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Der neue Opel Astra auf dem Weg an die Spitze

Der Kampf um die Vorherrschaft in der Kompaktklasse geht mit dem neuen Astra in die nächste Runde. Er hat neben viel Platz und guten Sitzen auch ein gefälliges Interieur zu bieten, bei dem unsere Vorserienmodelle aber noch kleine Schwächen zum Beispiel in der Materialanmutung hatten. Die Motorenpalette ist breit, was wir bislang vermissen ist z.B. eine Stopp-Start-Automatik. Viel Lob erntet der Neue für seine Ideen und Flexibilität im Kofferraum, das Fahrwerk, die Lenkung wie auch die Schaltung und die Bremsen geben sich keine Blöße und vor allem beim Preis kann der Rüsselsheimer gegenüber dem Wolfsburger Boden gut machen.

Mit dem neuen Astra geht Opel in die zehnte Runde (Generation) im Kompaktwagensegment und stellt sich ein weiteres Mal dem bitteren Kampf mit dem VW Golf. Ob er diesen endlich gewinnen kann, wird letztendlich nur der Käufer entscheiden können. Doch eines ist sicher, dieser Astra kommt dem Bestseller so nah wie noch nie und das „goldene Lenkrad“ hat der Rüsselsheimer dieser Tage auch schon gewonnen.

In punkto Größe lässt der Astra mit einem gigantischen Zuwachs von 17 Zentimeter den Golf bereits gehörig im Schatten stehen. Aber Größe ist ja bekanntlich nicht alles! Doch der neue Opel überzeugt außerdem mit seinem dynamischen, modernen und in sich stimmigen Design, die Übernahme einiger Insignia-Attribute hat sich ganz klar gelohnt.

Nur eine Kleinigkeit könnte man der Optik ankreiden, die irgendwie störende Linie an der Motorhaube. Doch die entstand nicht aus irgendeiner schlechten Laune heraus, vielmehr steckt der Gedanke „Sicherheit“ und „Kostenminimierung“ dahinter. Denn der neu konstruierte Stoßfänger erhöht nicht nur den Schutz der Fußgänger sowie Fahrzeuginsassen, sondern reduziert die bei einem Schaden entstehenden Reparaturkosten erheblich und ermöglicht so eine unglaublich niedrige Vollkasko-Einstufung von 13. Was nebenbei bemerkt einer Ersparnis von 600,- Euro im Jahr gegenüber dem Wolfsburger entspricht.

So stellt unserer Meinung nach, der Astra den Golf nicht nur in punkto Größe inden Schatten … doch ob er diesen Vorsprung halten kann?

Bei einem Blick ins Innere wird uns schnell klar, hier hat Opel zwar einen großen Schritt nach vorn gemacht – doch um einen vorbildlichen VW Golf zu schlagen reicht es leider nicht.
Wenn das Interieur auch dank schwungvoller Linienführung frisch und modern und bei weitem nicht so nüchtern wie das des VWs wirkt, muss der Rüsselsheimer ganz klar Abstriche in der Materialauswahl und deren Verarbeitung machen.

Es handelte sich zwar bei den von uns getesteten Fahrzeugen noch um Vorserienmodelle und Besserung wurde bis zum Marktstart im Dezember versprochen, doch ob man dann wirklich den sehr hohen Golf-Standard erreichen wird wagen wir zu bezweifeln.

Doch schauen wir uns das Ganze mal genauer an. Die fließenden Linien von den Türgriffen bis hin zu den Armaturen sorgen für eine stimmige Atmosphäre, die zudem in ein angenehm rotes Licht gehüllt ist. Große silberne Applikationen und chromumrandete Instrumente zeugen von einem guten Ansatz, doch gerade die Kunststoffe stellen derzeit noch eine eher billige Lösung dar.

Wandert unser Blick direkt auf die Mittelkonsole blicken wir auf zahlreiche Schalter – dem ein oder anderen dürften das zu viele sein – die aber groß ausgeführt und gut erreichbar sind. Für die intuitive Bedienung benötigt es allerdings eine längere Eingewöhnungsphase. Hier wäre ganz klar weniger mehr.

Das Sitzangebot der Rüsselsheimer ist dagegen 1a. Bereits das serienmäßige Gestühl bietet trotz fehlender Lordosenstütze und dem nicht in der Höhe verstellbaren Beifahrersitz guten Sitzkomfort. Wenn Sie Ihrem Rücken jedoch wirklich etwas gutes tun wollen, ordern Sie die AGRzertifizierten Ergonomiesitze.

Optimal in der Größe dimensioniert und wunderbar ausgeformt bietet er mit seinen 18 Verstellmöglichkeiten jeder Statur die optimale Voraussetzung für rückengerechtes Sitzen und lädt wahrlich zum Verweilen ein. Vertikal und axial verstellbar, rundet das gut in der Hand liegende Lenkrad den Gesamtkomfort ab.

Ebenfalls erfreulich ist das Raumgefühl, gerade in der ersten Reihe, was nicht zuletzt der weitvorgezogenen Windschutzscheibe zu verdanken ist. Mit der Übersichtlichkeit und der Rundumsicht ist es allerdings weniger gut bestellt, gerade die C-Säule ist extrem breit geraten.

Doch zurück zum Platzangebot, auch im Fond können wir es uns als großgewachsener bequem machen, zumindest auf den zwei äußeren Plätzen. Trotz eines als Fünfsitzer beworbenen Modells geht wohl auch Opel selbst von einem viersitzigen Astra aus, oder wie erklären wir uns die fehlende dritte Kopfstütze?

In punkto Ablagen macht der neuesten Astra-Generation so schnell keiner was vor, mit Vorrichtungen für 1,5 Liter-Flaschen, Vorrichtungen für die unterschiedlichsten Dinge in Form der multifunktionalen Mittelkonsole, einem Mini-Handschuhfach oder ein Schubfach unter dem Beifahrersitz sowie weiteren Ablagemöglichkeiten ist er bestens für den Alltag gewappnet. Ein weiteres gegen Aufpreis erhältliches Innenraumpaket bringt eine Durchlademöglichkeit, eine Armlehne und zwei zusätzliche Cup-Holder im Fond mit sich.

Im Bereich Kofferraum bietet der Neue mit 370 bis 1.235 Liter zwar etwas weniger als sein Vorgänger, aber bleibt dennoch auf Golf-Niveau und zeigt mit dem optionalen Flex-Floor-Sytem Einfallsreichtum und ermöglicht Flexibilität.

Der in drei verschiedenen Höhen justierbare Einlegeboden stellt in der untersten Position das Ladevolumen von 370 Liter zur Verfügung und schafft einen zusätzlichen Stauraum von 126 Liter unter dem Gepäckraumboden. In der mittleren Stellung schafft der Boden nach Umlegen der Rücksitze eine ebene Ladefläche und in der obersten Stufe verschwindet fast vollständig die Ladeschwelle. Zudem kann der flexible Einlegeboden als Gepäckabteiltrennung genutzt werden.

Bereits aus dem Hause Opel bekannt ist das optionale FlexFix-System. Es bietet die Möglichkeit, zwei Fahrräder zu transportieren und das ohne eine lästige Montage eines Trägersystems. Statt die Fahrräder mit Mühe auf das Dach zu heben, ziehen Sie hier nur das System wie eine Schublade aus dem hinteren Stoßfänger und können nun die Fahrräder befestigen. Wird der Träger nicht mehr benötigt, verschwindet er auf gleichem Wegewieder und stört damit nicht die Optik des Fahrzeugs.

Schon bisher hat Opel auf eine Verbundlenkerachse gesetzt und bei dieser Achskonstruktion bleibt es auch beim neuen Astra. Allerdings wurde sie um ein Watt-Gestänge ergänzt. Was das ist? Hierbei handelt es sich um zwei Führungsstäbe die an ein schwenkbares Ausgleichstück quer zur Fahrtrichtung an den Enden mit der Karosserie verbunden sind. So werden die auftretenden Querkräfte direkt aufgenommen und von der Hinterachse abgehalten.

Mit dieser Lösung ist Opel ein enorm großer Schritt gelungen und bietet nun dem größten Konkurrent aus Wolfsburg ordentlich die Stirn. Das Fahrwerk verleiht richtigen Fahrspaß und bietet in jeder Situation den optimalen Background. Sind sie gerade mal bei sportlicher Laune, lässt er sich spielerisch und mit hohen Kurvengeschwindigkeiten sicher durch enge Kehren heizen. Bleibt aber andererseits auch auf schlecht ausgebauten Straßen vorbildlich komfortabel.

Das optionale FlexRide-Fahrwerk setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf. Hier passen sich die Stoßdämpfer automatisch den Fahrbedingungen an. Je nach Bedarf, können die Einstellungen auch mittels Knopfdruck verändert werden. Hier stehen die Programme „Sport“ und „Tour“ zur Wahl.

Neben der Feder/Dämpfer-Abstimmung sowie Lenkung- und Gasannahme-Beeinflussung ist der Modi-Wechsel auch optisch sichtbar. Die Instrumentenbeleuchtung wechselt jeweils von weiß auf rot. Außerdem verrichtet die elektronische Stabilitätskontrolle ESC inkl. der Traktionskontrolle TC, sowie die Kurvenbremskontrolle CBC, die Kurventraktionskontrolle CTC, die elektronische Schleppmomentregelung EDC, der Bremsassistent BAS, der hydraulische Fading-Assistent HBFA und das Anhänger-Stabilitätsprogramm TSA im neuen Astra ihre Arbeit.

Wie der Opel Insignia ist auch der neue Astra auf Wunsch mit der elektrischen Parkbremse
erhältlich. Sie löst sich automatisch mit dem Anfahren des Wagens und verfügt über einen Berganfahrassistenten.

Das Zweikreis-Bremssystem mit innenbelüfteten Scheiben vorn und Massivscheiben hinten, sowie dem Vier-Kanal-ABS inkl. elektronischerBremskraftverteilung vermitteln einem im Alltag wie aber auch in Grenzsituationen ein sicheres Gefühl, die Bremse reagiert schnell und bringt den Kompaktler optimal zum Stehen.

Das Motorenportfolio bietet mit Sicherheit für jeden etwas, die im Grunde bekannte Palette wurde für die Euro-5-Norm fit gemacht und durchgehend im Spritverbrauch gesenkt, trotzdem vermissen wir Innovationen wie neue Antriebsversionen oder ein Stopp-Start-System, was aber in der Zukunft folgen soll.

Wir haben hier und heute den neuen 1.4 Turbobenziner und den Volumendiesel 1.7 CDTi für Sie erfahren. Letzterer ist in den Leistungsstufen 110 PS (260 Nm) oder 125 PS (280 Nm) erhältlich. Beide sind mit einem Partikelfilter bestückt und mit identischen Verbrauchswerten angegeben, was 5,7 Liter Stadt und 4,1 Liter Land bedeutet und einen Durchschnittsverbrauch von 4,7 Liter ergibt.

In der Beschleunigung von Null auf 100 schlägt der 125 PS-Diesel den kleineren mit 11,5 zu 12,6 Sekunden. Seine Höchstgeschwindigkeit ist mit 195 km/h ganze 14 km/h höher ausgelegt. Beide sind ausreichend spritzig und kommen ohne Anfahrschwäche los. Wenn gefordert, treten sie mit einem kernigen aber nicht störenden Motorengeräusch auf.

Der neue 1,4-Liter-Turbobenziner mit 103 kW / 140 PS löst den 1,8-Liter-Saugmotor ab, der bei gleicher Leistung über einen Liter mehr verbraucht hat. So schafft der neue Turbo einen Mixverbrauch von 5,9 Litern.

Die 200 Newtonmeter Drehmoment entfalten sich bei 2.500 Touren und sorgen für guten Vortrieb, zuvor ist ein kleines Turboloch spürbar. Im Gegensatz zu den Dieseln bleibt der Motorsound hier stets sehr zurückhaltend. Dem Benziner gelingt ihm der Sprint von Null auf Hundert in 9,7 Sekunden, die Topspeed ist bei 205 Kilometer pro Stunde erreicht.

Diesel sowie Ottomotor lassen sich über ein serienmäßiges Sechsgang-Getriebe ohne Beanstandung schalten. Eine optionale Sechsgang-Automatik ist außerdem für den Turbo und den stärkeren Diesel erhältlich.

Mit den bereits erwähnten, neu konstruierten Stoßfängern, den Dreipunktgurten rundum inkl. doppelter pyrotechnischer Gurtstraffer vorn, Frontairbags,Seitenairbags, Kopfairbags rundum, aktiven Kopfstützen und Gurtwarnern vorn, dem Pedal Release System PRS (auskuppelnde Pedale beim Aufprall), ESP, ISOFIX, einer Sicherheitslenksäule, Tagfahrlicht, einer Traktionskontrolle, einem Reifendruck-Kontrollsystem sowie dem adaptiven Bremslicht ist der neue Opel Astra gut gerüstet.

Wer möchte kann außerdem das adaptive Fahrlicht AFL+, das mit insgesamt neun verschiedenen Einstellungen in jeder Situation sozusagen den richtigen Durchblick verschafft sowie das Kamerasystem mit Verkehrszeichenerkennung und Spurhalteassistent ordern.

Der fünftürige Astra ist ab sofort bestellbar, offizieller Verkaufsstart ist dann die erste Dezemberwoche. In gut einem Jahr wird eine vielversprechende Kombivariante folgen, ein sportlicher Dreitürer lässt noch bis 2011 auf sich warten. Eine Cabrio- sowie Coupé-Variante sind zudem nicht ausgeschlossen.

Aber zurück zum aktuellen Modell, dessen Einstiegspreis bei 15.900 Euro liegt und somit deutlich unter dem des Erzrivalen VW Golf. Die von uns getesteten Varianten starten bei 19.075,- Euro für den Benziner und 20.150,- Euro für den 110 PS-Diesel. Die 15 PS stärkere Version ist nicht mit der Basisausstattung erhältlich und schlägt so gleich mit 22.990,- Euro zu.

Die von uns genannten Aggregate sind dagegen mit allen Ausstattungen kombinierbar. So nehmen wir an dieser Stelle als konkretes Beispiel den Volumenmotor 1.7 CDTI Ecotec.

Die Variante Selection macht mit den im vorherigen Text genannten Features und elektrisch einstell- und beheizbaren Außenspiegel, elektrischen Fensterhebern vorn und einer Zentralverriegelung mit Fernbedienung den Anfang. Unserem Geschmack nach ist dieses Angebot etwas dünn geschnürt.

Für die 1.500,- Euro teurere Edition-Variante erhalten wir zudem ein Radio mit CD-Funktion, eine Klimaanlage und die Ambiente-Beleuchtung. Bei einem Preis von 23.500,- Euro erhalten wir den Sport und zudem eine Klimaautomatik, Sportsitze, ein perforiertes Sport-Lederlenkrad, einen Tempomat, ein schickes Auspuffendrohr, Aluräder und das Flex-Floor-System.

Wem das zu sportlich ist, der kann auch die Cosmo-Variantezum gleichen Preis wählen mit ähnlicher Ausstattung nur auf Komfort ausgerichtet. Den einzelnen Versionen stehen außerdem diverse Pakete betreffend Optik, Sound, Klima, Komfort, Licht, Sicherheit oder Fahrwerk zur Wahl.

Stand: November 2009, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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