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Jaguar´s stärkste Raubkatze XKR-S.

Nicht, dass der XKR mit 375 kW / 510 PS und 626 Nm ein kleines Kätzchen wäre, doch der XKR-S markiert mit bärenstarken 404 kW / 550 PS sowie 680 Newtonmetern die derzeit absolute Leistungsspitze der XK-Baureihe und tritt nun dem exklusiven „Club 300“ bei. In Zeiten des Downsizing, der CO2-Reduktion und modernster Spritspartechnik scheint einem Jaguar´s Vorhaben entgegen aller Vernunft. Zweifelsohne ist es das auch, doch was wäre die Welt ohne Emotionen und Leidenschaft, ohne ein bißchen Unvernunft?

Coupé oder doch lieber Cabriolet? Diese Wahl bleibt ganz Ihnen überlassen, nachdem Jaguar zunächst mit dem XKR-S Coupé ins Rennen ging, legten sie schon rasch mit der offenen Variante nach.

Die optischen Veränderungen resultieren in erster Linie aus aerodynamischen Gründen. So sind die Frontschürze breiter, die Seitenschweller größer und ein neuer Frontsplitter aus Karbon ist an den Rändern des ovalen Lufteinlasses angebracht, außerdem zusätzliche vertikale Lufteinlässe. Das Fahrwerk wurde modifiziert und die Karosserie um weitere zehn Millimeter tiefer gelegt.

Am Heck thront ein separater Heckflügel, dessen Mittelteil ebenfalls aus Karbon gefertigt ist und mit der Venturi-Struktur unter der Heckstoßstange zusammenwirkt und für optimalen Abtrieb sorgt.

Chromzierteile in einem glänzend schwarzen Finish dienen wiederum einzig dem exklusiven Look, ebenso die20-Zoll-Leichtmetallfelgen mit dunkler „Industrial“-Oberfläche. Die roten Bremssättel des Jaguar Hochleistungsbremssystems blitzen hier farbgewaltig durch die Speichen hindurch, sind wenn gewünscht aber auch in Metallic-Grau verfügbar.

Im direkten Vergleich mit den „zivilen“ Geschwistermodellen wirken diese regelrecht wie zahme Kätzchen. Und den XKR-S-Modellen stehen zusätzliche exklusive Lackierungen zur Verfügung, so sind beispielsweise die Farben Italian Racing Red und French Racing Blue für das Coupé eine Hommage an die lange Rennsporttradition oder aber beim Cabriolet die Farben Polaris White und British Racing Green.

Das geräuschdämmend und auf die Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h ausgelegte Verdeck ist serienmäßig in schwarz gehüllt, kann aber auch in den Farben Blau, Beige und Dunkelgrau oder in den exklusiven Tönen Weinrot, Dunkelgrün oder Dunkelbraun geordert werden.

Auch die Anmutung und Farbgebung des Interieurs wurde individuell auf den XKR-S abgestimmt. Elfenbeinfarbiger Softlack trifft auf glänzend schwarzes Pianolackfinish, als Alternative zu den Holzpaneelen stehen Dekors in Dark Linear Aluminium zur Auswahl. Das multifunktionale und beheizbare Lederlenkrad hebt sich dank Kontrastnaht ebenso ab wie die polierte Edelstahlpedalerie. Hier wurden zudem exklusive Premium-Fußmatten mit Umrandung in Nubukleder verlegt. Mit feinstem Poltrona Frau-Leder sind des weiteren die A-Säulen verkleidet.

Die im XKR-S neuverbauten und beheizbaren Performance-Vordersitze mit integrierten Kopfstützen sind selbstverständlich auch von feinstem Leder ummantelt. Und zwar Karbonleder, das zusammen mit einem kontrastfarbigen Mikrokeder und Nähten in Reims Blue, Red oder Ivory die Sitze schmücken. Zweifarbige Kombinationen in Charcoal/Tan oder Charcoal/Red sorgen wenn gewünscht für ein außergewöhnliches Ambiente.

Aussparungen für 6-Punkt-Renngurte und besonders stark konturierte sowie verstellbare Seitenpolster machen das Gestühl perfekt. Die Möglichkeit den Sitz 16-fach elektrisch zu verstellen lässt garantiert jedermann die optimale Position finden. Erst einmal Platz genommen, genießen wir nicht nur den perfekten Sitz sondern auch den puren Klanggenuss, der dem 525 Watt starken Bowers & Wilkins Premium-System entströmt.

Der XKR-S strahlt seine Qualitäten bereits im Stand aus und schon eine kurze Rundfahrt auf dem Handlingkurs reichte aus, um sich auch von seiner Leistung und seinem Können zu überzeugen. Das Zusammenspiel zwischen ausgewogenem und knackig-sportlichem Fahrwerk und der exakten und zugleich gefühlvollen Lenkung ermöglicht ein hervorragendes Handling. Kontrolliert können wir mit dem teils giftigen Heck spielen, letztlich hat das elektronische Stabilitätsprogramm aber auch hier alles im Griff.

Im aktivierten Dynamikmodus nach Betätigen der Zielflaggen-Taste, greift dieses etwas später ein und lässt dem geübten Fahrer noch mehrSpielraum, zudem geht das Fahrwerk noch einen Tick straffer ans Werk. Die Federraten sind noch etwas sportlicher abgestimmt und vorne und hinten um 28 Prozent höher als es noch beim XKR der Fall ist.

Dessen stabile und leichte Aluminiumstruktur bietet eine hervorragende Basis, die Aluminium-Achsschenkel an der vorderen Radaufhängung sowie die Geometrie am Heck wurden modifiziert und die Lenkung neu kalibriert. Die oberen Aufhängungspunkte der hinteren Stoßdämpfer wurden weiter verstärkt, die adaptive Dämpferregelung bekam zudem eine neue Software verpasst und die Steuerung der aktiven Differenzialsperre wurde neu programmiert. Aber auch die übrigen Regelsysteme blieben nicht unangetastet.

Bei der Leistung, die der neue Supersportler von Jaguar abrufen kann, muss dementsprechend natürlich auch die Bremsanlage abgestimmt sein. Die Bremsscheiben in den Dimensionen 380 mm vorn und 376 mm hinten sind natürlich innenbelüftet. Das Hochleistungsbremssystem verzögert dank dieser Auslegung und der nochmals vergrößerten Belagfläche und den Aluminium-Bremssätteln auch aus hohem Tempo heraus absolut souverän. Das Fahrzeug krallt sich förmlich in den Asphalt, bleibt aber auch dabei sehr spurtreu und spielerisch zu handeln.

Und nun lassen Sie sich folgende Zahlen einmal ganz genüsslich auf der Zunge zergehen: Kompressoraufgeladene 5,0 Liter Hubraum, acht Zylinder, 405 kW / 550 PS, ein gigantisches Drehmomentmaximum von 680 Nm – da kann man janur ins Schwärmen geraten.

In gerade mal 4,4 Sekunden springt die Raubkatze aus dem Stand auf Tempo 100 – Genauso schnell ist allerdings auch der Führerschein in Gefahr. Der Vortrieb scheint unaufhaltsam, nur die Besinnung und die zahlreichen Tempolimits halten uns im Zaum. Besteht jedoch die Möglichkeit, erreicht der XKR-S mühelos die 300 km/h-Marke, womit Jaguar nun auch bei den ganz Großen mitspielt.

Die aktive Performance-Abgasanlage mit vierflutigen Endrohren untermalt den enormen Vortrieb mit einem herrlich aufbrüllenden Kompressor-Sound. Allerdings faucht die Katze nur so herrlich, wenn die Kraft richtig gefordert wird, denn leider ist von diesem kernigen Brummen im normalen Fahrbetrieb so gut wie nichts zu hören.

Doch keine Rose ohne Dornen, so auch beim XKR-S. Denn 550 Pferde möchten natürlich auch gefüttert werden und schon laut Werksangaben sind es im kombinierten EU-Zyklus 12,3 Liter, in der Stadt dann fast 20 Liter. Der CO2-Ausstoß liegt bei enormen 292 g/km, aber wer möchte sich an dieser Stelle davon den Spaß verderben lassen?

Der XKR-S begnügt sich übrigens zunächst mit einer ZF Sechsgang-Automatik, die aber einen hervorragenden Job leistet. Einen siebten oder gar achten Gang, der heut zu tage in dieser Klasse keine Seltenheit mehr ist, haben wir zumindest während unserer ersten Ausfahrt nicht vermisst.

Für die Eintrittskarte in den „Club 300“ verlangt Jaguar dem Kunden 129.900,- Euro für das Coupé ab, dasCabriolet liegt bei stolzen 138.100,- Euro. Dass der XKR-S damit 23.700,- Euro über dem Preis der XKR-Modelle liegt, dürfte die erlauchte Käuferschicht nicht groß aus der Ruhe bringen – Exklusivität hat nun mal ihren Preis.

Stand: Juni 2012; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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