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Der pfiffige Ford Ka

Ach was waren das noch Zeiten, als Klein- und Kleinstwagen langweilig aussahen, innen lieblos gestaltet und mit einfachsten Mitteln zusammengeschustert waren. Der KA war schon immer anders, auch wenn die erste Generation längst nicht jedem gefallen hat. Der neue KA kann natürlich auch nicht jedermanns Geschmack treffen, aber er sieht modern aus, pfiffig, dynamisch und ausgesprochen auffällig. Und so geht es auch innen weiter, mit ungewöhnlichen Formen, einem bunten Materialmix und gut ausgeformten, aber recht knapp geschnittenen Sitzen. Hinten sollten ohnehin keine allzu großen Menschen sitzen und der Kofferraum wird über eine hohe Ladekante mit anschließender großen Stufe erreicht, kann durch Umlegen der Lehnen vergrößert werden, dann bleibt aber erneut eine Stufe zurück. Als Benziner mit 51 kW startet er bei 9.950,- Euro, ist aber auch etwas lahm.

Kinetic Design – so nennt Ford die gestalterische Linie, der zur Zeit alle Modelle aus Köln folgen, auch der KA. Kein Wunder also, dass er mit seinem Vorgänger keinerlei Ähnlichkeiten aufweist. Macht nichts, die neue Optik kann nur gefallen, auch wenn man ihn besonders von vorne schnell mal mit dem Fiesta verwechseln kann.

Auch hier kommen die spitz zulaufenden Scheinwerfer und der große Kühlergrill, der auch das Nummernschild aufnimmt, ebenso zum Einsatz, wie die runden Nebelscheinwerfer in der weit nach unten reichenden Frontschürze. Markant sind die Radhäuser ausgestellt und zwei Sicken betonen die ansteigende Gürtellinie.

Das stark geschwungene Dach sorgt für viel Dynamik, dass das auch Nachteile mit sich bringt, zeigt sich spätestens beim Platznehmen auf der Rückbank. Aber es harmoniert gut mit dem leicht schräg stehenden Heck, bei dem die ebenfalls spitz auslaufenden Rückleuchten vor allem mit den runden Einsätzen dem KA ein eigenständigesAuftreten bescheren.

Von hinten fällt auch am ehesten auf, dass der kleine Kölner recht hoch und etwas schmal geraten ist, die mächtige Schürze sorgt aber auch hier für einen sportlichen Abschluss. Ein bisschen lieblos schaut da der halbe Topf nebst Minirohr des Auspuffs drunter hervor.

Schon von außen sieht man, dass sich das Cockpit des neuen KA deutlich aus der breiten Masse abhebt. Weiße Einsätze über die gesamte Mittelkonsole, an den Lenkradspeichen, als Gehäuseeinfassung der Instrumenteneinheit und an den Haltegriffen in den Türen sorgen in Verbindung mit den sternförmigen Einsätzen in den runden Lüftungsdüsen für Blickfänge.

Dabei fällt erst auf den zweiten Blick auf, dass die Haltegriffe die Form der Mittelkonsole wieder aufnehmen, wenn man diese von der Seite betrachtet. An ihrem unteren Ende trägt sie den Schalthebel, der damit gut zu greifen ist.

Das gilt nicht für alle Bedienelement, vor allem die Audioeinheit sammelt mit ihren teils winzigen Tasten nicht unbedingt Pluspunkte, da ist es gut zu wissen, dass unser Testwagen über gut beleuchtete Tasten im Lenkrad zur Fernbedienung verfügte, auch alles andere war gut beleuchtet und alle anderen Tasten waren nicht nur modern gestaltet sondern auch einfach zu handhaben, sobald man sich mit Ihnen vertraut gemacht hat, die runden Instrumente waren gut ablesbar, dem Drehzahlmesser fehlte aber der rote Bereich.

Unterschiedliche Grautöne der Innenverkleidung sorgen für reichlich Abwechslung, allerdings dürfte dem einen oder anderen das Cockpit auch etwas zu unruhig erscheinen. Nachteilig war für uns die Tatsache, dass das Radio nur mit eingeschalteter Zündung läuft (ebenso die elektrischen Fensterheber) und die Schalter für die elektrische Spiegelverstellung für unseren Geschmack etwas zu weit nach vorne gerückt sind. Und die Schalter für die Sitzheizung sind weit unten am Sitz nichtgerade optimal angebracht, einen dicken Pluspunkt bekommt der kleine KA aber schon allein dafür, dass er eine Sitzheizung hat.

Lebhaft gestaltet präsentieren sich auch die straff gepolsterten Sitze, die vor allem mit ihrer guten Ausformung den sportlichen Auftritt des KA unterstreichen, allerdings sind sie recht eng geschnitten. Ein weiterer Nachteil ergibt sich vor allem durch die Tatsache, dass das Lenkrad nur in der Höhe verstellbar ist. Und somit bei passender Entfernung zu den Pedalen für die Arme oft zu weit weg steht.

Ansonsten ist vorne bis hin zur Kopffreiheit ausreichend Platz auch für große Passagiere gegeben, auf der Rückbank sieht das dann aber schon anders aus. Zwar fährt der Sitz weit genug nach vorne und merkt sich auch die ursprüngliche Stellung, aber spätestens als 1,80 m Mensch ist hinter einem ebenso großen Fahrer Schluss. Dann stoßen die Knie in den Rücken des vorne sitzenden, der Kopf stößt am Dach an, die seitlichen Dachholme sind ebenfalls sehr nah am Kopf und die Kopfstützen sind dann auch nicht weit genug ausziehbar, zudem steht die Rücksitzlehne sehr steil.

Kommen wir also ganz nach hinten und werfen wir einen Blick in den Kofferraum. Solange wir nur reinschauen ist alles okay, die 224 Liter Ladevolumen gehen für einen Kleinstwagen in Ordnung, aber schon hierbei müssen wir feststellen, dass sich die Heckklappe nur mit dem Schlüssel öffnen lässt und wenn wir Gepäckstücke einladen stellen wir schnell fest, dass die Ladekante recht hoch ist und danach wieder eine tiefe Stufe nach unten überwunden werden muss.

Natürlich sind die 224 Liter schnell erschöpft, da freut man sich über die einfache Möglichkeit, die Rücksitzlehnen nach vorne zu klappen, dann stehen bis zu 710 Liter zur Verfügung, jedoch stört eine gut 10 cm hohe Stufe im Boden und die Blechrückwand der Sitze ist ziemlich rutschig. Unter dem Kofferraumbodenhat Ford reichlich Platz verschenkt und das wenige Werkzeug verstaut, im Fahrgastraum sind nur wenige Ablagen verteilt.

Sein Haupteinsatzgebiet ist zweifellos die Stadt, und hierfür ist er fast schon erstaunlich straff abgestimmt. Das führt dann auch dazu, dass er auf Querrillen schnell mal unruhig wird, hier macht sich natürlich auch der kurze Radstand bemerkbar.

Es bleibt aber nicht aus, dass man mit dem Stadtflitzer auch mal auf die Landstraße kommt, und hier sorgt das straffe Fahrwerk für eine gute Straßenlage, die angenehm straffe Lenkung sorgt für einen guten Fahrbahnkontakt und so geht es öfter mal richtig flott um die Ecken, und auch hier macht der KA eine sehr gute Figur. Er untersteuert nur wenig und bei Annäherung an den Grenzbereich wird daraus ein Übersteuern.

Alles kein Problem, wenn da nur nicht diese elektronische Fahrhilfe wäre, die sich leider nicht ausschalten ließ und dem Fahrer durch einen vehementen Eingriff den Spaß am schnellen Slalom nimmt, mit extremen Rubbeln an der Vorderachse macht sich ihr Arbeiten negativ bemerkbar – warum eigentlich, der KA zeigt zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Schwäche.

Kommt man auf die Autobahn, stellt man schnell fest, dass der KA sogar bei Tempo 180 noch satt und ruhig auf der Straße liegt, solch ein Tempo schafft man aber nur bergab.

Die serienmäßig verbauten Scheibenbremsen vorn werden an der Hinterachse von Trommelbremsen unterstützt, sie werden über ABS angesteuert und durch eine elektronische Bremskraftverteilung geregelt. Sie lassen sich fein dosieren und sprechen schnell an, packen bei Bedarf fest zu. So fest, dass sich der KA bei einer Vollbremsung hinten sehr stark anhebt, trotzdem bleibt er spurtreu und steht aus Tempo 100 nach nicht mal 38 Metern.

Zwei Motorisierungen werden derzeit für den KA angeboten, neben dem 1,3 Liter Diesel mit 75 PS auch ein 1,2 Liter Benziner mit 69 PS.Der Vierzylinder entwickelt seine 51 kW bei 5.500 U/min und stellt bei 3.000 Touren sein maximales Drehmoment von 102 Nm zur Verfügung. Um in seiner angestammten Heimat – der Stadt – mitzuhalten, reicht das vollkommen aus, außerhalb davon wirkt er aber meist gequält.

Und er wird laut, sobald man ihn fordert – und das muss man um mal flotter voranzukommen ständig – wird der mit Superkraftstoff angetriebene Motor laut. Jenseits der 140 km/h wird er nur noch langsam schneller, die Topspeed ist mit 159 km/h angegeben, der Tacho eilt dann schon etwas voraus, bergab kommt die Tachonadel auch bis 180, dann wird es im KA aber sehr laut.

Der Dieselbruder ist aber auch nicht viel schneller, er schafft 161 Spitze, beide gehen in 13,1 Sekunden von Null auf Hundert, der Diesel zeigt sich mit seinem höheren Drehmoment vor allem im Durchzug spritziger. Der 1,2 Liter Benziner braucht im dritten Gang 10,4 Sekunden um von 60 auf 100 zu kommen, im fünften Gang vergehen lange 23,8 Sekunden um von 80 auf 120 durch zu beschleunigen.

Reizt man den Kleinen ständig aus, kommt man mit den 5,8 Litern Mixverbrauch, die wir im Rahmen unserer Messstrecke ermittelt haben, nicht aus, ein zurückhaltender Gasfuß und etwas vorausschauendes Fahren kann die von Ford angegebenen 4,4 Liter außerorts auch noch unterbieten. Dazu sollte man dann früher mit dem in guter Reichweite liegenden Schalthebel an der Mittelkonsole einen Gang rauf schalten. Das geht, wenn auch mit einem spürbaren Holperer über die Leerlaufstellung, auf ausreichend kurzen Wegen und mit einer guten Führung super leicht.

Die Abstimmung des serienmäßigen Fünfgang-Schaltgetriebes passt ganz gut zum KA, die unteren Gänge sind kurz genug übersetzt, um in der Stadt flott mitschwimmen zu können, vor allem der Fünfte Gang ist für längere Autobahnpassagen entsprechend lang übersetzt, kann aber auch nicht verhindern, dassder Motor bei Vollgas sehr laut wird.

In Sachen Sicherheit ist der KA zwar kein Paradebeispiel, mit serienmäßigen Front- und Seitenairbags und Kopf-Schulter-Airbags als optionale Sonderausstattung ist er nicht schlecht aufgestellt. Hinzu kommen noch eine Beifahrer-Airbag-Deaktivierung, Dreipunktsicherheitsgurte mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern vorne, ISOFIX zur besseren Kindersitzmontage, eine automatische Benzinzufuhr-Unterbrechung sowie die Sicherheitspedalerie.

Wir haben es schon im Vorspann erwähnt, der KA startet mit dem 1,2-Liter-Motor mit 69 PS bei 9.950,- Euro in der Ausstattungsvariante Trend. In dieser Version sind aber einige Extras (wie z.B. die Kopf-Schulter-Airbags oder das ESP) nicht zu haben.

Dazu sollte man auf den Titanium zurückgreifen, der ab 11.150,- Euro zu haben ist. Dann sind neben dem ABS, dem Bordcomputer, Drehzahlmesser, höhenverstellbarem Fahrersitz und Lenkrad, geteilt umklappbarer Rücksitzlehen (50 : 50), elektrischer Servolenkung, getönter Wärmeschutzverglasung und 14 Zoll Stahlrädern einige weitere Ausstattungsdetails serienmäßig.

So sind die Stahlfelgen 15 Zoll groß, es gibt eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung, Fußmatten vorne und hinten, Abblendlicht mit „Begrüßungsfunktion“, Fensterheber vorn elektrisch, Dekor Perle statt China-Weiß, die Außenspiegel sind wie die Türgriffe in Wagenfarbe lackiert und lassen sich elektrisch verstellen und beheizen.

Alles Weitere ist über Sonderausstattungen zu machen, so kann z.B. mit dem Ford Individual Styling-Paket für 370,- bzw. 750,- Euro ein noch frischeres Interieur mit roten oder weißen Akzenten geschaffen werden, eine Lederpolsterung für 1.150,- Euro geordert werden oder eine Sonderlackierung für 135,- bis 700,- Euro oder ein Panorama-Glasdach, Leichtmetallräder, Dachspoiler etc. aus der Ausstattungsliste ausgesucht werden.

Und es besteht dieMöglichkeit, mit Zierstreifen, Aufklebern fürs Dach oder die Kotflügel usw. den KA optisch noch sportlicher zu machen. Wer will kann auch die zweijährige Ford-Garantie auf bis zu fünf Jahre verlängern.

Stand: Dezember 2009, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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