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Jaguar F-Type – Der E-Type des 21. Jahrhunderts

Im September 1974 wurde der legendere Jaguar E-Type eingestellt. Der zweisitzige Roadster ist nicht nur eine Ikone seiner Zeit, bis heute zählt der britische Traumwagen zu den begehrenswertesten, sinnlichsten und temperamentvollsten Fahrzeugen dieser Welt. Während für die einen der Pkw lediglich als Fortbewegungsmittel dient, sind es die Enthusiasten, die sich lange 40 Jahre gedulden mussten, bis Jaguar endlich wieder zurück zu den Wurzeln des reinrassigen Sportwagens kehrte. Doch das Warten hat nun ein Ende … Geboren ist der Jaguar F-Type.

All die Tugenden der Vergangenheit interpretiert der neue F-Type auf absolut moderne und gelungene Weise. Der Engländer lehrt seine Mitbewerber wahrlich das Fürchten, denn während er preislich zwischen Porsche Boxster und 911er positioniert ist, liegt er bezüglich der Performance ganz klar mit den großen Sportwagen auf Augenhöhe.

Wenn Klassiker wieder auferstehen, spiegelt das Design oftmals diverse Retro-Elemente wieder. Hierauf haben die Briten nahezu verzichtet, wenn sich auch einzelne Stilelemente durchaus wiederfinden … so ist der F-Type absolut eigenständig.

Auf die klassischen Roadster-Proportionen wie die endlos lange Motorhaube, die in alter Tradition sogar nach vorn schwenkend öffnet, oder aber die weit hinten sitzende, knackige Fahrgastzelle sowie der kurze Abschluss konnte natürlich nicht verzichtet werden.

Weiterhin bestehen konnte auch das Stoffverdeck, das nun natürlich deutlich hochwertigere Z-Faltverdeck ist nicht nur in vier Farben erhältlich, sondern öffnet bzw. schließt zudem vollelektrisch in gerade mal 12 Sekunden und das sogar während der Fahrt bis zu Tempo 50.

Ob im geöffneten oder geschlossenen Zustand, die wunderschöne Silhouette mit den sehr fließenden Linien bleibt jeweils bestehen. Ein besonderes Detail stellen hier die versenkten Türgriffe dar. Sobald das Fahrzeug per Fernbedienung geöffnet wird, oder wir den Griff berühren, fährt dieser versehen mit einem Jaguar-Schriftzug heraus und ermöglicht den Zugang zum Fahrzeug.

Doch der F-Type hat noch zahlreiche weitere Design-Highlightsaufzuweisen. Sehr prägend für die Front sind neben dem sehr markanten J-förmigen LED-Tagfahrlicht dabei auch die seitlichen, kiemenartigen Kühlluftöffnungen und die stark ausgeformte Motorhaube.

Perfekt modelliert wurde auch das Heck mit den hohen und kraftvollen Kotflügeln sowie den eigenständigen horizontalen Rückleuchten, die dem Fahrzeug einen sehr breiten Stand verleihen. Der zunächst versteckte Heckspoiler fährt ab Tempo 100 aus und versenkt sich ebenso automatisch wieder beim Unterschreiten einer Geschwindigkeit von 65 km/h.

Der rundum muskulöse Abschluss findet im 8-Zylinder-Modell wahrlich seine Krönung. Denn wenn uns auch die mittig platzierte Auspuffanlage mit den zwei trompetenförmigen großen Endrohren bei den 6-Zylindern sehr gut gefällt, so ist das Topmodell F-TYPE V8 S mit vierflutig, außenliegenden Auspuffenden nicht zu schlagen.

Weitere optische Unterschiede zwischen Sechs- und Achtzylinder sind außerdem am Kühlergrill, den Lüftungsöffnungen, am Front-Splitter und in der Heckschürze auszumachen. Denn diese sind statt in seidenmatt-schwarz, im stärksten F-Type in einem hochglänzend schwarzen Finish gehalten.

Der Aerodynamik wegen ist der V8 S zudem mit Leitblechen und flachen, stärker ausgeformten Türschwellern versehen. Bezüglich der Felgen, variiert die Basisvariante mit 18 Zöllern von dem mit 19 Zoll Reifen bestückten F-Type S und dem auf 20 Zoll großen Rädern stehenden F-Type V8 S.

Auch im Innenraum heben sich die beiden „S“-Varianten vom Einstiegsmodell ab. So ist das gesamte Interieur mit dunkleren Dekorelementen und Materialien ausgekleidet und sowohl der Motor-Startknopf wie auch die Lenkrad-Schaltwippen und der Dynamic Mode-Kippschalter stechen im Bronze-Farbton „Ignis“ deutlicher hervor.

Ausgenommen davon, sind die F-Type-Varianten jedoch identisch und stets bewusst auf den Fahrer zugeschnitten. Der Beifahrer wird dabei mittels großem Haltegriff an der Mittelkonsole regelrecht „ausgegrenzt“. Diese optische Lösung spaltet allerdings die Geschmäcker. Apropos Optik, auch die verwendeten Materialien differieren bewusst zwischen Fahrer- und Beifahrerseite, um die Trennung noch deutlicher zumachen.
Insgesamt ist das sportlich geschnittene Cockpit sehr klar strukturiert und modern ausgekleidet. Den eher kühleren Eindruck untermalt zudem die eisblaue Beleuchtung.

Die wenigen Bedienelemente sind darauf zurückzuführen, dass sich diverse Funktionen ausschließlich über den Touch-Screen-Bildschirm des Jaguar Infotainment-Systems steuern lassen. So ist auch die Luftzirkulation beispielsweise per Bildschirm regelbar, wirklich pfiffig ist dabei die Tatsache, dass die gesamte Einheit der mittig platzierten Lüftungsdüsen bei ausgeschalteter Klimaanlage oder Zündung im Armaturenbrett verschwindet.

Die übrigen Schalterelemente liegen ansonsten groß dimensioniert in guter Reichweite, einzig der Lautstärkeregler ist zunächst nicht zu finden. Dieser rechts neben dem Schalthebel versteckt, wirkt auf den ersten Blick zudem wie ein Zigarettenanzünder.

So gar nichts zu meckern gibt es am Stuhlwerk. Bereits die serienmäßigen Sportsitze bieten dank guter Ausformung sowohl im Bein- als auch im Rückenbereich optimalen Halt. Den absolut perfekten Sitz garantiert dann aber das aufpreispflichtige Performance-Gestühl mit noch stärkerer Ausprägung.

Mit 196-Liter ist das zudem zerklüfftete Kofferraumabteil des F-Type nicht unbedingt beachtlich, bewegt sich aber ganz auf erwartetem Niveau.

Und auch beim Fahrwerk differieren die drei F-Type-Versionen etwas voneinander, eine ausgewogene Gewichtsverteilung sowie eine hervorragende Performance haben jedoch alle Varianten gemeinsam.

Der F-Type klebt förmlich auf dem Asphalt, dem geübten Fahrer ist es stets eine Freude, den heckgetriebenen Roadster im angenehm kontrollierten Drift durch die Kurven zu jagen. Die in zwei Stufen deaktivierbare Stabilitätskontrolle DSC lässt einem hier die nötige Freiheit.
Das Zusammenspiel aus dem tadellos agilen Fahrwerk und der hydraulischen Servolenkung ist beispiellos. Der Zweisitzer lässt sich mit einer derartigen Leichtigkeit und Sicherheit sehr präzise einlenken und folgt willig und wie am Schnürchen gezogen unseren Lenkbewegungen.

Die S-Versionen des F-Type machen das Rennsport-Feeling dank serienmäßigem mechanischem Sperrdifferential im V6und der im Achtzylinder verbauten aktiven elektronischen Differentialsteuerung ADC letztlich perfekt.

Zudem sind beide Motorvarianten mit dem adaptiven und stufenlos regelnden Dämpfersystem Adaptive Dynamics bestückt. Im aktivierten Dynamic-Modus greift das System auf diverse Funktionen zu, wie das Ansprechverhalten des Gaspedals, die Lenkung, das Fahrwerk, das DSC und auf das Getriebe. Die Ausreizung des sportlichen Charakters verlangt regelrecht nach einer Rennstrecke.

Außerdem kann sich der Fahrer einen Dynamic-Modus selbst und frei konfigurieren. Die einzelnen Parameter können so ganz beliebig verändert werden. Ein nettes Gimmick stellt dabei die Anzeige von diversen Einstellungen und wirkenden Kräften sowie die Einblendung der Stoppuhr dar.

Einen sicheren und standfesten Eindruck hinterließen während unserer Testfahrt alle Bremssysteme, angefangen von der Sportbremsanlage mit den großen Bremsscheiben (354 mm vorn / 325 mm hinten) und den jeweils silber lackierten Bremssätteln im Jaguar F-TYPE über die Hochleistungsbremsanlage mit auf 380 Millimeter vergrößerten vorderen Scheiben im F-TYPE S bis hin zur Super-Hochleistungsbremsanlage im F-TYPE V8 S, die mit den derzeit größten verbauten Scheibenbremsen in einem Jaguar Serienfahrzeug ans Werk geht. Der Kunde kann in den S-Varianten außerdem zwischen schwarz oder rot lackierten Bremssätteln auswählen.

Zu Verkaufsbeginn ist der neueste Jaguar-Sprössling zunächst mit drei kompressoraufgeladenen Motoren, darunter zwei 3,0-Liter-Sechszylindern in zwei Leistungsstufen sowie einem 5,0-Liter-V8 mit gewaltigen 495 PS erhältlich.

Schon die Einstiegsversion ist mit 340 PS (250 kW) alles andere als Schwach auf der Brust. Ein sanftes Streicheln des Gaspedals genügt und die Katze prescht temperamentvoll nach vorn. Lediglich 5,3 Sekunden gönnt sich der F-Type für den Standardsprint und dreht beeindruckend bis über 6.500 Touren.

Der F-TYPE S legt mit 280 kW / 380 PS noch mal eine Schippe drauf und lässt den schwächeren Sechszylinder mit 4,9 Sekunden fast eine halbe Sekunde von Null auf 100 km/h hinter sich.

Ausschließlich dem V6 S vorbehalten ist dabei die Launch-Control, dieeine noch schnellere Beschleunigung aus dem Stand heraus ermöglicht. Im aktivierten Dynamic-Launch-Modus spurtet der F-TYPE S so nochmals 0,3 Sekunden schneller los, hierzu muss bei stehendem Fahrzeug einzig Brems- und Gaspedal gleichzeitig getreten werden. Nach aufgebauter Launch Control Drehzahl erscheint in der Instrumentenanzeige das Symbol „Dynamic Launch Ready“ und nun muss nur noch die Bremse gelöst und das Gaspedal getreten werden und schon schießt der Roadster hemmungslos nach vorn.

Mehr Motor ist eigentlich nicht nötig, diese Meinung hatten wir zumindest solange vertreten, bis wir im derzeitig stärksten F-Type Platz genommen haben. Dem F-TYPE V8 S.
Dieses Aggregat ist wie auch die beiden anderen Motorisierungen an eine hervorragend arbeitende Achtgang-Quickschift-Automatik gekoppelt, die nicht nur für einen sehr schnellen sondern auch zugleich sanften Gangwechsel sorgt. Mittels Schaltwippen am Lenkrad oder dem „SportShift“-Wählhebel lassen sich die Gänge auch manuell wählen. Was letztlich aber selbst beim sportlichen Ritt nicht nötig ist, da sich das Getriebe auf die jeweilige Fahrsituation einstellt und die Gänge wenn gefordert höher ausdreht, die Schaltzeiten weiter verkürzt, stets den richtigen Gang bereithält und beim Herunterschalten automatisch ein kurzes Zwischengasmanöver ausführt, um die Drehzahl optimal anzugleichen. Zudem ist es der Automatik möglich, während starker Bremsmanöver mehrere Gänge auf einmal Herunterzuschalten.

Doch zurück zur Fünf-Liter-Maschine die 364 kW / 495 PS auf die Straße bringt und mit einem maximalen Drehmoment von 625 Nm nicht nur jede Menge Adrenalinschub, sondern auch atemberaubende Beschleunigungswerte garantiert. Beim Tritt aufs Gaspedal presst es uns in den Sitz und das Fahrzeug in 4,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Wirklich beeindruckend sind aber immer wieder die Zwischensprints, die gerade bei Überholmanövern nötig sind. Aus Tempo 80 heraus passiert der Achtzylinder nach gerade mal 2,5 Sekunden die 120 km/h-Marke. Wer jetzt nicht sofort vom Gas geht und die Bremse einsetzt, ist auf der Landstraße schnell viel zu schnell.

Also ab auf die Autobahn, aber hier ist dieHöchstgeschwindigkeit stets elektronisch abgeregelt und steigert sich je Motorisierung von 260 über 276 bis hin zu 300 Stundenkilometern.

Am Beispiel des schnellsten F-Type ist die Beschleunigungskraft selbst aus Tempo 200 heraus noch so enorm, dass man andere Fahrzeuge regelrecht stehen lässt. Wir fahren uns förmlich in einen Rausch, und glauben Sie mir, es ist ein wahrlich kalter Entzug, wenn Sie von dieser gierigen Raubkatze wieder auf ein „normales“ Fahrzeug umsteigen müssen. Und das nicht einzig wegen der Beschleunigung, wirklich vermissen wird man vor allen Dingen den einzigartigen Motorsound.

Denn dass es sich beim Jaguar F-Type um ein reinrassiges Raubtier handelt und weniger um eine Schmusekatze, beweist ein Druck auf die Soundtaste des aktiven Auspuffsystems mit Klappensteuerung – stets im F-Type S und V8 S serienmäßig und für den „Kleinsten“ optional erhältlich und absolut seinen Aufpreis wert und ein unbedingtes Muss.

Während wir mit dem F-Type auch durchaus zivilisiert und mit geringem Geräuschniveau die Straßen entlang gleiten können, so entströmt dem Zweisitzer bei aktivierter Taste ein wunderbar brachialer Sound, der mit seinem Röhren und regelrechten Aufschreien ein derart traumhaftes Klangerlebnis bietet, das wahrlich jeden zum Katzenliebhaber werden lässt.

Jetzt hätten wir fast den Verbrauch unter den Tisch gekehrt, der nach dieser Performance aber wahrlich zur Nebensache wird. Wenn auch das serienmäßige Intelligent Stop/Start-System den Spritkonsum gerade in der Stadt im Zaun halten möchte, so sind die Werksangaben mit neun bis elf Liter im kombinierten Fahrzyklus reine Utopie.

Alles andere als nebensächlich ist für Jaguar selbstverständlich auch die Sicherheit. Diese ist mit den bereits erwähnten elektronischen Hilfen, wie auch der Hochleistungsbremsanlage, den Front- und Seitenairbags, einem Fußgänger-Schutzsystem und den Überrollbügeln gegeben.

Mindestens 73.400,- Euro veranschlagt Jaguar für den neuen F-Type, für weitere 11.500,- Euro stellen die Briten dem Kunden den F-Type S vor die Haustür.

Mit 99.900,- Euro ist der momentan stärkste F-Type V8 S wahrlich kein Schnäppchen, liegtpreislich aber deutlich unter den vergleichbaren Mitbewerbern.

Dass bei denen meist aufpreispflichtige Fahrertraining ist bei Jaguar ebenso inbegriffen und lehrt Sie den ersten Umgang mit dem gierigen Raubtier.

Stand: Juni 2013; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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