen oder gar ausreizen so gering, obwohl diese Tatsache im Falle des Premium-Offroaders wirklich zu bedauern ist, denn die Fähigkeiten sind absolut beeindruckend.
Nicht zu letzt dank des Quadra-Drive II, dieses Allradsystem regelt die Antriebskraft variabel und bedarfsgerecht. Ein elektronisch gesteuertes Sperrdifferenzial an der Hinterachse verteilt zudem die Kraft zwischen denRädern.

Zudem bietet Selec-Terrain mittels Drehregler die Möglichkeit zwischen folgenden Modi zu wählen und sich dem jeweiligen Terrain optimal anzupassen. So ist der Modus „Snow“ bei verschneiten/vereisten Pisten zu wählen, „Rock“ beim Felsenkriechen oder aber bei matschigem Untergrund „Sand and Mud“, „Sport“ bei flotter Fahrt und „Auto“ für die automatische Anpassung bei jeder Straßen- sowie Geländesituation. Dabei greift Selec-Terrain auf bis zu zwölf verschiedene Systeme ein, ob Antrieb, Bremsen und Fahrwerk, die Drosselklappe, das Automatik- und Verteilergetriebe sowie ESP. Des weiteren kann der Fahrer je nach Situation 4WD Low oder die Bergabfahrhilfe aktivieren.

Ebenfalls in unserem Testfahrzeug verbaut, das Luftfederungssystem Quadra- Lift, das eine variable Bodenfreiheit von bis zu 270 Millimetern ermöglicht und somit nahezu jede Hürde meistert. 70 Jahre Erfahrung im Offroad-Bereich machen sich hier einfach bezahlt.

Nicht zu vergessen: 3,5 Tonnen darf der Diesel an den Haken nehmen und verfügt wie auch die Benzinervarianten über eine serienmäßige Anhänger-Pendelstabilisierung. Der Italo-Amerikaner entspricht somit den unterschiedlichsten Ansprüchen und entpuppt sich als idealer Begleiter.

Ob mit oder ohne Last sowie aus hohem Tempo schafft es die Bremsanlage den Jeep Grand Cherokee stets souverän und sicher zu verzögern, das Bremspedal reagiert dabei auf sanften Tritt und ist angenehm zu dosieren.

Das neue Sechszylinder-Diesel-Aggregat ist mit der von Fiat Powertrain patentierten Multijet II-Technologie ausgerüstet und in den Leistungsstufen 140 kW (190 PS) und 177 kW (241 PS) verfügbar. Die leistungsstärkere Variante schlägt statt mit 440 mit satten 550 Newtonmeter maximalen Drehmoments zu. Da letztlich beide Motorversionen laut Hersteller den gleichen Verbrauch zu verbuchen haben und die schwächere Motorisierung nur in Verbindung mit der Basisausstattung kombinierbar ist, entscheiden sich der Großteil der Kunden für den von uns gefahrenen Topdiesel.

Trotz eisiger Kälter während unsrer Testphase sprang der Motorsofort an und gönnte sich im längsten Fall gerade mal eine Sekunde. Dabei trat das Aggregat bei weitem nicht so rau in den Vordergrund wie erwartet und überzeugte bereits von den ersten Metern an. Stets kultiviert und mit einer souveränen Leistungsentfaltung sorgt gerade das gewaltige Drehmoment für durchzugsstarken Vortrieb. Wenn einem dieser auch letztlich nur durch einen Blick auf die Tachonadel bewusst wird.

So vergehen gerade mal 8,2 Sekunden bis der Jeep aus dem Stand die 100er Marke erreicht hat, was dem Bestwert im gesamten Motorenangebot entspricht. Kontinuierlich prescht das tonnenschwere Gefährt weiter nach vorn und das bis Tempo 202.

Das bei dieser Fahrweise der Verbrauch ordentlich nach oben getrieben wird, sollte verständlicherweise klar sein, dennoch lässt sich der Jeep Grand Cherokee 3.0 CRD bei Tempo 130 mit um die neun Litern bewegen.

Für den Verbrauch im Stadtzyklus gibt der Hersteller 10,3 Liter auf 100 Kilometer und im kombinierten Fahrzyklus 8,3 Litern sowie einen CO2-Ausstoß von 218 g/km an. Womit der Diesel knapp sieben Liter und 38 Gramm unter dem 286 PS starken Benziner liegt.

Während die deutschen Mitbewerber mit sieben oder gar acht Gängen aufwarten, begnügen sich die Italiener derzeit noch mit fünf Schaltstufen. Im Falle des Jeep Grand Cherokee soll dies aber dem Komfort keinen Abbruch tun.

In Amerika hat der Jeep Grand Cherokee die höchste Sicherheits-Auszeichnung erhalten, im Euro NCAP Crashtest konnte er leider nicht an diesen Erfolg anknüpfen.

Dennoch mangelt es dem Offroader nicht an den nötigen Sicherheitsfeatures. Sei es das elektronische Stabilitätsprogramm ESP, die elektronische Überschlagsvermeidung ERM, ABS mit Schlechtwegeerkennung, die Traktionskontrolle mit Bremseneingriff BTCS, eine Anhänger-Pendelstabilisierung, Bergan- und -abfahrassistent, all diese Systeme sind ebenso serienmäßig im Fahrzeug enthalten wie auch das Reifendruck-Kontrollsystem, die Kindersitzbefestigung ISOFIX, die aktiven Kopfstützen vorn, Frontairbags, seitliche Windowbags für beide Sitzreihen, Seitenairbags inden vorderen Sitzlehnen sowie ein Knie-Airbag für den Fahrer.

Die adaptive Cruise Control ist ab der Ausstattung Overland ebenso an Bord und hält radargesteuert einen vom Fahrer gewünschten Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug ein. Ganz nach unserem Geschmack kann man aber auch rein mit dem Tempomat unterwegs sein und nur wenn gewünscht die automatische Abstandsregelung aktivieren.

Das Auffahrwarnsystem wie auch der Totwinkel-Assistent sind ebenfalls in den Varianten Overland und Overland Summit serienmäßig enthalten.

Der 3.0 V6 CRD erhältlich in zwei Leistungsstufen rundet das Motorportfolio perfekt ab und stellt hierzulande mit Sicherheit die attraktivste Wahl dar. Während der kleinere der beiden für 42.300,- Euro jedoch ausschließlich in der Einstiegsvariante Laredo erhältlich ist, steht die von uns gefahrene 241 PS Variante in den übrigen Ausstattungslinien Limited, Overland und Overland Summit bereit. Die Preise erstrecken sich hierbei von 48.850,- bis zu 59.400,- Euro.
Womit der Jeep seine deutschen Mitbewerber nicht nur deutlich im Einstiegspreis unterbietet sondern bereits in der Basisvariante Bi-Xenon-Scheinwerfer, Keyless Enter-N-Go, eine Klimaautomatik, elektrisch verstellbare Vordersitze, das uconnect Multimediasystem und die Cruise Control beinhaltet.

Das nächst höhere Niveau setzt mit einer Rückfahrkamera, einem Parkassistent, Sitzheizung vorn und hinten, der Memory-Funktion sowie dem Premium Alpine Sound System noch eins drauf.

Die Linie Overland entspricht absolutem Premium-Standard und verfügt neben dem Auffahrwarnsystem, dem Totwinkel-Assistent und der Quadra-Lift-Luftfederung auch über eine feine Sitzpolsterung in Nappa-Leder, Echtholz-Dekoreinlagen, belüftete Vordersitze, ein beheizbares Lederlenkrad, abgedunkelte Scheiben, uconnect Navigation inklusive Touchscreen, eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, das tolle CommandView-Panorama-Glasdach sowie eine elektrisch betätigte Heckklappe.

Die Overland Summit Version hebt sich optisch nicht nur durch seine serienmäßige Metallic-Lackierung (ansonsten 800,-Euro Aufpreis) ab, der Kühlergrill glänzt in Chrom-Mesh-Design wie auch die Nebelscheinwerfer. Polierte Leichtmetallräder in 20 Zoll auf 265/50 R20 Breitreifen runden den perfekten Auftritt ab.

Stand: April 2012; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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