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Ford Transit Kastenwagen

Alles was Sie wollen. Das ist mal eine Angebotsbreite. Vom kurzen Radstand, mittellangem und langem Radstand über Flachdach, mittelhohem und hohem Dach, normaler und Doppelkabine, ja sogar als Großraumkastenwagen, mit diversen Dieselmotoren von 85 bis 200 PS und sogar als Benziner, mit Front- Heck oder Allradantrieb … es gibt nichts, was es nicht gibt. Und schließlich konnte Ford in den 46 Jahren Erfolgsgeschichte bereits über sechs Millionen Transit bauen. Steigen Sie ein – laden Sie ein, wenn es sein muss bis 14 m³. Wir haben die goldenen Mitte getestet, sowohl was den Radstand als auch die Dachhöhe und die Motorisierung angeht. Nur bei der Ausstattung war fast alles dabei, was man sich so wünscht, bis hin zu Rückfahrkamera, aber die lohnt sich auf jeden Fall.

Ist bei einem richtigen Transporter das Aussehen überhaupt wichtig. Diese Frage muss wohl jeder für sich beantworten, die Frage ob der Transit den persönlichen Geschmack trifft auch. Dabei steht fest, dass sich die Entwickler Mühe gegeben haben, ein nicht nur praktisches sondern auch gefälliges Outfit zu kreieren.

Wobei sich die optische Gestaltung auf die Front konzentriert, wo ein größer Kühler dominiert, flankiert von ebenfalls großen Scheinwerfern zieht er sich über die in dunklem Grau abgesetzte Frontschürze und nimmt dem doch ziemlich großen Fahrzeug etwas seine Massigkeit. Vor allem dem möglichst niedrigen Luftwiderstand dient die schräg stehende Frontscheibe, die mit der Motorhaube und dem weiterführenden Dach eine Linie bildet.

Dann sind auch noch die Unterkanten der Seitenfenster in den Türen schräg gestellt – der Rest wurde soweit irgendwie möglich gerade gezeichnet, um die zur Verfügung stehende Fläche optimal in Stauraum zu verwandeln.

Besonders praktisch sind dabei die seitlichen Schiebetüren (rechts serienmäßig) mit 1.250 mm ausgesprochen groß ausgefallen, ein seitliches Beladen ganzer Paletten ist also auch kein Problem. Die senkrecht stehenden Türgriffe in einer Art Halbschalenklappgriff ist aber sicher nicht die praktischste Lösung, zu schnell ist man bei den Schiebetüren auch mal abgerutscht.

Gerade und natürlich auch bis ganz nach oben ins Hochdach reichen die Hecktüren, die praktisch bis zu 180° geöffnetwerden können, die Stopper bei der normalen 90°-Öffnung sind schnell entriegelt. Auf Wunsch kann auch ein 255° Öffnungswinkel geordert werden, dann legen sich die Türen praktisch an die Seitenwände an. Auch hinten ist die Schürze aus grauem Kunststoff gefertigt und hält so, wie die breiten seitlichen Rammschutzleisten – so manchen Kratzer vom Lack ab.

Unser Testwagen war mit einer Anhängerkupplung ausgestattet, die aber beim Beladen schon mal stört, hier auf jeden Fall auf eine abnehmbare Lösung achten.

Und schon sind wir im Innenraum, und bleiben weil ohnehin das Wichtigste, gleich beim Laderaum. Die Ladekante ist hinten wie an den seitlichen Schiebetüren gut geschützt, aber auch recht hoch, ein Indiz dafür, dass beim Transit mehr die größere Ladung ins Auge gefasst wurde und die Beladung mit einem Gabelstapler denn per Hand funktioniert.

Ein weiterer Aspekt für die Höhe der Ladekante ist der in unserem Testwagen verbaute Allrad-Antrieb, der den Wagen wie auch mit Heckantrieb etwas hochbeiniger dastehen lässt und die Ladekantehöhe auf von rund 60 auf 70 cm anhebt.

Ein Blick in den Laderaum zeigt die ausschließlich praktische Ausrichtung, die Wände sind fast gerade mit einem nur ganz leichten Schwung und nur die Radkästen ragen störend hinein. Um möglichst viel Laderaum zu bekommen, wurde die Trennwand zur Fahrerkabine hin oben um fast 20 cm ausgebuchtet, damit die Insassen Platz für die Köpfe haben, so kann im unteren Teil die maximale Ladelänge von 2,949 mm genutzt werden. Aber auch hier haben Sie die Wahl zwischen drei unterschiedlichen Trennwänden. Die Breite variiert von 1.390 mm zwischen den Radkästen bis 1.762 mm und die nutzbare Höhe bei unserem Mittelhochdach-Transit beträgt 1.645 mm. Damit schafft der Ford ein maximales Stauvolumen von 8,3 m³ Kein Wunder, dass die Zuladung von 1.417 kg auch dringend nötig ist. Hier schafft der Allradler allerdings mit 1.337 kg etwas weniger.

Beide dürfen 2.800 kg an den Haken nehmen. Im Laderaum sorgen neben acht Verzurrösen auch Schienen an der Seite für zusätzliche Ladungssicherung, oder Sie interessieren sich für die Express- oder Service-Line, dann bekommen Sie auch maßgeschneiderte Lösungen für Werkzeug und Co.

Kommen wir also nach vorne, und spätestens jetzt wird jedem bewusst, wie groß und auchwie hoch der Transit ist. Es geht ziemlich weit rauf, kleinere Menschen haben da schon ihre liebe Mühe die Fahrerkabine zu erreichen.

Und die präsentiert sich dann in Hell-/Dunkelgrau ganz schön aufgelockert und optisch ansprechend. Vor allem das schicke Lederlenkrad mit den Aluapplikationen, das wir so auch aus zahlreichen Ford Pkw kennen weiß zu gefallen, leider sind die Schalter darin nicht beleuchtet und auch mit der Verstellung ist es nicht weit her – um nicht zu sagen Fehlanzeige?!

Bevor wir es vergessen zu erwähnen, so manches in unserem Pressetestwagen war hier als Extra eingebaut, meist ungeheuer nützlich zwar, aber wie gesagt nur gegen Aufpreis zu haben. Interessierte sollten sicherheitshalber einen ausführlichen Blick in die Ausstattungs- und Zubehörlisten werfen.

Wir werfen erst mal einen Blick in die Außenspiegel. Die sind wie es sich für ein großes Fahrzeug gehört zweigeteilt mit einem unteren Bereich, der dem Toten Winkel ebenso den Schrecken nimmt wie dem übersehenen Radfahrer oder Fußgänger neben dem Auto. Natürlich gibt es diesen Spiegel auf beiden Seiten. Der nächste Blick fällt auf den Rückspiegel, der fehlt aber, hätte bei geschlossener Ladekabine ohne Fenster auch keinen Zweck.

Aber da ist doch was!? Klar, unser Testwagen hatte hier einen Monitor, auf den das Bild einer Rückfahrkamera projiziert wird, mit der sich der lange Kasten auf den Zentimeter genau rangieren lässt – eine ganz feine Sache.

Was gibt es noch? In der Mittelkonsole war ein feines Navi mit großem Monitor verbaut. Es lässt sich ganz intuitiv bedienen, führte uns stets gut, wenn auch nicht immer über den kürzesten Weg ans Ziel. Soviel Moderne hätten wir jetzt gar nicht im Transit erwartet, der Rest ist dann auch entsprechend einfach aber praktisch gestrickt. Die Bedienung funktioniert ebenso einfach, die Ablesbarkeit der Instrumente ist tadellos, warum der Tacho aber bis 220 km/h reicht? – Na es gibt den Transit ja auch mit 200 PS für ganz eilige Transporte.

Der Schalthebel ist griffgünstig am Armaturenbrett angeflanscht, erst nach längerem Suchen findet man dagegen den Schalter für die Sitzheizung vorne ganz unten an Sitz. Die Sitze selbst sind groß dimensioniert und straff gepolstert, da hält man auch längere Strecken gut aus. Für den Fahrer gibt es neben denüblichen Verstellmöglichkeiten auch eine Luftpumpe für die Lordosenstütze. Der gebotene Seitenhalt ist aber eher mäßig, zum besseren Komfort haben beide Sitze zur Mitte hin eine klappbare Armlehne.

Für Fahrer und Beifahrer sind reichlich Ablagen, Fächer und Getränkehalter verbaut, sogar für ganz große 2-L-Flachen. Und über dem großen Monitor ist ein Klapptisch montiert, darunter ein flaches Fach für eine DIN A4-Mappe. Das belegte Brötchen rutscht hier aber haltlos weg. Für noch mehr Reiseutensilien ist über der Frontscheibe ein weiteres großes Fach montiert.

Die Instrumenteneinheit besteht aus zwei großen und zwei kleinen Rundinstrumenten im sachlich-modernen Look, dazwischen eine Digitalanzeige für den Bordcomputer, der neben Verbrauch und Reichweite etc. auch die Außentemperatur anzeigte. Wird die – im Winter keine Seltenheit – zu niedrig, nervt diese Temperaturanzeige durch ständige Wiederkehr trotz wiederholtem Wegschalten so lange, bis man konstant auf Außentemperatur stellt – Reichweite ade!

Wie viel Komfort braucht ein Arbeitsgerät? Arbeit muss keinen Spaß machen, so kann man auf Komfort verzichten. Na so schlimm ist es im Transit bei weitem nicht, auch wenn das Fahrwerk tendenziell härter ausgelegt ist um dem Transporter auch das Transportieren schwerer Ladung zu ermöglichen.

Und auch wenn der Transit nun echt kein Rennwagen sein soll, kann man recht flott mit ihm um die Ecken, allerdings wird das Heck schnell unruhig, die Karosserieneigung bleibt aber sehr gering. Dafür poltern Schlaglöcher deutlich nach innen und bei Querrillen kann es vorkommen, dass die Insassen förmlich auf ihren Sitzen zu hüpfen beginnen.

Insgesamt wird der Fahrkomfort mit zunehmender Beladung besser. Wer gerne mal flott fährt, sollte sich bei der ansonsten angenehm leichtgängigen und ein gutes Gefühl für die Straße vermittelnden Lenkung auf hohe Kräfte bei der Rückstellung auf Geradeaus einstellen.

Sehr gut macht sich der Transit auf langen Autobahnetappen, der Geradeauslauf ist prima, allerdings wird der Motor bei höherem Tempo ziemlich laut. Treten starke Seitenwinde auf, so bekommt das der Fahrer natürlich sofort zu spüren, bei der Größe der Seitenwände kein Wunder.

Die Bremsanlage ist im Alltag fein zu dosieren und die Bremsscheiben vorne und hinten sprechen gutan. Bei einer Vollbremsung taucht der Wagen vorne nur wenig ein, auch auf schlechten Straßen bleibt der Transit sauber in der Spur. ESP und ABS sind serienmäßig an Bord, hilfreich auch die Berganfahrhilfe.

Wie war das mit den Extras? Unser Testwagen war sogar mit einer beheizbaren Frontscheibe ausgestattet. Der Nachteil: sobald man die winzigen Drähte mal gesehen hat, stören sie den Blick, vor allem bei Nässe in der Nacht, dann können die Lichter der entgegen kommenden Fahrzeuge auch schon mal blenden.

Unser Testwagen war – wie eingangs bereits erwähnt – mit Allrad-Antrieb ausgestattet, der 2,4 Liter TDCI ist ansonsten auch nur mit Heckantrieb zu haben. Der Allrad kann wenn es sein muss manuell aktiviert werden, oder er wird nur benutzt, wenn er auch gebraucht wird, dann sorgt die Elektronik für die entsprechende Verteilung zwischen Vorder- und Hinterachse. Zu spüren bekommt man das als Fahrer nur wenig, außer natürlich an der stets vorhandenen guten Traktion bei Nässe und auch vor allem bei Schnee und Eis.

Na und wenn das kein Komfort ist: Der Schlüssel ist nicht nur wasserdicht, er lädt sich selbst wieder auf und erspart Ihnen so den lästigen Batteriewechsel.

Was schlägt da für ein Herz unter der kurzen Motorhaube? Klar, ein Diesel (Ford bietet aber auch einen Benziner an) steht für solch ein Fahrzeug weitgehend außer Frage, nur welcher. Ford bietet zahlreiche Antriebe zur Wahl, von 85 PS im 2,2 Liter TDCi bis 200 PS im 3,2 Liter TDCi, unser Testwagen war mit dem 103 kW/ 140 PS starken 2,4 Liter Vierzylinder Diesel bestückt, der sich vor allem beim Kaltstart etwas kernig gibt, dann aber recht leise zu Werke geht.

Zusammen mit den 375 Nm Drehmoment zwischen 2.000 und 2.250 U/min wird der Turbodiesel mit dem Transporter ganz gut fertig, erlaubt es locker, mit dem Verkehr mitzuschwimmen und auf der Autobahn die Topspeed von 152 km/h zu erreichen. Wenn man ihn so fordert, wird der Motor rau und auch laut.

Und mit dem ansonsten guten Mixverbrauch von 8,0 Litern bei sehr verhaltener Fahrweise ist es dann auch Schluss, mindestens 10 Liter sind zu veranschlagen. Ford gibt für den Transit 140 T350 für die Stadt 13,8 Liter, außerorts 8,7 bis 9,6 Liter und im Mix 10,6 bis 11,2 Liter an. Der CO2-Ausstoß liegt dann bei 280 bis 296 g/km. Dank des 103 Liter großen Tanks ist auchwenn Sie es mal eilig haben eine große Reichweite garantiert.

Eine Schaltempfehlung hilft die Fahrweise etwas ökonomischer zu gestalten, zeigte aber nur das Hochschalten an, und das zudem recht früh. Vor allem in der Stadt hätte eine Start-Stopp-Automatik nützlich sein können, ist aber derzeit nicht vorgesehen. Und unverständlich ist die Tatsache, dass es den Dieselpartikelfilter nur auf Wunsch und gegen einen Aufpreis von 600,- Euro gibt, zudem erreicht der Motor nur Euro 4.

Kombiniert war unser 2,4-Liter-Common-Rail-Diesel mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe. Der gut erreichbare Schalthebel gleitet straff geführt auf ausreichend kurzen Wegen durch die Kulisse und leistet sich nur einen kleinen Holperer über die Leerlaufstellung. An sich exakt geführt, kann man sich beim schnellen Zurückschalten z.B. vom sechsten sofort in den vierten Gang schnell mal verhaspeln. Die Abstimmung harmoniert gut mit dem Motor.

Serienmäßig ist der Ford Transit mit einem Fahrerairbag ausgestattet. Auf Wunsch gibt es auch einen Beifahrerairbag und für einige Modelle auch Seitenairbags.

Dazu kommen natürlich die mittlerweile schon ganz normalen Dinge wie Kopfstützen und Dreipunkt-Automatikgurte. Beim Transit Pkw sind dann auch ISOFIX Halterungen an Bord.

Um sich einen Überblick über das Ford Transit-Angebot zu verschaffen, müssen Sie sich schon etwas Zeit nehmen, zu groß ist die Vielfalt an Versionen, Antrieben etc. Hinzu kommen noch die Basis- und Trend-Ausstattung. Und unseren Transit 140/T350 mit Allrad findet man dann auf Anhieb auch nicht in der Preisliste.

Wir haben gesucht und können ihnen vermelden, dass er 4.700 Euro mehr kostet als der mit Heckantrieb. Und hier kostet der Transit 140 T350 (mittlerer Radstand, mittelhohes Dach als 2,4 TDCi mit 140 PS) zwischen 30.150,- und 32.400,- Euro – alle Preise zzgl. MwSt. versteht sich. Bei der von uns gefahrenen Trend Ausstattung gehören dann elektrische Fensterheber, ein Lederlenkrad und -schaltknauf, Tempomat, Klimaanlage, Nebelscheinwerfer sowie Zentralverriegelung zum Serienumfang.

In Sichtpaketen tauchen dann auch elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, beheizbare Frontscheibe, Licht- und Regensensor auf. Und um es zu einem Ende zu bringen: Schauen Sie unbedingt in die Ausstattungs- und Zubehörlisten, die Möglichkeitensind schier endlos und wenn Sie sich für den „Sport“ entschieden, hat ihr Transit nicht nur Rallye-Streifen, sondern auch Sitzbezüge aus Velours, einen verchromten Doppelauspuff, Alu im Ladeboden, Alufelgen …

Stand: Juli 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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