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Ein gelungener MPV, der Kia Venga

Mit dem Venga, einem Minivan im B-Segment stürzt sich KIA in eine heiß umkämpfte Gruppe. Und besonders die 1,6 Liter Dieselvariante mit 128 PS ist als die stärkste Version des Koreaners mit 19.940,- Euro kein Billigangebot mehr, muss also mit anderen Qualitäten seine Käufer überzeugen. Und da sind dann vor allem das gute Platzangebot auch in Reihe zwei mit der verschiebbarer Rückbank, der einfache Umklappmechanismus und damit ausreichend variable und sehr große Kofferraum mit bis zu 1.341 Litern Ladevolumen, der gute Fahrkomfort, der mit ISG sparsame aber auch mal laut werdende Diesel, das wenn auch etwas hakelige Sechsgang-Getriebe und vor allem die umfangreiche Grundausstattung zu nennen. Auch für Sie der richtige Flitzer?

Der Venga ist ein echter Europäer, wir auch nur in Europa angeboten, und sein Design kann sich gut sehen lassen. Markant ist der chromumrandete Kühler zwischen die großen Scheinwerfer gebettet, die bis weit nach hinten, fast bis an die Windschutzscheibe reichen. Tief nach unten reicht die Frontschürze mit dem zusätzlichen Lufteinlass und den schick integrierten eckigen Nebelscheinwerfern, sie geht nahtlos in die deutlich ausgestellten Radhäuser über, in denen bereits die 16-Zoll-Alus der Version SPIRIT gut aussehen, als MIND sind sogar serienmäßig 17-Zöller montiert.

Dank kurzer Fahrzeugüberhänge vorne wie hinten bleibt dazwischen viel Platz für einen Radstand von über 2,61 Metern. Schon in der ersten Türseite bildet sich eine Schulterlinie aus, die im Heck von den Rückleuchten übernommen wird und den Venga bullig dastehen lässt, für den nötigen Schwung sorgen die im sanften Bogen abfallende Dachlinie und der Aufwärtsbogen der unteren Fensterlinie.

Zur breiten Schulter kommen auch hinten ausgestellte Radläufe, sodass der Venga breit auf dem Asphalt steht und die eigentliche stattliche Höhe geschickt kaschiert. Richtig sportlich gibt sich das Heck vom Dachkantenspoiler über die dynamisch gezeichneten Rückleuchten bis hin zur Heckschürze, die sich schwungvoll aus den Rücklichtern entwickelt und sogar einen Diffusor andeutet.

Bei aller Dynamik in der Optik vergisst der Koreaner aber nicht seinenpraktischen Anspruch, allein bei der Übersichtlichkeit muss man Abstriche hinnehmen, die Front ist nicht einsehbar und trotz kleinem Dreieckfenster macht sich die C-Säule enorm breit, das zusätzliche Dreiecksfenster vorne verbessert die Sicht dagegen sehr. Immerhin ist eine Einparkhilfe hinten serienmäßig, für vorne ist so was aber nicht im Angebot – und schon haben wir einmal mehr vergessen, dass wir in einem Kleinwagen sitzen, wo solche Dinge nicht unbedingt Standard sind.

Keinen Einfluss hatte das dynamische Design auf die Alltagstauglichkeit. Die weit aufschwingende Heckklappe gibt eine sehr schön geschützte, wenn auch nicht sehr niedrige Ladekante frei, die Stoßstange selbst ist gegen Ladekratzer leider ziemlich ungeschützt. Unter dem stabilen Ladeboden steckt ein Zusatzfach mit Unterteilungen und darunter wurde das Notrad verbaut.

Braucht man viel Stauraum, lassen sich die Rücksitzlehnen geteilt vorklappen, dabei geht die Sitzfläche automatisch mit auf Tauchstation. Zurück bleibt eine leicht ansteigende Ladefläche, über der man bis zu 1.341 Liter Ladung unterbringt. Ob man das Gepäck auch über eine Stufe heben muss, hängt davon ab, ob man die obere oder untere Ladebodenhöhe nutzt. Im Normalzustand fasst das Gepäckabteil ab dem unteren Boden 422 Liter – oder stolze 552 Liter. Das hängt ganz davon ab, ob die Lehnen der Rücksitze flach oder steil stehen oder ob die Rücksitze nach vorne geschoben oder in der hinteren Stellung arretiert wurden, ganze 130 mm Spielraum sind hier gegeben.

Und damit sind wir auch schon beim Platz auf den Rücksitzen. Und auch hier hängt der natürlich von der Sitzstellung ab. Ganz vorne, und zumindest der Ein- und Ausstieg wird vor allem im Fußraum doch recht eng. Sitzen kann man dann aber auch noch als 1,80 Meter Mensch hinter einem ebenso großen Fahrer immer noch ganz okay, weil die Sitzlehnen der Vordersitze entsprechend ausgehöhlt sind. Kopfraum hat man ebenfalls reichlich und mit jedem Zentimeter, den man die Rücksitze nach hinten fährt, wächst der Freiraum der Beine bis hin zu fürstlichen Platzverhältnissen.

Kein Grund zum Schwärmen? Schon wieder vergessen, dass der Venga „nur“ rund 4 Meter lang ist? Dafür bietet er weit mehr Raum alsmanch größeres Modell. Und dieses gute Platzangebot setzt sich auch auf den Sitzen in der ersten Reihe fort. Nur für die Verstellung des Sitzes bei geschlossener Tür wird es eng, da sind schmale Arme bei der Bedienung der beiden Hebel für die Längs- und Höhenverstellung und das Drehrad für die Lehne klar im Vorteil.

Vorteil oder nicht – selbst in der niedrigsten Einstellung sitzt man immer erhöht, das will irgendwie nicht so mit der sportlichen Optik zusammenpassen, sorgt aber für besseren Überblick. Die Sitze selbst sind zwar ausreichend groß und straff gepolstert, ja sogar halbwegs gut ausgeformt, trotzdem geht in schnellen Kuren der Seitenhalt etwas verloren und die Unterstützung der Wirbelsäule dürfte besser sein.

Verbessern könnte man sicher auch das zahlreich verwendete Hartplastik. Geht das am Armaturenbrett noch ganz in Ordnung, wirken die drei verschiedenen Plastikversionen in der Türverkleidung doch ein wenig billig. Schade eigentlich, denn ansonsten kann man über das Cockpit nicht meckern. Das beginnt beim schön gestalteten Lenkrad, das in der Version SPIRIT auch schon mit feinem Leder bezogen ist und dessen Fernbedienungstasten rein intuitiv zu bedienen sind.

Und das gilt für alle Bedienelemente, die modern gestaltet und in angenehmer Höhe platziert sind. Gut ablesbar präsentieren sich die modernen, rot beleuchteten Rundinstrumente in ihren Höhlen mit silbergrauer Umrandung wie die Applikation im Lenkrad, und auch rechts und links neben der Mittelkonsole taucht das erfrischende Silbergrau wieder auf.

Erfrischend ist auch die Tatsache, dass das Lenkrad in Höhe und Weite verstellbar ist, nicht unbedingt typisch für einen Kleinwagen. Und die optionale Rückfahrkamera erst recht nicht. Sie zeigt ihr gestochen scharfes Bild im Rückspiegel. Das ist zwar im ersten Moment etwas gewöhnungsbedürftig, spielt dann jedoch seine Vorteile – man hat z.B. auch den Rückspiegel stets im Blick und muss nicht ständig vom Armaturenbrett nach oben und wieder zurück schwenken – voll aus. Für einen kleinen Familien-Van versteht es sich fast von selbst: zahlreiche Ablagen und zwei 12-Volt-Steckdosen sind im Alltag nicht zu unterschätzen.

Der Venga ist ein Europäer, das zeigt sichauch beim Fahrwerk. Statt weich liegt die Betonung auf angenehmer Straffheit. Das passt zur dynamischen Optik und lässt den Wagen wie es die Optik schon vermuten lässt, satt auf der Straße liegen. Ob schnelle Kurven bei hohem Tempo oder eine Vollgasfahrt über die Autobahn, stets liegt der Venga sicher und ruhig, zeigt sich absolut gutmütig mit seinem leichten Untersteuern.

Dazu passt die direkte MDPS-Lenkung. Die elektronisch unterstützte Zahnstangenlenkung hilft nicht nur Kraftstoff zu sparen, sie arbeitet zudem geschwindigkeitsabhängig angenehm leichtgängig beim Rangieren und schön straff bei höherem Tempo und sorgt für ein gutes Gefühl für die Straße. Der Venga lässt sich mit ihr zielgenau und exakt um enge Kehre wie auch um die Pylonen in unserem Slalomtests zirkeln, trotz erhöhter Sitzposition und hohem Fahrzeugaufbau halten sich die Karosserieneigungen in Grenzen und so wieselt der KIA flott um die Ecken, und das auch bei Nässe. Das serienmäßig verbaute ESP greift bei Bedarf hilfreich ein, hält sich meist aber erfreulich zurück.

Auf schlechten Straßen zeigt das Kia-Fahrwerk seine Ausgewogenheit und bügelt die meisten Fahrbahnunebenheiten sauber weg, sorgt so für einen guten Fahrkomfort. Der wird dann aber von dem bisweilen doch recht laut werdenden Diesel etwas geschmälert. Und wenn man zur Vollbremsung gezwungen ist, geht der ansonsten positive Eindruck auch etwas verloren.

Denn bei einer Notbremsung aus Tempo 100 heraus, die den Venga nach 38 Metern zum Stehen bringt, walkt und schwankt das ganze Auto merklich hin und her, ein Umstand, den wir den Leichtlaufreifen zuschreiben. Das ist aber zu verschmerzen, da die ABS-gesteuerte und mit elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent bestückte Bremsanlage mit Scheibenbremsen vorn (innenbelüftet) und hinten gut zu dosieren ist und auch schnell anspricht. Ein Nachlassen der Bremsleistung bei Dauerbelastung ist dem KIA fremd.

Hatten wir während der Präsentation unser Augenmerk auf die beiden 1,4-Liter Einstiegsmotoren als Benziner und Diesel gelegt, hatten wir unseren Testwagen in der stärkeren 1,6 Liter Dieselvariante bestellt. Die holt aus den vier Zylindern, die in Reihe angeordnet und vorne quer eingebaut sind, 94kW/128 PS bei 4.000 U/min und stellt ein maximales Drehmoment von 260 Nm zwischen 1.900 und 2.750 U/min zur Verfügung.

Das Aggregat springt spontan an, gibt sich dabei aber durchaus als Diesel zu erkennen. Ohne Anfahrschwäche kommt der 1,6 CRDi Common-Rail-Diesel-Direkteinspritzer sofort zur Sache, geht aus dem Stand ordentlich los und zieht konstant, wenn auch im gesamten eher moderat hoch. Aber vielleicht setzt man wegen der sportlichen Optik die Erwartungen einfach nur höher an, die reinen Messwerte sprechen eine durchaus erfreuliche Sprache.

So geht der Venga 1.6 CRDi in 11,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, bringt dabei seine Power sehr ordentlich über die Vorderräder auf den Boden und wird bei Bedarf 182 km/h schnell. Nach 6,8 Sekunden hat er beim Tritt aufs Gas im dritten Gang aus 60 Tempo 100 gemacht, im fünften Gang vergehen 11,9 Sekunden, bis aus 80 km/h Tempo 120 werden.

Die sehr ordentlichen Durchzugswerte verdankt der Venga unter anderem auch dem schön auf den Motor abgestimmten Sechsgang-Schaltgetriebe, dass serienmäßig verbaut ist. Mit ihm ist man praktisch in jeder Situation im richtigen Gang. Leider war das beim Getriebe unseres Testwagens aber der einzige positive Aspekt, es war schwergängig und richtig hakelig geführt, da hörte man förmlich das Krachen im Getriebe – wir neigen zu der Annahme, dass hier ein Vortester wohl mehr geschadet als getestet hat.

Quasi Sand im Getriebe hatte auch das in unserem Testwagen verbaute ISG, also das Stopp-Start-System. Wobei so richtig erklären konnten wir uns das Problem auch nicht, da es nur in den ersten Tagen auftrat, sich trotz idealer Umfeldbedingungen in totaler Verweigerung zeigte und danach aber völlig ohne Probleme fehlerfrei arbeitete.

Und wenn es das tut, dann wird der ohnehin in Euro 5 eingestufte Motor zum richtigen Saubermann, reduziert die CO2-Emmissionen von ohnehin schon niedrigen 129 auf 119 g/km. Und auch der Verbrauch geht zurück, und wie. In der Stadt, wo das System natürlich seine Vorzüge am besten ausspielen kann von 5,8 auf 5,2 Liter, außerorts von 4,4 auf 4,2 Liter, die ISG-Modelle sind am Schriftzug „EcoDynamics“ zu erkennen.

Dadurch, dass die CO2-Emissionen unter der Grenze von 120 g/km liegen,ist dieser Venga von der Kraftfahrzeugsteuer befreit, der Mix-Verbrauch von 4,6 Litern auf unserer Normstrecke ist auch ein Wort, zu haben ist das ISG für 300,- Euro Aufpreis, es ist kombiniert mit Leichtlaufreifen und einer Schaltpunktanzeige, die ist aber auch bei allen anderen Modellen Serie.

Bewegt man den Venga 1.6 CRDi im Bereicht der Richtgeschwindigkeit, also 130, dann zeigen sich nicht nur Wind- und Abrollgeräusche auf einem zufriedenstellenden niedrigen Niveau, auch der Motorsound bleibt dezent im Hintergrund. Das ändert sich bei Vollgasfahrten etwas, der Motor schwingt sich dann zu recht lautem Lauf auf.

Das integrierte Rückhaltesystem SRS (Safety Restraint System) beinhaltet Front- (Beifahrerairbag abschaltbar) und Seitenairbags sowie durchgehende Kopfairbags, höhenverstellbare Sicherheitsgurte inkl. Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer, aktive Kopfstützen, ISOFIX-Halterungen und Befestigungspunkte für Top-Tether-Gurte auf den äußeren Sitzplätzen im Fond.

Schon die Basismodelle ATTRACT und VISION sind gut ausgestattet, beim von uns gefahrenen SPIRIT ist die Grundausstattung wirklich prima. So gehören beim KIA Venga 1.6 CRDi SPIRIT zum Grundpreis von 19.940,- Euro u.a. der Komfortblinker mit Tippfunktion (einmal drücken – dreimal Blinken), 16 Zoll Alufegen, Dieselpartikelfilter, Wärmeschutzverglasung, zweifach verstellbares Lederlenkrad, 2 12-Volt-Steckdosen, höhenverstellbarer Fahrersitz, CD-Radio mit MP3-Funktion, Lenkradfernbedienung, Bluetooth, 6 Lautsprecher und Dachantenne, Bordcomputer, Nebelscheinwerfer, Dämmerungssensor, el. Außenspiegel, Defrostfunktion für die Frontscheibenwischer, Klimaautomatik, el. Fensterheber vorn und hinten, Sitzheizung vorne, Parksensoren hinten, und, und, und.

Da bleibt echt nicht mehr viel für die Aufpreisliste übrig. Die Rückfahrkamera kostet im Sicht-Paket P4 610,- Euro und da sind dann auch ein selbstabblendender Innenspiegel, Tempomat, dunkel getönte Scheiben ab der B-Säule etc. mit dabei. Für 900,- Euro gibt es ein tolles Panorama-Schiebedach und der Metallic-Lack kostet 410,- Euro.

Wem das alles noch nicht reicht, dem sei die Fahrzeuggarantie von sieben Jahren oder 150.000 km ins Gedächtnis gerufen, alle 30.000 km aber leider dochauch wieder alle 12 Monate ist eine Wartung fällig und die Versicherungseinstufungen liegen bei für einen Diesel durchaus günstigen 18 für die Haftpflicht, 19 für die Teil- und 21 für die Vollkasko.

Stand: August 2010; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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