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Daihatsu

Der open Copen von Daihatsu

Und es geht doch. Obwohl der Vorgänger mit seiner Rechtslenkung ein wirklich einmaliges Auto war, konnten sich bei uns doch nur wenige für dieses Auto erwärmen. Ob das jetzt, wo das Lenkrad typisch Deutsch nach links gerutscht ist besser wird, muss sich zeigen. Eine spürbare Kraftspritze hat er auch bekommen, und damit auch einen Heckspoiler, der die dank 87 PS möglichen 180 km/h sicher macht. Geblieben ist die knuffige Optik, die Enge und die Null-Federung, die geilen Kurvenkünste, das versenkbare Aludach, die geringe Verwindungssteifigkeit und der Preis von 17.200,- Euro.

Bei seinem Debüt hieß es, eine Umrüstung auf Linkslenkung lohne sich nicht. Nachdem die Verkaufszahlen hinter den Erwartungen zurückblieben, hat man sich jetzt doch für die Umstellung entschieden. Auf die Optik hat das kaum einen Einfluss, außer dass sich jetzt niemand mehr erstaunt umdreht, weil keiner am „vermeintlichen“ Steuer sitzt.

Trotzdem gucken noch immer gucken, denn knuffig aussehen tut er schon, und besonders wenn er zwischen anderen Fahrzeugen steht merkt man doch wie klein er ist. Neu ist ein markanter Heckspoiler hinzu gekommen, der aber die Optik hinten fast so stört, wie das Nummernschild vorne. Aber die Mehrleistung hat diesen Anbau einfach erfordert.

Das elektrische Klappdach ist aus Aluminium und hat bei unserem Waschstraßentest etwas Nass nach innen gelassen, nochverbesserungswürdig wäre auch die Verwindungssteifigkeit.

Eine gewisse Sportlichkeit sollten Sie nicht nur im Geiste sondern auch im Körper tragen, denn es geht weit nach unten und besonders hinterm Lenkrad wird der Einstieg eng. Und eng geht es weiter, denn bei 1,80 m Körpergröße muss man sich schon ein wenig vorbeugen, um unterm Dach rausschauen zu können. Sobald das Dach geöffnet ist, gelingen nicht nur der Ein- und Ausstieg besser, auch die Übersichtlichkeit ist dann optimal.

Bei einem so schmalen Auto ist es natürlich auch zum Beifahrer nicht weit, dafür kommt man aber an jeden Schalter bestens ran, und bis auf die eher unglücklich platzierten Bedienelemente für das Dach und die elektrischen Fensterheber ist alles gut sortiert.

Gut ist auch das passende Attribut für die Sitze. Unsere knallroten Ledersitze (600,- € Aufpreis) waren straff gepolstert und auch richtig groß dimensioniert sowie mit gutem Seitenhalt bestückt. Wer noch mehr will, kann für 630,- € auch Recaro-Sportsitze bekommen.

Die Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer sorgt in Zusammenarbeit mit der Klimaanlage für verlängerte Öffnungszeiten, ohnehin halten sich die Luftverwirbelungen und Winde im offenen Copen in Grenzen, das kleine Glas-Windschott leistet hier gute Dienste.

Aus dem Hause MOMO stammt das Sportlederlenkrad, das auch mit Holzapplikation (plus 240,- €) oder mit roten Ledereinsätzen (plus 120,- €) geordert werden kann.Der Rest ist so, wie man es von einem kleinen Japaner erwartet, eher einfach in der Anmutung und Aufmachung, das gilt besonders für die Sonnenblenden.

Chromringe um die Instrumente und ein Chrom-Schaltknauf bringen aber schon etwas Stimmung in den Copen, die aber schnell zur Nebensache wird, sobald man dem kleinen die Sporen gibt.

Ach ja, Kofferraum. Den vergisst man bei diesem Auto schnell, und gelegentlich kann man ihn auch ganz vergessen, zumindest wenn man offen fährt. Die dann nämlich übrig bleibenden 14 Liter sind nicht der Rede wert. Zwingen einen starker Frost oder Regen zum Geschlossen-Fahren, hat man plötzlich üppige 210 Liter Ladevolumen zur Verfügung, und durch den elektrischen Dachmechanismus braucht man den Kofferraumdeckel nur anlehnen und der Copen zieht ihn selbst zu.

Sein Federungskomfort ist nahe Null, solange die Straßen in einem guten Zustand sind, ist das kein Problem, Schlaglöcher treffen aber fast ungefiltert auf Ihre Bandscheibe. Kurven sind direkt mit Ihren Gesichtsmuskeln verbunden, vor allem, wenn andere Verkehrsteilnehmer in vermeintlich sportlichen Fahrzeugen hinter Ihnen sind.

Denn mit dem Copen kann man durch die Kurven räubern, das es eine Freude ist. Trotz der doch eher schmalen Reifen geht er dermaßen zackig und ohne nennenswerte Reaktionen um die Ecken, und selbst ein Reifenquietschen ist ihm kaum zu entlocken. Daran hat das im neuen Copen serienmäßige Sportfahrwerk mitZusatzstreben einen nicht unerheblichen Anteil. Da kann man leicht das fehlende ESP verschmerzen.

Mit dem MOMO-Lenkrad greift man sehr direkt und zielgenau ins Geschehen ein, besonders bei schnellen Richtungswechseln, so wie wir sie im Slalomtest simulieren, verhärtet sie sich aber in der Mittellage.

Nachdem der Copen nur 850 kg auf die Waage bringt, hat die ABS-Bremsanlage mit elektronischer Bremskraftverteilung und Bremskraftverstärker, innenbelüfteten Scheibenbremsen vorne sowie Trommelbremsen hinten keine Mühe.

Bei einer Vollbremsung aus Tempo 100 bis zum Stillstand macht sie zwar mit lautem Rubbeln auf sich aufmerksam, packt aber fest zu und hält den Wagen auch bei unterschiedlicher Fahrbahnbeschaffenheit sicher in der Spur.

Na wenn das mal keine Steigerung ist. Um knapp 28 Prozent hat sich die Leistung des neuen Copen erhöht, von 68 auf jetzt 87 PS / 64 kW. Aus 1.298 cm³, das ist rund doppelt so viel wie beim Vorgänger, holt der Vierzylinder-Motor jetzt 120 Nm bei 4.400 U/min und diese Leistungsspritze spürt man deutlich. Sie piekst wie eine zu dicke Nadel, und das vor allem die anderen Autofahrer, die mit den daraus resultierenden Fahrleistungen nicht rechnen.

So geht es jetzt in nur 9,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, über zwei Sekunden schneller als der Vorgänger, und das liegt nicht nur daran, dass man jetzt wieder wie gewohnt mit der rechten Hand schalten kann.

Und auch die Durchzugswerte sind,wenn auch nicht so gewaltig, besser als beim Vorgänger. Die neue Höchstgeschwindigkeit ist mit 180 km/h erreicht, wobei wir zwischen offen und geschlossen und mit einer oder zwei Personen besetzt fast 20 km/h Unterschied in der Topspeed feststellen konnten. Und spätestens jetzt merkt man, das der Heckspoiler wichtig für den Anpressdruck ist und den Copen besser auf dem Asphalt kleben lässt, wobei eine gewisse „Leichtigkeit“ nicht von der Hand zu weisen ist.

Geblieben ist der kernige Sound, der aus den beiden dicken Auspuffrohren entströmt. Der und der kühle Griff zum Chromschalthebel machen einfach Laune zum Flitzen, zumal die Schaltwege kurz und knackig geführt sind. Nichts desto trotz würden wir uns für den Copen einen sechsten Gang wünschen. Mit geöffnetem Dach entwickelt der Wind eine Lautstärke, dass man das Brüllen des Motors leider gar nicht mehr hört.

Erfreulich ist, dass der stärkere Motor keineswegs einen stärkeren Durst entwickelt und mit 7,7 Liter im Stadtverkehr und 5,0 Litern außerstädtisch rund 0,2 Liter unter dem alten Triebwerk bleibt. Unser Mixverbrauch von 6,0 Litern auf der Normstrecke ist aber nur zu erreichen, wenn man sich zurückhält und nicht an jeder Ampel der erste sein will.

Schön dass sich auch der 1,3 Liter Motor mit bleifreiem Normalbenzin begnügt. Ein „intelligenter“ Kat hilft mit, die Abgasnorm Euro 4 zu erreichen. Daihatsu ist das erste Unternehmen weltweit, das diesen„intelligenten“ Kat einsetzt, der sich selbst regeneriert und somit die Abgase über die gesamte Lebensdauer besser reinigen kann und zudem fast 70% der wertvollen Edelmetalle einspart.

Ganz der Alte ist der Copen in Sachen Sicherheit geblieben. Also können Sie nur auf den Schutz von Frontairbags bauen, die von Gurten mit Straffern und Kraftbegrenzern unterstützt werden. Mehr Airbag hat scheinbar im kleinen Copen keinen Platz und wäre bei einem Überschlag und gleichzeitiger Auslösung nöglicherweise auch zu gefährlich.

Hinter den Sitzen sind schick verchromte Überrollbügel montiert, dazu kommt ein verstärkter Frontscheibenrahmen sowie Seitenaufprallschutz.

Wenn man bedenkt, was allein der neue Motor an Mehr mitbringt, ist der neue bei gleichem Grundpreis billiger als der Alte, aber immer noch zeigen sich die Menschen erstaunt, wenn man die 17.200,- Euro auf die Frage nach dem Preis nennt.

Dafür ist aber vom elektrischen Alu-Falt-Hardtop über die 15 Zoll Alufelgen, Nebelscheinwerfer, verchromten Überrollbügel, el. Außenspiegel, das zweifach verstellbare Lenkrad, el. Fensterheber, Klimaanlage, MOMO-Sportlenkrad, Radiovorbereitung mit Türlautsprechern bis hin zur Zentralverriegelung, Sitzheizung, ABS und dem Sportfahrwerk alles serienmäßig an Bord.

Weil die Sitzheizung schon Serie ist, kosten die roten Ledersitze mit 600,- Euro jetzt 100,- Euro weniger, und für eine Perleffektlackierung müssen Sie 390,- Eurohinblättern.

Mehr Hubraum schraubt natürlich die Kfz-Steuer in die Höhe, die Versicherungseinstufungen sind mit HPF 13, VK 19 und TK 17 gleich geblieben, alle 15.000 km bzw. einmal jährlich ist ein Service fällig.

Stand: Juli 2006, Text und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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