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Fiat 500 TwinAir – Zwei kleine Italiener!

Nach genau 50 Jahren erweckte Fiat den Klassiker „500“ zu neuem Leben und abermals war ein Kultauto geschaffen. Dieser Clou liegt nun drei Jahre zurück und seither feiern die Italiener mit dem kleinen Herzensbrecher ungebrochen große Erfolge. Sogar die Cabrioversion mit dem großen Faltdach, wie auch eine schnelle Abbarth-Variante wurden wieder aufgelegt. Nun folgt der nächste Paukenschlag, der 2-Zylinder-Motor feiert sein Comeback und zwar in keinem geringerem als dem Fiat 500.

TwinAir? Zweizylinder? Ja geht’s noch? Und da war doch mal was? Klar, der Citroën 2CV, besser bekannt als Ente, hatte mal einen Zweizylinder. Der Lauf war rau und unruhig, wer will denn heute so was?

Nun, die Italiener haben bereits des öfteren Ideenreichtum bewiesen und für revolutionäre Antriebstechnologien gesorgt, wie zuletzt im vergangenen Jahr mit der elektrohydraulischen Ventilsteuerung MultiAir. Nachdem wir den TwinAir gefahren sind, sind wir uns sicher, dass es ihnen heute mit dem neuen Zweizylinder-Triebwerk ein weiteres Mal eindrucksvoll gelungen ist. Und das es kein Hirngespinst ist beweisen nicht zuletzt die Entwicklungen, die z.B. auch VW auf diesem Gebiet bereits vorangetrieben hat.

Ein TwinAir-Motor ist dank des Verzichtes auf zwei Zylinder im Vergelichzum konventionellen Vierzylinder kleiner, leichter, sparsamer aber keinesfalls langsamer. Die Bedenken, dass ein Zweizylinder träge ist und rau läuft, müssen wir zugeben, hatten wir zunächst auch. Doch bereits auf den ersten Metern hat uns der kleine Fiat eines besseren belehrt und mit der neuen TwinAir-Technologie völlig begeistert. Der Slogan, weniger ist mehr, trifft hier voll ins Schwarze.

Bei unserer Städtetour durch Berlin fehlte es uns an nichts, im Gegenteil, es war das reinste Vergnügen von Ampel zu Ampel zu sprinten. Wie sich der Motor allerdings abseits der großen Stadt schlägt, auf langen Autobahnetappen oder Alpenpassagen konnten wir allerdings noch nicht erfahren. Da soll er wohl auch nicht hin, denn selbst Fiat sieht das Fahrzeug mit der TwinAir-Motorisierung vor allem in der Stadt zuhause.

Insgesamt hat Fiat drei Versionen der TwinAir-Motoren geplant, die von 65 über 85 bis hin zu 105 Pferdestärken leisten sollen. Den Anfang macht das in wenigen Tagen startende 63 kW / 85 PS starke Aggregat. Der 900 Kubikzentimeter kleine Ottomotor rangiert derzeit zwischen dem 69 PS starken 1.2 Liter und dem 1.4 mit 100 PS.

Während sich jedoch beide Vierzylinder eher träge und drehunwillig präsentieren, wirkt der TwinAir spritzig und vermittelt absoluten Fahrspaß. Gefühlt fährt er dem 100-PS-Bruderohnehin um die Nase und den Messwerten nach kaum hinterher. Elf Sekunden gönnt sich der Kleine gerade mal für den Spurt aus dem Stand bis Tempo 100 und erreicht immerhin eine Geschwindigkeit von 170 km/h.

Die in Relation gesehenen gewaltigen 145 Newtonmeter, die bereits ab 1.900 Touren voll zur Verfügung stehen, sorgen für einen tollen Durchzug und viel Fahrfreude. Nur an die gefühlte Anfahrschwäche muss man sich etwas gewöhnen, die aus dem bald einsetzenden Turbolader und dem damit verbundenen Turboloch resultiert.

Obwohl der 2-Zylinder einerseits enorm drehfreudig ist, lässt er sich auf der anderen Seite aber auch bequem schaltfaul fahren. Nur die Schaltanzeige meinte es ein wenig zu gut und schlug ein derart niedertouriges Fahren vor, dass der Motor vor allem akustisch keine so gute Figur mehr machte. Ansonsten konnte auch hier das Aggregat überraschen und tritt im normalen Fahrbetrieb so gut wie gar nicht hervor, ist absolut laufruhig und vibrationsarm. Wenn voll gefordert, entwickelt es dagegen ein wunderbar kerniges Knurren, was wir als absolut niedlich empfanden und überhaupt nicht störend.

Doch der neue Zweizylinder ist nicht nur agiler, er spart auch erheblich an Emissionen und Sprit. Ist der Motor an das Schaltgetriebe gekoppelt, begnügt er sich mit lediglich 4,1 Litern auf 100 Kilometer underreicht einen CO2-Wert von gerade mal 95 g/km. Das automatisierte Schaltgetriebe „Dualogic“ reduziert diesen um weitere drei Gramm und senkt den Verbrauch nochmals um 0,1 Liter.

Und wer dann doch den Großen an der Ampel Paroli bieten möchte – was dem 500 TwinAir auch ohne große Probleme gelingt – sollte sich lieber mal mit einem Verbrauch von rund sieben Litern anfreunden. Für ständige Beschleunigungs-Orgien in der Stadt …

Das muss aber nicht, denn wenn gewollt kommt bei jeder roten Ampel die Start&Stopp-Automatik zum Einsatz. Sie ist stets serienmäßig verbaut und ermöglicht eine Spritreduzierung von bis zu zwölf Prozent.

Wer jedoch noch mehr einsparen möchte sollte einfach die ECO-Taste betätigen, sie drosselt das maximale Drehmoment auf 100 Nm, reduziert die Leistung auf 42 kW / 57 PS und verändert das Ansprechverhalten des Gaspedals dementsprechend. Zudem wird der City-Modus der Lenkung eingeschaltet, was das ohnehin leichte Manövrieren in die noch so engste Parklücke weiter vereinfacht. Im Fahrbetrieb erinnert der Zweizylinder dann jedoch wieder vielmehr an die trägen Vierzylinder, aber es steht ja jedem frei, die ECO-Taste zu aktivieren.

Wie bei den bisher eingeführten MultiAir-Motoren verzichten die Ingenieure auch bei der neuen TwinAir-Technologie auf konventionelle Nockenwellenund ersetzen diese durch eine elektrohydraulische Betätigung, was eine völlig variable und zylinderselektive Steuerung möglich macht.

Zusätzlich erlaubt diese Technologie den Verzicht auf eine herkömmliche Drosselklappe, die in konventionellen Triebwerken die Befehle des Gaspedals in steigende oder sinkende Drehzahlen umsetzt. Durch diese Maßnahmen und das Downsizing-Prinzip erreicht Fiat einen deutlich niedrigeren Verbrauch sowie Emission und das bei gesteigerter Leistung.

Der 2-Zylinder-TwinAir wird in naher Zukunft auch im neuen Panda, dem Punto Evo sowie im Lancia Ypsilon und sogar dem Alfa Romeo MiTo Einzug halten und somit die kleineren Vierzylinder-Motoren ablösen.

Dieses neue Konzept konzentriert sich dabei allerdings nicht nur auf den Einsatz in reinen Ottomotoren. In Zukunft möchte Fiat diese auch für den Betrieb mit Erdgas CNG sowie in möglichen Hybrid-Fahrzeugen nutzen.

Doch kommen wir wieder zurück zu dem Fiat 500 TwinAir der sowohl als Coupé und Cabriolet angeboten wird. Seien Sie sich jedoch im Klaren, auch wenn Sie die neue TwinAir-Technologie sofort begeistert hat und Sie sich ratz-fatz dafür entschieden haben, bis Sie den Kaufvertrag unterschrieben haben, steht Ihnen noch so einiges bevor, denn einen Fiat 500 hat man nicht einfach mal schnell gekauft.

Schuld daran sind die schiergrenzenlosen Individualisierungsmöglichkeiten, und die beginnen bereits bei den einzelnen gut geschnürten Ausstattungsversionen „Pop“, „Lounge“ und „Sport“ (Limousine vorbehalten) sowie den Exklusivmodellen „byDIESEL“ und reichen bis hin zu unendlichen Features wie exklusive Schlüssel-Cover, Stickern, Design-Sets, Felgen, Farben- und Innenausstattungen, und, und, und.

Etwas näher möchten wir an dieser Stelle noch auf die neue Sonderedition „byDIESEL“ eingehen, die in Kooperation mit dem gleichnamigen italienischen Modelabel entstand. Sie basiert auf der Ausstattung „Lounge“ und ist mit 16-Zoll-Leichtmetallfelgen und stahlfarben lackierten Karosseriedetails bestückt. Drei Exklusivfarben sowie dunkel getönte Heck- und Seitenscheiben setzen diese Variante zudem optisch von den anderen 500ern ab. Im Interieur sorgen Bezüge aus Jeansstoff in „Dark Denim“, gelb abgesetzte Nähte und das DIESEL-Logo für Exklusivität und verwöhnt ein Sportlederlenkrad inkl. Multifunktionstasten und dem Hifi-System „Interscope“ mit 4-Kanal-Verstärker und Subwoofer.

Die Rechnung „Zwei Zylinder weniger = günstiger im Preis“ geht allerdings nicht auf, wie einige vielleicht vermuten. Für diese revolutionäre Technologie mit all ihren Raffinessen verlangt Fiat ihren Preis, auch wenn die Produktioneigentlich günstiger ist. Und so ist im Vergleich zum 16 PS schwächeren 1.2 8V der TwinAir rund 1.600,- Euro teurer, und so liegt der momentane Einstiegspreis des Fiat 500 TwinAir bei 12.900,- Euro.

Stand: September 2010; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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